Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1985: Blockhausbrief Nummer 29

Inhalt:

Titel
Zum Geleit
Die Heide blüht wiedter
Vom Charakter der Begriffe
Gottesdienste im Blockhaus Teil 1
Gottesdienste im Blockhaus Teil 2
Gedanken zu Gottesdiensten in der Blockhauskirche
Das Marmorkreuz in der Blockhauskirche und andere Zeichen mahnen zu Frieden und Versöhnung
Edmund Haake, Schicksal eines Freundes
Eltern und Abendmahl
Liebe Chefin!
Ein später Liebesbrief
Blockhaus Ahlhorn - Ein Seemannstraum
Erinnerungen an das Blockhaus Ahlhorn
Blockhausgeschichten
Ahlhorner Teiche
"Betreten für Unbefugte verboten"
Die staatlichen Fischteichanlagen
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 3.1. bis 20.12.1984
 
Teichhühner haben es gut (Foto: W. Mosner)

Gedanken zu Gottesdiensten in der Blockhauskirche

Peter Lehmann

Karfreitag wurde in Wardenburg ein großes Altarkreuz, ein Werk von mir, in Gebrauch genommen.

Mehrere Jahre habe ich an diesem Auftrag immer wieder einmal gearbeitet; denn solch ein Bildnis soll immer Aussagekraft haben und behalten, was da auch kommen mag.

Wie oft man da über Christus und sein Wesen meditieren mag, einen Mann, dessen Aussagekraft bis heute und nach christlicher Vorstellung in alle Ewigkeit reicht, obwohl er doch nur so kurze Zeit so intensiv gewirkt hat?!

Es war die Begegnung und Taufe durch Johannes den Täufer, die aus dem Zimmermann Jesus jäh einen gewaltigen Sendboten Gottes, des Allmächtigen, werden ließ mit aller Konsequenz bis zum bitteren Ende.

Es muß ihn getroffen haben wie ein Blitzstrahl, der in ein ewiges Feuer zündend einschlägt.

Aber nun wußte er: Sein Vater sendet ihn, die Menschheit zu lehren, Ihn, den Allmächtigen Gott, die schöpfende Kraft, das Gesetz, nach dem der gesamte Kosmos überhaupt funktioniert, besser zu verstehen, die Frage nach Gott offen zu halten und das Wissen um die Allmacht und ewige Güte in der Erhaltung seiner Schöpfung und der Nachsicht mit der Unzulänglichkeit des Menschen.

Da fällt mir eine Predigt ein, die ich einmal im Blockhaus hörte. Es ging um die Nachfolge Christi. Er forderte von dem, der ihm nachfolgen wollte, unabdingbar den sofortigen Ersatz. Nicht einmal ordnen sollte der, den Gott riet, seine irdischen Angelegenheiten können. Ob Acker, Vieh, Weinberg, Angehörige, oder Begräbnis des Vaters, alles sollte bleiben gelassen werden, wenn der Herr rief, so wie bei seinem eigenen plötzlichen Versterben für diese Welt.

Wer hätte das nicht schon einmal im Traum erlebt: Man träumt, in irgendeiner Pflicht zu sein. Es verläßt sich da jemand voll darauf, daß man sie auch erfüllt; denn es hängt viel, vielleicht sogar des Anderen Leben davon ab. Und mitten in der Aufgabe, noch ehe sie voll erfüllt ist, erwacht man und ist für das Traumgeschehen verloren? - Dann ist man totunglücklich, weil da doch das Geschehene nicht aufgegangen ist. - Ähnlich mag es dem ergehen, den Gott mitten aus dem Leben ab- und zu sich gerufen hat nach seinem Rat. - Ist vielleicht das damit gemeint? - Wir meinen immer, so unerhört wichtig und unersetzbar zu sein.

Jesus hatte ja doch seine unerreicht wichtige Aufgabe nach menschlichem Ermessen noch lange weiter zu erfüllen, und doch war ihm klar, daß er hier mitten heraus auf schreckliche Weise endend, abgerufen werden müsse, um genau dadurch bis in alle Ewigkeit weiter wirken zu können. Dieses wollte er all denen wohl damit sagen, die sich willens zeigten, ihm nachzufolgen mit der versteckten Frage: "Bist du stark, daß Du das auch kannst?" Dann laß alles hinter Dir und folge mir!

Der Christus in Wardenburg ist ein Überwinderchristus, der aus dem Kreuz herausschwebend lächelnd die Gemeinde segnet.

Man wollte ihn so schändlich vernichten, daß kein Hund mehr mit Anstand hätte auch nur ein Stück Brot von ihm nehmen mögen, aber genau darum ist er herrlich bis in alle Ewigkeit in uns lebend auferstanden. Die segnende Gebärde sagt etwas von dem Segen, der durch ihn so auf die Gläubigen überkommen ist, die glauben und hoffen dürfen. - Das war etwa das, was ich meinte mit meiner Arbeit. Und dann, von den verschiedenen Plätzen in der Kirche, hat er aufgrund der Lichtreflexe, auch für mich überraschend, noch viele weitere Aussagen: Mal steht er ganz bescheiden hinter dem Pastoren: Das habe ich für euch getan. Was sagt er, der Pastor, wohl dazu? Mal: Seht, ich habe überwunden, vertraue nur! Mit mir überwindest du alles, und je nach Gestimmtheit des Betrachters hat er noch viele andere, aber immer aufrichtende Aussagen.

Ich will meine Arbeit nicht loben, aber sie ist eigentlich aus vielen Blockhauskirchengottesdiensten gewachsen, und wenn die Pastoren, die die.Arbeit gesehen haben oder die mit ihr in Wardenburg leben, mirsagen: "Über den Christus kann man immer zu einem neuen Predigttext kommen, man braucht sich nur ein Weilchen ihn betrachtend hinzusetzen", so ist das ein Lob, das ich nicht versäumen darf, an das Blockhaus und seine Gottesdienste weiterzugeben; denn hier fand ich vielerlei Anregungen, die ich hineinarbeiten konnte.

Zwei dieser Gottesdienste möchte ich besonders herausheben: Der Eine schloß mit einem Familienabendmahl an Groß und Klein mit weitergereichtem Brot, das der Pastor auch noch selbst gebacken und zerteilt hatte. - Warum eigentlich läßt man nicht die Kinder zu diesem Mahl zu? Wollen die Sakramentsverfechter sich denn verhalten wie jene Jünger, die Christus selbst zurechtwies: "Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht"? Warum sollen sie nicht als getaufte Christen teilhaben an diesem Brauch? Dann erhebt sich wirklich die Frage, ob es recht ist, schon Kinder zu taufen, noch bevor sie sich über die Konsequenzen ein Urteil zu bilden vermögen.

Der zweite, für mich ganz besondere Gottesdienst, war um die Weihnachtszeit. Der durch das Fenster sichtbare Teich war abgelassen und ausgetrocknet. Der riesige Schlammboden wirkte als öde Wüste. Und da, auf einmal ließ der Pastor ein Licht anzünden: "Ein Licht geht um die Welt"! Dieses Licht wurde in der Gemeinde von Hand zu Hand durch die Reihen gereicht, und da geschah infolge der Spiegelung in der Doppelglasscheibe ein kleines Wunder: Über die öde Teichbodenlandschaft ging ein feines Doppelflämmchen langsam weiter hin und her, hin und her, hin und her -. . . bis es so hin und her über der gesamten verkrusteten Ödlandschaft, soweit sie zu sehen war, über jeden Fleck einmal leuchtend erschienen war, wie stiller, sichtbarer Segen. Und dann wanderte es wieder zum Ausgangspunkt und blieb hinter dem Altar stehen! - Und bereits beim nächsten Gottesdienst begann der Teich wieder vollzulaufen.

Erwähnenswert wären sie fast alle; denn hier, obwohl immer neue Gruppen, erlebt man echt das Gefühl: "GEMEINDE", weil Kleine wie Große, Alte wie Junge beteiligt und angesprochen sind.

Gern gehen die Konfirmanden und Katechumenen aus den umliegenden Dörfern dorthin.

Auch ist es eine schöne Einrichtung, hernach im Kaminzimmer im Gespräch den Gottesdienst noch einmal durchzugehen.

All dieses war meiner Arbeit, soweit sie sich auf Kirchenkunst erstreckte, in den letzten Jahren äußerst dienlich.

Nirgendwo bin ich so nachhaltig ins Meditieren um Glaubensbelange und Natur gekommen, was Gesamtzusammenhänge angeht.

Das hoffe und glaube ich, im Wardenburger Altarkreuz zum Ausdruck gebracht zu haben, was ich hier gewinnen konnte.

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