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Die staatlichen Fischteichanlagenvon J. Keimer, Oldenburg Die in staatlichem Besitze befindlichen Ödländereien, welche sich nicht zur Aufforstung eigneten, wurden dem Landeskulturfonds zur Kultivierung überwiesen. Die Kultivierung geschieht zum großen Teil durch Besiedlung und zwar dadurch, daß bestimmte Flächen zu Anbauerstellen ausgegeben werden, und durch Anlegung von Grünlandskulturen, soweit diese Flächen sich dazu eignen. Unter den Ödländereien befanden sich aber sogenannte Schlatts, Pulvermoore u.a. tiefliegende Gelände, welche für eine landwirtschaftliche Kultur fast unbrauchbar waren oder doch nur mit sehr hohen Kosten dazu hergerichtet werden konnten. Da auch jene Flächen durch die Kultur nutzbar gemacht werden sollten, wurden sie in Fischteiche verwandelt. Damit wurde im Jahre 1900 von Herrn Geheimen Landesökonomierat Heumann der Anfang gemacht, und zwar in der staatlichen Loher-Ostmark und Camper-Mark. Die genannten Flächen bestanden aus Schlatts, d. h. seichten Wasserbecken, welche durch Entwässerungsgräben trocken gelegt waren. Die Teiche zeigten wenig Pflanzenwuchs; nur die Ränder und Inseln waren mit Binsen und Beentgras (Molinia coerulea) bewachsen. Der Boden bestand teils aus schwarzem Torf bis zu 2 m Mächtigkeit, teils aus armen, sterilem Sand. Nachdem die Teiche mehrere Jahre trocken gelegen hatten, wurden sie wieder mit Wasser gefüllt und mit Karpfen und Schleien besetzt. Man hatte während des Sommers ein Absterben der Fische nicht wahrgenommen und war auf das Resultat der Abfischung sehr gespannt. Die Verwaltung wurde aber in ihren Hoffnungen sehr getäuscht, denn bei der Abfischung fand sich auch nicht ein einziger Fisch vor. Sämtliche Fische waren abgestorben. Nachdem eine nochmalige Besetzung der Teiche, der eine Kultivierung des Bodens vorangegangen war, fehlgeschlagen war, wurden die Teichflächen begrüppt, die Moorstellen übersandet, mit Thomasmehl und Kainit gedüngt und mit Gras angesät. Diese Flächen werden jetzt noch zum großen Teil als Viehweide genutzt. Vielleicht wird man sie später wieder als Fischteiche bewirtschaften. Diese Mißerfolge gaben Fingerzeige für die Bewirtschaftung. Es kommt nämlich hauptsächlich darauf an, dem Boden seine eigentümlich saure Beschaffenheit zu nehmen. Dies erzielt man durch Melioration, d. h. durch Kalkung oder Mergelung und Düngung des Teichbodens, Pflügen, Brennen usw. Deshalb wurden drei weitere Versuchsteiche in der Haler Mark angelegt, die gekalkt, gedüngt, mit Serradella und Lupinen angesät und im nächsten Jahre erst mit Karpfen und Schleien besetzt wurden. Jetzt war das Ergebnis der Abfischung im Herbst sehr befriedigend. Das für die Versuchsteiche verwandte Wasser wurde der Lethe entnommen. Diese entspringt auf der Garther Heide, durchfließt dürftigen Heide- und Waldboden, berührt in ihrem Laufe zunächst das bekannte Gut Lethe und läuft dann weiter bis zur Feldmühle, welche vor etwa 40 Jahren auch zum Gute Lethe gehörte. Sie ist in den ß0er Jahren vom Staate angekauft worden, um mittels Stauanlage eine Fläche am Baumweg zu Rieselanlagen auszubauen. Diese Anlage sollte zur Grasgewinnung für Kolonisten dienen. Da durch den Kunstdünger den Kolonisten die Möglichkeit gegeben war, auf ihren eigenen Flächen Grünland zu schaffen, so war damit die Einträglichkeit der ohnehin nicht besonders guten Wiesen in Frage gestellt. Die Fläche und auch das Wasser waren aber besonders günstig für Fischteiche, und in unmittelbarer Nähe in der Sager Heide lag noch eine Fläche von etwa 300 ha Größe, deren hügeliges Gelände mit großen, flachen Mulden von der Natur wie zu einer Fischteichanlage geschaffen worden ist. Deshalb wurde hier eine größere Teichanlage eingerichtet. In der Generalstabskarte finden wir den hohen Rand dieser Flächen im Letheknie als die sogenannten Knökelsberge bezeichnet. Die Höhenzüge bestehen aus Flugsand, dagegen die Mulden aus humusreichem, schwarzem Mutterboden, welcher mit Heide bewachsen ist. Verkrüppelte Eichen bedeckten gruppenweise das Gelände, und nur Schafherden belebten die einsame Heide. Die Kultur war ihr noch fern geblieben. Dank dem regen Interesse der Regierung, besonders der Herren Geh. Oberfinanzrat Gramberg und Regierungsrat Dr. Buhlert, war es möglich, die nötigen Mittel für den Ankauf jener Flächen nach vorheriger technischer Prüfung des Geländes zu erhalten. Im Jahre 1906 konnte mit dem Ausbau der Teichanlage begonnen werden, und es sind bis jetzt etwa 40 Teiche mit einer Größe von 107 ha fertiggestellt. Eine Fläche von 60 ha Größe harrt noch des Ausbaues. Das Wasser für die Teichanlage wird bei der Feldmühle mittels einer Stauanlage der Lethe entnommen. Ein Zuleiter mit schwachem Gefälle speist zunächst die Teiche auf den früheren Rieselwiesen links von der Lethe. Die rechts von der Lethe in der Sager Heide liegenden Teiche erhalten ihr Wasser durch den vorgenannten Zuleiter, welcher mittels eines Dükers unter der Lethe durchgeführt wird. Die Teichanlage besteht aus etwa ß5 ha Abwachsteichen, 22 ha Vorstreckteichen und 4 ha Überwinterungsteichen. Außerdem sind 10 Brutteiche und 8 Verkaufshälter angelegt. Durch das günstige Gefälle des Geländes ist es möglich, alle Teiche bis auf die Grabensohle trocken zu legen. Jeder Teich erhält sein Wasser von dem Zuleiter und ist für sich ablaßbar. Die Leitung dieser Anlage liegt einem Beamten in Oldenburg ob. In der Teichanlage selbst wohnt ein Teichwärter nebst 3 Gehilfen und 2 Fuhrleuten. 2 Gespanne werden gehalten, um die Teichflächen im Winter wie Ackerland zu bearbeiten, die Futtermittel heranzuschaffen, die verkauften Fische zum Bahnhof zu befördern usw. Die Bearbeitung der Teichflächen ist unbedingt erforderlich, um die Futterreste zu beseitigen und die schädlichen Säuren durch Lüftung zu entfernen, weil sonst sehr leicht Krankheiten entstehen könnten. Auch soll die Gare des Bodens zur Vermehrung der Fischnahrung herbeigeführt werden. Es werden in der Hauptsache Karpfen und Schleien, und zwar vom Ei bis zur Verkaufsware gezüchtet. An einem schönen Nachmittage im Mai oder Juni, wenn Aussicht auf schönes Wetter vorhanden ist, werden die Brutteiche aus dem sogenannten Vorwärmer, einem flachen Teich, bespannt und die Laichkarpfen, je 2 Rogener und je 4 Milchener, ausgesetzt. Bleibt die Witterung günstig, so laichen die Fische schon binnen 24 Stunden ab. Nach dem Ablaichen werden die Mutterfische wieder in gute, nahrhafte Teiche zurückgebracht, damit sie in anderen Jahren wieder zur Zucht benutzt werden können. Nach etwa 8 Tagen~ je nach der Witterung, schlüpfen die jungen Fische aus und werden dann mit einem Kätscher herausgefangen und auf die Brutstreckteiche verteilt. Da die Brut sehr empfindlich ist und durch die Abfischung sehr leidet, findet eine solche im Herbst nicht statt. Die jungen Fische bleiben in den Brutstreckteichen bis zum Frühjahr und werden dann als einsömmerige Karpfen in die Streckteiche gesetzt, die im Herbst wieder abgefischt werden. Der zweisömmerige Karpfen ist schon bedeutend widerstandsfähiger, hat bereits ein Gewicht von 1/2 bis 1 Pfund erreicht und überwintert dann in den Überwinterungsteichen. Diese liegen im Sommer trocken und werden gleichzeitig beackert. Die Abwachsteiche dienen zur Heranzucht von Speisefischen. Die Naturnahrung der Teiche an Plankton usw. beträgt ca. 100 bis 150 Pfund pro ha, und die Teiche werden 5 bis 10fach übersetzt, um eine höhere Rente herauszuwirtschaften. Alle Teiche sind in einen wirkungsvollen Düngungs- und Fütterungsbetrieb genommen. Von Mai bis September werden fast täglich ca. 35 bis 40 Zentner Futter verwendet. Die Zubereitung des Futters geschieht durch Quetsch- und Mischmaschinen, die mittels eines Motors getrieben werden. Verfüttert werden Lupinen, Gerste, Ura, Fischmehl, Fischabfälle usw. Wie alle künstlich gemästeten Tiere nimmt auch der Fisch durch das Kunstfutter an Widerstandsfähigkeit ab. Aus diesem Grunde werden die Besatztische fast nur auf Naturnahrung großgezogen. Kunstfutter erhalten in der Hauptsache nur diejenigen Fische, welche im Herbst zum Verkauf gelangen. Zur Gewinnung von Dünger hat der Landeskulturfonds eine Schweinezucht- und Mastanstalt in der Teichanlage gebaut. Der Schweinemist dient zur Düngung des Wassers, um die Naturnahrung auf das 3 bis 4 fache erhöhen zu können. Auch werden in der Teichanlage Versuche mit Thomasmehl, Kainit und Chilisalpeter gemacht. Die Teiche erhalten im Frühjahr nach der Bespannung pro ha 10 Zentner Thomasmehl, ca. 12 Zentner Kainit und nach Bedarf in Zwischenräumen von 8 bis 14 Tagen je 50 Pfund Chilisalpeter, im ganzen 5 Zentner pro ha. Dadurch soll der Boden wie das Wasser an Nährsalzen bereichert und mittelbar die Pflanzen- und Tiernahrung der Fische vermehrt werden. Die staatliche Teichwirtschaft hat sich zur Aufgabe gemacht, mancherlei Düngungs- und Fütterungsversuche auszuführen, um auch auf diesem Gebiete an der Lösung des Problems der künstlichen Fischzucht mitzuarbeiten und um immer erfolgreicher zu wirtschaften, damit aus kleinen Flächen große Erträge erzielt werden können. Sie hat als besonderes Ziel ins Auge gefaßt, den privaten Teichwirten gesundes, widerstandsfähiges und akklimatisiertes Besatzmaterial von erstklassigen Zuchtfischen zu liefern. Mit dem wirtschaftlichen Ertrage der Teiche ist die Verwaltung, obwohl die Anlage erst seit reichlich einem Jahre vollständig in Betrieb ist, bis jetzt sehr zufrieden; sie hofft jedoch noch größere Erträge herauswirtschaften zu können. Von besonderer Bedeutung ist außerdem, daß Hunderte von Hektaren Ödland, die bisher völlig wertlos dalagen, der Kultur erschlossen sind, daß die Anlage und Bewirtschaftung der Teiche vielen Leuten Gelegenheit zu ständigem, guten Arbeitsverdienst gegeben hat und daß ein Vorbild für Privatanlagen geschaffen ist. Aus: Heimatkunde des Herzogtums Oldenburg 1913 Am Abhang der "Buhlertshöhe" unterhalb der "Jungenburg" steht ein Feldstein. Die Namen H. Buhlert und J. Keimer sind darauf eingemeißelt worden. Wir verdanken Hans Buhlert und Julius Keimer diese großartige Landschaft, die uns alle umgibt . |
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