Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1977: Blockhausbrief Nr. 21

Inhalt:

Titel
Zum Geleit
Vom Danken
Einweihung des Neubaus des Blockhauses Ahlhorn am 20.4.1976
Die Gemeinschaft der Christen erfahren
Lieber Rolf...
Das Hüttenlager
Die Bibel erzählt eine Schöpfungsgeschichte
Lappentaucher im Ahlhorner Teichgebiet
Politische Bildung in der Bundeswehr
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 1.1.1976 bis 31.12.1976
 

Das Hüttenlager

Wer als Gast in den kleinen Holzhäusern östlich des Blockhauses, im "Hüttenlager", untergebracht ist und sich über die idyllische Anlage mit dem großen Rasenplatz und eigenen Badestrand freut, vermutet in den wenigsten Fällen etwas von der bewegten Vergangenheit dieses Platzes.

Vor 85 Jahren war das Gebiet um das Blockhaus herum eine ursprüngliche Heidelandschaft. Auf Sanddünen wurzelten Krüppeleichen, deren eigenartiger Wuchs vom mageren Boden und häufigen Schafverbiß verursacht wurde, dazwischen vereinzelt Ebereschen und Birken.

Eine Düne östlich des Blockhauses, mit der Flurbezeichnung 150 h, blieb bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges unberührt. Erst 1945 bauten die Kanadier, nachdem die Engländer das Blockhaus kampflos besetzt hatten, dort auf der Düne ein Strafgefangenenlager für ihre Soldaten, die Disziplinarstrafen abzubüßen hatten. Das Blockhaus diente als Stabsgebäude.

Beim Aufbau des Lagers mußten die Gefangenen ca. 10 X 3 m große Betonböden gießen, auf denen Wellblechhütten, "Nissenhütten", errichtet wurden. Das gesamte Gelände wurde mit einem drei Meter hohen Stacheldrahtzaun umgeben, der einen Meter tief in den Sandboden eingegraben wurde, - Reste davon kommen noch heute zutage. Um dennoch Ausbruchsversuche zu vereiteln, wurde die Umzäunung nachts mit Scheinwerfern angestrahlt.

Die Kanadier sorgten mit einem weitverzweigten Rohrleitungssystem auf dem Platz für die ausreichende Wasserversorgung der Gefangenenbaracken. Dieses Rohrleitungssystem sollte sich in der rohstoffarmen Nachkriegszeit noch als "segensreich" erweisen!

Die Gefangenen wurden zu vielerlei Aufräumungsarbeiten eingesetzt und haben wohl auch den Zufahrtsweg zum Blockhaus vom ehemaligen Flugplatz Bissel bis zum jetzigen Parkplatz nördlich des Helenensees angelegt und mit Steinschutt zerbombter Häuser befestigt.

Vorher erreichte man das Blockhaus über den "Röver-Weg", der am jetzigen Tierpark Sager Heide vorbeiführte.

Plan des Hüttenlagers (Zeichnung: Peter v. d. Dovenmühle)

1946

Die Kanadier lösten das Gefangenenlager auf und zogen ab. Die Nissenhütten, Wachbaracke, Waschstellen und der Stacheldrahtzaun wurden abgebaut. Nur noch die Betonplatten, die Fußböden der Nissenbaracken, erinnerten an die Zeit der Besatzung. Sie wurden im Laufe der nächsten Jahre aufgebrochen. Mit dem Steinschutt befestigten wir die Böschungen der Dünen zwischen den Häusern. Die Wasserleitungsrohre wurden mühselig ausgegraben und für Instandsetzungsarbeiten im Blockhaus verwendet. Nach dieser "Umpflügung" war ein Teil des Platzes ein ideales Gelände für Strandburgenbau, den die Kinder des Kinderheimes ausgiebig betrieben.

1948

Auf einem anderen Teil des Platzes, dem Sportplatz, bolzte man für lange Zeit im tiefen grauen Sand. Mancher Gast wird sich schmunzelnd an die staubigen Fußballschlachten früherer Zeiten erinnern! Vielleicht wurde hier am 28.8.1946, am Tage der Einweihung des Blockhauses als Evangelisches Jugendheim, zum erstenmal Fußball gespielt.

So sah der Sportplatz früher aus:
So sah der Sportplatz früher aus

1949

Das traurige Bild des Platzes versuchten wir mit einer Birkenbepflanzung an den Rändern zu beleben.

Die großen Sanitätszelte, die zuerst im Sommer unter den großen Eichen am Fuße der Jungenburg aufgestellt waren, aber wegen des Tropfenfalls von den Bäumen sehr litten, verteilten wir nun im Park. Etwa 60 Jungen und Mädchen konnten in den Sommermonaten in den Zelten wohnen. Das Zeitmaterial wurde im Laufe der Zeit brüchig. Eine Bremer Jugendgruppe, die hier zu Gast war, stellte uns für einen Anerkennungspreis große Hauszelte und amerikanische Feldbetten zur Verfügung.

Zuerst schliefen die Zeltbewohner auf harten Luftschutzbetten ohne Matratzenauflage. Die Jutespinnerei aus Delmenhorst schickte uns dann Strohsäcke. Nachdem wir einen Bezugsschein für Stroh in Empfang genommen hatten, konnten wir bei den Bauern Stroh abholen und die Strohsäcke damit stopfen. Das war damals eine große Errungenschaft. An der Stelle, wo jetzt das "Wiesenhaus" steht, bauten wir eine größere Baracke auf. Auch hier wohnten während des Sommers in abgeteilten Räumen Jungen und Mädchen.

Schlafzelt
Schlafzelt

1956

In diesem Jahr wurden die Zelte zum erstenmal auf dem Sportplatz aufgestellt. Sie wurden von Jahr zu Jahr besser ausgestattet. Wir zimmerten Holzfußböden und verstärkten die Seiten der Zelte mit Hartfaserplatten und brachten Ablagen für Koffer und Kleidungsstücke an. Die Zeltbewohner schliefen nun auf amerikanischen Feldbetten, die mit einer Matratzenauflage ausgestattet waren.

Die fünf Zelte hatten auch Namen bekommen: Dachsbau, Karnickelröhre, Fuchsbau, Reiherhorst und Fischadler.

Für getrennte Toiletten und getrennte Waschräume sorgten wir auf folgende Weise: In vier Holzkabinen, die auch im Winter stehen blieben, installierten wir Spülkästen und Klosettbecken. Darüber wurde im Sommer ein Zelt mit zwei Eingängen gespannt. Im Waschzelt wurden zwei Rundwaschbecken aus Wehrmachtsbeständen an die neu verlegte Wasserleitung angeschlossen. Auch diese Anlage wurde von einem Zelt mit Trennwand und zwei Eingängen überdacht.

Ein großes olivfarbenes Militärzelt diente als "Speiseraum". Die Kinder saßen auf langen einfachen Bänken an stabilen Soldatentischen, die noch heute in der Bauerndiele stehen. Wer wohnte damals in den Zelten? Unsere ersten Gäste waren Kinder aus einfachen Verhältnissen, die sonst kaum Ferien machen konnten.

Wir luden sie ein zu einer Zeit, als man bundesweit zu Jugenderholungsmaßnahmen aufrief, die verhindern sollten, daß diese Kinder aus der Bundesrepublik in den anderen Teil Deutschlands in Ferienlager reisten. Später veranstaltete unser Landesjugendpfarramt, heute das Diakonische Werk, diese Jugenderholungsmaßnahmen.

Jahrelang verbrachten auch Lehrlinge der Rheinelbe-Bergbau AG, Essen, hier ihre Ferien.

Mit der Zeit wurden diese Zelte immer brüchiger und wir beschlossen, im Eigenbau feste Schlaf- und Wohnräume zu bauen.

1958

Die große Baracke mußte nun den Platz für eine neue Klärgrube freimachen. Die Dachkonstruktion dieser Baracke wurde auf dem Sportplatz neu aufgebaut und als Lagerplatz für das Zeltzubehör benutzt. Wir kamen dann auf den Gedanken, diesen Schuppen zu einem Tagesraum, die "Bauerndiele", umzubauen. Oberstleutnant Jüchter-Kaupisch vom Fliegerhorst Ahlhorn schickte uns ein Kommando, das dabei half, diesen neuen Tagesraum zu bauen. Unser lieber Tischler, "Opa" Sternsdorff, leitete fachmännisch die Umbauarbeiten.

Opa Sternsdorff
Opa Sternsdorff bei der Arbeit
Die Fenster und die große Scheunentür durften wir uns aus einem alten Bauernhaus, das Herrn Kieselhorst aus Wardenburg gehörte, ausbauen und konnten auf diese Weise der "Bauerndiele" zu bäuerlichen Merkmalen verhelfen. Allerdings sind diese Merkmale nicht landschaftsgebunden, denn die Bretterführung am Giebel können den Betrachter an die kleinen Bauernhäuser in Masuren erinnern. Wie es in der Bauerdiele nun aussieht, zeigt das folgende Bild: Geräte der Bauern um die Jahrhundertwende erinnern an das schwere Leben auf dem Lande. Ein Bild des letzten amtierenden Großherzogs soll die liberale Haltung dieses Mannes ehren.

In der Bauerndiele
In der Bauerndiele

1964

Im Winter wurden die ersten Hütten fertig. Der landeskirchliche Baubeauftragte, Architekt Dietrich Schelling, gab uns Tips, wie man die Dachkonstruktion sicher und fachmännisch zusammensetzte.

Vor den Hütten
Vor den Hütten

1966

In diesem Jahr wurden die letzten beiden Hütten bezugsfertig. Die Außenwände wurden so ausgeführt, wie sie in dem holzreichen Masuren in Ostpreußen üblich waren. Ohne Mithilfe von Soldaten wären diese Hütten nie fertig geworden. Der Hausmeister, Herr E. A. Müller, leitete die Bauarbeiten mit großem Geschick. Damit die Hütten und die Bauerndiele nicht so frei auf dem Platz stehen mußten, begannen wir sofort mit Anpflanzungen, die heute alles harmonisch einrahmen. Herr Smit vom Forstamt Ahlhorn hat sich ganz besonders für die Bepflanzung eingesetzt.

Schlafraum
Schlafraum

Anfang 1960 säten wir zum erstenmal auf dem Sportplatz Hartgräser an. Mehrere Jahre mußten wir das Gelände immer wieder umpflügen und neu ansäen, damit sich eine Humusscbicht bildete. Nun ist eine schöne Liegewiese und Sportplatz vor den Hütten entstanden.

1970

Der damalige Verwaltungspräsident E. Haskamp wollte gern in seinem Bezirk ein Jugendwaldlager einrichten. Was lag näher, als dieses Vorhaben in dem landschaftlich schönsten Teil Oldenburgs zu verwirklichen! Mit dem Forstmeister von Ahlhorn wurde vereinbart, das Hüttenlager dafür mit zu verwenden. Spenden ermöglichten die weitere Verbesserung. Innenwände und Decken wurden doppelt verschalt und mit Glaswolle isoliert. Jede Hütte erhielt Heizkörper. Es entstand ein weiterer Bau mit zwei besser ausgestatteten Waschräumen.

Leiterzimmer
Leiterzimmer im Hüttenlager

1973

Damit die Bewohner nachts nicht den Weg zur weit entfernten Toilette machen mußten, wurde in jeder Hütte eine Toilette eingebaut.

Jetzt ist der Ausbau des Platzes abgeschlossen. Die Jungen und Mädchen, die hier wohnen, haben das "Hüttenlager" lieb gewonnen und bezeichnen es als einmalige Freizeitanlage am Helenensee für die heutige Zeit.


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