Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1986: Blockhausbrief Nr. 30

Inhalt:

Titelseite
Zum Geleit
Es strahlt so schön
Predigt über 1. Korinther 13

1. Juni 1986
Einführung des Ehepaares Tiedemann und Verabschiedung des Ehepaares von der Dovenmühle durch Bischoff Dr. Sievers
Rede Oberkirchenrat Friedrich Ristow
Rede Rolf von der Dovenmühle
Rede Chris Tiedemann
Kirche, wache doch einmal als Ganzes auf
40 Jahre Evangelisches Jugendheim
Arbeitsberichte des Blockhauses Ahlhorn:
Von der Übernahme bis 1951
1952 bis 1954
1955 bis 1957
1958 bis 1960
1961 bis 1963
1964 bis 1967
1968 bis 1971
1972 bis 1975
1976 bis 1979
1980 bis 1985
Über Pflanzen und Blumen rund um das Blockhaus
Der erste Küchengarten
 
Einweihung am 28. Juli 1946
Einweihung am 28. Juli 1946:
Bildmitte Bischof Stählin; halblinks Landesjugendpfarrer Götz Maltusch;
links sitzend der neue Ministerpräsident Theodor Tantzen
Foto: Götz Maltusch

40 Jahre
Evangelisches Jugendheim "Blockhaus Ahlhorn"

Rolf von der Dovenmühle


Vor der offiziellen Einweihung, am 28. Juli 1946, hatten sich schon kleinere Gruppen zum Blockhaus aufgemacht. Wir können es uns heute kaum vorstellen, wie einfach und bescheiden die Jungen und Mädchen hier lebten.

Das Heimleiterehepaar, Diakon Thadewald und Frau, waren Flüchtlinge aus Pommern. Auf einem Ackerwagen kamen sie mit ihrer Flüchtlingshabe zum Blockhaus, das nun bald evangelisches Jugendheim werden sollte. Sie nahmen mit wenigen Mitarbeitern damals die ersten kleinen Gruppen herzlich auf.

In einem Bericht vom 21. Juli 1946 im Oldenburger Sonntagsblatt schrieb der Landesjugendpfarrer Götz Maltusch ". . . und wenn wir durch die jetzt noch leeren Räume gehen, denken wir daran, daß wir nicht nur Betten, Stühle und Tische in dieses Haus bringen müssen, sondern einen neuen Geist der Dienstbereitschaft und brüderlichen Hilfe an die Stelle des Ungeistes von Machtlust und Eigennutz setzen. Und dazu müssen alle Jungen und Mädel unserer jungen Gemeinde im Oldenburger Land mithelfen . . . Der große Festsaal und die gemütlichen Kaminzimmer, die vielen kleinen Wohnräume, der Sportplatz und nicht zuletzt die große Küche, alles wartet darauf, mit neuem Leben erfüllt zu werden."

Er lud dann die junge Generation ein, am 28. Juli ins Blockhaus zu kommen. "Seht Euch das Haus an, das nun Mittelpunkt unserer Arbeit werden soll! Gebt dem Haus einen neuen Namen!
Wer den besten Vorschlag macht, wird zu der ersten Freizeit in das Heim als Belohnung eingeladen."
Götz Maltusch hatte sich für den Namen Evangelisches Jugendheim Blockhaus Ahlhorn entschieden.
Wer weiß, wer den neuen Namen vorschlug?
"Freizeiten und Erholungslager, Arbeitstagungen, Lehrgänge für Jugendleiter und in den Wintermonaten eine Volkshochschule für die ländliche Jugend."
So stellte sich der Landesjugendpfarrer den Anfang vor.

In dem strengen Winter 1946/47 verwirklichte er schon fast alle Pläne. Vom 2.12. bis 21.12.1946 hatte er zum ersten Lehrgang der ländlichen Volkshochschule eingeladen. Wer war dabei und könnte darüber berichten?

Das Landesjugendamt in Oldenburg lud am 13. Dezember 1946 zum ersten Singeleiterlehrgang ein. Jugendfreizeiten und Rüstzeiten für Studenten wurden hier in der eingeschneiten Einsamkeit gehalten.

Dann war es soweit. Dieser Sonntag, am 28. Juli 1946, wurde bei strahlendem Sonnenschein festlich begangen. Darüber habe ich schon ausführlich berichtet (1)

Was fällt mir sonst noch ein? Der neugewählte Ev-luth. Oberkirchenrat übernahm im wahrsten Sinne des Wortes eine Ruine, die noch kurz vorher als Gaukameradschaftsheim der N.S.D.A.P. diente. Mitglieder des damaligen Oberkirchenrates waren:

Bischof Dr. D. Wilhelm Stählin, der in jungen Jahren eine christliche Jugendorganisation leitete;

Oberkirchenrat Dr. jur. Hermann Ehlers stand dem Bibelkreis (BK) Berlin-Steglitz vor;

Oberkirchenrat Heinz Kloppenburg war vor seinem Theologiestudium zur See gefahren und hatte die Welt kennengelernt;

sowie Oberkirchenrat Edo Osterloh, der Jüngste, diente im Krieg als Soldat an der Ostfront.

Dr. Hermann Ehlers und Landesjugendpfarrer Götz Maltusch waren beide Berliner. Maltusch war auch im Steglitzer Bibelkreis.

Sie gingen auf das Angebot der englischen Militärregierung ein, das ehemalige Gaukameradschaftsheim als Jugendheim zu übernehmen. Die katholische Kirche, der das Blockhaus vorher angeboten wurde, wagte es nicht.

Es gehörte auch wirklich Mut und Gottvertrauen dazu, sich auf das Abenteuer mit der Ruine einzulassen.

Einweihung 1946 Oldenburger Jugendchor, Kurt Wiesemann
Der begnadete Chorleiter des Oldenburger Jugendchores, Kurt Wiesemann,
hat am Einweihungstag einen Teil der jungen Gemeinde um sich versammelt.
Foto: Götz Maltusch

Wer hätte am 28. Juli 1946 voraussehen können, was daraus in 40 Jahren entstand! Das gilt nicht nur für das Heim bei den Ahlhorner Fischteichen, sondern auch für die Entwicklung in der Bundesrepublik. Wir sind weit gekommen, jedoch unser Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat schon recht, wenn er in einer Ansprache sagte, die Umweltfrage sei zur Überlebensfrage der Menschheit geworden.

Im neuen Heim haben wir Kraft und Mut gehabt, trotz heute kaum vorstellbarer Schwierigkeiten - zunächst auch ohne wesentliche Zuschüsse - das Blockhaus neu einzurichten und auszubauen.

Die fast unberührte Landschaft der Teichwirtschaft hat uns alle geprägt. Wir haben der Umwelt nie weh tun wollen. Alles, was wir beim neuen Einrichten und weiteren Ausbau taten, fügte sich in die Landschaft ein.

Wer half mir dabei? Meine Frau, die das Haus in den langen Jahren unseres Zusammenseins geprägt hat, und die Mitarbeiter, denen ich an dieser Stelle herzlich danke, denn ohne ihre Mithilfe wäre vieles nicht gelungen. lmprovisieren, mit dem Vorhandenen sich begnügen, war unsere Parole.

Den Marinedekan Friedrich Ronneberger aus Wilhelmshaven, der meinen Lebensweg väterlich begleitet hatte, rief ich über den Wehrmachtsfernsprecher vom Blockhaus aus an und teilte ihm mit, daß ich nun Heimleiter hier sei. Bei seinem Besuch brachte er einen Spruch mit, den er wohl auch während des Krieges oft an Soldaten verschenkt hatte. Der Vers steht in einem längeren Gedicht von Will Vesper:

Gottes sind Wogen und Wind.
Segel aber und Steuer,
daß ihr den Hafen gewinnt,
sind Euer.

Er ist der Blockhausspruch geworden.

Der frühere Bundessingwart des christlichen Sängerbundes und Komponist Ernst Ruppel vertonte diesen Spruch 1952.

Das Blatt mit dem Spruch von Will Vesper, das mir der Dekan schenkte, hängt eingerahmt an der Wand des großen Saales neben der Durchreiche zur Küche.

Ich möchte den Spruch auch so auslegen: Gott hilft uns Menschen, aber steuern müssen wir selbst.

Nach vielen Jahren im Blockhaus meine ich auch: Unter diesem Motto hat von Anfang an unsere Arbeit gestanden.


(1) siehe Blockhausbrief Nr. 2, Seite 2;
Nr. 5, Seite 24;
Nr. 7, Seite 13;
Nr. 11, Seite 1;
Nr. 12, Seite 20;
Nr. 15, Seite 8;
Nr. 17, Seite 6;
Nr. 18, Seite 5;
Nr. 20, Seite 2;
Nr. 21, Seite 15;
Nr. 22, Seite 10 und 13;
Nr. 24, Seite 19 [?];
Nr. 25, Seite 13;
Nr. 26, Seite 11;
Nr. 27, Seite 17;
Nr. 28, Seite 14 und
Nr. 29, Seite 37.

[Dort findet der Leser interessante Beiträge zur Anfangsgeschichte des Blockhauses. Links zu den Webseiten sind, soweit vorhanden, gelegt.]


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