Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1978: Blockhausbrief Nr. 22

Inhalt:

Titel
Zum Geleit
Gedanken über Freundschaft
Aus der "Jungsteinzeit" der Studentenfreizeiten
Bücher und Bilder im Blockhaus
Milchsuppe und Maltuschkäse
Boote auf dem Helenensee
Von der Siedlungsgeschichte des Gebietes um das Blockhaus
Wasservoegel als Wintergäste
Besondere Beobachtungen... (Ornithologie)
Vorkommen der Schell- und Reiherenten...
Vikare und Theologiestudenten im Blockhaus Ahlhorn
Mehr theologische Erwachsenenbildung
Soldatenrüstzeiten Delmenhorst und Diepholz 1977
Soldaten und Familien - Gäste im Blockhaus Ahlhorn
Posaunenfreizeiten im Blockhaus Ahlhorn!
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 1.1.1977 bis 15.12.1977
 
Haupthaus

Milchsuppe und Maltuschkäse

Was einer Blockhaus-Praktikantin nach 17 Jahren noch so alles einfällt -


Ursula Plote geb. Suckert


Es ist lange her, daß ich an einem Dienstag nach Ostern mit gemischten Gefühlen das "Büro" betrat. Wie schon gesagt: fast 17 Jahre. Die Ausbildungsordnung der Frauenfachschule, die ich besuchte, sah ein halbjähriges Praktikum in einem Großbetrieb vor. Beim Sturm auf die besten Praktikumsplätze ließen meine Mitschülerinnen das Blockhaus buchstäblich links liegen: "Von der Kirche - und dann noch im Wald!" Ich aber war schon zweimal vorher im Blockhaus gewesen zu Tagungen des Ev. Mädchenwerks, und es hatte mir immer gut gefallen. - So kam ich als Praktikantin ins Blockhaus.

Der Anfang war nicht leicht: "Putzen Sie mal die Fenster vom Großen Saal! Im Gästehaus müssen die Betten bezogen werden! Der Schlachter kommt, wir sind der Meinung, daß Sie als Praktikantin bei ihm etwas lernen können! Der Kühlkeller muß geschrubbt werden!"

Ob ich eine gute Praktikantin gewesen bin, soll hier nicht erörtert werden. Fest steht, daß ich in jenem halben Jahr ganz ordentliche Kenntnisse in hauswirtschaftlichen Dingen erworben habe. Fensterputzen, Bettenbeziehen, Wäschemangeln aber auch Kloschrubben und Hühnerausnehmen kann ich seitdem. Und ich weiß: das sind Arbeiten, die gemacht werden müssen! Wenn ich dieser Tage ins Blockhaus komme und mein Zimmer im Gästehaus betrete, dann denke ich sehr wohl an die Mitarbeiterinnen des Blockhauses, die nun ein müdes Kreuz haben (nach 50mal Bettenbeziehen!), damit es mir und anderen Leuten gut geht im Blockhaus.

Ein einziges Mal habe ich das Blockhaus "beherrscht", damals im Sommer 1961. Heimleiter, Hauswirtschaftsleiterin und Köchin waren gleichzeitig übers Wochenende verreist. Zu Mittag sollte es Eier mit Senfsoße, Petersilienkartoffeln, grünen Salat und Pflaumen geben. Es gab, ich will es bekennen, ein totales Fiasko: halbrohe Kartoffeln, glibberige Eier in klumpiger Soße, sandigen Salat - nur die Pflaumen waren in Ordnung, denn die kamen aus der Konservendose! Immerhin: Beschwerden gab's kaum. Es hatte sich herumgesprochen, daß da eine Anfängerin am Werk war!

Seitdem sind die Praktikantinnen des Blockhauses stärker begabt im Kochen oder auch die Blockhaus-Gäste weniger nachsichtig!

Ich jedenfalls finde, daß das Essen ausgezeichnet ist, seit ich nicht mehr die Küchenhoheit habe.

Natürlich, gibt es auch die Milchsuppe schon lange nicht mehr, an der die Praktikantinnen ihr "feeling" fürs Kochen prüfen konnten: Milchpulver, Süßstoff und sonstige Köstlichkeiten! Kein Frühstück ohne Milchsuppe, weil die Kinder ja zunehmen sollen. War das wirklich 1961? Es muß wohl so sein, denn ich erinnere mich gut, daß meine eigene Jungschar, die mich zu Pfingsten im Blockhaus besuchte, in den "Milchsuppenstreik" trat: die Suppe war ihnen zu dick!

Geblieben ist mir eine profunde Kenntnis des internen Blockhauslebens: ich weiß, was ein "Huk" ist, ich kenne den Kühlraum und den Spüldienst! Nur wo der Küchenschlüssel dieser Tage aufbewahrt wird, weiß ich nicht: zu meiner Zeit lag er immer hinter dem 2. Kaktus im Personaltrakt (Gästehaus).

Der berühmte Maltuschkäse ist schon lange aufgegessen. Mir hat er damals gut geschmeckt, dieser Kochkäse aus Amerika-Spenden. Daß "Maltusch" keine Markenbezeichnung war, sondern der Name des oldenburgischen Landesjugendpfarrers, der ihn besorgt hatte, habe ich erst später erfahren.

Viele Male bin ich seit meinem Praktikum zu Tagungen oder Freizeiten im Blockhaus gewesen. Daß ich heute noch in der Küche. empfangen werde, als gehöre ich als ehemalige Mitarbeiterin noch dazu, freut mich jedesmal. Was mich anbelangt, liebe Kolleginnen und Kollegen, will ich schon dafür sorgen, daß die Gruppen, mit denen ich ins Blockhaus komme, Euch keine unnötige Arbeit machen. Die nötige Arbeit macht Ihr sowieso - wie ich damals.

Was noch zu erzählen wäre aus einem ereignisreichen Praktikantinnenleben im Jahre 1961, will ich hier auslassen. Charly und Zimmy und... all die Feste, die wir gefeiert haben, haben einen eigenen Gedenkartikel verdient.


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