Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1984: Blockhausbrief Nr. 28

Inhalt:

Titel
Zum Geleit
Gedanken zur Zeit - Gedanken eines Blockhausgastes
Predigt am 19.8.1984
Erinnerungen - Wiederannäherung an das Blockhaus
Predigt zu Lukas 19, 1-10
Psalm einer Pusteblume
Ein (letztes?) Wiedersehen mit Blockhaus Ahlhorn
Texte von "Kippenbergern"
Brief von H. Kiausch
Jahresablauf in der Teichwirtschaft
Ein Blick hinter die Kulissen
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 5.1.1983 bis 18.12.1983
Werdegang eines Chorsängers
 

Erinnerungen

Wiederannäherung an das Blockhaus

Dr. Michael Trensky

In meiner Erinnerung ist das eine Ewigkeit her: Konfirmandenfreizeiten, Posaunenfreizeiten mit Johannes Horn (und dem "Karpfen"), zuletzt wohl als Theologiestudent. Also doch noch nicht so lange . . .? 15,16 Jahre vielleicht. Die Autobahn gab es noch nicht, die Wege sind viel besser geworden. Nicht mehr das Schlingern im Sand, das uns heute an manche Wüstenfahrten in Ägypten erinnert hätte. Nein, die Wege sind befestigt, geteert sogar und ich sehe, warum. Grasbewachsene künstliche Hügel, olivgrüne riesige Tore, Feuerlöscheinrichtungen, Entlüftungsschächte und doppelter Drahtzaun: Militärisches Sperrgebiet. Gab es das damals schon? So jedenfalls nicht. Muß es das geben? Aber doch nicht hier, in dieser verwunschenen Landschaft; wenn nicht hier, dann woanders. Verschandelung der Landschaft? Das auch, aber das ist ja nicht das Wichtigste. Frieden - so sagt die Natur, Frieden - so sagt es in mir. Und: geht es nicht anders? "Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft . . ."

Stimmung am See
Stimmung am See
Foto: R. Gramatzki

Vernünftig ist das nicht. Wir biegen ab. Die Kinder auf dem Rücksitz jubeln, die Seen tauchen zwischen sommerlichem Grün auf. Rudern, baden, Räuber-und-Gendarm. Das ist wie früher. Nein, die Boote sind viel schöner, die Blechbüchse zum Wasserschöpfen ist nicht mehr nötig. Das Tor, die Jungenburg zur Linken. Rechts am Ufer die Kirche - sie ist neu. Fast ins Wasser hinein gebaut. Ja, es ist richtig, eine Kirche hat hier eigentlich immer gefehlt. Sie ist geöffnet. Hier soll Gottesdienst gefeiert werden, übermorgen. Blick durch das Fenster auf das Wasser. Kirche am Ufer. Die Fischer am See Genezareth und Jesus mitten unter ihnen. Er nahm ein Boot und ließ sich ein wenig vom Ufer wegrudern, damit die Menschen ihn sehen und hören können. Jünger werden berufen am See, Gemeinde wächst im Hören und im Schauen. Seht die Vögel unter dem Himmel, die Lilien auf dem Felde. Gemeinde sammelt sich zum Lob, zum Gebet, zur Predigt, Gemeinde am Ufer, bereit, auszuziehen, das Ufer hinter sich zu lassen, zu neuen Ufern aufzubrechen.

Irgendwann sage ich: Es ist viel neues hinzugekommen hier, seit ich zum letzten Mal hier war. Und die ein wenig bange Gegenfrage: Aber es ist hoffentlich das Blockhaus noch das alte geblieben? Ja, es ist das alte geblieben, ist Ort zum Wandern, Feiern, Spielen, ist Ort zum Gespräch, zur Begegnung, zur Gemeinschaft und in all dem Ort für Gemeinde Jesu Christ. Das war es immer schon, so hatte ich es in Erinnerung. Ist mir deshalb das Fehlen einer Kirche nie richtig bewußt gewesen? Weil Kirche sich dort immer schon gesammelt hat in vielfältiger Form? Wahrscheinlich. Trotzdem ist es schön, nun auch das Gebäude dort zu haben und zu nutzen zum Lob Gottes.


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