Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1982: Blockhausbrief Nr. 26

Inhalt:

Titel
Zum Geleit
Vernünftig und menschlich leben lernen
Die Einweihung der Kirche
Die neue Kirche - Meditation zu einem ungewöhnlichen Fenster
Die Spuren Gottes - Predigt über Jesaja 6, 1-13 am 6. Juni 1982 zur Einweihung der Kirche
Zelt und Fenster - Predigt zur Einweihung am 19. Juni 1982
Das Blockhaus wird kirchlich
Die ersten Jahre im Blockhaus
Hamburger Gäste im Jahre 1948
Das Kinderheim im Blockhaus
"Oase" Blockhaus Ahlhorn
Persönliche Erinnerungen
Notizen zur frühen Zeit im Ahlhorner Blockhaus nach 1945
Zum ersten Mal im Blockhaus Ahlhorn
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 1.1.1981 bis 31.12.1981
Blockhaus-Symphonie
Wiedersehen mit dem Blockhaus
 
Kirchenkreuz
Das Kreuz über der Kirche


Das Blockhaus wird kirchlich

Carl Ballin

Als die englischen Truppen im April 1945 die Linie Wildeshausen - Ahlhorn -Oberlethe überschritten hatten, nahmen sie im Anschluß daran auch das Blockhaus Ahlhorn, das bis dahin im Besitz der Gauleitung Weser-Ems der NSDAP gewesen war, in Besitz. Interessant dürfte in diesem Zusammenhang sein, daß die Gauleitung, nachdem die Engländer bereits Osnabrück überrollt hatten, ein größeres Gemälde für das Blockhaus angekauft hatten, anscheinend um sich dadurch in der von der NSDAP vorgegaukelten Siegesstimmung noch weiter betäuben zu lassen. Am 28. Mai 1945 wurde ich von der englischen Militärregierung Detachement 821 als Landrat des Landkreises Oldenburg (Oldb) verpflichtet. Als dann später die (mehreren) Züge mit Flüchtlingen aus dem Osten eintrafen, stellte sich in der Gemeinde Großenkneten eine sehr bedrückende Notwendigkeit der Schaffung eines Altenheimes heraus, um die zahlreichen sehr alten Personen, die sich unter den Flüchtlingen befanden, unterzubringen, da das Alters- und Pflegeheim des Landkreises Oldenburg (Oldb) in Wildeshausen hierfür nicht annähernd ausreichte. Nachdem diese alten Flüchtlinge zuerst einige Zeit sehr primitiv und behelfsmäßig untergebracht gewesen waren, schuf die Gemeinde Großenkneten einige Zeit später selbst ein recht primitives Altenheim in Großenkneten unter eigener Regie. Als ich erfuhr, daß die englische Besatzungsmacht das Blockhaus Ahlhorn dem Evangelischen Oberkirchenrat in Oldenburg (Oldb.) überlassen hatte, nahm ich mit diesem Verbindung auf zwecks Schaffung eines Alten- und Pflegeheimes. Im weiteren Verlauf unternahm ich mit Herrn Oberkirchenrat Hermann Ehlers (dem späteren Bundestagspräsidenten) und Herrn Pastor Maltusch eine Fahrt zum Blockhaus Ahlhorn, um es eingehend zu besichtigen und bezüglich seiner Eignung als Alters- und Pflegeheim im einzelnen zu prüfen.

Das Ergebnis war einigermaßen positiv, und das Ergebnis der Besichtigungstour war, daß die Herren vom Oberkirchenrat versprachen, mir demnächst einen Bescheid über die Verwendung des Blockhauses zukommen zu lassen, da sie persönlich nicht allein hierüber entscheiden könnten. Als ich einige Zeit später wieder mit dem Ministerpräsidenten Tantzen wegen dieser Angelegenheit konferierte, erfuhr ich zu meiner Enttäuschung, daß die englische Militärregierung, Detachment 821, die für das ganze Land Oldenburg (Oldb.) zuständig war, das Blockhaus Ahlhorn dem Oberkirchenrat zum Betrieb eines Jugendheimes überlassen hatte, Ich habe hiergegen aus begreiflichen Gründen nichts unternommen und fügte mich in die Situation, daß das Blockhaus verwaltungsmäßig weder der Gemeinde Großenkneten noch dem Landkreis Oldenburg (Oldb) unterstand. Der Evangelische Oberkirchenrat entwickelte das Heim unter den großen Schwierigkeiten in der damaligen Zeit erst sehr langsam zu seiner heutigen Zweckbestimmung, und so kam es erst am 2ß. August 1946 zu einer feierlichen, offiziellen Einweihung des Blockhauses als "Evangelisches Jugendheim Blockhaus Ahlhorn".

An dieser Feier nahmen zahlreiche Vertreter des Oberkirchenrates, der Gemeinde und des Landkreises - für diesen war ich erschienen - teil. Das Hauptreferat unter den verschiedenen Reden hielt der Bischof Stählin, der vor allem die jetzt anlaufende Zweckbestimmung des Blockhauses im einzelnen entwickelte.

In Anbetracht der sich jetzt entwickelnden Bedeutung des Blockhauses als überörtliches Jugendheim fühlte ich mich berufen, gelegentlich vom Landkreis Oldenburg (Oldb.) aus das Heim zu betreuen.

Daß die Katholische Kirche bei diesem Werdegang die Hände mit im Spiel hatte, davon habe ich nichts erfahren. Zu welchem Zeitpunkt das Blockhaus von der Militärregierung dem Oberkirchenrat übergeben wurde und welche Personen beteiligt waren, ist mir unbekannt geblieben. Der Landkreis Oldenburg (Oldb.) war bei dieser Entwicklung naturgemäß ganz ausgeschaltet, abgesehen von ganz gelegentlichen Betreuungsaktionen.


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