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20. bis 22. Juni 1949,
Ahlhorner Teiche
Am 27. Mai hatten wir auf den Sandflächen eines fast trockenen Teiches 2 Nester des Flußregenpfeifers gefunden. Am 29. Mail waren im ersten 3 im zweiten 4 Eier. Am 20.6., also nach 23 Tagen, schlüpften im zweiten Nest die Jungen aus. Abends fanden wir sie 20 m vom Nest entfernt, wo die Mutter sie unter die Gefieder nahm. Solange die Eltern die Eier im Nest hatten, stellten sie sich niemals "lahm", sondern liefen vom Nest fort und flogen dann auf, wenn wir uns näherten. Sie vertrauten wohl der vorzüglichen Schutzfärbung der Eier. Jetzt, wo sie Junge hatten, versuchten sie jedesmal, uns durch "Lahmstellen" von den Jungen fortzulocken. Auch im anderen Nest schlüpften nach 23 Tagen die Jungen aus.
H. Indorf
Gelege des Flußregenpfeifers
auf den Sandflächen eines Teiches
(Foto: H. Indorf)
Lieber Herr v. d. Dovenmühle!
Herzlichen Dank für Ihren Brief. Hoffentlich haben Sie sich unter den Fotos nicht mehr vorgestellt. Die Vögel selbst konnte ich nicht aufnehmen, weil ich keine Fernlinse hatte. Ich lege eine Abschrift meiner Tagebuch-Notizen von damals bei.
Besonderen Dank für Ihren Blockhausbrief. Der Aufsatz von Dr. Helms hat mich natürlich sehr erfreut, weil ich nun schon 40 Jahre mit ihm befreundet bin. Leider konnte er am 25. Mai nicht dabei sein, weil er Heuschnupfen hatte.
Ich war damals immer mit 7. Klassen der Hindenburgschule im Blockhaus, als Klassenlehrer. Herr Helms hat alles treffend geschildert. Mit den 7. Klassen war die Sache "unproblematisch", sehr richtig. Wie stark damals die 7. Klassen waren, sehen Sie aus beiliegendem Foto. Fröhliche, unbeschwerte Jugend! Die Eltern hatten z. T. als Flüchtlinge schwere Zeiten hinter sich. Sie sagten den Jungens: "Wir haben alles verloren, aber was uns die Schule gegeben hat, das konnte uns niemand rauben. Bedenkt das und nehmt die Schule, mit allem, was dazu gehört, ernst." Das war natürlich eine Atmosphäre für uns Lehrer, die es heute nicht mehr gibt.
Eine 7. Klasse, Hindenburgschule, Oldenburg, 1949 im Blockhaus
In den Schlafräumen sprach jeder beim abendlichen Abschied ein Abendgebet. Ich hatte sie schon in der Schule gebeten, sich darauf einzustellen, jeder auf seine Art. Beglückend war es für mich, wenn katholische Schüler ihr Gebet sprachen wie zu Hause und alle es sehr ernst nahmen. Geht das heute noch?
Mit Freude lese ich in Helms' Bericht die Namen Giesbrecht, Reuß, Johannsen, Brand, Küchel, Tabken. Mit Küchel war ich eng befreundet, er ging damals an die Waldorfschule in Freiburg, wo er bis zu seinem Tode am 1.11.1981 segensreich gewirkt hat. Ein besonders begnadeter Lehrer!
Wie schön, für Sie und für uns(!), daß Sie die 4 Jahrzehnte in Ahlhorn gewirkt haben. Ihr Name bleibt für uns mit den Aufenthalten im Blockhaus verbunden. Die Gemeinschaft mit Ihnen kam immer so deutlich zum Ausdruck, wenn Sie mit der ganzen Hausgemeinschaft an unseren "lustigen Abenden" teilnahmen. Es waren immer Schüler dabei aus dem OTB in Oldenburg, die eine solche Menge witziger Beiträge lieferten, daß das Haus vor Lachen schütterte. Und dann am Kamin die Abende mit Hulverscheidt, dem Unvergessenen!
Grüßen Sie Ihre liebe Frau und seien auch Sie herzlich gegrüßt!
Ihr H. lndorf
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