Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1985: Blockhausbrief Nummer 29

Inhalt:

Titel
Zum Geleit
Die Heide blüht wiedter
Vom Charakter der Begriffe
Gottesdienste im Blockhaus Teil 1
Gottesdienste im Blockhaus Teil 2
Gedanken zu Gottesdiensten in der Blockhauskirche
Das Marmorkreuz in der Blockhauskirche und andere Zeichen mahnen zu Frieden und Versöhnung
Edmund Haake, Schicksal eines Freundes
Eltern und Abendmahl
Liebe Chefin!
Ein später Liebesbrief
Blockhaus Ahlhorn - Ein Seemannstraum
Erinnerungen an das Blockhaus Ahlhorn
Blockhausgeschichten
Ahlhorner Teiche
"Betreten für Unbefugte verboten"
Die staatlichen Fischteichanlagen
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 3.1. bis 20.12.1984
 

"Betreten für Unbefugte verboten!"

Richard Hoyer

'Betrachten erlaubt'
Betrachten erlaubt!
(Foto: Sonja Latussek)

Für uns Oldenburger Jungens hatte im ersten Weltkrieg der Name Ahlhorn etwas Sagenhaftes. Von dort kamen die Zeppeline, die häufig über unsere Stadt flogen und dort hin kehrten sie auch zurück auf ihren Flügen nach London, wie wir meinten. Dort gab es auch die Steingräber aus der Vorzeit, und schließlich gab es dort einen Urwald, den Baumweg. Ein Blockhaus gab es damals dort allerdings noch nicht.

Mit der Eisenbahn fuhren wir bis zur Station Ahlhorn und wanderten nach Osten in Richtung Wildeshausen mit dem Ziel Großsteingräber (Heidenopfertisch und Visbeker Braut und Bräutigam). Einmal - nach dem Kriege - zog es uns aber auch auf das Flugplatzgelände. Wir mußten unbedingt erkunden, was dort passiert war, als es eine Explosion gegeben hatte, deren Detonationsknall wir in Oldenburg hatten hören können. Ein Sabotageakt soll es gewesen sein, und wir fanden ein großes Trümmerfeld vor.

Gelegentlich zog es uns vom Bahnhof Ahlhorn auch nach Westen. Es war der Baumwerg, unser einer Oldenburgischer "Urwald" mit seinen knorrigen Bäumen, den wir suchen wollten. Bevor wir ihn fanden, sahen wir aber allerlei Wassergräben und kleine und große Teiche, sorgfältig mit Stacheldraht eingefriedet und mit Verbotsschildern versehen, die den unbefugt Betretenden schwere Strafen androhten. Obrigkeitsgläubig, wie wir damals waren, hielten wir uns an die Verbote und suchten weiter nach dem Urwald.

Erst viel, viel später, Mitte der zwanziger Jahre durfte ich "von Amts Wegen" diese Schilder übersehen und das Gelände in Begleitung des Schöpfers der Teichwirtschaft, I. Keimer, betreten und eingehend untersuchen. Ich begriff dann auch die Notwendigkeit der Verbotsschilder. Durch sinnreiche Wasserbau-Arbeiten für die "tausend" Fischteiche, die es im Gelände gab und die dort noch geschaffen werden sollten, war es gelungen, verschiedene Wasser-"Horizonte" sicherzustellen. Mehrere "Talsperren" des Letheflüßchens gab es; die eine ganz im Süden in der Nähe des Gutes Lethe, wo das Gelände noch höher lag als um das heutige Blockhaus. Aus ihr wurde Lethewasser auf "Umwegen" (sogar in einem "Düker" durch die zweite Talsperre hindurch) in die oberen Teile des im Norden gelegenen Heidegeländes im Letheknie geleitet, um dort Fischteiche zu speisen. Die zweite Talsperre brachte Wasser in die Teiche des unteren Heidegeländes.

Das ganze ehemalige Heidegelände war - und ist auch heute noch - nicht überall flach oder schwach geneigt, sondern ist stark gegliedert durch Sand-"Berge", damals noch unbewaldet und spärlich mit Heide und knorrigen Eichen (Kratteichen) bewachsen. Die staatliche Teichwirtschaft war nun schon seit Jahren dabei, die früheren Heideflächen zwischen den "Bergen" durch ein Netz von Erddämmen, Wassergräben usw. in eine Teichlandschaft zu verwandeln. Das Gelände im Letheknie fällt allgemein etwas zum Lethetal hin ab, so daß die Wasserspiegel der einzelnen Teiche Horizonte in verschiedenen Höhen bekamen, und das Wasser nach und nach aus den höheren in die tieferen Teiche fließen konnte, bis es schließlich wieder in die Lethe zurückkehrte.

Die damals im Entstehen begriffene Teichlandschaft versprach dadurch besonders reizvoll zu werden, daß die Teiche nicht nur durch gerade Dämme begrenzt wurden, sondern am Fuße der ursprünglichen Sandberge natürlich geschlängelte Uferzonen bekamen. Die Sandberge, die durch die "Überflutung" zum Teil zu Inseln und Halbinseln wurden, sind damals in unermüdlich geduldiger Kleinarbeit aufgeforstet worden. Und es ist verständlich, daß dieses diffizile Zusammenwirken von Erd- und Wasserbau- mit Aufforstungsarbeiten des Staates während der Jahre der Entstehung Ruhe und Schutz vor "bösen Buben" benötigte, damit das daraus werden konnte, was es heute ist.

Ich hatte damals zusammen mit zwei Studienfreunden die Aufgabe, das umfangreiche, unübersichtliche Gelände der Teichwirtschaft mit allen Seen, Teichen, Inseln und Halbinseln, Wegen, Dämmen und Gräben, Wohn- und Wirtschaftsgebäuden zu vermessen und anschließend eine Landkarte davon zu fertigen. Daher war ich kein Unbefugter im Sinne der Verbotstafeln.

Mitte der dreißiger Jahre war dann das ganze Gelände zu einer Art Kleinod herangewachsen, an dessen schönster Stelle - auf einer "Bergeshöh" inmitten von Seen und Wäldern - aus kleinsten Anfängen heraus das geschaffen wurde, aus dem dann im Laufe der Jahre das heutige Blockhaus geworden ist. Seine Entstehungsgeschichte ist in dem Aufsatz "Unser Blockhaus und seine Umgebung in der Rückblende" im Heft 25 unseres Blockhausbriefes eingehend dargestellt.

Ich selbst besuchte das Gelände erst nach dem Kriege, als die kanadische Besatzung Gefallen an dem Blockhaus gefunden hatte und niemand anderem die Befugnis zum Betreten gab. Reichlich verwahrlost schien mir schon von weitem das Blockhausgrundstück und seine nähere Umgebung. Aber märchenhaft schön war die Teich- und Seenlandschaft inmitten der bewaldeten "Berge". Wie hatte sie sich seit der "Gründerjahre" entwickelt!

Nach Abzug der Kanadier wurde der Gebäudekomplex renoviert, mehrfach erweitert - zuletzt durch Hinzufügung einer schlichten Kirche - und wurde zu dem, als was es sich heute darstellt, zum evangelischen Jugendheim Blockhaus Ahlhorn. Die Zeiten ,daß auf irgendwelchen Geländeteilen ein Betreten verboten wäre, sind längst vergangen!

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