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Warum soll ich zum Konfirmandenunterricht gehen?Dieter Qualmann Vorbemerkung: Viele junge Menschen lernen das Blockhaus Ahlhorn als Konfirmanden kennen. Während der Freizeiten bereiten sie sich auf die Konfirmation vor und denken auch wohl noch einmal über ihren Unterricht nach. Aus diesem Grund scheint mir der Blockhausbrief ein geeigneter Platz zu sein, einmal über die Frage eines jungen Mädchens, das überlegt, ob und warum es zum Konfirmandenunterricht gehen soll, nachzudenken. Nennen wir dieses Mädchen einmal Claudia. Liebe Claudia, nun hast Du doch recht lange auf eine Antwort warten müssen. Hoffentlich bist Du noch nicht entmutigt und denkst: So ist das immer mit den Erwachsenen, sie sind zwar stolz, wenn man sie fragt, aber mit ihren Antworten hapert es immer irgendwie. Ich muß gestehen, daß Du mich mit Deiner Frage, die Du mir nach dem letzten Gottesdienst gestellt hast, in einige Verlegenheit gebracht hast. Du hast Dich vorgestellt und gesagt, eigentlich müßtest Du Dich nun zum Konfirmandenunterricht anmelden, aber Du wüßtest gar nicht, ob Du gehen solltest. Die Eltern haben es Dir frei gestellt, Deine Großeltern sähen es ganz gerne und alle anderen in der Klasse gehen auch. Nun fragst Du mich, den Pastoren, "Warum soll ich zum Konfirmandenunterricht gehen?"
Du sagst, daß es Dich eher anekelt, wenn Du siehst, wie oberflächlich viele die Konfirmation verstehen. Alles nur wegen der Geschenke, der Feier oder weil die Eltern es so wollen. Doch, mir macht das auch zu schaffen. Viele der Jungen und Mädchen, die ich letzten Sonntag konfirmiert habe, meinten schon in den ersten Stunden des Unterrichts: Warum, glauben Sie, sitzen wir eigentlich hier? Doch nur, weil die Konfirmation für uns ein tolles Geschäft ist und weil unsere Eltern es so wollen!" Nun habe ich zwar grundsätzlich nichts gegen Geschenke und noch weniger gegen das Feiern, aber diese Bemerkungen haben mich, obwohl ich damit habe rechnen müssen, doch betroffen gemacht. Es fällt mir schwer, mich auf den Unterricht zu freuen und ihn gerne vorzubereiten, wenn ich weiß, daß einige Konfirmanden die Stunden nur so absitzen wollen. Aber sind an dieser Einstellung wirklich die Jugendlichen selber schuld? Ich weiß zwar, daß bei manchen sich bis zur Konfirmation an dieser Einstellung nichts ändert, ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, daß viele in den zwei Jahren auch einiges lernen und erfahren. Du hast mir auch gesagt, daß Dir bisher noch wenig Gründe für den Besuch des Konfirmandenunterrichts eingeleuchtet haben. Nur so aus Tradition, weil es immer so war, das siehst Du nicht ein. Noch weniger siehst Du ein, daß es für das spätere Leben wichtig sein soll, den Psalm 23 oder ein Lied aus dem Gesangbuch auswendig zu können. Du fragst nach dem, was Du heute damit anfangen kannst und nicht nach Erfahrungen, die Du noch nicht gemacht hast. Erlebnisse in Kriegs- und Notzeiten, von denen die Älteren gerne sprechen, möchtest Du, mit gutem Recht, denke ich, auch gar nicht erst machen. Die Berichte vom Auswendiglernen begeistern Dich vermutlich ebensowenig wie die Aussicht, jeden Sonntag zur Kirche gehen zu müssen. Gezwungen werden zum Lob Gottes mit einer Anwesenheitskarte, geht das eigentlich, so hast Du mich gefragt und dann noch: können Sie mich als 14jährige wirklich nach meiner persönlichen Glaubensentscheidung fragen, nach meiner eigenen Bejahung des Gelöbnisses, das meine Eltern und Paten für mich bei der Taufe abgelegt haben? Wer wird denn so kurz vor der Konfirmation, wenn die Geschenke schon gekauft und die Verwandten schon eingeladen sind, noch nein sagen wollen? Aber werde ich es ehrlich und überzeugt ablegen können? So hast Du gefragt und ich kann Deine Zurückhaltung und Deine Befürchtungen sehr gut verstehen. Aber Du möchtest ja mehr von mir, nämlich Gründe für den Konfirmandenunterricht hören. Meine Einladung zum Konfirmandenunterricht ist so gemeint, daß ich Dich bitten möchte, Deine Fragen und Vorbehalte in den Unterricht mitzunehmen, dort zu stellen und zu überprüfen. Ich will mit einer Geschichte anfangen, die sich vor einigen Jahren wirklich ereignet hat: Zusammen mit der Konfirmandengruppe sollte ein Junge konfirmiert werden, der am Unterricht nicht hatte teilnehmen können. Er war geistig und körperlich behindert. Nachdem die Gruppe in der Kirche mit ihm die Konfirmation geprobt hatte, erhielt der Pastor einen Anruf der Mutter eines Konfirmanden, der zusammen mit dem behinderten Jungen zum Altar gehen sollte. Wenn der Pastor das nicht ändern würde, wolle sie aus der Kirche austreten. Schließlich sei es ihrer Familie nicht zuzumuten, an einem solchen Feiertag ihren Sohn zusammen mit einem Krüppel zum Altar gehen zu sehen. Die Konfirmanden selbst haben dieser Mutter geantwortet. Sie haben ihr geschrieben, was Kirche ist und wie sie im Unterricht Kirche erlebt haben. Das, liebe Claudia, ist mein wichtigster Grund für die Einladung zum Konfirmandenunterricht. Er ist kirchlicher Unterricht. Für mich ist die Konfirmandengruppe eine Jugendgruppe, die erfahren und erleben soll, was Kirche ist. Die Gruppe ist eine Gemeinschaft von Schülern aus allen Schularten. Ob man allerdings gut lernen kann, das ist hier nicht wichtig. Wichtig ist die gute Gemeinschaft und das offene Gespräch über alle Fragen und Probleme. Wir schauen uns um, führen Gespräche, machen Besuche und versuchen so zu erfahren, was das eigentlich ist, die Kirche. Je weniger er dem schulischen Unterricht ähnelt, desto besser finden meine Konfirmanden den kirchlichen Unterricht. Mit dem Gottesdienst haben meine Konfirmanden ziemliche Probleme. Wir sprechen darüber, auch über die Predigten. Am liebsten möchten sie ihn aber ändern, moderner machen, mehr so für junge Menschen. Ich möchte eigentlich beides: die Konfirmanden sollen den Gottesdienst so kennenlernen, wie er sich in Jahrhunderten entwickelt hat, und zugleich den Gottesdienst selbst mitgestalten. Bei dem allen taucht natürlich die Frage nach der Herkunft und dem Auftrag der Kirche auf. Deshalb fragen wir nach Jesus Christus und danach, was seine Botschaft und sein Leben für uns heute bedeuten können. Wir sprechen darüber miteinander, wir fragen andere Menschen und überprüfen, was uns einleuchtet von den Antworten, die die Menschen zu verschiedenen Zeiten gegeben haben. Als ich letztes Jahr meine Konfirmanden gefragt habe, was für sie nun wichtig war im Konfirmandenunterricht, da haben sie mir geantwortet: Daß wir eine gute Gemeinschaft hatten, in der man ohne Angst und Zwang alles sagen und fragen konnte, und: daß wir viel Zeit hatten, über Fragen und Probleme nachzudenken, die für unser Leben wichtig sein können. Bei der Konfirmation haben wir dann übrigens die Erlebnisse dieses Nachdenkens zusammen mit einem modernen Glaubensbekenntnis ausgedrückt. Ob Dein Unterricht, liebe Claudia, so oder anders aussehen wird, weiß ich nicht. Aber ich bin sicher, daß dies auch davon abhängt, ob Du weiterhin Deine wichtigen Fragen stellen wirst. Du fragst, warum Du zum Konfirmandenunterricht gehen sollst. Meine Antwort, kurz gefaßt: Nicht um irgendjemand anderen einen Gefallen zu tun, sondern um Deinetwillen! Du kannst dort in der Gemeinschaft wichtige Erfahrungen machen, und vielleicht auch gute Anregungen bekommen. Nimm Deine Fragen mit in den Unterricht, ich weiß, daß sich viele Pastoren auf Konfirmanden freuen, für die nicht alles selbstverständlich oder gar egal ist. Auf Gespräche im Unterricht mit Dir würde sich auf jeden Fall freuen Dein Pastor Dieter Qualmann |
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