Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1977: Blockhausbrief Nr. 21

Inhalt:

Titel
Zum Geleit
Vom Danken
Einweihung des Neubaus des Blockhauses Ahlhorn am 20.4.1976
Die Gemeinschaft der Christen erfahren
Lieber Rolf...
Das Hüttenlager
Die Bibel erzählt eine Schöpfungsgeschichte
Lappentaucher im Ahlhorner Teichgebiet
Politische Bildung in der Bundeswehr
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 1.1.1976 bis 31.12.1976
 

Einweihung des Neubaus des Blockhauses Ahlhorn am 20.4.1976

H. Höpken


Text: Offenbarung I, Vers 18: "Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes."


Wer den Schlüssel hat, kann eintreten, er kann durch die Tür hineingehen. Nun kann er in den Räumen oder in dem Haus zu Hause sein. So sind wir mit dem Schlüssel durch die Tür hineingekommen und sind nun hier zu Hause beisammen, wie es viele nach uns sein werden. Wenn es wirklich zu Hause ist und ein wirkliches Beisammensein, dann ist es ein Beisammensein, das gehalten ist durch den, der eigentlich und vollendet Schlüssel des Lebens und auch des Todes ist; und das heißt in unserem Textwort: Verständnis dessen, was Leben und Tod ist. Schlüssel bedeutet: damit kann man begreifen, was wirklich ist. Nur der, der Hölle und Tod kennt (Hölle meint hier das Reich der Toten), der da war, weiß und versteht, was das ist. Jeder andere redet wie ein Blinder von der Farbe.

Wir haben es hier mit einem Heim zu tun, in dem die Arbeit von diesem Herrn her geschieht, unter diesem Herrn geschieht, der in den Tod ging. Ich war tot - ich wurde tot heißt es eigentlich - und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit, das heißt: über die Zeit hinaus.

Das mag nicht bei jedem Beisammensein ausgesprochen werden, das kommt nicht bei jedem Vortrag direkt zur Sprache. Es kann hier und es muß hier das Gesamtdeutsche und Europäische, das Leben aller Kulturen der Welt zur Sprache kommen können. Hier darf und hier soll nicht eine bestimmte Weltanschauung, eine bestimmte Partei, und nur eine bestimmte Richtung sprechen können, hier darf nichts festgelegt und festgeschrieben werden, sondern hier soll der Mensch lernen, frei, objektiv, vernünftig, menschlich darüber sprechen und leben zu können. Und das kann man eben nur, wenn man nicht an eine bestimmte Lehre oder Weltanschauung unserer Welt oder unseres Volkes gebunden ist, sondern seine Bindung von dem her hat, der Herr aller Menschen, Mächte und Gestalten dieser Welt ist. Wer einen solchen Herrn aller Mächte, Menschen und Gewalten leugnet und sagt: ich glaube nicht an Gott, dem bleibt nur eine Alternative, der glaubt nur an sich selber. Da wäre dann kein Beisammensein mehr möglich. Wer an sich selber glaubt, ist in sich gekrümmt. Ein in sich gekrümmter Mensch ist ein unglücklicher Mensch, dem man helfen muß, so schnell und so gut, wie wir es nur können.

Darum versammeln wir uns heute hier - da wir diese Räume einweihen - im Namen des Herrn über Leben und Tod, der die Schlüssel, das Verständnis aller Dinge, hat und es uns weitergeben und vermitteln kann. Wir wollen nicht noch einmal erleben, was mit diesem Haus verbunden ist.

Wir können diese Einweihung nicht begehen, ohne dieses Tages zu gedenken. Es ist ja der 20. April, an dem der Mann geboren wurde, der 13 Jahre bestimmt hat, was in unserem Volk und in diesem Haus gedacht, geredet und getan werden sollte, der mit uns, die wir es erlebt haben, und wir mit ihm auf dem Gewissen haben, was damals alles hat geschehen können.

Bis 1965 gab es in dem großen Saal eine große Platte. Darauf stand: "1933 Adolf Hitler deutsche Volkwerdung," mit einem großen Sonnenrad. Ob das alle Leute, die hier aus- und eingingen, richtig verstanden haben, weiß ich nicht. Aber einer kam eines Tages - und das auch noch von einer Volkshochschule, der es besser hätte wissen müssen - und verlangte die Entfernung dieser Platte. Ein Israelit hätte daran Anstoß genommen, und es müßten eigentlich auch andere daran Anstoß nehmen. Der Oberkirchenrat hat daraufhin diese Platte entfernen müssen. Sie ist nicht mehr da im großen Saal.

Ich kann nur sagen, es ist schade, daß sie nicht mehr da ist. Es wäre ebenso schade, wenn hier nicht ein Mann wie Marx oder Mao seine Meinung sagen könnte, und ich ihn anhören könnte, und wir uns hier mit Kommunisten und extremen Sozialisten auseinander- oder besser gesagt zusammensetzen könnten, um es deutlich, noch deutlicher bezeugen zu können, was es heißt: frei sein, objektiv sein können, wirklich Mensch sein zu können in dieser Welt.

Denn frei sind nur Gott und die, die er in seine Freiheit hineinnimmt und mit seinem Schicksal die Welt verstehen lehrt. Lenin hat nichts weiter zu sagen als den Satz: "Das ist so, weil es so sein muß." Erklären kann er nichts, ändern kann er nichts, höchstens statt Freiheit Unfreiheit bringen. Aber Gott kann es. Von ihm her, der nicht gebunden ist, der frei ist, muß man unser Leben mit der gesamten Weltgeschichte zu verstehen suchen. Wir können ja doch 1933 nicht ausradieren, nicht entfernen, wie es leider hier geschehen ist. Wir können nur versuchen, es mit Gott ein wenig besser zu begreifen und vielleicht zu bewältigen, ohne in den nächsten Widersinn hineinzustolpern. Vereinfacht könnte man sagen: wir haben die Wahl, an Gott oder an den Menschen zu glauben.

In einem Psalm aus unseren Tagen von Arnim Juhre heißt es: "Ich frage mich, woran die Söhne meiner Söhne sich halten werden, wenn sie die Erde verlassen, wenn sie den Mond besuchen, die Venus, den Mars. Gib ihnen einen Freund mit auf die Reise, deinen Sohn, der ihnen zeigt, daß nichts, was gemacht ist, ohne dich gemacht ist, daß ihr Flug nicht weiterreicht als der Sprung eines Flohs auf dem Rücken deiner Hand."

Wir können nur hoffen und wünschen, daß das freie, menschliche Hören in diesem Haus, in diesen Räumen, fortwährend geschehe. So dumm wird schließlich kaum einer sein, der hierher kommt, daß er sagen wollte: was in der Bibel steht, kann ich nicht glauben. Dann stünde er ja nicht in der Wirklichkeit des Lebens, sondern wäre Phantasien erlegen, seinen eigenen oder den Phantasien anderer. Den Glauben an den Auferstandenen hat kein Mensch, den gibt Gott wo und wann er will. Von hierher leben wir, und das wird auch den Bestand dieser Räume überdauern. Christus spricht: ich war tot und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes.


Lampionfahrt auf dem Helenensee
Lampionfahrt auf dem Helenensee

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