Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1981: Blockhausbrief Nummer 25

Inhalt:

Titel
Zum Geleit
Der kleine Katechismus Dr. Martin Luthers
Versuchsfeld der Gemeinde
Ahlhorns Wasser
Der alte Oldenburger Jugendchor im Blockhaus
Unser Blockhaus und seine Umgebung in der Rückblende
Teil 1
Unser Blockhaus und seine Umgebung in der Rückblende
Teil 2
Unser Blockhaus und seine Umgebung in der Rückblende
Teil 3
Erinnerungen an das Blockhaus
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 1.1. bis 31.12.1980
 

Unser Blockhaus und seine Umgebung in der Rückblende

Rolf von der Dovenmühle

Teil 3

(Die Quellen der Zitate, sofern nicht direkt im Text angegeben, finden sich am Ende des Dokuments)

Der verstorbene Landeskirchenbaurat Dietrich Schelling hat vieles im Blockhaus geplant, gebaut und erlebt:

"Die Männer des freiwilligen Arbeitsdienstes, später des Reichsarbeitsdienstes bei den Fischteichen, haben Julius Keimer bei der Erschließung der zauberhaften Seenlandschaft geholfen. Sie machten dem Gauleiter Carl Röver ein kleines, äußerst bescheidenes Häuschen mit Wohnraum, Küche und drei Schlafzimmern zum Geschenk.

Hier beginnt die Geschichte des Blockhauses Ahlhorn.

Dieses kleine Wochenendhaus, heute umgebaut und "Jungenburg" genannt, ist der Anfang der ganzen Anlage.

Frau B., geb. Röver berichtet:

"Ahlhorn war die große Liebe meines Vaters, nicht so sehr die meine. Erst nach der Kindheit kamen mir die Beschaulichkeit und Schönheit der Landschaft, die Stille und der Frieden in Ahlhorn zum Bewußtsein. Aber was ich weiß, will ich Ihnen gern berichten....

Carl Röver
Carl Röver auf dem Balkon seines Blockhauses

Angefangen hat es folgendermaßen: Es muß um 1932 gewesen sein, an einem Sonntag. Meine Mutter und ich fuhren mit dem Zug nach Ahlhorn, mein Vater mit dem Motorrad. In Ahlhorn setzte er mich auf den Sozius und fuhr mit mir an den See, den Sie wohl heute "Helenensee" nennen. Ich mußte dort warten, bis mein Vater meine Mutter geholt hatte. Sicher hatte mein Vater diesen Platz zuvor schon mal entdeckt, wann und wie, das weiß ich nicht. Jedenfalls waren wir zum ersten Mal dort, meine Mutter und ich. Ich weiß nicht, warum mir das so genau in Erinnerung geblieben ist. Vielleicht hatte ich Angst, als ich ganz allein in der großen Einsamkeit auf meine Eltern wartete. Mein Vater schwärmte: "Hier müßte man ein Häuschen haben."

Er war verliebt in diesen Platz. Es war der Fleck, auf dem dann das kleine Blockhaus später gebaut wurde. Damals, als wir Picknick machten, war das ein Traum, nie erfüllbar, da das Gelände staatlich ist und war. Aber ist es nicht wahr, daß, wenn man sich ganz fest etwas wünscht, manchmal die Wünsche in Erfüllung gehen? Das kleine "Blockhaus" wurde vom Arbeitsdienst gebaut, ich glaube, ohne jede andere Hilfe. Es muß nach 1933 gewesen sein. Es war für meinen Vater eine Überraschung, er wußte nichts davon und hat also auch nicht mitgeholfen. Damals waren es vier Räume, drei Schlafzimmerchen und das Kaminzimmer, eine winzige Küche, die unterkellert war. Kein Licht, eine Petroleumlampe schwärzte die Decke. Wasser wurde gepumpt. In der Küche war eine Pumpe. Wann mein Vater und seine Freunde (nicht die von der Partei, das kam erst später) die zwei Wände herausgerissen haben, um einen Raum zu bekommen, weiß ich nicht. Ich weiß nur, daß sie die Wände mit Holz bekleidet (oder verschalt nennt man es wohl) haben. Eingerichtet war es im Bauernstil: Schwarzer Eichenschrank (nicht groß) mit Zinnlöffeln und Tellern, großer runder Tisch, in der Ecke ein Ofen und vor den Fenstern rotweißkarierte Vorhänge. Die Terrasse glaube ich, wurde auch erst später von meinem Vater gebaut. Zimmern war sein Hobby. Es ist lange alles im ursprünglichen Zustand verblieben.

Alter Grundriss vom 'Blockhaus'
Alter Grundriß vom 'Blockhaus'

Unten am See kam ein Steg hin und eine Überdachung für das Ruderboot. Etwas weiter oben ein Häuschen zum Duschen. Ich erinnere mich, als Dusche nur an eine Gießkanne. Wir haben viel im See gebadet, dazu wurde ein Floß gebaut. Wenn der See "blühte", kamen wir als "Meeresjungfrauen" aus dem Wasser. Dann brauchte man die Gießkanne zum Abduschen. Neben dem Blockhaus wurde ein Aussichtsturm errichtet, auf mittlerer Höhe mit einem Zimmer. Ein Onkel von mir hat eine Nacht dort zugebracht, sein Kommentar: "Nie wieder, es schaukelt fürchterlich!" Es war wirklich eine schwankende Angelegenheit, aber eine wunderbare Aussicht....

Aussichtsturm neben dem kleinen Blockhaus
Der Aussichtsturm neben dem kleinen Blockhaus

Der Turm muß 1934 von meinem Vater und seinen Freunden gebaut worden sein. Ich glaube kaum, daß einer ,,vom Fach" dabei war. So viel ich mich erinnern kann, stand er nicht lange, es traute sich ja niemand raufzusteigen. Dann wurde wohl das große Blockhaus (Altbau) in Angriff genommen. Ob Fachleute später dazu kamen, das weiß ich nicht. Nur die Fenster und Türen wurden von Fachleuten angefertigt. -

...Ich war nicht viel in Ahlhorn, meine Mutter durfte das kleine Blockhaus nach dem Tode meines Vaters behalten. Sie war aber nicht mehr viel draußen, wir hatten kein Auto mehr.... Ich war das letzte Mal kurz vor Kriegsende mit meiner Freundin per Fahrrad dort. Wir hatten nur ein Ruderboot, möglich, daß später andere Boote dazu kamen. Es wurde ein Bootshaus links vom kleinen Blockhaus gebaut. Die Rhododendren wurden kurz vor meines Vaters Tod gepflanzt. Ich habe nie welche blühen gesehen. In der Landschaft ist zu unserer Zeit nicht viel verändert worden. Als das große Blockhaus fertig war ohne Anbau mit Kaminzimmer, kamen Gretje Bohlen und ihr Mann und betreuten bis zum Ende das Haus. Es waren die treuesten Menschen, die man sich denken kann. - Vieles konnte ich Ihnen nicht beantworten. Ich habe Ahlhorn als einen unberührten Flecken in Erinnerung, ohne viel drum und dran, und das gerade war so schön....."

Der Architekt Paul Massow war dabei, als der Arbeitsdienst für Carl Röver das kleine Blockhaus baute: "Als Angehöriger des Arbeitsdienstes beim Gaustab XIX in Oldenburg erhielt ich 1934 im Frühjahr den Befehl, einen Bautrupp aus Handwerkern zusammenzustellen, um auf dem Gelände der Teichwirtschaft auf dem Buhlertsberg ein Blockhaus zu errichten. Das kleine Blockhaus wurde auf dem baumbestandenen Sandhügel zwischen den Fischteichen aufgebaut:

Fundamente und Keller in Kalksandsteinen. Die Männer des Arbeitsdienstes schlugen das geeignete Holz für das Fachwerk im angrenzenden Wald. Dachkonstruktion in Holz, Eindeckung mit Pappe. Die Außenwände wurden mit Halbhölzern im Blockhausstil verkleidet. Im Wohnraum wurde ein offener Kamin in Ziegelsteinen gemauert. In den Keller unter der Küche gelangte man durch eine Fallklappe und Leiter."

Oberkirchenrat Dr. R. Schmidt kaufte für die Ev-luth. Kirche in Oldenburg das kleine Blockhaus von Frau Röver.

Was führte wohl mit zum Bau des "Gaukameradschaftsheimes"? Als das erste Mal Parteiangehörige auf die Blockhausinsel zu einer Tagung einberufen wurden, schliefen sie in Zelten. Die Unterbringung gefiel ihnen nicht. Da soll Carl Röver gesagt haben: "Dann müßt Ihr Euch selbst ein Haus bauen."

- So geschah es dann auch. Ein Kreisleiter, der früher Zimmermeister war, leitete die Bauarbeiten. Im Wechsel von 8 - 10 Tagen wurden Parteiangehörige zum Aufbau des Parteihauses eingesetzt. Die Grundsteinlegungsurkunde fanden wir unter dem Fußboden des Blockhaussaales.

Wie auf den Bildern zu erkennen ist, richtete man ein ziemlich schwaches Hilfsgerüst auf, das wohl erst dann stabil wurde, als man die Latten beidseitig mit Dachpappe benageltei In den so entstandenen Hohlraum schüttete man Torfmull. Zur Wetterseite brachte man Derbstangen, geteilte Kiefernstämme, an. An der Innenseite gaben Fußbodenbretter an den Wänden weiteren Halt. Die auf Dünensand gebaute Konstruktion hält trotz der außergewöhnlichen "Statik" bis heute.

Im Eigenbau entsteht das Haupthaus
Im Eigenbau entsteht das Haupthaus

Dietrich Schelling berichtete dazu: "Schon nach kurzer Zeit wurde das erste Parteiheim geplant. Die Arbeiten an diesem Haus sind zum größten Teil von Angehörigen der Partei durchgeführt worden. Es kam dabei zu heiklen Situationen. Die Stellung der Stützen im Blockhaussaal verraten noch, daß das bauliche Gefüge nicht ganz in Ordnung war. Immerhin wurde der Bau fertig und ist bis heute standfest geblieben. 1937 habe ich dieses erste Haus dann erweitert. Der große Saal, heute Blockhaussaal genannt, wurde um eine Achse vergrößert. Der Querbau mit dem Kaminzimmer, dem Büro und den beiden seitlichen Räumen ist danach entstanden. Im Obergeschoß wurden drei Räume für Röver eingebaut."

"Nach meinem Auftrag durfte ich nicht mehr als 38.000 RM verbauen. Da der Bau während der Abwesenheit des Bauherrn durchgeführt wurde, mußten wir alles auf unsere Kappe nehmen. Mit den bewilligten Geldern war nicht viel zu machen und so kam, was kommen mußte: Die Überschreitung der Bausumme um etwa 40%.

Als Röver nach seiner Rückkehr das Haus sah, war er begeistert. Leider wurde die Begeisterung sehr geschmälert, als er die Bausumme erfuhr. Es gab in Ahlhorn einen heillosen Krach."

D. Schelling hat die Restsumme wohl nie bekommen. - "Nach einiger Zeit war alles vergessen, und in den neuen Räumen entfaltete sich eine herzliche Gastfreundschaft. Künstlerkreise, Maler, Architekten, Bildhauer und Dichter trafen sich zu zwanglosen Zusammenkünften. (Außer den Parteiveranstaltungen). Zur Hauptsache war es natürlich ein Parteihaus, wo alle vier Wochen etwa 100 Männer tagten. Bei diesen Zusammenkünften war das Essen ein Eintopf. Mit dem Trinken war es schon anders, da sich manche ausgedörrte Kehle auf diese Gelegenheit freute und dem Naß mehr als verträglich zusprach. Nun könnte man annehmen, daß mancher Teilnehmer mit seinem Auto angesäuselt nach Hause fuhr. Aber nein, hier wurde vorgesorgt. Aus den Autos der nicht mehr Nüchternen wurde der Zündverteilerfinger herausgenommen, so daß ein Starten nicht mehr möglich war, in dem seenreichen Gebiet eine weise Maßnahme!

Nach dem Tode Rövers begann unter Nachfolge von Wegener eine neue Zeit für Ahlhorn. Häufig traf sich ein kleinerer Kreis zu ernsthaften Besprechungen. Dann gab es zu Mittag auch mal ein Karpfenessen. Die Karpfen brauchten ja nur von der Teichwirtschaft besorgt werden. Aber auch in diesen Jahren blieb der Zuschnitt immer angemessen. Ich möchte hier nicht vergessen, des Hausverwalters, des Amtmann Heinrich Schnier zu gedenken, der wohl für alle Dinge, die in Ahlhorn geschahen, verantwortlich zeichnete. Es war ein Zeichen guter Kameradschaftlichkeit, wenn nach der Erbsen- oder Bohnensuppe der Dank in gemeinschaftlichem Sprechchor ertönte: "Heinrich Schnier, wir danken Dir!"

Das bescheidene Hauswartsehepaar Bohlen und Frau sorgten rührend für das Haus.

Als 1944 der Kriegsschauplatz sich immer mehr nach Deutschland verlagerte, wurde dann die "Gauausweichunterkunft" gebaut. Das Baumaterial war schon sehr knapp geworden, man mußte auf OKW (Oberkommando der Wehrmacht)-Baracken zurückgreifen, die auch nur schwer zu beschaffen waren. Aus diesen Baracken ist der große Speisesaal, die Küche mit Nebenräumen und der ältere Teil des früheren Kinderheimes und jetzigen Gartenhauses entstanden."

Es ist meines Erachtens eine Leistung für die damaligen Verhältnisse, aus zwei Baracken eine solche Baueinheit zu schaffen. Erwähnenswert ist dabei der große Saal ohne Stützen.

"Diese Räume sind nicht mehr zweckentsprechend genutzt worden. Zu schnell kam das Unheil und der Schrecken in unser Land. Ausgeplündert wurden die Gebäude leider durch deutsche Landsleute. Türen, Fenster, Möbel und Bilder, - alles was nicht niet- und nagelfest war, - wurde abgefahren.

Dann bezogen Kanadier das Haus, es wurde notdürftig wieder hergerichtet. Nach einem Jahr schien es wieder verwaist." (6)

Als im Parteiheim das erste Mal die Kreisleiter zusammenkamen, zog auch das Ehepaar Bohlen in die kleine Wohnung über dem großen Saal ein. Es betreute das Haus bis 1945.

Frau Bohlen erzählte mit darüber, wie es hier zuging:

"Zuerst war das Blockhaus nur Tagungsort für Kreisleiter, später auch für Ortsgruppenleiter.

Die Tagungsteilnehmer kamen an den Wochenenden. Neben dem jetzigen Blockhaussaal befand sich eine kleine Küche mit einer Durchreiche zum Saal." Frau Bohlen erinnert sich an das Inventar in der Küche: Kessel, Herd, Regenwasserpumpe, Geschirrschränke und Abwaschbecken.

Herr Schnier, der Verwalter des Hauses hat mitgekocht und die Lebensmittel eingekauft.

Die Partelangehörigen mußten Lebensmittelkarten abgeben. Jeder bekam seinen Teller mit Brot und Butter abgewogen. Marmelade konnte nachgereicht werden. Mittags gab es nur Eintopf und wenn es Enten gab, wurde das Kleinfleisch in den Eintopf geschnitten. Kartoffelsalat und das Entenfleisch wurde eingeteilt. Es gab oft Pellkartoffeln, darauf legte der Gauleiter großen Wert. Nachmittags gab es nur Kaffee. Abends oft Pellkartoffeln mit eingelegten Fischen. Wir verpflegten 80 - 120 Personen: U-Bootsbesatzungen, darunter die Kommandanten Prien und Schepke wurden hier einen Tag bewirtet. Sie sollten es gut haben."

Über Carl Röver als Hausherrn:

"Wenn Röver kam und wir waren beim Essen, setzte er sich dazu und aß in der Küche mit. Das mochte er am liebsten. Auch bei den Nachbarn setzte er sich dazu und aß, was auf dem Tisch stand. Er hatte guten Kontakt zu den Leuten und sagte jedem, ohne Ansehen der Person, was er dachte.

Röver mochte gern feiern. Er malte dann Gläser blau und grün an und schmückte den Tisch mit Kerzen."

Über den Nachfolger von Carl Röver, Paul Wegener:

"Keiner wußte, was kam, als Röver gestorben war. Der neue Hausherr war uns gegenüber ganz in Ordnung. Er kam immer sonntags mit seiner Frau. Beide gingen viel spazieren und suchten Pilze. Sie wohnten in Ihrer Wohnung über dem Kaminzimmer. Sie haben ganz bescheiden gegessen. Die russischen Jugendlichen, die hier arbeiteten, waren von Wegener ganz begeistert. Er gab ihnen Zigaretten. Sie meinten: "Das unser Kommissar nicht machen." Wenn er hierher kam, trug er nie Uniform. Zwei Tage vor Kriegsende war er noch hier."

Frau Bohlen erinnert sich an den weiteren Ausbau in den Kriegsjahren:

"1944 baute Herr Schelling mit zwölf russischen Jugendlichen die sogenannte "Ausweichstelle der Gauleitung". Die Jugendlichen wohnten im Lager und wurden dort auch verpflegt. Sie bekamen aber bei uns jeden Morgen eine kräftige Suppe, mittags Pellkartoffeln mit Soße. Dann arbeiteten hier noch zwei russische und ein polnisches Mädchen, das noch aus Kanada von sich hören läßt. Ihre Eltern sagten damals: ,,Du hast dort nichts auszustehen, Du lebst wie eine Maus in der Mehlkiste." Der letzte Gast hier im Blockhaus war J. Goebbels. Danach wurde es immer stiller.

Als die Engländer ins Blockhaus kamen, fanden sie ausgeplünderte Räume vor."


Quellen:

(6) Blockhausbrief Nr. 5. Auszug aus: ,,Eine Plauderei über das Haus und seine Entstehung." Dipl. Ing. D. Schelling.

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