Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1985: Blockhausbrief Nummer 29

Inhalt:

Titel
Zum Geleit
Die Heide blüht wiedter
Vom Charakter der Begriffe
Gottesdienste im Blockhaus Teil 1
Gottesdienste im Blockhaus Teil 2
Gedanken zu Gottesdiensten in der Blockhauskirche
Das Marmorkreuz in der Blockhauskirche und andere Zeichen mahnen zu Frieden und Versöhnung
Edmund Haake, Schicksal eines Freundes
Eltern und Abendmahl
Liebe Chefin!
Ein später Liebesbrief
Blockhaus Ahlhorn - Ein Seemannstraum
Erinnerungen an das Blockhaus Ahlhorn
Blockhausgeschichten
Ahlhorner Teiche
"Betreten für Unbefugte verboten"
Die staatlichen Fischteichanlagen
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 3.1. bis 20.12.1984
 

Blockhaus Ahlhorn - Ein Seemannstraum

Jürgen Friedrich

Lago Maggiore? (Foto: Sonja Latusseck)

Die Standardfrage - Wie findest du das hier? - macht eine Reihe Antworten los aus ganz unterschiedlicher Sicht- und Sehweise. Zunächst kommt: Toll, wundervoll usw., das ist die vordergründige Bewertung von der optisch so reizvollen Landschaft, von dem stimmungsvollen Milieu dank einer funktionierenden Betreuungsroutine.

Ohne übertrieben spitzfindig zu sein, beantwortet die Frage aber auch eine Wegbeschreibung; denn wirklich, wer nicht gut aufpaßt und sich als Erstbesucher ohne exakte Anleitung aut den Weg macht, der findet das Blockhaus womöglich gar nicht. Egal, ob Insel oder Oase, das Blockhaus ist beides und will gefunden sein.

Komme ich als Kamel nun zur Oase oder als Seemann besser zur Insel? Mein persönlicher Zustand erlaubt mir beide Sehweisen, das Blockhaus verführt mich jedoch zur Seeweise. Das will ich begründen. Ich bin bei verschiedenen Handelsschiffsreedereien zur See gefahren, davon die letzten neun Jahre als Steuermann und als Funker. Obwohl diese Ära nun schon etliche Jahre zurückliegt, die liebevolle Gestaltung des Ankerkellers mit einer unerhörten Fülle von originalen "Kleinigkeiten" zauberten hautnah Erinnerungen wach. - Was soll ich sagen, das Wetter außerhalb des Kellers war zu schön, um das Wetterleuchten der Erinnerungen voll auszukosten.

Das Schmökern in alten Schiffstagebuchern bringt öligen Maschinendunst und dann wieder frische Brückenbrise in die Nase. Aus herrlichen Karikaturen an den Wänden schwappt tonnenweise englischer Humor. Jede erzählt für sich von endlosen Klönstunden - die man schließlich selbst erlebt hat.

Die lebhaften Beiträge des Hausherrn aus seiner eigenen Seefahrtszeit und über seine Kontakte zu Seefahrtskreisen auch heute noch runden das maritime Bild ebenso ab, wie die Ruderboote auf dem See mit richtigen Riemen. Und siehe da, es ging noch wunderbar!


Aber der eigentliche Bonus, den ich dem Blockhaus zuschreiben möchte, hat nur noch wenig zu tun mit beruflichen Vergangenheiten. Ich konnte das Wochenende aus vollen Zügen nur genießen, weil es im Rahmen einer Familienfreizeit geplant war, organisiert von Pastor Friedrich aus Osnabrück unter dem Kirchentagsmotto DIE ERDE IST DES HERRN. Die rege Beteiligung in den unterschiedlichen Arbeitskreisen, in denen "ganz normale Leute" engagierte Beiträge aufbauten, ist ohne das Blockhaus nicht vorstellbar. Insofern trifft das Bild nicht nur zu von einer Insel, die angelaufen wird, sondern - viel verheißungsvoller - das Blockhaus ist eine Insel, von der aufgebrochen wird. Die Zukunft ist rosig. Mir kam der ganze Blockhaus-Aufenthalt vor wie eine Vorgriff auf eben diese Zukunft, die sich mir gereimt auch so darstellt:

Es ist, wie ich glaube, ein fröhlicher Gott,
der uns das Lachen beschert,
damit schon in unserem Alltagstrott
ein Stückchen vom Himmel einkehrt.

Und nicht Verzweiflung ist unser Los,
nicht Apokalypse und Grauen!
Solche Gedanken sind Warnungen bloß
für die sich zu glauben nicht trauen.

Insofern auch Weinen ist gottgewollt.
Vielleicht sind die Tränen die Schmiere,
auf denen die Gegenwart zukunftswärts rollt -
bis zur letzten Premiere.

Da mündet die Zeit in die Ewigkeit,
"Endlösung" ist vollauf im Gange,
und Jubel besiegt alle Traurigkeit.
verheißen ist es schon lange.

Glauben ist dann nicht mehr gefragt,
er weicht endgültiger Klarheit.
Und jeder es jedem anderen sagt:
Der Herr ist endgültige Wahrheit!

Blick über den Helenensee
Blick über den Helenensee vom Badestrand aus
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