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Die Bibel erzählt eine SchöpfungsgeschichteSie bietet keine Naturwissenschaft im heutigen Sinn, sondern eben eine, die dem Stand der Kenntnis jener Zeit entspricht. Sie ist ein Bekenntnis, nicht ein Lehrbuch. Das Bekenntnis, das uns anstünde, auf Grund unserer heutigen Kenntnisse, haben wir noch nicht. So bekennen die Verfasser der Schöpfungsgeschichte in einer Epoche, die die Welt durch den Kampf von Göttern und Dämonen entstanden dachte, es sei nach ihrem Glauben kein Götterspektakel gewesen, sondern der einfache Wille Gottes, der im Entstehen der Welt am Werk war. Gott sprach: Es werde. Und es wurde. Und am Ende sagen sie: Diese Erde hat Gott der Verantwortung des Menschen anvertraut .Am Anfang schuf Gott Himmel und ErdeAber nach vielen Jahrmillionen war der Mensch endlich klug genug. Er sprach: Wer redet hier von Gott? Ich nehme meine Zukunft selbst in die Hand. Er nahm sie, und es begannen die letzten sieben Tage der Erde. Am Morgen des ersten Tagesbeschloß der Mensch, frei zu sein und gut, schön und glücklich. Nicht mehr Ebenbild eines Gottes, sondern ein Mensch. Und weil er etwas glauben mußte, glaubte er an die Freiheit und an das Glück, an Zahlen und Mengen, an die Börse und den Fortschritt, an die Planung und seine Sicherheit. Denn zu seiner Sicherheit hatte er den Grund zu seinen Füßen gefüllt mit Raketen und Atomsprengköpfen. Am zweiten Tagestarben die Fische in den Industriegewässern, die Vögel am Pulver ans der chemischen Fabrik, das den Raupen bestimmt war, die Feldhasen an den Bleiwolken von der Straße, die Schoßhunde an der schönen roten Farbe der Wurst, die Heringe am Öl auf dem Meer und an dem Müll auf dem Grunde des Ozeans. Denn der Müll war aktiv. Am dritten Tageverdorrte das Gras auf den Feldern und das Laub an den Bäumen, das Moos an den Felsen und die Blumen in den Gärten. Denn der Mensch machte das Wetter selbst und verteilte den Regen nach genauem Plan. Es war nur ein kleiner Fehler in dem Rechner, der den Regen verteilte. Als sie den Fehler fanden, lagen die Lastkähne auf dem trockenen Grund des schönen Rheins. Am vierten Tagegingen drei von vier Milliarden Menschen zugrunde. Am fünften Tagedrückten die letzten Menschen den roten Knopf, denn sie fühlten sich bedroht. Feuer hüllt den Erdball ein, die Berge brannten, die Meere verdampften, und die Betonskelette in den Städten standen schwarz und rauchten. Und die Engel im Himmel sahen, wie der blaue Planet rot wurde, dann schmutzig braun und schließlich aschgrau. Und sie unterbrachen ihren Gesang für zehn Minuten. Am sechsten Tageging das Licht aus. Staub und Asche verhüllten die Sonne, den Mond und die Sterne. Und die letzte Küchenschabe, die in einem Raketenbunker überlebt hatte, ging zugrunde an der übermäßigen Wärme, die ihr gar nicht gut bekam. Am siebten Tagewar Ruhe. Endlich. Die Erde war wüst und leer, und es war finster über den Rissen und Spalten, die in der trockenen Erdrinde auf gesprungen waren. Und der Geist des Menschen irrlichterte als Totengespenst über dem Chaos. Aus "Die Welt hat noch eine Zukunft" v. J. Zink |
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