Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1985: Blockhausbrief Nummer 29

Inhalt:

Titel
Zum Geleit
Die Heide blüht wiedter
Vom Charakter der Begriffe
Gottesdienste im Blockhaus Teil 1
Gottesdienste im Blockhaus Teil 2
Gedanken zu Gottesdiensten in der Blockhauskirche
Das Marmorkreuz in der Blockhauskirche und andere Zeichen mahnen zu Frieden und Versöhnung
Edmund Haake, Schicksal eines Freundes
Eltern und Abendmahl
Liebe Chefin!
Ein später Liebesbrief
Blockhaus Ahlhorn - Ein Seemannstraum
Erinnerungen an das Blockhaus Ahlhorn
Blockhausgeschichten
Ahlhorner Teiche
"Betreten für Unbefugte verboten"
Die staatlichen Fischteichanlagen
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 3.1. bis 20.12.1984
 

Eltern und Abendmahl

Pastorin Ursula Plote (Kirchengemeinde Bant/Wilhelmshaven)

In unserer Gemeinde ist es üblich, daß die Konfirmanden zum Ende des zweiten Unterrichtsjahres zum Abendmahl zugelassen werden. Das geschieht auf einem Wochenendseminar, das zumeist im Blockhaus Ahlhorn stattfindet.

Das Seminar beginnt in der Regel freitags gegen Abend und endet am frühen Sonntagnachmittag. Am Sonntag, und das ist eine Besonderheit der Banter Konfirmandenzeit, sind auch die Familien der Konfirmanden eingeladen. Sie kommen zum Mittagessen, feiern dann am frühen Nachmittag einen Abendmahlsgottesdienst mit ihren Kindern und reisen nach dem Kaffeetrinken gemeinsam mit der Konfirmandengruppe ab.

Das Abendmahlsseminar ist eine Selbstverständlichkeit in Bant. Alle Konfirmanden nehmen daran teil, und es kommen auch viele Eltern, Geschwister, Großeltern und Paten.

Die Einladung zum "Familiensonntag" wird von vielen Familien zunächst einmal als eine willkommene Gelegenheit zu einem Familienausflug angesehen. Und wir freuen uns, wenn die Familien recht zahlreich kommen. Der "Rekord" liegt derzeit bei einer 12köpfigen Familiengruppe - wozu allerdings auch Freunde oder Freundinnen des Konfirmanden gehörten.

Für viele Eltern und Erwachsene ist dies das erste Mal nach langer Zeit, daß sie selber wieder am Abendmahl teilnehmen. Der Gottesdienst hat auch zum Ziel, ihnen den Zugang und die Teilnahme zu erleichtern. Deshalb berichten die Konfirmanden jeweils im Gottesdienst, was sie über Entstehung und Bedeutung des Abendmahls gelernt haben. Die von den Kindern formulierten Gebete und die von ihnen ausgewählten Lieder tun ein übriges. In der Predigt kommen die Erwartungen der Konfirmanden (sie haben am vorangegangenen Freitag bereits Tischabendmahl gefeiert, das sie in der Regel stark beeindruckt) und die Lebenssituation der Eltern und sonstigen Erwachsenen zur Sprache. Die "Einladung zu Tisch" wird eigentlich immer verstanden und von den Eltern mit großer innerer Bewegung aufgenommen. Mancher Erwachsene hört Gottes Einladung neu und im Ernst. Wer unsicher war, wie er sich praktisch zu verhalten hat, lernt von den Konfirmanden.

Wir wären freilich keine Banter, wenn wir nicht auch von der erstaunlichen Beobachtung berichten könnten, daß jeweils auch einige Väter oder Mütter in diesem Gottesdienst zum Abendmahl kommen, von denen wir wissen, daß sie aus der Kirche ausgetreten sind.

Noch nie haben wir das Herz gehabt, solch einen Vater oder eine Mutter zurückzuschicken! Wir sagen es zwar noch immer in der Einladung, daß sie allen gilt, die einer christlichen Kirche angehören, also auch Mitglieder der römischkatholischen Kirche, der ev. Freikirchen und der orthodoxen Kirchen.... Aber wir schicken in der konkreten Situation niemanden zurück, obwohl die schwierige Situation unserer Gemeinde mit ihrer traditionellen Unkirchlichkeit und ihrer extrem hohen Austrittsrate Grenzziehungen durchaus nötig werden läßt!

Das Abendmahlsseminar der Konfirmanden hat einen hohen Stellenwert in der Gemeinde. Das entdeckt man als verantwortlicher Mitarbeiter oder Pastor(in) erst nach Jahren. Unser Abendmahlsseminar hat Traditionswert in den Familien entwickelt. "Und wir möchten, daß unser Junge in eine Gruppe kommt, wo Sie zum Schluß mit den Kindern nach Ahlhorn fahren. Wir waren damals schon zum Abendmahl, als unsere Inge konfirmiert wurde. Das hat ja meinem Mann und meinen Schwiegereltern so gut gefallen Und mein Mann ist ja nicht in der Kirche, aber er meint das nicht so . . ."

Die Erfahrungen und Lernwerte des Abendmahlsseminars haben unsere Konfirmationsgottesdienste verändert. Da haben wir es, "Gott sei Dank", überwiegend mit Konfirmanden und ihren Familien zu tun, die positiv zum Abendmahl stehen und auch praktische Erfahrungen darin haben, wie wir in der evangelischlutherischen Gemeinde Bant das Abendmahl feiern. Die übrigen "Konfirmationsgäste" lassen sich häufig in diese gute Praxis des Glaubens einbinden.

Die Feier des Abendmahls gehört zu den zentralen gottesdienstlichen Ereignissen in der Banter Kirche. Daß so viele Familien, deren Bindungen an unsere Kirche eher volkskirchlich-locker sind, in diesem Rahmen am Abendmahl teilnehmen freut uns und macht uns Hoffnung.

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