Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1979: Blockhausbrief Nummer 23

Inhalt:

Titel
Zum Geleit
Erhört Gott mein Gebet?
Das ist im Blockhaus Ahlhorn möglich!
Vikare und Studenten im Blockhaus
Begegnungsstätte Kirche - Schule
Gedankensplitter eines Militärpfarrers
Warum soll ich zum Konfirmandenunterricht gehen?
Barsbütteler Tänze
Besondere Beobachtungen in Ahlhorn und im Gebiet der Ahlhorner Fischteiche... (Ornithologie)
Vorkommen der Schell- und Reiherenten im Gebiet der Ahlhorner Fischteiche...
Die Amphibien der Ahlhorner Fischteiche
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 1.1.1978 bis 31.12.1978
Textentwurf für einen Blockhausprospekt
 

Erhört Gott mein Gebet?

Heinrich Höpken

Die Frage "Erhört Gott mein Gebet?" ist ganz gewiß in einem Blockhausbrief eine wichtige und entscheidende Frage. Das Blockhaus ist ein Haus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, und die Kirche hat die Aufgabe, auf mancherlei Weise den Glauben an den lebendigen Gott zu bezeugen. Manchmal braucht dabei gar nicht mit Worten ausgesprochen Gott bezeugt zu werden. Es kann auch eine sehr nebensächliche - anscheinend sehr nebensächliche - Tat sein. Es kann in unserem alltäglichen Verhalten zum Ausdruck kommen. Aber irgendwie und irgendwann wird es eines Tages auch das Wort sein. Es muß ein Wort sein, das an einen Menschen gerichtet ist. Es muß aber auch ein Wort sein oder ein Gedanke, der an Gott gerichtet ist. Es ist das Gebet, das den Glauben immer begleitet. Die Frage heißt nun: Erreichen meine Gedanken, meine Worte, meine Gebete Gott? Erhört er sie oder gehen sie nur irgendwohin, und es gibt kein Echo?

Neulich hat der Hamburger Pfarrer Dr. Schulz, gegen den ein Lehrbeanstandungsverfahren läuft, 9 Fragen an das Spruchkollegium gerichtet, das in diesem Verfahren entscheiden soll. Das Kollegium hat es abgelehnt, darauf zu antworten, denn in diesem Falle ist ja Pfarrer Schulz nach seiner Lehre gefragt und nicht das Spruchkollegium. Aber seine Fragen bewegen die Menschen und darum ist es angebracht, daß wir sie für uns zu beantworten suchen.

Seine erste Frage lautet: "Was ist die offizielle Lehrmeinung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland zu dem Thema Gebet. Hört mich eine Gott-Person, wenn ich bete, und wenn ja, in welchen Formen vermag diese Gott-Person auf meine persönliche Ansprache zu reagieren?"

Aus der Formulierung dieser Frage kann man schon entnehmen, daß der Frager die Gebetserhörung gern in den Griff bekommen möchte, d. h., er möchte über die Reaktionen Gottes gern eine genaue Auskunft haben, wobei Gott für ihn etwas ganz Unbestimmtes ist, so eine Art Phänomen in Person. Ist das möglich? Nein, das ist nicht möglich.

Um das zu verdeutlichen, nehme ich folgendes Beispiel: Ein junger Mann liebt ein junges Mädchen. Sie sagt auch, daß sie ihn liebt. Er möchte es aber gern genau wissen. Er beauftragt einige seiner Bekannten, das herauszufinden. Sie sollen ihm die Beweise dafür liefern, daß seine Liebe wirklich erwidert wird. Es ist jedem einsichtig, daß das nicht möglich ist. Wenn ich das junge Mädchen wäre, würde ich diesen jungen Mann schnell zu vergessen suchen. Mit dem kann sie nicht glücklich werden. Er vertraut ihr nicht.

Lieben heißt, ohne Beweise vertrauen. Im Geschäftsleben ist es anders. Da muß ich Beweise der Vertrauenswürdigkeit als Geschäftspartner haben. Gott ist kein Geschäftspartner. Ich kann von Gott keine Beweise verlangen. Ich kann ihm nur vertrauen. Einen Gott haben, heißt ja, sein Herz daran hängen. Luther hat gesagt: Woran du dein Herz hängst, das ist eigentlich dein Gott.

Wer Gott vertraut, der empfängt dann auch - wo und wann Gott es will - einen Beweis der Erhörung. Wer es einmal erfahren hat, vielleicht nach 20 Jahren: damals, als ich betete, schien es so, als ob es keine Erhörung gäbe. Aber nun weiß ich, wie gut es war, daß es so anders kam, zum Guten für mich. Wer das erlebt hat, soll ja seinen ganzen Glauben, sein ganzes Herz daran hängen und nicht wieder davon lassen. Er weiß dann, Gott wendet für mich alle Dinge zum Besten.

Damit ist die Frage in ihrer ganzen Tragweite beantwortet. Man kann sie sich auch noch durch viele Berichte aus der Bibel belegen lassen. Zu allererst durch das Gebet Jesu, der den Vater bittet, er möge ihn vom Tode verschonen. Aber er betet sofort dazu: Nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Der Wille Gottes geschieht und dieser Wille Gottes führt durch das Kreuz zur Überwindung des Todes, durch das Scheitern zum Sieg.

Einmal bittet ein König sehr hochmütig: Lieber Gott, mich kannst du doch nicht sterben lassen, ich bin doch ein so guter Mensch gewesen. Das ist Hiskia, 2. Könige 20. Und das Gebet wird erhört. Ein anderes Mal bittet ein Prophet sehr demütig: Lieber Gott, wir haben diese schreckliche Zeit verdient, aber hilf doch, unser Ungehorsam ist groß, aber hilf doch um deines Namens willen, Jer. 14. Dies Gebet wird nicht erhört. Gott weiß es besser. Seine Gedanken sind ja nicht unsere Gedanken und seine Wege sind nicht unsere Wege (Jes. 55). Wir können nicht einmal um die nächste Ecke sehen und nicht eine Sekunde vorausdenken. Er allein weiß, was gut ist.

Dennoch ermuntern uns die Zeugen der Bibel immer wieder, im Beten nicht abzulassen. Das gilt für jede Not. In den meisten Sprachen der Welt wird übrigens zwischen Bitten und Beten nicht unterschieden. Es ist dasselbe Wort. Sehr treffend ist dafür die Geschichte vom ungerechten Richter. Wenn sogar ein ungerechter Richter ständiges Bitten erhört, wieviel mehr wird Gott erhören. Lukas 18. Ich darf Gott mit allem kommen, was mich bewegt. Er erhört ganz gewiß.

Ich muß, nur wissen: Andere Menschen, die das nicht erfahren haben, kann ich damit nicht überzeugen. Ich kann zwar von Gebetserhörungen berichten und mich darüber freuen - ich könnte von vielen Erhörungen aus meinem Leben berichten - aber derjenige, der nicht von Gott selber zum Vertrauen auf ihn geführt wurde, kann damit meistens nicht viel anfangen. Ich kann solch einem Frager aber vom Beispiel der Liebe erzählen oder auch von der Freundschaft. Das sind Abbilder der Liebe und der Freundschaft Gottes, die er uns täglich anbietet. Wir brauchen nur Ja dazu sagen.


Winterlandschaft am Blockhaus
Winterlandschaft am Blockhaus

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