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Dank an Herrn Forstmeister W. HulverscheidtDr. Christoph Schliebs
Vor etwa 25 Jahren war ich öfter zu Gast im Blockhaus Ahlhorn. Herr von der Dovenmühle war so freundlich und ermöglichte mir Übernachtung und Verpflegung, mir, einem Gymnasialschüler, der den brennenden Wunsch hatte, die Natur noch näher kennenzulernen. Dazu eignet sich das Gebiet der Ahlhorner Fischteiche mit seinen Wäldern und Feldern in hervorragendem Maße. Schon vor Sonnenaufgang, pirschte ich entlang der nebelverhangenen Teiche, vorbei an Hecken und einzelnen Bäumen, durch enge Waldschneisen zu besonderen, von mir vorher ausgekundschafteten Wiesen am Waldesrand, wo ich durch Nachweis von Fährten und Losung wußte, daß dort Wild (Reh, Dam und evtl. Schwarzwild) austreten würde. So manchen herrlichen Anblick durfte ich in dem wundervollen Gelände der Ahlhorner Fischteiche erleben. Unvergessen bleiben mir die stimmungsvollen Vorträge von Herrn Forstmeister Hulverscheidt zu abendlicher Stunde im Blockhaus Ahlhorn. In geradezu künstlerischer Weise vermag Herr Hulverscheidt Tierstimmen zu imitieren und Jagderlebnisse sowie Tierbeobachtungen eindrucksvoll zu schildern, zum Teil sogar in selbstgefaßten Gedichten. Herr Forstmeister Hulverscheidt versteht es in hervorragendem Maße, gerade jüngere Menschen für die Natur zu begeistern und zu gewinnen. Zu schade, daß Herr Hulverscheidt nicht mehr im Ahlhomer Raum wohnt und wirkt. Es bleibt jedoch zu hoffen, daß der Forstmeister Hulverscheidt weiterhin schriftstellerisch tätig ist, so daß man auf diese Weise von seinen Jagderlebnissen und Naturbeobachtungen erfahren wird. Augen auf! (aus ". . .und da sagte der Jägermeister" von Walter Hulverscheidt) Wenn man bedenkt, was so im allgemeinen Und ganz besonders auf der Jagd passiert, Da möcht' ich wetten - hundert gegen einen - da hat sich jeder schon mal schwer blamiert. Und Hand aufs Herz, verehrte Waidgenossen, Und mal ganz ehrlich unter uns gesagt: Wer sagt, er hätt' noch nie vorbeigeschossen, Der hat im Leben auch noch nie gejagt! Ich aber denke jetzt an and're Sachen Aus meiner eig'nen Jugendzeit zurück. Na ja - heut' kann man ja darüber lachen, Bei allem war noch unverschämtes Glück. Das war mit meinem ersten Keiler nämlich, - Und die Geschichte ist auch längst verjährt - - Bloß - denk' ich dran zurück - das war zu dämlich, Und schad't auch nichts, wenn man es heut' erfährt. Das war nun so: Wir hatten Försterschießen Und hatten auch die Damen mit dabei, Dann gab es viele Zwölfen zu begießen, Und hinterher war große Tanzerei. Na - schließlich hat das Kahlwild sich gerudelt, Auch die Musik schob ab nach Mitternacht, Wir haben dann noch Schnäpse ausgetrudelt Und Horrido und Hussassa gemacht. Bloß einer trank dann später aus Versehen Den Würfelbecher aus, - so gegen vier - Da wollte ich dann auch nach Hause gehen Und dusselte so langsam durchs Revier. Na schön, - das ging ja denn auch noch so ziemlich, Bloß, daß der Weg so zickzackförmig war! Nur eins, - das weiß ich noch. - war eigentümlich, Mal war es neblig und mal völlig klar. Und wie ich so um die Ecke schleiche, Da denk' ich: Was ist das für'n dunkler Fleck! Da steht da doch ein Keiler unter einer Eiche Auf höchstens siebzig Gänge mitten auf dem Weg. Ich wollt' zuerst nicht meinen Augen trauen Und hab' mir selber an den Kopf gefaßt. Denn für gewöhnlich gab's da keine Sauen! Wir hatten aber damals Eichelnmast. Ich bringe nun die Büchse zentimeterweise In Anschlag hoch - der Keiler rührt sich nicht - Und hole mir das Korn am Himmel leise, Es war ja erst ganz schwaches Büchsenlicht! - Und hab' ihm dann voii oben sauber Maß genommen - Man konnte eben erst die Kimme sehn - Und - Peng!!! - und wirklich prima abgekommen, - "Wuff" sagt' der Keiler, und bleibt ruhig stehn. Nun gibt es auf der Jagd ja tolle Sachen, Man glaubt ja nicht, was alles da passiert! Na ja - was wollt' ich schließlich and'res machen: Ich habe also blitzschnell repetiert, Und denke mir: Den wirst du doch noch kriegen, Vielleicht wird's mal von unten besser gehen! Und - Blatt gefaßt - und Peng!!! - und lasse fliegen, - "Wuff" sagt' der Keiler - und bleibt ruhig stehen. Zum Donnerwetter - das ist doch zuwider! Ich denke doch bei jedem Schuß: Der liegt! Und denk' doch immerzu: Jetzt bricht er nieder! Doch der hat sicher einen Krampf gekriegt. Da hatte ich erst neulich von gelesen. Na - denn noch mal! - derselbe dumpfe Ton, und diesmal war ich mitten druffgewesen: - "Wuff" sagt' der Keiler! Na, Sie wissen schon! Ich gehe ran - natürlich durchgeladen - Da sah ich die Bescherung auf den ersten Blick. Da war das gar kein Keiler - so ein Schaden - Das war der Kontrabaß von uns'rer Tanzmusik. Das hat mich damals aber doch verdammt verdrossen, Ich muß schon sagen - ich war völlig platt!! Nur eins war tröstlich: Wirklich gut geschossen! Er hatte alle Kugeln "Mitte Blatt". Doch immerhin, da gab es nichts zu lachen, Mir wurde sozusagen heiß und kalt! Da hab ich gelernt, die Augen aufzumachen Und richtig anzusprechen, eh' es knallt. Das konnte auch natürlich dummer kommen, Und mein Gewissen hat mich auch gequält! Doch heut' hab ich's nun zu Nutz und Frommen Bestimmt zum allerersten Mal erzählt. Ich wollte damit meine Beichte schließen, Nur ein ganz Schlauer fragte mich voll List: "Nun möcht' ich bloß zum Schluß noch gerne wissen, Was aus dem Kontrabaß geworden ist." Wenn ihr es wollt, kann ich es ja noch sagen: Auf einmal kommt mit Hussa und Gesang Der ganze Jägertroß auf einem Leiterwagen Mit "Hatz' den Watz", "Husu" und Hörnerklang, "Halli, hallo" den Weg entlang gehastet Und fährt das Ding in Splitter, daß es staubt. Da war ich - wie man heute sagt - entlastet! Und schritt davon mit hoch erhob'nem Haupt. |
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