Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1981: Blockhausbrief Nummer 25

Inhalt:

Titel
Zum Geleit
Der kleine Katechismus Dr. Martin Luthers
Versuchsfeld der Gemeinde
Ahlhorns Wasser
Der alte Oldenburger Jugendchor im Blockhaus
Unser Blockhaus und seine Umgebung in der Rückblende
Teil 1
Unser Blockhaus und seine Umgebung in der Rückblende
Teil 2
Unser Blockhaus und seine Umgebung in der Rückblende
Teil 3
Erinnerungen an das Blockhaus
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 1.1. bis 31.12.1980
 
Enten auf dem Helenensee

Versuchsfeld der Gemeinde

Hermann Müller
[erstmals erschienen im Blockhausbrief Nr. 6 im Jahre 1961]

Wenn von unserem Blockhaus die Rede ist, dann wird es in erster Linie als das wunderschöne Heim gesehen, das mit seiner Umgebung der Jugend eine einmalige Gelegenheit für ihre Wochenendfahrten, Freizeiten und Lager bietet. Man schwärmt für das Baden im Helenenteich und die Bootsfahrten; man sieht die Jugend auf dem Sportplatz, in ihren Zelten und vor dem Kaminfeuer und man erinnert sich an die herrlichen Spaziergänge, die zu jeder Jahreszeit ihren besonderen Reiz haben. Alles in allem: man sieht im Blockhaus den wunderbaren Platz, an dem die Jugend sich tummeln und die Älteren sich erholen und entspannen können.

Es soll hier auch in keiner Weise bestritten werden, daß wir das alles an unserem Blockhaus lieben und schätzen und in keiner Weise missen möchten. Aber mir scheint, daß man erst eine Seite entdeckt hat, wenn man dieses Haus nur als ein Ferienparadies sieht. Ich glaube, daß die Besonderheit des Blockhauses ebenso darin liegt, daß wir hier in einer Weise als Gemeinde zusammen leben können, wie es sonst kaum möglich ist, und daß wir hier neue Möglichkeiten für das Leben der Gemeinde entdecken und ausprobieren.

Ist es nicht so, daß in unseren "normalen" Gemeinden etwas sehr Wesentliches fehlt: die wirkliche Gemeinschaft, und das hieße doch ein Zusammenleben, in dem einer den anderen kennt, in dem man miteinander ständig im Gespräch steht, in dem man in allen Dingen für einander einsteht, einander rät und hilft. Ich glaube, daß wir solches Zusammenleben brauchen. Ich glaube, daß für viele Menschen Worte wie Vergebung, Barmherzigkeit, Gnade, Bruderschaft und Liebe erst dann wieder Wirklichkeit gewinnen, wenn sie die Wirklichkeit dieser Worte in der Gemeinschaft der Christen erleben. Aber viele erleben diese Gemeinschaft nicht. Ich denke dabei an die Jungen und Mädchen, an die jungen Männer und die jungen Frauen, mit denen man zwar über die Fragen des Glaubens diskutieren kann, die aber den Weg in die evangelischen Jugendkreise und in den Gottesdienst nicht finden. Ich denke an die Menschen, die ihren Pastor noch nie gesehen, geschweige denn gesprochen haben. Ich denke an die, die von ihrer Arbeit aufgefressen werden. Ich denke auch an die Menschen, die sich zum Gottesdienst am Sonntagmorgen versammeln, die aber hinterher wieder auseinanderlaufen in ganz verschiedene Straßen und Stadtteile, in grundverschiedene Berufe und Lebensbereiche. Sie gehören wohl zu einer Kirchengemeinde, aber sie wissen wenig voneinander.

Und hier liegt die große Möglichkeit des Blockhauses. Denn wenn wir hier zusammen kommen, dann gehört alles zusammen und alles wird gemeinsam getan: Das Tischdecken, das Essen und Trinken, das Abwaschen, das Arbeiten und das Feiern, der Ernst und das Spiel, der Lärm und die Stille, der Tanzabend und der Gottesdienst. Hier hat man die Möglichkeit, vor und nach dem Gottesdienst zusammen zu sein, hier kann die Gemeinde zusammen leben über den Sonntagmorgen von 10 bis 11 Uhr hinaus. Und die Predigt ist nach dem Gottesdienst noch lange nicht zu Ende.

Von den ersten Christen wird in der Apostelgeschichte berichtet, daß "sie alle Dinge gemeinsam hatten". Ein kleines bißchen von dieser Gemeinsamkeit in allen Dingen kann im Blockhaus sichtbar werden. Und mir scheint, daß durch diese Gemeinsamkeit unsere Gottesdienste und die Gespräche an Lebendigkeit, an "Fleisch und Blut" gewinnen.

Zu den Möglichkeiten des Blockhauses gehört es auch, daß wir hier experimentieren können. So haben wir versucht, das Abendmahl wirklich als eine Mahlzeit zu feiern. Und wir haben uns bemüht, Morgen- und Abendgebete für unseren Alltag zu finden.

Bei allen diesen Überlegungen und bei aller Freude über das, was wir im Blockhaus finden, bin ich mir durchaus im Klaren darüber, daß wir die Gemeinschaft im Blockhaus nicht überbewerten und nicht idealisieren dürfen. Ich weiß auch, daß die hier mögliche Gemeinsamkeit nur sehr kurz ist und auch nur Teile unseres Lebens umfaßt. Ich bin mir schließlich auch der Gefahr bewußt, die darin besteht, daß sich manche mit einem sporadischen Gemeindeerlebnis im Blockhaus begnügen. Darum ist es notwendig, daß alle Arbeit im Blockhaus hinführt zum Leben in der Ortsgemeinde.

Darum ist es aber auch notwendig, daß unsere Landeskirche das Blockhaus vielmehr als einen geistigen und geistlichen Mittelpunkt unserer Kirche ausbaut, liebt, pflegt und gebraucht.

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