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Aus der "Jungsteinzeit" der StudentenfreizeitenJ. Richter Im Sommersemester 49 nach Krieg, Abitur und Lehre ging's nach Bethel, Griechisch und Hebräisch lernen. Es muß so um 1952 gewesen sein, als die Studentenfreizeiten im Blockhaus begannen. Vorher waren sie am Quellenweg. Hans Schmidt hatte wohl schon ein Auto (oder kam er noch mit dem Motorrad?), wir wanderten vom Bahnhof Ahlhorn mit Rucksack. Diese gemeinsamen Wege sind unvergeßlich! Noch heute grüße ich eine Fichtenkultur, die damals gepflanzt wurde. Ein seltsames Gefühl, die Bäume so mitwachsen zu sehen mit der eigenen bewußten Lebenszeit. Bei ihnen ist alles selbstverständlich und einfach. Damals war auch in uns ein elementares, einfaches Grundgefühl: Du lebst! Unerklärlicherweise bist du durchgekommen. Es gibt zu essen, es wird nicht mehr geschossen. Du hast Zeit zu lesen und zu hören. Du kannst, ja sollst selber denken. - Dieses elementare Lebensgefühl ließ mich gesund sein. Die Kraft dieses Gefühls wirkt bis heute nach. Aber zurück zu den Freizeiten. Es brandeten die Wogen der Liturgiker und brausten die Stürme der Entmythologisierer. Unvergessen ist eine Freizeit mit Herbert Goltzen und Götz Harbsmeier. Letzterer hingeflezt und auf seiner Pfeife kauend, ersterer mit dog-collar (oder weißem Oberhemd und schwarzem Pullover, Hemdkragen über demselben) und - weil Fastenzeit - Fleischfasern aus der Suppe fischend. Stundenlang ging's um liturgische Texte und Zusammenhänge. G. baute ein herrliches Gebäude, H. nahm den großen Hammer oder das feine Messer und ließ kein Auge tränenleer, vor Zorn oder Gelächter. Der Treppenwitz war, daß beide in ihrer Systematik völlig richtig diskutierten, daß bloß ihre Systematiken nicht kongruent waren, und daß keiner von beiden klugen Männern dies bemerkte, sondern jeder in seinem System immer nur lauter und zynischer wurde. Für mich war das ein Hochgenuß und eine Lehre in einem: Wie kluge Köpfe Feuer sprühen und doch so unkritisch gegen ihre eigene Position sein können. Seither vermag ich vieles, ja das meiste, getrost niedriger zu hängen. Ich weiß nicht, ob Hans Schmidt uns dieses Schauspiel mitsamt der Lehre zeigen wollte; denken könnte ich's mir, weil er ja beides vermochte: Er liebte die Liturgie und das kritische Denken und konnte es in seiner Person vereinigen. Genutzt hat diese Freizeit in jedem Fall, so daß selbst die unkritischen Antipoden eine sinnvolle Funktion im Reiche Gottes zu Oldenburg ausübten. Gesungen haben wir auch, nicht bloß psalmodiert. Nachts in der Jungenburg, die Betten standen zweistöckig vor dem Kamin. Heute wäre auch das polizeilich verboten. Wir haben's überlebt. Unser Lieblingsschlager, auch auf dem Weg nach Ahlhorn und zum Bahnhof, war: "Ich tanze mit dir in den Himmel hinein" und "Wohlauf, Kameraden, auf's Pferd, auf's Pferd, in das Feld, in die Freiheit gezogen", gesungen jeweils mit der Melodie des anderen Textes. Zur Nachahmung empfohlen, kann man viel von lernen über den Zusammenhang von Musik und Text oder über musikalische Manipulation oder über mediale Dekuvriation verbaler Strukturen, so sagt man ja wohl heute. Damals, in der Jungsteinzeit, hat's uns einfach Spaß gemacht; |
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