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Edmund Haake, Schicksal eines FreundesRolf von der Dovenmühle, Theo Pieper Warum mahnt das kleine Marmorkreuz auf dem Altar der Blockhauskirche so eindringlich für Frieden und Versöhnung in der Welt einzustehen? Der Lebensweg und das Schicksal von Edmund Haake tun es.
Wer war Pastor Haake? - Vor dem Krieg betreute er eine Gemeinde in Varel. Er schloß sich schon früh der "Bekennenden Kirche" an. Als die Nationalsozialisten das "Alte Testament" abschaffen wollten, die Nürnberger Rassengesetze verkündeten und als in der Kristallnacht auch die Vareler Synagoge im Flammen aufging, ermahnte er seine Gemeinde, Gottes Wort ohne Abstriche zu glauben und die Handlungen der Nationalsozialisten zu verurteilen. Die Nationalsozialisten verfolgten und bespitzelten ihn aus diesem Grund. Dabei gingen die Scheiben seiner Wohnung zu Bruch. Sie wollten ihn damit wohl einschüchtern. Da bot der Marinedekan Friedrich Ronneberger ihm an, Marinepfarrer zu werden. Er wollte ihn aus der Schußlinie der Machthaber herausnehmen, sagte mir der Dekan nach dem Krieg. Edmund Haake wurde Marinepfarrer in Den Helder in Nordholland. Er betreute nicht nur die Soldaten an Land, sondern ging auch an Bord, wenn die Schiffe ausliefen. Während einer solchen Fahrt wurde sein Schiff von englischen Fliegern angegriffen. Pastor Haake wurde dabei schwer verwundet. Da wir in demselben Seegebiet einen Geleitzug begleiteten, erfuhr ich von dem Angriff auf sein Vorpostenboot, und - eine Fügung für die ich dankbar bin - ich konnte mit dazu beitragen, daß Edmund Haake, mein väterlicher Freund, in das Marinelazarett Heiloo, südlich von Alkmaar, eingeliefert wurde und trotz sehr schwerer Bauchverletzungen überlebte. Marinepfarrer Theo Pieper war damals sein katholischer Amtsbruder in Nordholland. Er hat die Verzweiflungstat der Georgier-Wlassow-Truppen am Ende des Krieges überlebt. Es waren russische Freiwilligenverbände, die unter dem Kommando des Generals Wlassow auf deutscher Seite kämpften. Lassen wir ihn selbst berichten: "In der Woche nach Ostern hatten Pfarrer Haake und ich eine Gottesdienstreise zu allen Texelbatterien gemacht. Wir hatten auch den Bunkerkomplex Haus Texla besucht, das Hauptquartier des Georgischen Bataillons; ich hatte dort einen Ostergottesdienst für die deutschen Soldaten gehalten. Am Abend des 5. April 1945 nahmen wir - wie meistens bei unserer Texelreise - Quartier im Hotel "De Lindeboom" in Den Burg. Beim Gespräch mit dem deutschen Kommandanten des Georgierbataillons hatten wir gehört, daß ein großer Teil seiner Truppen auf dem Festland zum Einsatz kommen sollte. Als wir durch anhaltendes Schießen in der Nacht um ein Uhr wach wurden, glaubten wir zunächst, daß die Verlegung der Truppe mit einer Übung verbunden würde. Später erkannten wir, daß es sich nur um eine Meuterei der Georgier handeln konnte. Wir sahen sie feldmarschmäßig mit Gewehr im Anschlag, und wir sahen tote Soldaten auf dem Marktplatz liegen. Einige Gewehrkugeln, die uns gelten sollten, schlugen durch die Scheiben, wenn sich einer von uns an den Fenstern zeigte. Als es vom Turm der nahen Kirche sieben Uhr schlug, verließ ich durch den rückwärts gelegenen Garten das Hotel, um den deutschen Marinesoldaten zu warnen, der uns um diese Zeit abholen sollte. Wenige Minuten später lief ich einem russischen Posten in die Hände. Ob er meinen Hinweis auf das Kreuz an der Mütze und den Pfarrerdienst verstand, weiß ich nicht, jedenfalls mußte ich mit erhobenen Händen ihm voraus zum Haus Texla laufen. Der Exekution entging ich, indem ich laut schrie, ich wolle einen Offizier sprechen, der Deutsch verstünde. Da sperrte man mich in einen Bunker ein. Gegen Abend wurden die Russen aus ihrem Hauptquartier Texla vertrieben, und ich wurde mit noch einigen anderen aus dem Bunker befreit. Ein junger deutscher Offizier sprach mich unmittelbar nachher an und führte mich abseits, wo Pfarrer Haake und wenige Mitbewohner vom Hotel Lindeboom erschossen lagen; die Kette von Pfarrer Haakes Amtskreuz war, wahrscheinlich von Kugeln einer Maschinenpistole, durchtrennt. Es waren traurige Tage für die Insel; für alle, die in diese Tragödie auf Texel verwickelt waren". Als das 833. Georgische Bataillon [*], dazu gehörten etwa 800 Russen und 400 Deutsche, am 5. April 1945 einen Marschbefehl zum Festland erhielt, überfielen und töteten die Georgier in der Nacht ihre schlafenden deutschen Mitsoldaten. Nur eine Handvoll deutscher Soldaten des Bataillons entging dem Tode. Der tragische Schlußakt im April-Mai 1945 auf Texel kostete vielen deutschen Soldaten, vielen georgischen Soldaten und fast 100 Holländern das Leben. Erst als kanadische Truppen am 20. Mai auf Texel landeten, endeten die Gefechte und Guerillakämpfe zwischen den Deutschen und den Aufständischen. Schafft Frieden und Versöhnung! So mahnen uns alle, die in der "Tragödie auf Texel" ihr Leben gelassen haben: 89 Holländer, 566 Georgier, 417 Deutsche, unter ihnen Edmund Haake, Marinepfarrer in Nordholland von Juni 1940 bis April 1945. Er fand den Tod am 6. April 1945, erst 48 Jahre alt. Edmund Haake war Pfarrer der "Bekennenden Kirche" in Deutschland, ein mannhafter Verkünder des Evangeliums im Kampf gegen den Nationalsozialismus. Er war Freund und Bruder den Soldaten in Holland, ein Mann der Gerechtigkeit und des Friedens auch während des Krieges. Bleibt noch zu berichten, daß 5 Jahre nach dem Ende des Krieges alle in Holland gefallenen deutschen Soldaten auf einen gemeinsamen Friedhof nach Yesselstein/Gemeinde Venray nahe der deutschen Grenze umgebettet wurden. Dort ruhen unter 31.538 Kreuzen ebensoviele deutsche Soldaten, auch die Gefallenen von Texel, - unter ihnen Marinepfarrer Edmund Haake. [*] Nach Informationen von Herrn Jan van Tongeren (jangevantongeren@hetnet.nl) handelte es sich um das 822. Georgische Bataillon (Anm.: H. Harder) |
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