|
||
|
|
Mag. theol Uwe Müller 2900 Wardenburg, 7. März 1977 - Militärdekan - Rudolf-Harbig-Straße 8 Herrn Rolf von der Dovenmühle Blockhaus Ahlhorn 4597 Ahlhorn Lieber Rolf, Trotzdem schreibe ich Dir nun gerne und bestimmt nicht nur, weil es eine Zeit gab, in der ich Dir lieber aus dem Weg ging und weil ich mich seit einigen Jahren immer freue, wenn wir uns im Blockhaus begegnen, miteinander sprechen können. Es hängt mit Dir selber zusammen: Ich höre Dir gerne zu - ich sehe mir gerne an, was Du mit Deinen Mitarbeitern gestaltet hast - ich arbeite gerne in dem Haus, das Du leitest. Ich höre Dir gerne zu. Das hängt wohl mit einer Sorge zusammen, die ich mit anderen teile: Nicht wenige fürchten, daß zu viele zu sehr aus und von Kassetten leben, von Lebensträumen, -ängsten und -entwürfen anderer. Scherzhaft fragt man schon mal: "Wo lassen Sie denken?" An Dir mag ich den Mut, eigene Lebenserfahrungen zu machen, sie selbständig zu deuten und dann daraus für Dich Deine Entschlüsse zu ziehen. Du bist ein origineller Denker, den man - und das freut mich -nicht leicht irgendwo unterbringen kann. So werfen Dir die einen vor, rechts zu stehen, die anderen sehen Dich links. Du aber willst Dich nicht ideologisch vereinnahmen lassen, Du willst offen bleiben für die ganze Welt, so wie Du sie erfährst, und für Gott (daß wenigstens ich das auch in der Leitung des Heimes oft gespürt habe, dazu will ich gleich noch etwas schreiben). Ich freue mich darüber, wie viele Gesprächspartner Du deswegen hast und wie sehr Dein Mut, Deinen Standpunkt zu vertreten, jedenfalls in dem Bereich, den ich überschauen kann, honoriert wird. Ich sehe mir gerne an, was Du mit Deinen Mitarbeitern gestaltet hast. Was eigentlich ein Bauerngarten ist, habe ich in Ahlhorn gelernt. Nun gut, Ihr in Ahlhorn, Du, Deine erste Frau, Du mit Deiner zweiten Frau, mit den damaligen und heutigen Mitarbeitern - Ihr wurdet in dieser Landschaft nicht so schnell zu diesen künstlichen Gärten verführt wie wir in unseren Wohngebieten. Ihr konntet wohl auch an eine "Vorlage" anknüpfen. Ihr habt es aber auch getan. Ich kann mir das Blockhausgelände überhaupt nicht anders vorstellen als so, wie es nun ist; und wenn man sich vorstellt, wieviel Arbeit wir schon mit unseren Gärten haben, dann ahne ich, welche Liebe und Mühe Ihr aufgebracht habt für diesen gepflegten und stimmigen Bauerngarten. Ich frage mich, woher habt Ihr die Zeit genommen - ich habe Euch eigentlich auch selten dort arbeiten sehen. Es muß viel nebenbei getan worden sein. Ich schreibe Dir gerne: Es war keine Arbeit am Rande. Der Garten gehört zum Haus, und nicht von ungefähr finde ich im Haus dasselbe wieder, was mich draußen freut. Ich habe Dich vor kurzem gefragt, was Dir in den vergangenen dreißig Jahren Spaß gemacht hat in der Leitung des Hauses. Du hast geantwortet: das tägliche nicht alltägliche Tun, z. B. ein schönes Bild aufhängen. Alles in allem hast Du wohl gemeint: die vielen kleinen Dinge zu verwirklichen, die aus einem Haus ein Heim werden lassen. Und das ist ja wohl auch Deine größte Sorge gewesen, daß sich das Haus zu einer Akademie entwickeln könnte. Das Haus sollte nicht einem speziellen, wenn auch noch so berechtigten Interesse des Menschen dienen, sondern dem Menschen überhaupt, seinem Grundbedürfnis, in dieser Welt zu Haus' sein zu dürfen. Wie sehr Dir das mit allen, die es auch wollten, gelungen ist, das kann man nicht mit Hinweisen auf Einzelheiten belegen. Ich kann nur bestätigen: Unsere Rüstzeitteilnehmer und wir aus der Militärseelsorge wohnen gerne im Blockhaus (Hartwig Gerken hat zu dem ganzen vor fünf Jahren viel Nachdenkenswertes im Blockhausbrief geschrieben). Nun brauche ich wohl nicht mehr lang und breit darzulegen, warum ich gerne bei Euch im Hause arbeite. Ich erinnere Dich aber kurz an eine Begebenheit: Vor einigen Monaten haben Du, mein Mitarbeiter Hans-Joachim Kurowski und ich mit den damaligen Rüstzeitteilnehmern in einem Taufgottesdienst zusammen das Abendmahl gefeiert. Du warst mit anderen an der Liturgie beteiligt, und ich habe mich gefreut, mit welcher Selbstverständlichkeit Du dazu bereit warst und mitgemacht hast. Ich weiß auch, wie sehr Du Gottesdienste im Blockhaus vermißt. Was ich Dir sagen will, ist dies: Was kann uns in der Zusammenarbeit erschüttern, wenn wir auf dem gleichen Boden stehen! Ob wir theologisch immer dasselbe meinen, das bezweifle ich. Gott sei Dank, der über unserer beider Gedanken recht behält! Ich freue mich - und das genügt mir -, daß Du sagen kannst: Das Blockhaus ist immer behütet worden. Behütet! Ich bin Dein Uwe Müller |
|
| zurück zum Seitenanfang | ||