Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1986: Blockhausbrief Nr. 30

Inhalt:

Titelseite
Zum Geleit
Es strahlt so schön
Predigt über 1. Korinther 13

1. Juni 1986
Einführung des Ehepaares Tiedemann und Verabschiedung des Ehepaares von der Dovenmühle durch Bischoff Dr. Sievers
Rede Oberkirchenrat Friedrich Ristow
Rede Rolf von der Dovenmühle
Rede Chris Tiedemann
Kirche, wache doch einmal als Ganzes auf

40 Jahre Evangelisches Jugendheim
Arbeitsberichte des Blockhauses Ahlhorn
Von der Übernahme bis 1951
1952 bis 1954
1955 bis 1957
1958 bis 1960
1961 bis 1963
1964 bis 1967
1968 bis 1971
1972 bis 1975
1976 bis 1979
1980 bis 1985
Über Pflanzen und Blumen rund um das Blockhaus
Der erste Küchengarten
 

Als ich mit meiner Frau am 10. Juli 1947 die Leitung des Heimes übernahm, unterschied sich das Aussehen der Blockhaushalbinsel nicht von den umliegenden Wäldern. "Die großen Eichen beim Blockhaus sind Wildwuchs. Habichte und Tauben haben die Eicheln abgeworfen", so erzählte mir Herr Coring, der damals für diesen Teil des Ahlhorner Forstamtes als Revierförster zuständig war. Die Kiefern wurden auch wohl nicht angepflanzt, sondern der Wind hat die Samen aus der Umgebung angeweht. Als Unterholz pflanzte man 1941 Rhododendren. Später während des Krieges pflanzte man am Ufer des Helenensees japanische Kirschen und am Ufer des Sees unterhalb des Kaminzimmers Azaleen.
Nun hat sich die Blockhaushalbinsel, ganz besonders im Frühjahr, in einen blühenden Park verwandelt. Meine Frau hatte das in jahrelanger Arbeit fertiggebracht: Wie sie das gemacht hatte, können wir in dem Bericht: "Über Pflanzen und Blumen rund um das Blockhaus" lesen, der schon einmal 1961 im Blockhausbrief veröffentlicht wurde:


Über Pflanzen und Blumen
rund um das Blockhaus

Olga von der Dovenmühle


Wer heute zum ersten Mal zum Blockhaus fährt, wird kaum merken, daß er aus dem freien Teichgelände plötzlich in einen Park kommt. Anlagen und Pflanzen haben sich einfach dem vorhandenen Wald angleichen müssen. Der Übergang zur freien Natur hat sich von selbst vollzogen. In dem Bemühen um gärtnerische Gestaltung sind uns immer wieder Pflanzen und Sträucher eingegangen, die dort nicht hinpaßten. Wir haben viele gute Ratschläge und manches Lob für gelungene Lösungen oder für besonders schöne Pflanzen zu hören bekommen, mußten aber auch immer wieder kritisch abwägen, was wir für uns gebrauchen konnten.

Zu Anfang standen wir vor der Notwendigkeit, den feinen Sand, der in alle Räume drang, zu bändigen. Besonders stark ausgedörrt war der Boden um das Blockhaus. Bekanntlich ist das gesamte Teichgelände früher eine Heidelandschaft gewesen. Zur Befestigung der Dünen sind Kiefern angepflanzt worden. Auch die schon damals ungefähr zehn Jahre alten, verschiedenen Moorbeetsträucher halfen mit, den Sand zu halten. Drei Jahre dauerte es, bis die Flächen vor dem Hause gleichmäßig grün wurden. Die Sanddünen vor dem alten Haus machten uns in dem trockenen Sommer 1947 sehr zu schaffen. Sie wurden als Böschungen befestigt, in mühevoller Kleinarbeit bepflanzt und immer wieder durch spielende Kinder und Jugendliche zerstört. Auch am Kinderheim wurde der Abhang zur Terrasse ausgebaut, um den Sand zu halten. Beim Bau des Gästehauses mußte eine steile, sandige Böschung abgefangen werden. Grobgespaltene Baumstämme, versetzt angelegt, halten Farne, Gräser und Pflanzen.

Um das neu erbaute Seehaus ist Mutterboden angefahren worden, um die vorhandenen Bäume zu schonen und eine Vegetation überhaupt möglich zu machen. Zunächst ist dort alles in ungezwungener Angleichung an die Landschaft angepflanzt. Zum Sportplatz hin wurde ein Rasen aus Hartgräsern angelegt.

Sämtliche Rasenflächen und Blumenanlagen wurden zunächst durch niedrige Abgrenzungen aus Derbstangen geschützt. Allmählich ersetzten wir diese Schutzzäune durch Blumenrabatten und staunten sehr, als von da ab auch die Rasenflächen mehr geschont wurden. Nur die Kaninchen nehmen nach wie vor keine Rücksicht darauf. So mußte auf manche Pflanze, die den Nagern zu gut schmeckt, verzichtet werden - wiederum die natürliche Angleichung der Natur.

Treppe zum Haupthaus
Zeichnung: Karin Zandt

Um Ihnen aus der Fülle der vielen Ziersträucher, Bäume und Pflanzen einige zu zeigen, machen wir doch einmal einen Gang durch unseren Park:

Wenn wir beim Eingangstor unseren Rundgang beginnen und uns auf dem Gehweg links am Teichufer halten, empfängt uns im Mai/Juni auf dem Abhang der Jungenburg die Blütenpracht der hohen Rhododendren und Azaleen. Das Teichufer wird umsäumt von frühblühender Japanischer Lavendelheide, hohen Eichbäumen, Lärchen und Korinthensträuchern, die im Herbst durch ihre feuerrote Färbung einen guten Kontrast zum Wasser bilden. Am Hauptzuleiter, der den Fischteichen das Wasser zuführt, hängen frühblühende Ziersträucher - Forsythien, Haselnuß und Goldregen - weit über den Teich. Bleiben wir an der Teichseite, so sehen wir weiter bis zum Seehaus Birken, Buchen, Japanische Zierkirschen, Felsenbirken, Zieräpfel, wilden Schneeball, Weiden und rotblühende Johannisbeere. Als Unterpflanzung wachsen zur Uferbefestigung und zum Schutze der Bäume wilde Lupine, Fingerhut, Gemswurz, Sumpfdotterblume und wilde Kalla.

Am Seehaus sieht man unter hohen Kiefern junge Lärchen, Fichten, Douglasien und Weymuthkiefern. Ebereschen, Holunder, Birken und der Gagelstrauch mischen sich darunter. Fingerhut, Ginster, Gräser, Farne und Astilben geben dem Bild eine belebende Buntheit. Ob der Versuch geglückt ist, hier Besenheide anzusäen, muß sich noch erweisen.

Gehen wir über den Hof an den Küchenfenstern vorbei, sehen wir, daß die dort neu gepflanzten Preiselbeeren gut gedeihen. Sie wurden gepflanzt, um die Wurzeln der Cotoneaster zu schützen. Die roten Beeren dieser Ziersträucher heben sich sehr wirkungsvoll von den davor gepflanzten kleinen Weymuthkiefern ab. Die vier großen Ilexbäume zwischen Gästehaus und Küche werden wegen ihres reichen Beerenschmuckes immer wieder bewundert.

Der Blumenrabatte zwischen Speisesaal und altem Haus gilt unsere besondere Liebe und Pflege. Es ist schwer, ein Beet so zu bepflanzen, daß immer ein vollständiger Eindruck entsteht. So beschränken wir uns in der Auswahl auf Sorten mit besonderer Blüten- und Farbwirkung, z.B. blüht jetzt blauer Eisenhut neben weißen Astilben und Feuerlilien. Besonders schön in ihrer Gesamtwirkung ist eine Gruppe bunter Fingerhüte. Als erste Blüher liegen jetzt versteckt im Halbschatten Waldmeister, Leberblümchen, Christrose, Küchenschelle, Hundszahn, Himmelschlüsselchen und Maiglöckchen. Entstehende Lücken werden durch Einjahrsblumen, niedrige Dahlien und Winterastern ausgefüllt. Seit drei Jahren stellen wir bei verschiedenen blühenden, wenig bekannten Pflanzen Namensschilder auf, wenn es uns glückt, sogar mit dem richtigen botanischen Namen. Da es nicht zu viele Schilder sind, werden sie mit Interesse gelesen. Auch an den Böschungen, die zum Ausgang führen, werden sie aufgestellt. Hier mußten vor allem wegen der starken Sonnenbestrahlung Steingewächse gepflanzt werden: Fette Henne, Steinbrech, Kriechender Phlox, Akelei und Thymian. Auf der gegenüberliegenden Schattenseite gedeihen Schattenblumen, Siebenstern, Lungenkraut, Günsel und als schöne Unterbrechung verschiedene Liliensorten, Gräser und Farne.

Kommen wir zum Ausgang des Parks, stellen wir fest, daß sich hier die Pflanzen wieder dem Wald untergeordnet haben. Mehrere Male haben wir versucht, in breiten Flächen Waldlupine, Rainfarn und Akelei anzusiedeln. Nur Fingerhut und die kleinblütige Königskerze sind geblieben.

Der kleine Küchen- und Blumengarten reicht bei weitem nicht aus, den großen Bedarf an Vasenschmuck zu decken. An der Teichseite des Gartens ist mit einer Uferbepflanzung aus blauen, gelben und weißen Schwertlilien, Tag- und Feuerlilien begonnen worden.

Bescheiden möchte ich erwähnen, daß die Anlagen fast ohne geldliche Mittel entstanden sind. Freunde und Nachbarn und die Forstverwaltung, mit deren freundlicher Genehmigung wir die Wildpflanzen aus dem Wald holen durften, halfen uns dabei. Danken möchten wir auch Herrn Jürgens vom Botanischen Garten in Oldenburg und dem leider zu früh verstorbenen Schloßgartendirektor, Herrn Heber, die uns beide - besonders in den letzten Jahren - beratend und helfend zur Seite standen.

Fragen Sie mich noch, wie es kommt, daß manches trotz des kargen Bodens so üppig wächst? Es ist wohl der Lohn der Arbeit und Geduld aus Liebe zur Natur, aus Freude am Garten und... Kompost!

Möge diese kurze Betrachtung ihren Zweck erfüllen, nämlich: anzuregen, manches Wachsen und Blühen um das Haus herum aufmerksamer zu sehen und sich daran zu freuen.


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