Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1985: Blockhausbrief Nummer 29

Inhalt:

Titel
Zum Geleit
Die Heide blüht wiedter
Vom Charakter der Begriffe
Gottesdienste im Blockhaus Teil 1
Gottesdienste im Blockhaus Teil 2
Gedanken zu Gottesdiensten in der Blockhauskirche
Das Marmorkreuz in der Blockhauskirche und andere Zeichen mahnen zu Frieden und Versöhnung
Edmund Haake, Schicksal eines Freundes
Eltern und Abendmahl
Liebe Chefin!
Ein später Liebesbrief
Blockhaus Ahlhorn - Ein Seemannstraum
Erinnerungen an das Blockhaus Ahlhorn
Blockhausgeschichten
Ahlhorner Teiche
"Betreten für Unbefugte verboten"
Die staatlichen Fischteichanlagen
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 3.1. bis 20.12.1984
 

Kurzbeiträge der Gäste
vom 1. Januar bis 20. Dezember 1984


Soldaten, Varel / P. Rommel
(9.1. - 13.1.1984, 73 Teilnehmer)

In der Zeit vom 9. 1 1984 bis zum 13. 1 1984 bestritt die gesamte 2. Kompanie des PzGrenBtl 313 eine Rüstzeit der evangelischen Kirche unter Leitung von Pastor Rommel und Pfarrhelfer Herrn Burchhardt im Blockhaus Ahlhorn, eine Einrichtung der evangelischen Kirche. Zu erwähnen ist hier, daß zum ersten Mal eine ganze Kompanie geschlossen an der Rüstzeit teilnehmen konnte. Sonst nahmen immer nur einzelne Soldaten von verschiedenen Einheiten daran teil. Der Chef der 2. Kompanie, Hauptmann Menge, hatte sich für dieses Projekt schon längere Zeit eingesetzt.

Als abschließenden Eindruck kann man die Woche als einen vollen Erfolg beurteilen. Diese Ansicht wurde von jedem einzelnen Soldaten, ob Zeitsoldat oder Wehrpflichtiger, vertreten und auch ausgesprochen. Dafür waren mehrere Faktoren maßgebend. Voran stellen möchte ich hier die Lage und die gesamte Einrichtung des Blockhauses Ahlhorn. Das Blockhaus ist umgeben von vielen Seen und dementsprechend viel Wald. Man fühlte sich hier wohl und in einer ruhigen, erfrischenden und gesunden Atmosphäre. Jeder einzelne von uns vergaß sofort die Kaserne und den militärischen Alltag. Die sehr gute Verpflegung und Unterkunft taten ihr übriges dazu. Man konnte hier richtig entspannen und interessiert Themen wie Frieden, Friedensbewegung etc. lauschen und sich darüber äußern.

Dadurch, daß wir den ganzen Tag zusammen waren, durch Unterrichte, Diskussionen und den Mahlzeiten, wurde die Kameradschaft unter den Soldaten gefestigt und jeder lernte seinen Kameraden besser kennen, sowohl die Vorgesetzten gegenüber den Untergebenen wie auch umgekehrt.

Viele Gespräche untereinander und das gesellige Beisammensein wurden am Abend vertieft und fortgesetzt. Durch Spiele, Musik und das ein oder andere Bier entstand eine fröhliche Atmosphäre bei allen Teilnehmern. Die Tage vergingen daher wie im Flug und am Schluß konnte man befriedigend feststellen, daß die Rüstzeit eine gelungene Sache war. (Hauptmann Menge)


Ev. Familien, Delmenhorst / P. Pöppelmeier
(21.1.-22.1.1984, 50 Teilnehmer)

Familienfreizeit mit Kindergarteneltern und ihren Kindern als eine neue Möglichkeit von Gemeindearbeit

Am 21/22. Januar 1984 veranstaltete die Evangelische Erwachsenenbildung und die Ev-luth. Kirchengemeinde Delmenhorst eine Familienfreizeit für die Eltern von Kindergartenkindern und ihren Kindern.

Die Initiative und Durchführung der Familienfreizeit lag bei den Mitarbeitern des Ev. Kindergartens am Lessingplatz in Delmenhorst, Frau Sabine Vormschlag, der Kindergartenleiterin und dem Gemeindepfarrer Gerd Pöppelmeier. Unter dem Thema "Die Bedeutung der Familie in unserer Gesellschaft - Eltern und Kinder - Freunde oder Feinde" trafen sich 12 Familien im Ev. Blockhaus Ahlhorn.

Während die Kinder unter der Anleitung von einigen Mitarbeiterinnen des Kindergartens viel Spaß hatten bei Holzarbeiten und anderen Angeboten, tauschten die Eltern in Kleingruppen ihre Erfahrungen aus, die die Bedeutung der Familie in unserer Gesellschaft, die Erziehung ihrer Kinder und die Bewältigung von familiären und gesellschaftlichen Problemen betrafen. Im Plenum wurde das Gespräch über die verschiedenen Problembereiche mit allen Eltern, einem Diplom-Psychologen - von der Erziehungsberatungsstelle in Delmenhorst, einigen Erzieherinnen und der Seminarleitung fortgesetzt und vertieft.

Themen wie die Berufstätigkeit der Frau und Mutter, die gesellschaftlichen Abhängigkeiten des Erziehungsprozesses von der Schule, der wirtschaftlichen Situation der Eltern u. a. wurden in großer Offenheit und Ehrlichkeit besprochen und diskutiert.

Immer wieder wurde die Bedeutung der Familie in unserer Gesellschaft durch die verschiedenen Teilaspekte neu angesprochen und nach der Bewältigung der Konsequenzen des sozialen Umbruchs, der im Augenblick besonders die Familie betrifft, gefragt und gesucht.

Während des ganzen Wochenendes waren das offene, ehrliche Gespräch und die kinderfreundliche Atmosphäre im Blockhaus Ahlhorn mit seiner guten Unterbringung und Verpflegung die Bausteine für eine gelungene Familienfreizeit.

Zur Freude der Verantwortlichen gab es viele positive Stimmen zu diesem gemeinsamen Wochenende und alle waren sich einig, daß Familienfreizeiten in Zukunft in unserer Elternarbeit nicht mehr fehlen dürfen.

Diese Veranstaltung hat uns auch ein Stück weiter gebracht auf dem Weg, den Kindergarten mehr in das Gemeindeleben mit einzubeziehen. (Gerd Pöppelmeier)


Diakonisches Werk, Oldenburg / Frau Röben (23.1-27.1.1984, 24 Teilnehmer)

Diakonisches Jahr - Freiwilliges Soziales Jahr
Ein Jahr für andere - ein Jahr für mich.

Vom 23.1.1984 bis zum 27.1.1984 trafen sich 24 junge Diakonische Helfer und Helferinnen im Alter von 17 bis 22 Jahren im Blockhaus Ahlhorn.

Das Diakonische Jahr wird vom Diakonischen Werk Oldenburg durchgeführt und mit Reflexionsseminaren fachlich und ethisch begleitet. Die Helfer arbeiten ein Jahr lang für ein Taschengeld, Unterkunft und Verpflegung in verschiedenen diakonischen Einrichtungen.

Die Helfer aus diesem Kurs 1983/1984 arbeiteten im
  • Evangelischen Krankenhaus Oldenburg
  • Alexanderstift, Evangelisches Altenzentrum Wildeshausen
  • Evangelisches Kinderdorf Johannesstift Vechta
  • Evangelisches Kinderhaus Collstede
Besonders wichtig in diesem Zwischenseminar waren zwei Schwerpunkte:

1. Das Bedenken der eigenen Helferrolle

  • meine Alltagsgesichter in der Arbeit und in der Freizeit (Gestalten mit Gips und Farben)
  • Übernehme ich lieber Verantwortung für jemanden oder begebe ich mich selbst gerne in die Hände Anderer (Partnerübung mit verschlossenen Augen: Dem "Blinden" ein schönes Erlebnis vermitteln - eine Baumrinde neu ertasten, den Schnee wieder knirschen hören unter den Füßen, die Sonnenstrahlen auf der Haut spüren und den merkwürdigen Geruch in der Kapelle das erste Mal bemerken . . .)
  • Buchbesprechung: ‚Die hilflosen Helfer' (Schmidtbauer). Wo sind wir selber hilflos? Wo sind unsere Grenzen? helfen wir uns selbst, indem wir anderen helfen?
2. Umgang mit Sterbenden
  • Buchbesprechung: ‚Interviews mit Sterbenden' (Elisabeth Kübler-Ross)
  • Wo bin ich Sterbenden begegnet? Wie haben sie auf mich gewirkt? Was konnte ich tun, bzw. wo waren meine Grenzen?
  • Das Verhältnis zum Sterben in der indianischen Kulturtradition.

Gerade weil wir nicht den traurigen, ernsthaften und schwierigen Aspekten des Arbeitsalltags ausgewichen sind, konnten wir auch fröhlich miteinander singen, beten, feiern und spielen.

Am letzten Tag ließen wir einen selbstgebauten bunten Heißluftballon (2 m Durchmesser) aus Seidenpapier steigen. Ein Symbol für unsere Freude am Leben und unser Wissen darum: "Wenn der Tod einen Sinn hat, dann ist es Leben, gleich nach ihm wieder vielfältiges Leben" - J. B. Bernhard.

(G. Röben, Mitarbeiterin im Diakonischen Werk)

Bundesingwart Horst Krüger bei der Probe (Foto: W. Mosner)
Bundesingwart Horst Krüger bei der Probe (Foto: W. Mosner)

Christlicher Sängerbund / Herr Wegener
(9.2. - 19.2.1984, 57 Teilnehmer)

Kirchenmusik aus drei Jahrhunderten bei Konzert in der Blockhauskirche

In der Blockhauskirche bei den Ahlhorner Fischteichen werden Mitglieder des Christlichen Sängerbundes am Sonnabend, 18. Februar, ab 19.30 Uhr ein eindrucksvolles Konzert mit Kirchenmusik aus drei Jahrhunderten geben. Die gesamte Bevölkerung ist dazu herzlich eingeladen.

Seit nunmehr 35 Jahren ist der Christliche Sängerbund regelmäßig Stammgast im Evangelischen Jugendheim Blockhaus Ahlhorn. Zur Zeit weilen wieder 57 Sängerinnen und Sänger aus ganz Deutschland im Rahmen einer Kantoreisingwoche unter Leitung von Bundessingwart Horst Krüger, Wuppertal, im Blockhaus. Täglich wird fast sechs Stunden geübt und gesungen.

Wie Bundessingwart Krüger in einem Gespräch mit der NWZ betonte, liegt bei der musikalischen Arbeit ein besonderer Schwerpunkt auf dem geistigen Aspekt. Im Christlichen Sängerbund sind freikirchliche Gemeindechöre und Chöre aus anderen kirchlichen Kreisen und Gemeinschaften zusammengeschlossen. Gegründet wurde der Bund 1879 in Wuppertal-Elberfeld, um das geistliche Singen in den Gemeinden zu pflegen und zu fördern.

Heute gehören etwa 18 000 Sänger in 800 Chören in Westdeutschland und Westberlin zum Bund. Hinzu kommen rund 8000 Sänger in Mitteldeutschland.

Besonders zwei Aufgaben versucht der Sängerbund zu erfüllen: Die Herausgabe von geeigneten Liedern und Chorsätzen für das Singen in den Gemeinden, Gruppen und Häusern sowie die Förderung und Zurüstung von Chören, Chorleitern und Nachwuchskräften.

Ziel der gesamten Arbeit des Bundes ist es, den Chören konkrete Hilfen für ihre Aufgaben in Gottesdiensten, Bibelwochen, Evangelisationen und für viele andere Gelegenheiten zu geben.

Im Rahmen der Kantoreisingwoche in Ahlhorn wird so unter anderem auch ein Tonband mit den Neuerscheinungen erstellt, das den Chören als Arbeitshilfedienen soll.

Kirchenmusik aus alter und neuer Zeit - aus drei Jahrhunderten - wird am Sonnabend beim Konzert in der Blockhauskirche zu hören sein. Bundessingwart Krüger möchte dabei auch versuchen, dem Zuhörer einen Bezug zu vermitteln.

Es wird deshalb auch nicht an einleitenden Worten und Zwischenbemerkungen zu den verschiedenen Musikstücken, die von vertonten Gebeten bis hin zu Spirituals reichen, fehlen. Einzelne Teile sollen vorgesungen, erklärt und dann noch einmal vorgetragen werden. Das gesamte Konzert wird rund eineinhalb Stunden dauern.

Bereits am Tag zuvor, am Freitag, treten die Mitglieder des Christlichen Sängerbundes ab 20 Uhr in der Kirche Brake-Nord auf. (K. Derke)



Tagung EAN, Niedersachsen / Herr Hardt (24.2. - 26.2.1984, 64 Teilnehmer)

Besorgt wird heute oft gefragt, geht der Arbeitsgesellschaft die Arbeit aus? Techniker vertreten die Auffassung, gerade durch die Anwendung moderner Technologien und systematischer Rationalisierung könnte die Investitionsgüterindustrie und ihre Zulieferer zusätzliche Arbeitsplätze anbieten.

Andere sagen: wir sind eine Gesellschaft der Macher. Ohne Machen ist das Leben nicht zu bestehen.

Immer mehr nimmt der Mensch in den Griff. Alles scheint machbar. Alles Machbare wird gemacht. Machen allein trägt auch die Zerstörung in sich.

So droht eine immer schnellere, technische Entwicklung den Menschen davonzulaufen. Die Sachzwänge werden übermächtig. In den verschiedensten Bereichen wurden bereits Grenzen erreicht, wo im Fortschritt die Vernichtung lauert.

Ein Kenner der Situation sagt: "Die vierte technische Revolution ist nicht mehr aufzuhalten. Wer nicht mitmacht, wird abgehängt. Ist man bei der Produktion des Neuen nicht dabei, so ist es um so wichtiger, seine Anwendung nicht zu verpassen. Dort kann man sogar führend oder besser sein. Dazu sind die meisten alten Industrieländer grundsätzlich in der Lage."


Seminar KDA, Oldenburg / Herr Brombach (30.3. - 1.4.1985, 17 Teilnehmer)

Wochenende mal ganz andern - Ein Seminarbericht

Eigentlich hatten wir uns das ganz anders vorgestellt . . .

Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die normalerweise immer bei gemeinsamen Veranstaltungen, die das Wochenende (die persönliche Freizeit) betreffen, auftreten, trafen wir uns im Blockhaus Ahlhorn.

Wir, das sind 15 kaufmännische Auszubildende und unser Ausbilder, Herr Albrecht, von AEG-TELEFUNKEN, Werk Oldenburg.

Ermöglicht und finanziell getragen wurde unser Wochenendseminar vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt; die Leitung übernahm Herr Brombach.

Die Vorstellungen über den Ablauf eines "Wochenendseminars" waren sehr verschieden; von "ein Wochenende ohne Disko und Fernsehen" bis "Tagungen ohne Ende" waren alle Vorurteile vertreten.

Nach einem hervorragenden Abendessen (Hawaii-Toast) und nach dem "Einnisten" in die Zimmer hat man sich gegen 20.00 Uhr im Partykeller vor dem Kamin eingefunden. Nach dem ersten Schoppen Wein und der ersten Flasche Bier begann unser Seminarleiter mit einer lockeren Programmschilderung für unsere 1 1/2 "Tagungstage". Anschließend folgte eine erregte Diskussion über die Probleme des "Miteinander" der Azubis. Schon wesentlich entspannter fand man sich zur Geisterstunde in einem der 2-Bett-Zimmer wieder, wo man bis 3.00 Uhr morgens weitertagte.

Um 7.00 Uhr wurde dann zum Waldlauf geweckt - vielleicht ein wenig "zu früh"? Nach der Morgendusche ein exquisites Frühstück - an dem dann aber wieder alle teilnahmen (einer zweimal).

Ab 9.00 Uhr begann die eigentliche Arbeit mit den Diskussionsschwerpunkten:
  • Berufsfindung (persönliche Eignung)
  • Folgen und Ursachen der Arbeitslosigkeit
  • Aus- und Weiterbildung
  • persönliche Situation der AEG-Azubis

Hinzu kamen 2 Niederschriften:

1. Problematik Arbeitslosigkeit
2. Darstellung der wirtschaftlichen Lage der Bundesrepublik Deutschland

- High - Noon - Lunch

Mit gut gefülltem Magen (nochmals Lob an den Küchenchef!) gingen wir in die verregnete Mittagspause, die zumeist mit Baden, Schlafen, Quatschen, Musikhären und dergleichen verbracht wurde.

Mit einem aufmunternden Kaffee ging es in die 2. Runde. Um sich besser in die Situation eines arbeitslosen Mitmenschen hineinversetzen zu können, lasen und diskutieren wir die persönlichen Erlebnisberichte Beschäftigungsloser bei

  • Arbeitssuche
  • behördlichen Kontakten
  • in der Freizeit, Familie und Nachbarschaft

Bei der Diskussion wurde die steigende soziale- und finanzielle Not hervorgehoben. Mit völlig neuem Grundverständnis für unsere Beschäftigungslage gingen wir in den Abschlußabend, der mit Grillen am Kamin, viel Musik u. geselligem Beisammensein ausgefüllt war.

Am Sonntag, (1. April), hatte man die Möglichkeit, an einer Morgenandacht teilzunehmen, die sehr zu empfehlen war. Nach der Information über die wirtschaftliche Lage der Bundesrepublik Deutschland und einem Abschlußgespräch, verließen wir den inmitten von Wald und Seen gelegenen Tagungsort.

. . . doch jetzt, nach einem so gut verlebten Wochenende mit lehrreichem Hintergrund möchten wir auch im nächsten Jahr mit Rüdiger Brombach, dem wir mit diesen Worten recht herzlich für seine hervorragende Organisation und Regie dieses Seminars danken, wiederum an einer so interessanten Tagung teilnehmen.(Ein Seminarteilnehmer)


Kindertagesstätte Daniel, Berlin / Frau Koburg & Herr Eisermann
(9.4. - 19.4.1984, 39 Teilnehmer)

Von Sumpf- und Moorgeistern - Hortreise 1984

Endlich war es soweit. Am 9. April 1984 um 9 Uhr fuhren wir - 34 Hortkinder und 5 Erzieher - ab nach Ahlhorn im Landkreis Oldenburg.

Wir, die Erzieher, hatten im Oktober letzten Jahres ein Wochenende in Ahlhorn verbracht, um uns Unterkunft und Gegend anzusehen. Umgeben von Wald- und Heidelandschaft inmitten von 40 Fischteichen liegt wie eine Oase das Blockhaus Ahlhorn, seit 1946 ein evangelisches Jugendheim.

Fröhliche Kinder und bunte Koffer füllten nach einer schönen Fahrt bei Sonnenschein den Parkplatz vor dem Haus. Nachdem wir unser Quartier eingehend besichtigt hatten, richteten sich die Kinder in den Schlafhäusern ein. Es wurden Betten bezogen und Koffer ausgepackt. Danach lockten die Wiese, das Wasser und der Wald. Bis zum Abendessen blieb noch etwas Zeit, die Umgebung zu erforschen.

Unser Quartier bestand aus sechs gemütlichen Holzhäusern. Die Kinder hatten den Wunsch, auf dieser Reise viel Sport zu treiben, wozu die Landschaft auch einlud. Auf der großen Wiese vor den Häusern spielten wir nach dem Abendbrot Fußball oder Völkerball, bis es wieder Zeit war, schlafen zu gehen.

Es gab soviel zu sehen und zu erleben - die Tage vergingen wie im Flug. Auch auf dieser Reise machten wir eine Nachtwanderung und saßen anschließend am knisternden Kaminfeuer und hörten Gruselgeschichten über das Moor. Das Moor und die Sumpflandschaft in unmittelbarer Nähe faszinierten uns und die Kinder.

Die Natur ringsum stellte ganz neue Anforderungen an die Kinder und uns. Losgelöst von den Alltagsproblemen und den städtischen Sachzwängen bedurfte es einiger Zeit, bis die Kinder aus ihrer Erwartungs- und Angebotshaltung herauskamen und aufnahmefähig wurden für die Andersartigkeit der Umgebung und der Situation.

Aus den behüteten Großstadtkindern, die oft durch ein Zuviel an täglicher Hilfestellung verunsichert und mutlos ihre Umwelt wahrnehmen, wurden aktive und begeisterte Wald-, Wiesen-, Sumpf- und Moorgeister. Diese Beobachtung und das Erleben der Veränderung der Kinder ist für uns mit das Wichtigste und Bedeutendste an unseren Reisen. Es war rundherum für alle, Kinder und Erzieher, eine schöne Fahrt.(Mirjam Koburg / Bernd Eisermann)


Pfarrfrauentagung / Frau Braunschön
(24.2. - 27.4.1984, 56 Teilnehmer)

Pfarrfrauenrüstzeit

Seit vielen Jahren - gleich nach Ostern - reisen Oldenburger Pfarrfrauen für drei Tage ins Blockhaus, ungefähr 40, alt und jung, dazu kleinere und größere Kinder. Wir widmen uns einem vollen Tagungsprogramm mit Themen aus Theologie, Kirche, Literatur, Politik u.a. mit Referenten/innen aus nah und fern.

In diesem Jahr erlebten wir die wohltuende Wirkung des meditativen Tanzens. So wurde das Gesamtthema 1985: "Nachfolge" zwischen der Theorie immer wieder durch Gehen und Bewegung bewußt gemacht. Meinungs- und Erfahrungsaustausch während der Mahlzeiten (gut und reichlich!) und bei Spaziergängen um die Teiche gehört dazu, wie der "Festliche Abend" mit vorbereiteten oder spontanen Beiträgen. In diesem Jahr erfreuten besonders die Kinder mit Liedern und kleinen Vorträgen, die sie mit ihren Betreuerinnen vorbereitet hatten.

Wichtig ist uns, daß wir zwei Pfarrfrauen aus dem Görlitzer Kirchengebiet einladen können, die die Tage mit uns verbringen. Der Gottesdienst am Schluß in der schönen Holzkirche am See gab uns ein großes Gefühl der Verbundenheit, die diese Tage überdauernd wird. Dank an das Blockhaus, Herrn und Frau v. d. Dovenmühle und an die immer freundlichen und hilfsbereiten Mitarbeiter.

Einige Verse von Felicitas Roeder, Wilhelmshaven, aus dem Jahre 1 982 bringen unser Erleben und das Anliegen des Pfarrfrauendienstes in schöner Weise zum Ausdruck:

"Freuet euch der schönen Erde, denn sie ist wohl wert der Freud!
was hat für Herrlichkeiten unser Gott da ausgestreut.

Wann solI'n Pfarrfraun das denn merken, eingespannt in Kirch und Haus?
Wann solI'n Pfarrfraun sich mal stärken, wann komm'n Pfarrfraun denn mal raus
aus dem Streß der vielen Dinge, die der Mann nicht schaffen kann!
Pfarrfrau singe, fröhlich singe, denn nun bricht dein Lichtblick an.

Singen, hören, reden, lachen, ruhn und wandern zwischendrein;
fragen, wie's die andern machen, können mal wir selber sein.

Freuet euch, ihr Pfarrfraun alle, in Gemeinde wie Beruf.
Wirkt für IHN in jedem Falle, ER ist Gott, der euch erschuf!

(Gisela Braunschön)


Grundschule, Liebenau / Herr Böhme
(28.5. - 1.6.1984, 22 Teilnehmer)

Vorbereitet durch viele Dias, einen Kurzfilm und eifriges Kartenstudium sowie anschauliche Berichte ihres Klassenlehrers, der selbst zu den langjährigen Freunden des Blockhauses gehört, kamen 19 Kinder und ihre drei Betreuer am Vormittag des 28.5.1984 in Ahlhorn an.

Seehaus und Jugenburg waren bald "in Besitz genommen". Dann eine erste Erkundung der unmittelbaren Umgebung und Erinnerung an die täglichen Notwendigkeiten des Hauses.

Schon gleich zu Beginn war zu bemerken, wie die besondere Atmosphäre der Seenlandschaft und Blockhäuser die Kinder in ihren Bann zog. Jeden Tag standen nun ausgiebige Wanderungen in verschiedenen Richtungen der herrlichen Umgebung auf dem Plan. Dabei konnten nach und nach wertvolle naturkundliche Beobachtungen gemacht und unvergeßliche Eindrücke gesammelt werden. Die Kinder genossen die täglichen Bootsfahrten, die in einem organisierten kleinen Rennen gipfelten, bei denen alle Teilnehmer Preise erhielten.

Trotz des nicht sehr warmen Wetters und einer mäßigen Wassertemperatur wurde auch der Badestrand in Anspruch genommen, eine herrliche Wasser- und Schlammschlacht "geschlagen" und zum Abschluß einer der Jungen "eingebuddelt".

In den Freizeiten konnten die Kinder immer wieder die Möglichkeiten zum Bootfahren, Tischtennis- und Fußballspielen und Spaziergehen wahrnehmen.

Am Mittwoch war Besuch im Museumsdorf Cloppenburg. Die Schüler konnten durch eine intensive Führung und Darstellung des schulischen Lebens vor 100 Jahren wertvolle Erfahrungen von früher mit den heutigen vergleichen.

Alle wollten gern eine Nachtwanderung unternehmen. Nach einem ruhigen Vorleseabend gingen sie deshalb um 22 Uhr etwa für 90 Minuten sehr still, ja fast schweigend auf einen Rundgang, der wirklich alle Sinne, Gedanken und Gefühle in Anspruch nahm.

Der Himmelfahrtstag war diesmal in die Freizeit einbezogen und gab Gelegenheit zu einem gemeinsamen, schülerbezogenen Gottesdienst im Nachdenken über das nachösterliche Geschehen. Zugleich war der Abend dieses Tages auch der "letzte Abend" vor der Heimfahrt. Er wurde sehr ausgedehnt bei fröhlichem Gesang, Spiel, Grillen und abschließendem Vorlesen im Tagesraum.

"Am Freitagmorgen, dem 1.6.1984, fuhren wir traurig und zugleich fröhlich nach Hause." Dieser Satz aus einem Schülerbericht mag ein wenig die Stimmung nach dem für alle wunderschönen und gewinnbringenden Aufenthalt in Ahlhorn wiedergeben.

Die Kinder werden die Freundlichkeit der Menschen im Blockhaus, die Eindrücklichkeit und den Zauber der Landschaft sowie das Erlebnis der Gemeinschaft sicherlich als bleibenden Gewinn behalten. (Böhme)


Altenzentrum Bischof Stählin, Oldenburg / Herr Eilers
(9.7. - 12.7.1984, 22 Teilnehmer)

Altenheimbewohner im Blockhaus Ahlhorn

Das war eine tolle Stimmung, ein Lachen und Erzählen, als wir nach 4 Tagen Freizeit im Blockhaus Ahlhorn wieder heimkamen. - Wir, das waren Bewohner der Pflegestation mit ihren Pflegern und einigen Alten aus den Wohnungen des Altenzentrums Bischof Stählin in Oldenburg.

Der große LKW mit Koffern, Bettwäscne und Rollstuhlen war vorweg gefahren. Eine PKW-Kolonne folgte ihm. Die Gesichter der Mitfahrenden - durchschnittlich ca. 80 Jahre alt - schauten doch etwas ängstlich: wie mag das alles gehen?, aber auch erwartungsvoll dem Abenteuer entgegen.

Sehr schnell war die Fremdheit überwunden. Die flinken Helfer hatten die Betten bezogen und die Zimmer wohnlich eingerichtet. Das erste Essen war hervorragend und alle folgenden nicht minder! (Was kann doch eine "Primast-Verpflegung" Stimmung und Atmosphäre froh beeinflussen! Herzlichen Dank Euch Lieben in der Küche, wie wir ihn Euch beim Abschied sangen, auch an dieser Stelle!!). - Scherzworte flogen zwischen den Marinesoldaten, gleich uns zur Freizeit dort, und uns hin und her. Auch zu der Jugendgruppe hin spannen sich Fäden bis zum gemeinsamen Gottesdienst am letzten Abend in der Kapelle am See, wo der Blick auf den Altar und darüber hinaus durchs offene Fenster auf dem waldumrandeten See, die frischen, bunten Blumen, die vorbeifliegenden Vögel und die Enten auf dem Wasser schon eine gute Andacht für sich ist, wenn inmitten der Schönheiten der Schöpfung Gott, der Schöpfer gepriesen und gelobt wird.

Am letzten der schönen Tage sagte ein Teilnehmer: "Schade, unsere Freizeit hätte gefilmt werden sollen. Wie die Gesichter, geprägt von Leiden und Gebrechen sich aufhellten, wie der einstige Seemann, jetzt 81 jährig, querschnittsgelähmt bei der Bootsfahrt über den See als Kapitän das Kommando übernahm: "Backbord - oder Steuerbord, Voraus!" Beim Grillabend erzählte er seine Erlebnisse aus Rio, Shanghai und aller Welt. Wie die Rollstuhlfahrer in Gruppen ihr Geländespiel zwischen den Fischteichen in Wald und Feld hatten, und wie schließlich die sonst so schweigsamen Menschen an den langen Tagen daheim, nun in froher Runde beim Abschiedsgrill am See sangen und erzählten bis zum Dunkelwerden.

Das war das dritte Mal. Wir freuen uns auf das nächste Jahr. Bis dahin sehen wir uns sicher noch oft die vielen Fotos an, die dort entstanden. (Siegfried Weissinger)


Anonyme Alkoholiker / Herr Rühaak
(27.7 - 29.7.1984, 78 Teilnehmer)

"Wir sind angekommen . . ."
Seminar der Anonymen Alkoholiker im Blockhaus Ahlhorn

"Alkoholismus ist wie ein Rauch, der darauf hinweist, daß irgendwo im Verborgenen ein Feuer schwelt", sagte Dr. Walther Lechler, Bad Herrenalb, in einem Gespräch anläßlich eines Seminars, an dem rund hundert Anonyme Alkoholiker und Angehörige aus dem Bereich Oldenburg, Ostfriesland und Bremen im Evangelischen Jugendheim Blockhaus Ahlhorn teilnahmen.

Es gäbe keinen Alkoholiker ohne Komplizen, sagte Lechler, Alkoholismus sei nicht nur eine Familienkrankheit, sondern auch ein gesellschaftliches Phänomen, das letztlich auf einen Mangel an Verantwortung dem Leben gegenüber und eine gestörte Beziehung zu Gott hinweise. Alkoholiker sind für Lechler Menschen, "die sich weder erwünscht noch geliebt fühlen. Sie verwechseln Anerkennung mit Liebe und tun alles, um Wertschätzung und Bestätigung zu erringen und bringen sich dabei fast um".

Lechler, der seit 15 Jahren eine psychosomatische Klinik in Bad Herrenalb leitet, betonte, er halte alle diese Strömungen für ein massives Lerndefizit. Es gehe daher für die Kranken darum, "das Leben leben zu lernen". Es gehe für sie um die Fähigkeit, das Leben - auch mit seinen Unsicherheiten - in einer "erfüllenden und befriedigenden Art aufzunehmen".

Das gesamte Programm der Anonymen Alkoholiker, wie es in "Zwölf Schritten" festgelegt ist, sei ein ""Lern- und Nachreifungsprozeß". Vor den Seminarteilnehmern betonte Lechler, dieses "Zwölf-Schritte-Programm" sei auch für andere Süchte und psychische Störungen anwendbar, wie etwa bei Eßstörungen oder der Abhängigkeit vom Sex. Amerikanischem Vorbild folgend regte Lechler an, Gruppen für Strafentlassene zu gründen. Hier könnte der erste Schritt des Programms lauten: "Wir haben zugegeben, daß wir unseren kriminellen Handlungen gegenüber machtlos sind und unser Leben nicht mehr meistern können".

Im Verlauf des zweieinhalbtägigen Seminars, das unter dem Thema: "Wir sind angekommen" stand, beschäftigten sich die Teilnehmer in einer Bibelarbeit und in Gesprächen mit dem "Gleichnis vom verlorenen Sohn". Der Gottesdienst in der Blockhauskirche, an dem auch andere Gruppen und viele Gäste teilnahmen, griff das Thema auf: "Sie fingen an fröhlich zu sein und ein Fest zu feiern." (Lieselotte Horn)


Religionspädagogen / Professor Dr. Roth
(24.10. - 28.10.1984, 26 Teilnehmer)

Zum 32. Mal fand im Blockhaus zu Beginn der Herbstferien die religionspädagogische Tagung statt.

Vor allem Lehrer und Absolventen der Pädagogischen Hochschule und der Universität Oldenburg, aber auch einige Studenten der Religionspädagogik traten sich zur Diskussion und zur Arbeit an dem Thema "Experiment Bibel. Kreative Zugänge zur Bibel. Klärung, Meditation, Bewegung."

Das Thema wird jeweils von einer Vorbereitungsgruppe aus Teilnehmern und Vertretern der Universität Oldenburg, der Oldenburgischen Kirche und der Nordwestdeutschen Reformierten Kirche festgelegt. Es spiegelte die gestiegene Bedeutung der Bibel im Religionsunterricht wieder und umfaßte exegetische und systematische Probleme und Fragestellungen, die jeweils vor allem von seiten der Teilnehmer eingebracht wurden.

Neue gelungene Versuche ließen in meditativer Form die Gegenwartsbedeutung von Texten deutlicher erleben und für viele überraschend: Bibeltexte wurden in Farben, Formen und Bewegungen umgesetzt.

Singen, Tanzen, Wandern und Feiern kamen wie immer nicht zu kurz.(Günther Roth)


Die Teiche laufen leer (Foto: W. Mosner)
Die Teiche laufen leer (Foto: W. Mosner)

Kinderhortgruppe, Jever / Herr Fürlus
(31.10. - 2.11.1984, 17 Teilnehmer)

Die Hortgruppe - das sind Schulkinder der 1. - 4. Klasse, die vor und nach dem Unterricht unseren Kindergarten im Hort besuchen - war in den Herbstferien für drei Tage im Blockhaus Ahlhorn zu Gast. Diese Fahrten gehören seit einigen Jahren zum festen Bestandteil unserer Arbeit und sind schon zur "Tradition" geworden. In diesem Jahr hatten wir uns die Fahrt ein wenig problematisch vorgestellt, weil unter den Jungs drei recht lebhafte Schlingel waren.

Die Gruppenleiterin, Frau Bockler, besorgte vorsichtshalber eine große Flasche Magentropfen (unsere ständigen Begleiter für die Ahlhornfahrten). Für die Jungen nahmen wir eine zusätzliche Kraft mit, um uns besser um die einzelnen Kinder kümmern zu können. Aber es kam alles ganz anders.

In diesem Jahr hatten wir sehr viel Platz in den Blockhäusern. Die Mädchen waren in der oberen Etage des Seehauses untergebracht und den Jungen stand die Jungenburg voll zur Verfügung.

Am ersten Tag machten wir nach dem Mittagessen gleich eine Wanderung um den Helenensee. Danach wurden die Zimmer belegt und die Betten hergerichtet. Bei den Jungs muß dies möglichst für alle gleichzeitig gemacht werden, sonst gibt es Krach! Jeder will als erster in sein frisches Bett springen.

Nach dem Abendessen saßen wir gemeinsam in der Jungenburg am offenen Feuer. "Geht da nicht so dicht ran!", diese Mahnung erklang immer wieder vergeblich an diesem Abend. Aber die Hitze kam uns zu Hilfe und schaffte, was viele Worte nicht vermochten. Bei Liedern, Spielen und Gruselgeschichrern verging dieser erste Abend sehr schnell - dunkel war es schon lange. Gegen 21 Uhr ging es mit der langerwarteten Nachtwanderung los. Wohl alle Kinder hatten Taschenlampen mitgebracht und der Weg wurde selbst den "Erstkläßlern" nicht zu weit.

In dieser Nacht haben jedenfalls alle Kinder hervorragend geschlafen. Am Anfang unserer Ahlhornfahrten machten wir den Fehler, die Kinder zu früh ins Bett zu schicken. Sie konnten dann nicht einschlafen, bekamen Heimweh, hatten Hunger oder Durst, mußten zur Toilette oder was auch immer. An diesem Abend dachte daran niemand mehr. (Wilfried Führlus)

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