Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1978: Blockhausbrief Nr. 22

Inhalt:

Titel
Zum Geleit
Gedanken über Freundschaft
Aus der "Jungsteinzeit" der Studentenfreizeiten
Bücher und Bilder im Blockhaus
Milchsuppe und Maltuschkäse
Boote auf dem Helenensee
Von der Siedlungsgeschichte des Gebietes um das Blockhaus
Wasservoegel als Wintergäste
Besondere Beobachtungen... (Ornithologie)
Vorkommen der Schell- und Reiherenten...
Vikare und Theologiestudenten im Blockhaus Ahlhorn
Mehr theologische Erwachsenenbildung
Soldatenrüstzeiten Delmenhorst und Diepholz 1977
Soldaten und Familien - Gäste im Blockhaus Ahlhorn
Posaunenfreizeiten im Blockhaus Ahlhorn!
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 1.1.1977 bis 15.12.1977
 

Mehr theologische Erwachsenenbildung

Uwe Müller

In den Richtlinien für die Durchführung von Rüstzeiten der evangelischen Militärseelsorge heißt es an einer Stelle:

"Rüstzeiten geben dem einzelnen Teilnehmer die Möglichkeit, durch die Beschäftigung mit Fragen des Glaubens und Lebens einen eigenen Standpunkt zu gewinnen. Vermittlung von Sachkunde trägt zur Bildung seiner Urteilsfähigkeit bei. Im Rhythmus einiger gemeinsam verlebter Tage - fern von Alltagsgewohnheiten - kann er die Lebensnähe und Gestaltungskraft des Wortes Gottes erfahren und zu einem neuen Verständnis für das menschliche Miteinander gelangen."

Meine Erfahrung geht dahin, daß Lebensnähe und Gestaltungskraft des Wortes Gottes von den Teilnehmern einer Rüstzeit doch immer wieder gespürt werden durch Verkündigung bei den Andachten und im abschließenden Abendmahlsgottesdienst, aber die theologische Reflektion dessen, worum es jeweils thematisch bei einer Rüstzeit geht, also die Beschäftigung mit Fragen des Glaubens und Lebens kaum möglich ist. Zwar besteht ein großes Interesse an Themen wie "Bibel als Lebenshilfe" - "Religiöse Kindererziehung" - "Sterben, Tod und Auferstehung", es fehlen aber im Schnitt fast sämtliche theologischen Grundkenntnisse, um in der meistens viel zu kurzen Zeit auch nur ein wenig gedanklich zu erhellen, was man eigentlich zu Recht von Bibel, religiöser Erziehung und Auferstehung erhofft. Selbstverständlich soll es genügen, daß das Wort Gottes sich grundsätzlich und immer wieder auch auf Rüstzeiten durch Verkündigung ereignet, nur kommt der Glaube ohne seine gedankliche Durchdringung aus? Am Interesse an theologischen Fragen lese ich ab, daß sich die Rüstzeitteilnehmer dies bewußt oder mehr unbewußt selber fragen.

Ich folgere aus all dem, daß wir in der Kirche mehr theologische Erwachsenenbildung brauchen. Die Rüstzeitarbeit der evangelischen Militärseelsorge, die immerhin jährlich weit mehr als 30.000 junge Erwachsene erfaßt, kann dazu bestimmt einen Beitrag leisten, wenn sie didaktisch damit fertig wird, daß sie theologische Vorkenntnisse kaum voraussetzen kann.


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