Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1985: Blockhausbrief Nummer 29

Inhalt:

Titel
Zum Geleit
Die Heide blüht wiedter
Vom Charakter der Begriffe
Gottesdienste im Blockhaus Teil 1
Gottesdienste im Blockhaus Teil 2
Gedanken zu Gottesdiensten in der Blockhauskirche
Das Marmorkreuz in der Blockhauskirche und andere Zeichen mahnen zu Frieden und Versöhnung
Edmund Haake, Schicksal eines Freundes
Eltern und Abendmahl
Liebe Chefin!
Ein später Liebesbrief
Blockhaus Ahlhorn - Ein Seemannstraum
Erinnerungen an das Blockhaus Ahlhorn
Blockhausgeschichten
Ahlhorner Teiche
"Betreten für Unbefugte verboten"
Die staatlichen Fischteichanlagen
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 3.1. bis 20.12.1984
 

Blockhausgeschichten

Ich sitze im Büro. Eine Schülerin tritt ein und fragt, ob der Postbote dagewesen sei. Er war noch nicht da. Sie kommt wieder, als der Postbote die Post abgeliefert hatte. Ich frage sie: "Wie heißen Sie denn?" Sie sagt sehr leise: "Cecilie von Preußen". Zweifelt sie, ob ich mit dem Namen etwas anfangen kann? Ich antworte spontan: "Sie sind aber voller geworden." Sie ist überrascht. "Einen Augenblick, ich bringe Ihnen den Beweis." Ich greife in die obere Schublade im Schreibtisch und reiche ihr ein Foto: der Chef des Hauses Hohenzollern, Prinz Louis Ferdinand mit seiner Frau und den Kindern. Sie hatten sich dem Fotografen so aufgestellt, wie Kaiser Wilhelm II, der Großvater des Prinzen: in der Mitte der Kaiser und die Kaiserin, links und rechts die Prinzen und Prinzessinnen. Sie standen auf den Stufen des Domes nach dem Gottesdienst in Berlin.

"Woher haben Sie das Bild?"
"Drehen Sie es um, Ihr Vater hat es mir mit einem Gruß geschickt."
"Welchen Anlaß hatte er dazu?"
"Der Intendant der Vagantenbühne war mit Schauspielern im Blockhaus. Er besuchte mich in der Wohnung, wir stritten uns lange über Politik. Als wir uns dann über das Haus Hohenzollern unterhielten, waren wir einer Meinung. Darauf sagte er: ‚Ich bin ein Freund von Louis Ferdinand und käme gern einmal mit ihm ins Blockhaus.' Dazu kam es nicht, aber Ihr Vater schickte mir dieses Bild. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Nun sagen Sie mir, sind Sie dicker geworden oder nicht?"
Sie lächelte und verließ mit dem erwarteten Brief das Büro.

Einige Tage später stand ich am Anleger am Helenensee und wartete auf einen Bus mit Kaffeegästen, der sich von der anderen Seite des Sees dem Blockhaus näherte.

Nun muß ich darauf hinweisen, daß die Schülerinnen und Schüler immer sehr hilfsbreit waren. Sie übernahmen sogar den Verkauf in der Milchbar. Pastor Orth nannte sie "Christliche Milchbar". Milchmixgetränke waren damals sehr gefragt.

Cecilie, die auch den Bus kommen sah, fragte mich, wer mit dem Bus käme, da im Haus keine Betten mehr frei waren. Ich antwortete ihr: "Ein Pastor aus Oldenburg kommt mit älteren Damen zum Kaffeetrinken." Cecilie von Preußen fragte mich, wer denn den ankommenden Gästen den Kaffee servieren würde. "Natürlich unsere Mitarbeiterinnen," antwortete ich. Doch Cecilie von Preußen ließ sich nicht davon abhalten, dies mit zwei Freundinnen zu tun. Dankbar über dieses Angebot sagte ich: "Halten Sie sich bitte bereit."

Von mir erwarteten die Damen zuerst, daß ich ihnen von der Landschaft und dem Blockhaus einiges erzählte. Als ich die Begrüßung beendet hatte, konnte ich es mir nicht verkneifen, den Damen zu erzählen, daß drei Schülerinnen des Kippenberg-Gymnasiums ihnen den Kaffee einschenken werden. Eine der Schülerinnen sei die Prinzessin Cecilie von Preußen. Ich hielt es nicht fü möglich, wie die Damen darauf reagierten. Sie kramten aus ihrer Handtasche Kamm und Spiegel, um sich für die Prinzessin fein zu machen. "Welche der drei Schülerinnen ist denn nun die Prinzessin?" fragte man mich. "Sie trägt gelbe Stiefel," antwortete ich.

Das war für die Damen aus Oldenburg ein großes Erlebnis.

Ich freue mich über die Verbundenheit mit dem Hause Hohenzollern. Das war wohl im Sommer 1960.

Die Prinzessin von Preußen[1] heiratete[2] aus dem Hause Oldenburg Herzog Friedrich-August[3] .


[1] Marie Cécile Kira Viktoria Louise, Prinzessin von Preußen, geb. 28. Mai 1942 in Cadinen

[2] am 3. Dezember 1965 (standesamtl.), am 4. Dezember 1965 (kirchlich) in Berlin

[3] Friedrich August, Herzog von Oldenburg, geb. 11. Januar 1936 in Rastede

    zurück zum Seitenanfang