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Mein früherer Mitarbeiter Günter Kunath schreibt in einem Brief unter anderem von der "frühen" Zeit des Blockhauses [R. v. d. D.] Erinnerungen nach 35 JahrenGünter Kunath Durch Vermittlung des CVJM, Reichsbund in Kassel, kam ich vom Eichenkreuzheim in Borkum am 1.10.1947 als Hausmeister zum Blockhaus. Am 16.6.1948 kam meine Frau von Dresden dazu, die ich Ende April 48 geheiratet hatte. Meine Arbeit wurde am 30.6.1949 beendet, weil das Blockhaus zwei Familien nicht tragen konnte. Ich blieb mit meiner Familie bis Februar 1950 in einem kleinen separaten Raum wohnen. Ich war damals 29 Jahre alt und hatte beim CVJM in Kassel und dessen Heim in Borkum ähnliche Aufgaben wahrgenommen. Es handelte sich jeweils darum, junge Menschen mit vorhandenem Material und Einrichtungen möglichst gut unterzubringen. Jedes Stück Holz und jeder Nagel hatten damals Wert. Bei meinem Arbeitsantritt im Blockhaus sind mir besondere Mängel nicht aufgefallen, außer daß die Heizung nicht ging. Vor jeder angemeldeten Freizeit waren Aufteilung der Räume, Einrichtung und eventuelle Trennung der Jungen und Mädchen zu bedenken. Dann wurden die Holzbetten instandgesetzt, umgestellt, zurechtgemacht. Es mußten auch Tische und Sitzgelegenheiten beschafft, notfalls gebaut werden. Strohsäcke wurden genäht, ausgebessert und gestopft. Für Ablage, Kleiderhaken und Spinde mußte gesorgt werden. Ein besonderes Problem war die Aufstellung von Ofen. Rohre und Knie habe ich teils aus Blech von Kekskanistern gebaut. Aber auch durchgebrannte Ofen mußten verwendungsfähig gemacht werden. Das hielt nicht lange. Doch einen Winter kamen wir wieder hin. Sorgfalt erforderte die Isolierung und Abstand zu den Holzwänden und Decken. Ich glaube heute, daß manch segnender Engel beigestanden hat, wie in Luthers Morgen- und Abendsegen, "Dein Heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde." Abgestorbene Bäume durften geschlagen werden. Sie wurden zum Kochen und Heizen und auch für vielerlei andere Arbeiten verwendet, wie z.B. Wegestufen. Beförderungsmittel war anfangs ein geliehenes Pferd mit Wagen (Theo Janzen), vor allem aber ein kleiner britischer Lkw von ca. 1,5 t, der von der Besatzungsmacht zweimal wöchentlich zur Verfügung gestellt wurde. Ohne diese großzügige Hilfe wäre die Versorgung nur schwer möglich geworden. ![]() Gaukameradschaftsheim bei KriegsendeDie Hauptzufahrt kommt von der nördlich liegenden Landstraße Sage - Bissel - Beverbruch über einen früheren Feldflugplatz. Eines Morgens im Sommer 1948 hörten einige von uns entfernte Detonationen. Es kam auch die Kunde, daß Briten im Wald am ehemaligen Flugplatz lagern. Ich fuhr mit einem Fahrrad hin, und mit den Resten meines Schulenglisch konnte ich herausfinden, daß eine britische Einheit den Auftrag hatte, die ehemalige Flugplatzstraße unsere Zufahrt, zu sprengen. Das sei eine Auflage der Russen, und die würden das auch kontrollieren. Ich konnte erreichen, daß die Soldaten die weiteren Sprengungen nicht in der Mitte der Straße vornahmen, sondern abwechselnd rechts und links, so daß man noch in Schlangenlinie fahren konnte. Einige Jahre lang wird sich mancher Besucher gewundert haben, daß er slalomartig fahren mußte. Einer der wichtigsten Gegenstände war ein großer, schöner Flügel, der schon vor meiner Zeit bei einem Bauern wiedergefunden worden war. Er half bei musikalischen Freizeiten aller Art. Ich konnte und durfte hier mithelfen, bei Gottesdiensten die Choräle begleiten, bei Volkstanzgruppen als Klavierbegleiter aushelfen. Die Volkstänze unter Leitung von Karl Scheller habe ich in guter Erinnerung. Ich lernte auch die drückende Last von Doppelzentnersäcken kennen. So ein Mehlsack hat es in sich, wenn er über paar Stufen befördert werden muß, die Rückenlast das Atmen kaum zuläßt und die Beine den Dienst versagen wollen. Nach einem warmen Nachtgewitter kam ein wunderschöner Sommermorgen auf. Auf dem Wege zur Küche sahen wir eine unzählbare Menge hüpfender und kriechender Kröten, etwa 1 cm groß. Wir konnten kaum zur Tür gelangen, ohne einige zu zertreten. Sie ließen sich nicht verjagen. Mit einem großen Besen mußten wir sie aus der Küche und dem Vorraum entfernen. Bis Mittag waren sie alle verschwunden. Großer Besuch von Dr. Hermann Ehlers (48/49)! Eine Gans wurde gerupft und zubereitet. Eine liebevolle ältere Küchenfrau hatte eine glänzende Idee. Eine gerupfte Gans muß man baden wie ein kleines Kind, schön liebevoll mit Seife waschen. Der Braten hatte einen seltsamen, nicht erklärbaren Geschmack. Opa Zacharias, ein alter Ostpreuße aus Lübeckfelde mit krummen Beinen, versorgte die Schweine und verstand es auch, Salzheringe in aufgeschlagenen Benzinfässern zu räuchern. Das war eine wertvolle Abwechslung für die Küche. Georg Glamm, früher Panzerkommandant, verwaltete die Lebensmittelmarken. Er half bei Jungenfreizeiten. Er konnte gut mit ihnen umgehen, organisierte Schnitzeljagden und andere Geländespiele. Er brachte Jungengruppen zur Abendruhe, indem er sie nochmal richtig toben ließ. |
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