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Am Sonntag, dem 1. Juni 1986
Einführung des Ehepaares Tiedemann und
Verabschiedung des Ehepaares von der Dovenmühle
Predigt in der Blockhauskirche:
Herr Bischof Dr. Sievers
Im Kolosserbrief finden wir im 3. Kapitel das Wort:
"Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht dem Menschen!"
Liebes Ehepaar von der Dovenmühle, liebes Ehepaar Tiedemann, liebe Festgemeinde!
In unserer Oldenburger Kirche hat sich am Anfang dieses Jahres ein nicht unerheblicher Wechsel vollzogen, sodaß wir mit Rücksicht auf Sie, die Gemeinde, die Einführungshandlungen ein wenig entzerren mußten. Nach meiner Einführung Anfang Januar haben wir im März OKR Schrader eingeführt, Ende April haben wir Dr. Laube als Akademieleiter eingeführt und nun heute, liebes Ehepaar Tiedemann, wollen wir Sie einführen.
Und dieses ist uns eine besondere Freude, daß wir nun auch hier damit den Wechsel endgültig vollziehen können, nachdem Sie bereits ja schon eine geraume Zeit hier das Amt praktisch übernommen haben. Der Form nach ist der Heimleiter einzuführen, aber praktisch steht ein Ehepaar in der Heimleitung, denn beide müssen zusammenstehen, und so sind Sie, liebe Frau Tiedemann, genauso mit angesprochen wie Ihr Mann an dem heutigen Tage. Wir wissen, daß die Leitung eines solchen Hauses nur von zwei Menschen - einem Ehepaar, gemeinsam wahrgenommen werden kann, und ich möchte Sie hier ganz herzlich willkommen heißen.
Sie übernehmen eine Aufgabe, die nun schon in 40 Jahren ihre besondere Gestaltung und Prägung erfahren hat. In diesem Zusammenhang darf ich auch Sie, liebes Ehepaar von der Dovenmühle, ansprechen. Der angemessene Dank wird nachher beim anschließenden Empfang aus berufenerem Munde und von denen, mit denen Sie in all den Jahren zusammengearbeitet haben, ausgesprochen werden. Doch ich möchte nicht in der Reihe derer, die Ihnen Dank sagen, fehlen.
Wenn ich auch keine Vorstellung habe von dem, lieber Herr von der Dovenmühle, wie das damals so vor 40 Jahren hier in Ahlhorn gewesen ist, so habe ich zumindest doch schon ein bewußtes Erleben seit dieser Zeit und kann mir in etwa vorstellen, unter welch bescheidenen Verhältnissen und mit welchen Schwierigkeiten Sie damals hier den Anfang haben machen müssen. Aber in Kiel sagt man: Leute von der Marine können alles. Und das hat sich dann offenbar auch hier bewährt - es ist schön zu sehen, daß Sie es können.
Durch Ihre fast 4ojährige Arbeit, die in den letzten Jahren von Ihrer Frau zwar federführend übernommen worden ist, jedenfalls nach außen hin, lnnenverhältnis ist mir nicht bekannt, hat zumindest dann doch hier das Blockhaus Ahlhorn einen Begriff bekommen und ist ein Begriff geworden in der Oldenburgischen Kirche. Viele Generationen von Jugendlichen und auch Erwachsenen verbinden schöne, erlebnisreiche und inhaltsreiche Stunden mit diesem Haus. Sie haben darin einen großen Beitrag zu der Arbeit unserer Kirche geleistet, und das sei Ihnen herzlich gedankt.
Nun hat sich zu Beginn dieses Jahres der Leiterwechsel zu dem Ehepaar Tiedemann vollzogen, und das ist sicher nicht immer ein leichter Vorgang.
Der Bischoff führt das neue Heimleiterehepaar ein
Foto: Walter Mosner
Sie, liebes Ehepaar Tiedemann, übernehmen ein geprägtes Haus und doch ist es selbstverständlich, daß Sie nun Ihre besonderen Fähigkeiten, Gaben und Vorstellungen in die Arbeit einbringen, denn das erwarten wir. Und in sofern ist es dann immer zweierlei: man kommt in etwas Gewachsenes hinein und es gilt dann, dieses doch weiter zu entwickeln und zu gestalten. In Gedanken daran fiel mein Auge auf ein Wort, das wir an jedem Montagmorgen bei der Andacht im Oberkirchenrat hören, nämlich dieses Wort aus dem Kolosserbrief: "Alles was Ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht dem Menschen!"
Alles, was Ihr tut, das tut von Herzen! Im Grunde ist das eine Selbstverständlichkeit, aber es kann uns manchmal nicht schaden, auch Selbstverständlichkeiten zu hören. Und wo immer wir vor allen Dingen unmittelbar mit Menschen zu tun haben und zusammenarbeiten müssen, da kann dieser Dienst nur recht geschehen, wenn er von Herzen kommt. Das gilt für alle sozialen Berufe: für die Erzieher und Pfleger, für die Arzte und Schwestern, für die Pastoren und Lehrer und sicher auch für die Heimeltern. Man kann diese Aufgabe nicht als Job verstehen, sondern man muß mit dem Herzen dabeisein, es muß die persönliche Zuwendung spürbar werden. Das möchte ich Ihnen von Herzen wünschen, daß Sie in diesem Sinne mit dem Herzen bei Ihrer Arbeit sind, daß Sie bemüht sind um Ihre Gäste und nicht weniger um die Mitarbeiter, daß Ihnen auch diese Zuwendung spürbar wird und daß Sie gerne hier in diesem Hause leben.
An diesem Punkt wird nun ein zweiter Halbsatz allerdings wichtig:
Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn!
Macht alles so, als ob Gott Euer Gast wird oder so, als ob in den Gästen Gott selbst Euch begegnet. Und dabei fällt mir eine kleine nette Geschichte ein, die hierher passen könnte.
Als wir mit der EKD-Synode in Travemünde zu Gast waren, waren wir auch an einem Abend von der Schleswig-holsteinischen Landesregierung eingeladen, - das ist so üblich bei EKD-Synoden - und nachdem der Ministerpräsident die Begrüßungsansprache gemacht hatte, antwortete der damalige Ratsvorsitzende Bischof Lohse mit einigem Schmunzeln unter anderem: "Am Ende der Bibel, dort, wo die meisten Leute mit dem Lesen nicht mehr ganz hinkommen, da steht ein schöner Satz: gastfrei zu sein vergesset nicht, denn dadurch haben etliche ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Und Sie können sich sicher vorstellen, - auf dem Hintergrund der EKD-Synode, die bei einer Landesregierung zu Gast war - daß man das mit einigem Schmunzeln quittierte.
Aber es sollte dabei dieser Gedanke nicht verloren gehen, daß Gott oder seine Engel, denn das ist ja das Wort für die Gegenwart Gottes unter uns, daß Gott in der Gestalt von Menschen unter uns ist, und daß wir darum sozusagen in unseren Gästen Gottes Gegenwart sehen. Darin ruht auch ein Stück der Würde des Menschen, daß wir in ihnen Gott sehen dürfen. Darum mögen Sie die Gäste so empfangen, als wenn Gott selbst unser Gast wäre.
Aber dieser Hinweis auf Gott kann auch noch eine andere Seite haben. Tut alles, als ob Ihr es für Gott tut. Das heißt nun auch, macht es so, wie Ihr es vor Gott verantworten könnt. Denn, wenn man mit vielen Menschen zu tun hat, das werden Sie im Blockhaus Ahlhorn immer, dann werden Sie auch den unterschiedlichsten Menschen begegnen, und es sind auch nicht immer die Gäste so, wie der Heimleiter sie sich wünscht. Da gibt es dann auch gelegentlich Anpassungsschwierigkeiten, manchmal vielleicht auch auf beiden Seiten, oder auch übertriebene Wünsche und Forderungen.
Da kann es auch Rücksichtslosigkeiten geben, der Alltag hat eben auch manche Beschwernisse und Unebenheit, und die wollen wir an diesem schönen Festtag dann auch nicht vergessen. Dennoch, tut alles von Herzen als dem Herrn, so wie Ihr es vor Gott verantworten könnt. Damit haben Sie nicht jeden Wunsch der Gäste nachzugeben, und Sie haben nicht immer einfach alles das zu tun, was sie gerade gerne wollen, sondern Sie haben durchaus darauf zu achten, daß die Hausordnung eingehalten wird.
Nicht wahr, das gehört einfach bei solcher Sache dazu, daß Sie auch unter Umständen mal hart durchgreifen, dazu möchte ich Ihnen auch Mut machen. Es ist das große Mißverständnis gerade in der Kirche, daß Liebe immer hieße, überall sanft zu sein und überall nachzugeben. Liebe kann auch gerade und muß auch manchmal hart sein, denn die Härte kann in bestimmten Fällen auch die Barmherzigkeit sein und Nachgiebigkeit, als Liebe bemantelt, nur eine freundliche Umschreibung von Schwäche. Darum: dieses vor Gott verantworten. Und wo alles dies von Herzen vor Gott geschieht, da wird auch in Wahrheit den Menschen gedient. Auch wenn es im Einzelfall gegen seinen Willen und gegen seinen Wunsch geschieht. Das ist der Sinn des letzten Halbsatzes, alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht dem Menschen. Das könnte auf den ersten Blick so scheinen, als ob wir nur Gott im Auge hätten und den Menschen nicht. Aber das ist es ja gerade, was so schwer in die Köpfe der Menschen hineingeht. Je mehr ich mein Verhalten gegenüber den Menschen von meiner Verantwortung gegenüber Gott bestimmen lasse, umso mehr tue ich auch den Menschen Gutes.
Das alte und das neue Heimleiterehepaar
Foto: Walter Mosner
Das ist ein Punkt, den wir uns gerade in einer Zeit der Meinungsumfragen und der sogenannten öffentlichen Meinung immer wieder vergegenwärtigen müssen.
Alles das, was so an öffentlicher und allgemeiner Meinung vorhanden ist, ist sicher ein Signal, das mit Aufmerksamkeit zu beachten ist. Aber es kann nicht der Maßstab meines Handelns werden. Wer immer nur das tut, was man tut, wer immer sich nur danach richtet, was gerade gewünscht wird, was "in" ist, wie man heute so schön sagt, der wird sehr bald zwischen allen verfügbaren Stühlen sitzen und den Menschen am wenigsten dienen. Und er wird sie wenig zufriedenstellen.
Wir haben wohl in unserem Verhalten auf die Menschen zu achten und danach zu trachten, das Rechte und für sie Gute auch zu tun, aber wir haben uns nicht dem Urteil von Menschen abhängig zu machen. Das ist der Hintergrund dieses Wortes.
Jeder weiß, wie schwer das ist. Wir denken gerade auch an Politiker, die auf der einen Seite Linie zeigen sollen und auf der anderen Seite doch immer wieder die Zustimmung der Mehrheit brauchen. Aber es muß darauf ankommen, und es muß das Bemühen eines jeden sein, auch für Überzeugungen, auch für das, was als Recht erkannt ist, mit Sachlichkeit und Nüchternheit und Besonnenheit einzustehen. Vor dieser schwierigen Aufgabe steht ein jeder, der eine Verantwortung übernommen hat, und auch Sie, liebes Ehepaar Tiedemann, werden in dieser Verantwortung und manchmal auch in diesem Konfliktfeld stehen zwischen dem, was nötig ist und dem, was gewünscht wird.
Ich möchte Ihnen dazu eine glückliche Hand wünschen, Entschlossenheit gepaart mit Verbindlichkeit und Freundlichkeit, das Richtige durchzusetzen. Und ich möchte wünschen, daß nicht zu häufig solche Dinge eintreten, sondern daß der Alltag eigentlich auch sehr freundlich und normal verlaufen wird. Gott schenke Ihnen Freude an Ihrer Arbeit in diesem landwirtschaftlich so schön gelegenen Haus, und Gott möge
Ihre Arbeit reichlich segnen.
Amen
Noch sind die Bäume und Sträucher um unsere Kirche nicht ausgewachsen.
Ein Blick, den man auch durch das Kirchenfenster auf den See erleben kann
Foto: Sonja Latusseck
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