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Der kleine Katechismus Dr. Martin Luthers
Heinrich Höpken
Sofort zu Anfang möchte ich sagen, was ich meine. Alle Kinder sollten im Elternhaus, in der Schule, in der Kirche wieder den ganzen Kleinen Katechismus Dr. Martin Luthers auswendig lernen; denn es muß erreicht werden können, daß die Grundaussagen unseres Glaubens von Generation zu Generation überliefert werden. Unsere Unbildung im Glauben wird immer größer. Wenn ich nur an die vier Generationen denke, die ich überblicken kann, muß ich erschrecken.
Meine Großeltern mütterlicher- und väterlicherseits konnten den kleinen Katechismus noch ganz auswendig, sie fanden sich auch in der Bibel zurecht; sie waren um 1850 geboren worden. Bei der Generation meiner Eltern, um 1880 geboren, war es schon weniger geworden. In meiner Generation, um 1910 geboren, wurde aus Luthers Katechismus nur noch etwa die Hälfte gelernt; die Bibel gab es nur einen Winter lang in einer Wochenstunde, davon blieb kaum etwas. In der jetzigen Generation, um 1940 geboren, wurde allmählich nichts mehr aus dem Katechismus gelernt; die Bibel gab es nur gelegentlich als Ergänzung zu den Problemen des Lebens. An Glaubensaussagen kann die jetzige Generation fast nichts mehr überliefern, weil sie nichts auswendig gelernt hat und nichts weiß; sie kennt fast nur noch Probleme. Die Religion der jetzigen Generation könnte statt des christlichen Glaubens genau so der Islam sein. - Die Unbildung in Glaubensfragen ist deshalb so katastrophal, weil daraus alle anderen Dinge fließen.
Natürlich gibt es als Ausnahme eine sehr wachsame Minderheit. Es gibt in der jetzigen Generation Menschen die wissen wollen, was Bibel und Katechismus sagen und auch leben wollen. Man kann nur wünschen und hoffen, daß diese wache Minderheit bestimmend wird. Sie kann dann in der folgenden Generation viel bewegen. Es ist ja immer so, daß eine Minderheit bestimmend ist, wenn sie lebt, was sie sagt.
Für diese wache Minderheit - schließlich kommt es nicht darauf an, ob jemand 17 oder 70 Jahre alt ist - möchte ich gern eine handfeste Modernisierung von Luthers kleinem Katechismus, die so gefaßt sein müßte, daß jeder damit für sich und andere verständlich aussagen kann, was er glaubt.
Als es vor vielen Jahren hieß, es solle ein Erwachsenen-Katechismus erscheinen, habe ich zunächst an so etwas gedacht. Es sind aber über 1000 Seiten geworden; er soll nun sehr verkürzt werden, wie es schon mit dem Ev. Gemeinde-Katechismus geschah (da sind es nur noch 500 Seiten). - Wir brauchen aber so ein kleines Heft, wie es der Kleine Katechismus Luthers ist. Es ist gewiß schwer, kurz, knapp und doch umfassend Sätze zu finden, die sich einprägen und in hochgestochenen oder sehr dummen Diskussionsbeiträgen durchschlagen und Bestand haben können. Wir haben keinen Martin Luther heute. Außerdem verändert sich die Sprache heute in 10 Jahren so schnell wie früher in 100 Jahren. Dennoch muß man es versuchen, den Kleinen Katechismus Luthers in unsere Zeit hinein zu übertragen.
Ich frage jetzt - nur als Beispiel - etwas sehr Einfaches. Was würde es in unserer heutigen Demokratie ausmachen, wenn alle Kinder sehr früh lernen, was das 10. Gebot mit Luthers Erklärung im Kleinen Katechismus sagt?: "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh oder alles, was sein ist. Was ist das? Antwort. Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten nicht sein Weib, Gesinde oder Vieh abspannen, abdringen oder abwendig machen, sondern dieselben anhalten, daß sie bleiben und tun, was sie schuldig sind.
Sicher hat es früher mit unseren Großeltern auch Neid, Diebstahl, Kravalle usw. gegeben, aber nicht bis zur Grenze der Auflösung wie heute. Was kann man heute der Abwerbung, der Ellenbogen-Rücksichtslosigkeit entgegensetzen, wenn nicht das Gebot Gottes? Einsicht in menschliche Vernunft? Auf welche Weise denn wohl? Oder muß man so weit liberal wie möglich der Entwicklung nachgeben, daß Abgeordnete über die Geltung dieses oder jenes göttlichen Gebotes beschließen, wie es ja geschieht?! Und gerade große Teile unserer Intelligenz haben wenig Interesse für einen Katechismus des Glaubens, sie halten Katechismus, Bibel, Gottesdienst für rückständig und merken gar nicht, daß sie den Ast absägen, auf dem wir alle sitzen. - Was wird es für eine Bedeutung für Besucher, Gäste und Mitarbeiter haben, wenn im Blockhaus Ahlhorn regelmäßig Gottesdienste gehalten werden und in diesem und jenem Gottesdienst auch die Gebote Gottes überliefert werden.
Nun, ich sehe es leider noch nicht, daß wir einen kleinen modernen Katechismus haben. Solange wir ihn nicht haben, sollten wir den alten auswendig lernen. Vielleicht muß man etwas mehr erklären als zu Luthers Zeiten. Aber die Mühe wird sich lohnen. Z. B. verstand damals noch jeder, was gemeint war, wenn Luther sagt: ,,abspannen, abdringen oder abwendig machen." Darin steckt ja eine fein beobachtete Steigerung. Abspannen meint nicht etwa abspannen, wie man ein Pferd vom Wagen abspannt, sondern meint abgewöhnen von der Mutterbrust. Wir haben den Ausdruck noch mit dem Spanferkel, ein Ferkel, das gerade im Abgewöhnen begriffen ist; abdringen ist dann schon kräftiger, und abwendig machen ist der vollendete Diebstahl.
Ich wundere mich immer aufs Neue wie gebildet Erwachsene über Luthers kleinen Katechismus lächeln können, und sogar Pastoren meinen, so etwas könne man heute nicht mehr lernen lassen. Dabei gehören viele Stücke aus Luthers Katechismus zu den schönsten und größten Stücken unserer Sprache. Luthers Erklärung zum 2. Artikel z. B. ist kaum ein anderes Stück der deutschen Sprache an die Seite zu stellen.
Es wäre schön, wenn wir im Blockhaus bei vielen sich bietenden Gelegenheiten Jungen und Alteren Mut machen könnten, Stücke aus Luthers Katechismus in sich eingehen zu lassen, wir Deutsche sagen: auswendig lernen; die Franzosen und Engländer sagen es besser: mit dem Herzen lernen! - Ich frage noch einmal: Sollte das nicht Auswirkungen haben für unser Volk und Land?
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