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Erinnerungen an das BlockhausGertrud GrußBei der Übergabe des Blockhauses an die Evang. Jugend Oldenburg bezeichnete der Ministerpräsident Tantzen dieses als eines der schönstgelegendsten Heime in ganz Deutschland. Heute würde man es sicherlich unter eines der schönsten Jugendheime im Bundesgebiet zählen. Es war gedacht, ein Heim für die Jugend zu sein, doch nicht nur Jugendliche haben dort Erholung gefunden und Gemeinschaft erlebt, sondern jung und alt traf sich dort. Meine Erinnerungen an das Blockhaus gehen in die 60iger Jahre zurück, als die Evang. Frauenhilfe Oldenburg ihre Mitglieder zu Erholungsfreizeiten ins Blockhaus einlud. Oft waren die Anmeldungen so zahlreich, zumal in den letzten Jahren auch Ehepaare eingeladen wurden, daß zwei Freizeiten hintereinander durchgeführt werden mußten. Viel ist in all den Jahren von der Schönheit der Umgebung des Blockhauses geschrieben worden, von der Stille und dem Frieden einer unberührten Natur. Das war und bleibt für jeden Besucher ein bleibendes Erlebnis. Am Morgen saßen wir zusammen, um einen Bibeltext miteinander zu bedenken, und dann umwanderten wir die vom Wald umsäumten Fischteiche, sahen Fischreiher darüber kreisen, fanden Sonnentau im Moor und saßen an einem kleinen Weiher, um auf die Sprache des Waldes zu hören. Die Fröhlichkeit kam auch nicht zu kurz. Es gab Kaffeestunden im Gasthaus "Zum Karpfen" und gemeinsame Spiele rundeten die Freizeit ab, an denen zum eigenen Erstaunen auch die älteren Menschen Freude hatten. Manche von ihnen erlebten zum ersten Mal einen Urlaub. Ich denke auch an die Aufbauwochen. Es waren Frauen eingeladen, die aus der DDR geflohen, nun im Auffanglager Hahn lebten. Für sie war der Aufenthalt im Blockhaus ein ganz besonderes Erlebnis nach dem Lagerleben oft mit fremden Familien zusammengepfercht. Im neuerbauten Gästehaus hatte jeder sein eigenes Zimmer, sie konnten sich an den gedeckten Tisch setzen und das guten Essen im Blockhaus genießen. Dann kam das Seehaus dazu. Wir saßen zusammen am kleinen Kamin zu Rundgesprächen. Den meisten von ihnen war christliches Denken fremd, aber es war eine große Aufgeschlossenheit für die ihnen fremde Denkweise vorhanden. Anfang jeden Jahres kamen die kirchlichen Mitarbeiter zu ernster Arbeit zusammen. Ich erinnere, wie auf einem Spaziergang ein Graben unter großem Gelächter auf runden Baumstämmen überquert werden mußte. Später hatte man eine Brücke gebaut. Die neue Kirche spiegelt sich im See Was aber den besonderen Reiz des Blockhauses ausmachte, war die Begegnung des älteren Menschen mit der Jugend. In all den Jahren hat es keine Schwierigkeiten gegeben, im Gegenteil, es ergab sich ein gutes Miteinander. In den ersten Jahren schliefen wir noch im alten Haupthaus. Die Zimmer lagen über dem Saal und das Haus war sehr hellhörig. Eine Hamburger Schule war gleichzeitig im Blockhaus und es wurde viel musiziert und gesungen. Uns störte das Singen und Klingen in keiner Weise. Aber als einmal in der Mittagsstunde im Saal Trompete geübt wurde, fuhren wir doch erschrocken aus dem Schlaf. Die Jugend hatte in ihrer Begeisterung nicht an uns gedacht und am Schluß wurden wir zu einem schönen Konzert eingeladen. In einem Jahr waren Soldaten länger geblieben als vorgesehen, und die Leitung hatte Schwierigkeiten, die Tagesräume zu verteilen. So ergab es sich, daß wir mit den Soldaten den Eßraum teilen mußten. Es war eine Freude zu sehen, wie hilfsbereit die jungen Menschen für uns einsprangen, den Tisch deckten, das Essen holten und mit uns den Tischkanon sangen. Dann wurde gemeinsam abgewaschen, denn damals gab es noch keine Spülmaschine. Jeder mußte sein eigenes Geschirr mit Soda abwaschen. Dabei ergaben sich manch gute Gespräche zwischen jung und alt. Nicht immer standen Pfarrer für einen Gottesdienst im Blockhaus zur Verfügung, so wurden die Jugendlichen, die damals noch in Zelten lebten, gebeten, sich an der Gestaltung des Gottesdienstes zu beteiligen. Mit großem Ernst lasen sie die Sprechszenen über das Leben von Toyohiko Kagawa, dem japanischen Christen und Sozialreformer. Wir sangen und beteten zusammen. Mehr denn je ist es heute wichtig, daß solche Kontakte zwischen den Generationen zum gegenseitigen Verständnis gepflegt werden. So haben wir eine kleine Wegstrecke des Werdeganges des Blockhauses miterleben dürfen. Wenn heute sicherlich manches erweitert und modernisiert ist, so bleiben uns doch all die Tage, die wir im Blockhaus erleben durften, in unauslöschlicher Erinnerung. |
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