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Erinnerungen an das BlockhausProf. Dr. Renate Riemeck Was würden "meine" heutigen Studenten wohl dazu sagen, wenn ich ihnen eine Exkursion von Marburg nach Ahihorn anböle und sie dort den "Komfort" der endvierziger Jahre vorfänden? Wahrscheinlich würden sie das als urtümliche Vergangenheit empfinden und nur staunen. Wir aber - die einstigen Oldenburger Schulklassen und ich - denken gerade deswegen so gerne ans Blockhaus zurück, weil wir dort, frei von Schulzwängen und Lehrplannötigungen, singen konnten: "Laß doch der Jugend, der Jugend ihren Lauf." Und die Schule lag ja noch so weit, unvorstellbar weit von der kurzen Freizeit entfernt, die wir im Blockhaus verbrachten. Alle waren froh und vergnügt. Frohsinn zu wecken und Heiterkeit zu entfalten war immer Sinn und Zweck unserer Ahlhorn-Unternehmungen. Denn die Gruppen von Kindern und Jugendlichen, die mit mir dort "schul-frei" machen konnten, gehörten allesamt einer Generation an, die noch Luftschutzkeller und Angste vor dem nächsten Fliegeralarm gekannt hat, die auch in jeder Gruppe von "Flüchtlingen" durchsetzt war. Denen, die ihre Heimat verloren hatten und sich oft als verlassene Fremdlinge im Oldenburger Land empfinden mußten, hat das Blockhaus besonders gut getan. Nicht nur, weil man sich dort dank der netten "Küche" auch mal sattessen konnte, war es schön im Blockhaus. Schön war vor allem, daß die "Fremden" aus Ostpreußen und Schlesien besser und schneller als in der neuen Schulklasse mit dem anderen Land, der anderen Mentalität seiner Bewohner und auch ihrer Hilfsbereitschaft vertraut werden konnten. Ich weiß nicht mehr, wie oft wir "schul-frei" in Ahihorn gemacht haben. Aber ich weiß, daß man dort ein wenig von dem praktizieren konnte, was die großen Schulreformer vor der Nazizeit in Landerziehungsheimen und Versuchsschulen uns vorgelebt hatten: eine freie und kreative Pädagogik. Weil ich damals noch sehr jung war, kaum älter als manche Absolventen der Abiturklassen, hatte ich jedesmal Mühe, solche Freizeiten im Lehrerkollegium "durchzuboxen". Aber der Aufenthalt im Blockhaus und das dort gewonnene Freiheitsgefühl sorgten für reiche Entschädigung. Viele von denen, die damals dabei waren, hatten noch Lehrer in SA-Uniform gekannt: viele kamen aus nicht-christlichen Elternhäusern. - und nun lernten sie, daß jeder Morgen mit einem Paul Gerhardt-Lied begann und vor jeder Mahlzeit gebetet wurde. Ich freute mich, wie rasch ihnen das selbstverständlich war. Es ist dies meine schönste Erinnerung an das Blockhaus - mit seinen dünnen Wänden und seiner sommerlichen Mückenplage. Wir haben gesungen, getanzt, gespielt. und wir wollten die Welt verändern. Hat sie sich verändert? Es geht uns allen besser als damals. Aber das ist nicht die Veränderung, die wir einst wollten. Immerhin, - von denen, die im Blockhaus mit dabei waren, sind heute etliche um die Erhaltung unserer armen Erde bemüht und kämpfen dafür. |
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