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![]() Gott will, daß allen Menschen geholfen wird.Heinrich Höpken In unserem Blockhaus werden mancherlei Gespräche über Gott und die Welt geführt. Wenn sie von der Oberfläche wegkommen, landen sie allemal beim Glauben. Als die Arbeit im Blockhaus in den fünfziger Jahren so richtig anfing, war das noch irgendwie selbstverständlich; man kam ja von einer Katastrophe, die man aus sich heraus, ohne Gott, nicht bewältigen konnte. In den sechziger Jahren und besonders in den siebziger Jahren meinte man, der Fortschritt, die Wissenschaft, die gesellschaftlichen Veränderungen, neue Strukturen, Reformen - es gab viele Ausdrücke - könnten es besser. Den Glauben billigte man aber denen, die von der Kirche kamen, durchaus noch zu. Die Aussage des Glaubens ist selten ganz verworfen worden. Es blieb zumindest die Frage: Sollte da doch etwas bleiben? Die Gebildeten kennen das Wort des Philosophen Karl Jaspers: "Es ist unmöglich, daß dem Menschen die Transzendenz verlorengeht, ohne daß er aufhört Mensch zu sein" (Vom Ursprung und Ziel der Geschichte). Nun hat sich in den letzten Jahren wachsend das Verlangen nach dem Glauben verbreitet. Vielleicht muß man es zunächst allgemeiner ausdrücken: Das Verlangen nach Religion als der Sinngebung des Lebens ist stärker zur Sprache gekommen. Man hat gemerkt, daß Fortschritt, Wissenschaft, Reformen schon gut sein mögen, aber sie alle brauchen irgendwo einen Halt, eine Bindung, damit sie uns nicht über den Kopf wachsen. Besser gesagt: Die Menschen, die das alles meinen in der Hand zu haben, müssen irgendwo Halt und Bindung haben, sonst schlägt es über sie und uns zusammen. Diese Bindung kann nicht bei Menschen liegen, sie muß bei Gott liegen, und zwar bei einem Gott, der es gut mit uns meint. Man ahnt darüber hinaus, daß es manchmal Vertreter eines solchen Glaubens übel meinen und doch wieder an sich, an den Menschen, binden wollen. Jedermann ahnt, daß die ins Kraut geschossenen Sekten und die sogenannten Jugendreligionen den Gott, der es gut mit uns meint, nicht vermitteln. So hoffen die Menschen ganz neu wieder auf die Kirche. Sie wissen, daß es in der Kirche früher und heute Irrwege und Irrlehren gegeben hat, aber aufs Ganze gesehen ist es doch wohl die Kirche, die als einzige Größe in der allgemeinen Unsicherheit und Ungewißheit Halt und Kraft geben kann. Statt Kirche muß man sagen: Jesus Christus, Gottes Zuwendung zu uns, Nachsicht und Hilfe und Trost, aber auch Gottes Anspruch (in Klammern kann man setzen - das wissen auch alle - diesen Jesus Christus bezeugt eben nur die Kirche; an der Kirche kommt man eben nicht vorbei, wenn man heute haben möchte, was der christliche Glaube gibt). Durch Statistiken darf man sich nicht irre führen lassen. Was etwa im Spiegel steht oder stand: 90 oder 70% glauben an Gott, 40 oder 30% an das ewige Leben, das ist nicht die Wahrheit. Man muß sich nur selber sehen und sich vorstellen, es käme einer und fragte uns nach unserem Glauben; da schweigt man entweder oder sagt Dinge, über die man sich letztlich selber nicht völlig klar ist. Auf Statistiken ist in Glaubensdingen kein Verlaß. Letztlich weiß kein Mensch von sich selber was und wie er glaubt. Das ist ja gerade das Wesen des Glaubens, daß darüber nur Gott selber Bescheid weiß. In der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts setzte eine Entwicklung ein, die es früher bei uns nicht gab. Alles, was es gibt, wurde politisch. Auf die Spitze getrieben: Was die CDU sagt, die SPD, die FDP, die DKP usw. erregte und bestimmte die Gemüter mehr als die Frage, ob in dem Menschen Jesus von Nazareth wirklich der Gott gegenwärtig ist, der der eine Herr aller Dinge ist, Politische Dinge wurden wichtiger als der Glaube. Doch auch hier kam man wieder zur Vernunft und jetzt weiß man, daß zwar viele Dinge auch politisch zu sehen sind, aber damit noch lange nicht alle Dinge der Politik unterzuordnen sind. Das beste Beispiel dafür ist die Ablehnung des Schiitenführers, des Ayatollah Khomeini. Auch wenn man den Islam nicht kennt, muß schon jedes Kind wissen, daß er gewiß kein Vertreter des Weltenherrn ist, der alle Menschen liebt und der die Welt liebt. Wir haben uns zu wenig mit dem Islam befaßt, nicht erst seit heute, von Anfang an. Allah, der Gott des Muslim, ist nur denen gnädig, die ihn verehren, aber nicht allen Menschen, er liebt nicht die Welt, er liebt den Muslim; es gibt den heiligen Krieg gegen die Irrenden. Die Politik hat sich der Religion unterzuordnen. Da wird es gefährlich, da gerät dann die Religion unversehens unter die politischen Interessen, wird Hilfsmittel zur Bekämpfung des politischen Gegners. Das einmalige des christlichen Glaubens ist es, daß Gott an den Menschen glaubt, auch an den Irrenden. So ist Gott. Das besondere des Islams ist es, daß Allah den Irrenden verwirft und ihm keine Barmherzigkeit zuwenden kann. Die erste Sure des Koran ist das maßgebliche Gebet des Muslim. Sie lautet: "Lob sei Allah dem Weltenherrn, dem Erbarmer, dem Barmherzigen, dem König am Tage des Gerichts! Dir dienen wir, und zu dir rufen um Hilfe wir; leite uns den rechten Pfad, den Pfad derer, denen du gnädig bist, nicht derer, denen du zürnst und nicht der Irrenden." Es ist das Tröstliche, das Feste, des christlichen Glaubens, daß Gott gerade den Irrenden nachgeht. Wir irren alle. Darum suchen wir heute wieder den Glauben und lassen uns von Gott finden, der uns weder nach Gut und Böse noch nach Leistung beurteilt. Weil heute so sehr nach Leistung beurteilt wird, auch darum sehnt sich der Mensch nach dem Gott, der alle mitnehmen will. Wie es heute im Leistungsdenken aussieht, schrieb Hugo Staudinger in "Das Parlament", Juni 1979. 657.199,-- DM ist der Durchschnittsmann wert, 366.714,-- DM die berufstätige Frau, 216.006,-- DM die Hausfrau, Kinder und Rentner fallen noch weiter ab. Gott will, sagt die Jahreslosung 1980, daß allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1. Tim. 2, V. 4). |
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