Frau Ahlers in der Küche vor der Kippbratpfanne
Foto: H. Raderschatt
Ein Blick hinter die Kulissen
Ingrid Ahlers
Herr von der Dovenmühle hat mich gebeten, etwas über den Ablauf in der Küche, den Freuden und auch ein wenig vom Ärger, den es ja ab und zu auch gibt, zu berichten.
Als ich im März 1980 im Kuchenbereich als Hauswirtschaftsleiterin anfing zu arbeiten, war der erste Tag ganz schon verwirrend.
Da gibt es zum Beispiel:
A-Satz - Höchster Tagessatz mit Bedienung
B-Satz - Erwachsenen-Tagessatz mit Mithilfe
C-Satz - Tagessatz mit Mithilfe für Kinder und Jugendliche
Wir müssen für sämtliche Altersgruppen kochen - vom Kleinkind bis zur Großmutter -, und jedem soll es schmecken. Für unsere Stammgäste habe ich mir vor zwei Jahren eine Kartei angelegt und besondere Essenswünsche und Extras aufgeschrieben Denn manche erwarten, daß wir wissen, ob sie Kaffee, Kakao oder Tee trinken.
Unsere Mahlzeiten werden in zehn Tagesräumen eingenommen, weil jede Gruppe ihren eigenen Raum hat. Das Essen wird den Gruppen durch mehrere Ausgaben in der Küche gereicht. Da müssen wir ganz schön auspassen, daß die jeweilige Gruppe auch das bekommt, was ihr zugedacht ist.
Neuerdings kommen oft ausländische Kinder und auch ganze Gruppen, die kein Schweinefleisch essen dürfen. Auch denen wird ein Ausgleich geboten; genauso wie wir uns bemühen, z.B. Diabetiker richtig zu bewirten.
Es gibt im Blockhaus einige Besonderheiten, zum Beispiel der Kakao, von dem nicht nur Kinder sondern auch Erwachsene schwärmen. Er ist noch aus reiner Vollmilch und Kakaopulver angerührt. Dann gibt es noch den "Lipton" Tee, und das berühmte Schwarzbrot darf auch nicht fehlen. Außerdem bieten wir über die drei Mahlzeiten hinaus zusätzlich noch eine Kaffeemahlzeit an. Zum Abendbrot gibt es nicht nur Brot mit Auflage: es gibt immer etwas Deftiges oder Leckeres vorweg, für die Kinder z.B. Ravioli oder Nudelpfanne. Den Erwachsenen bereiten wir Hawaiitoast oder z.B. Apfelstrudel mit Vanillinsoße.
Im Blockhaus gibt es auch einen eigenen Gemüsegarten, der vom Küchenpersonal mit bewirtschaftet wird. Wir ernten das ganze Jahr über. Unsere erste Frucht ist im April der Rhabarber. Er wird als Kompott und Auflauf und für Kuchen verarbeitet. Ab Juni ernten wir den ersten Kopfsalat, weiterhin haben wir noch Kresse für Kräuterquark, Kartoffeln und Erbsen für den Privathaushalt. Unsere Bohnenernte reicht ca. für 150 Personen Eintopf aus.
Lustig finde ich es immer, wenn die Gäste glauben, daß das ganze Gemüse, das wir verarbeiten, aus dem hauseigenen Garten stammt; ich lasse sie auch in dem Glauben, aber dann müßten wir mehrere Hektar bearbeiten.
Außerdem haben wir etliche Kräuter, mit denen wir das Essen aufwerten: Maggikraut, Boretsch, Dill Schnittlauch, Petersilie.... Unsere Tomatenernte im Spätsommer reicht für die Verzierungen der Fleischplatten von September bis November. Ab Oktober reichen wir dann den eigenen Endiviensalat mit Sahnesoße und Mandarinen zu den Karpfenessen. In der Zeit von Ende November bis zum 15. Dezember haben wir fast jeden Abend "Karpfenessen" noch zusätzlich zu den Vollpensionsgästen. Da wird die Zeit oft knapp, aber wir sagen uns oft: "Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder etwas später!"
An der Geschirrspülmaschine
Foto: H. Raderschatt
Zu unseren Stammgästen haben wir im Blockhaus eine persönliche Verbindung. Sie wird dadurch gefördert, daß der Küchentrakt der Mittelpunkt des Geländes ist.
Um Punkt 10 Uhr wird zur viertelstündigen Teepause "geglast", zwei Doppelschläge an die Glocke. Das Personal und oft auch die Gruppenleiter finden sich in der Küche zusammen. Es wird um die Zeitung gerangelt und kurze Gespräche und Besprechungen werden geführt.
Manchmal finde ich es nicht so gut, daß die Küche der Mittelpunkt ist. Dann kommt es mir vor, als wäre sie ein Durchgangslager, weil es ja so bequem für die Gäste ist, die Abkürzung durch die Küche zum Büro oder zum Anbau zu nehmen. Eine langjährig beschäftigte Köchin erzählte mir einmal: "Es hat mich immer gewundert, daß früher nicht auch das Schwein, das geschlachtet werden sollte (Hausschlachtung), vom Schweinestall (heute steht dort die Kirche) durch die Küche in den Schlachtraum (Kellerraum im Seehaus) getrieben wurde".
Am Abend so gegen 19 Uhr ist die Arbeit in der Küche und der Spülküche beendet. Da treffen sich die Lehrlinge, Praktikantinnen und Angestellten, die im Personalhaus wohnen, im Tagesraum, und es beginnt der gemütliche Teil des Tages. Einige sehen fern, andere stricken, häkeln oder erwarten Besuch. An manchen Abenden im Jahr wird eine Fête gefeiert, bei gutem Wetter wird dabei auch draußen gegrillt. So gegen 23 Uhr wird es dann still im Personalhaus, denn morgens um 6 Uhr läutet ja schon wieder der Wecker.
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