Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1985: Blockhausbrief Nummer 29

Inhalt:

Titel
Zum Geleit
Die Heide blüht wiedter
Vom Charakter der Begriffe
Gottesdienste im Blockhaus Teil 1
Gottesdienste im Blockhaus Teil 2
Gedanken zu Gottesdiensten in der Blockhauskirche
Das Marmorkreuz in der Blockhauskirche und andere Zeichen mahnen zu Frieden und Versöhnung
Edmund Haake, Schicksal eines Freundes
Eltern und Abendmahl
Liebe Chefin!
Ein später Liebesbrief
Blockhaus Ahlhorn - Ein Seemannstraum
Erinnerungen an das Blockhaus Ahlhorn
Blockhausgeschichten
Ahlhorner Teiche
"Betreten für Unbefugte verboten"
Die staatlichen Fischteichanlagen
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 3.1. bis 20.12.1984
 

Erinnerung an das Blockhaus Ahlhorn

Gerhard Haberland

Seit Beginn der sechziger Jahre und vermutlich bis heute haben die Kunst- und Musikerzieher des Kippenberg-Gymnasiums, Bremen, im Blockhaus musische Arbeitswochen durchgeführt. Nirgendwo vermochten sie, ihre Vorstellungen von musischer Erziehung besser zu verwirklichen als dort.

Was bedeutete damals Ahlhorn für uns?
Nun - in dieser schönen, von Wald und Wassern bestimmten Umgebung gedieh alles leichter und besser. Da war der freiere Umgang zwischen Schülern und Erziehern; ein besseres Kennenlernen untereinander. Es wuchs eine spontane Bereitschaft, etwas zu leisten, weil es die alltäglichen Ordnungsstrukturen der Schule nicht gab. Das gemeinsame Leben im Blockhaus löste uns ab davon. Dafür gab es uns etwas wieder vom ursprünglichen Sinn der Schule, die Freude an der Arbeit wuchs, kam wie von selbst. Wir waren bemüht um ein Vorgehen, daß die Einzelnen forderte und doch alle zusammenführte. An Unterrichtsziele im üblichen Sinne war nicht gedacht. Im Musizieren wie im Gestalten liegen eigene Bildungskräfte; sie führen am ehesten an die Künste heran; hier in Ahlhorn fanden unsere Schülerinnen noch etwas dazu. Sie lernten begreifen, daß die Natur die Urheimat der Künste darstellt, noch immer; freilich - nicht alle unter den Hunderten, die mit uns dort waren. So etwas träumt ein Erzieher gern; aber er gab sich auch zufrieden, wenn diese stille Landschaft mit ihren verschlungenen Waldwegen und ihren stillen Teichen den jungen Menschen half, zu sich selbst zu finden. Auch er selbst bedurfte dessen.

Junge Künstler...
Junge Künstler im Blockhaus
Fotos: Christina Loock, Klasse 12

Die Ahlhorner Tage bedeuteten für unsere eigene Arbeit Unersetzliches. Ich fand den idealen Spielraum, um Neues zu probieren, Gelungenes oder Mißlungenes gelassen zu überprüfen. Meine Kollegen erlebten es nicht anders. Jedes Mal kamen wir reicher zurück.

Unvergeßliche Wochen; daß wir sie so erlebten, verdanken wir Rolf von der Dovenmühle. Er gab uns das Blockhaus gewissermaßen zu treuen Händen, ließ uns jegliche Freiheit, sofern wir das Heimreglement nicht grob verletzten. Er sah vieles; aber er verstand auch zu übersehen. Ich bin sicher, daß seine Erkenntnisse über Art und Verhaltensweisen junger wie alter Gruppen tiefer reichen als jene Erfahrungen, mit denen sich so mancher Pädagoge brüstet.

Wenn es einmal einzugreifen galt, machte sich das Dovenmühl'sche Temperament Luft wie mit Blitz und Donner. Ja, er konnte ein Gewitter sein, aber eins mit einem schönen Regenbogen.

So kannten ihn die Kippenberger, und so haben sie ihn geliebt.

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