Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1976: Blockhausbrief Nr. 20

Inhalt:

Titel
Zum Geleit
"Gottes sind Wogen und Wind..." - Versuch einer theologischen Interpretation des Ahlhorner Blockhausspruches
Nach dem Sturm
Erdgeschichtliches
Aus der Chronik des Staatlichen Teichwirtschaft
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 11.11.1974 bis 17.12.1975
 

Kurzberichte der Gäste zwischen
dem 11.11.1974 und dem 17.12.1975

Vorraum im Anbau Treppenhaus im Anbau
Vorraum und Treppenhaus im neuen Anbau

Konfirmanden, Varel / P. Jürgens
(44 Teiln., 1. 2.- 5. 2.)

Immer schön in der Reihe bleiben . . .

Unsere Gruppe bei der letzten Konfirmandenfreizeit im Blockhaus Ahlhorn vom 1. - 5. Februar bestand aus 40 Personen. Wir hatten das Thema "Immer schön in der Reihe bleiben." Wir beschäftigten uns mit der Frage "Warum wurde Jesus hingerichtet?" Auch deswegen - weil er aus der Reihe tanzte. Die Gruppe machte ein Hörspiel von der Verhandlung gegen Jesus, in der dieses Problem deutlich wurde. Außerdem wurde ein Laienspiel erarbeitet. Ein Außenseiter wird von der Klasse fertiggemacht. Niemand tanzt aus der Reihe, um diesem Außenseiter zu helfen.

Die Konfirmanden haben durch ihre Beiträge zum Thema erkannt, daß es oft gut ist, in der Reihe zu bleiben, oft aber auch nötig, auszuscheren, wenn jemand unterdrückt, verachtet, verspottet usw. wird. Alle Beiträge wurden zu einem Vorstellungsgottesdienst zusammengefaßt. Der Gottesdienst war sehr gut (subjektive Meinung). Ein Problem auf dieser Freizeit: Einige der Helfer bildeten eine Clique und betrachteten die Freizeit mehr oder weniger als Urlaub. Es war sehr gut, daß sich die Konfirmanden nicht von denen beeinflussen ließen, die aus der Reihe tanzten. Unter den Konfirmanden herrschte ein partnerschaftliches Verhältnis. Das zeigte sich besonders, als einige krank wurden. Man kümmerte sich um die Kranken, sie wurden besucht, es wurde ihnen das Essen ans Bett gebracht. Überhaupt war die Atmosphäre sehr gelöst und es war durchaus nichts außergewöhnliches, wenn Kritik, zum Teil sehr scharfe Kritik, gebracht wurde.

Dietmar Kraft - Obenstrohe


Anlagen zwischen Anbau und Gästehaus
Anlagen am Anbau

Soldaten, Ahlhorn / P. Gerken
(33 Teiln., 17. 3-20. 3.)

Lebensgefühl der jungen Generation - Erwachsen mit 18?

  • Über die Geschichte des Blockhauses Ahlhorn
  • Morgenandacht - biblische Besinnung
  • Zur Psyche des jungen Menschen
  • Zwischengeschlechtliche Beziehungen junger Menschen
  • Musik der jungen Generation
  • Der junge Mensch in der Bundeswehr
  • Gruppendynamisches Spiel
  • Neue Welle Religion
  • Abschlußgottesdienst

Fernab vom täglichen Dienstbetrieb trafen wir - etwa 30 Soldaten aus den umliegenden Standorten - uns zu einer 4tägigen Rüstzeit im Blockhaus Ahlhorn zu der die evangelischen Standortpfarrer eingeladen hatten. Das Thema der Tagung, die unter der Leitung von Pfarrer Gerken stand, lautete: "Das Lebensgefühl der jungen Generation - Erwachsen mit 18?" Die Erwartungen die wir mitbrachten, waren wohl in erster Linie eine Bestimmung des eigenen Standpunktes und die Hoffnung, eine Verdeutlichung der eigenen Situation zu erlangen. Natürlich spielt auch die Möglichkeit dem Bw-Alltag zu entfliehen, eine Rolle bei dem Entschluß zur Teilnahme.

Um das Gesamtthema zu erfassen, setzten wir uns in den 4 Tagen, die wir in der gelösten Atmosphäre, die im Blockhaus herrschte, verbrachten, mit Problemen auseinander, die für das Lebensgefühl unserer Generation von Bedeutung sind. Neben einer Bibelarbeit von Vertretern des Gideonbundes, einem Referat zur Psyche des jungen Menschen, bei dem Pastor Müller-Haye im besonderen auf die Entwicklungspsychologie einging, einer biblischen Besinnung, bei der die Frage nach der Vereinbarkeit von Glaube und Vernunft im Vordergrund stand und einer Bestandsaufnahme unserer eigenen Probleme und unserer Situation in der Bundeswehr, besprachen wir einige Thesen, die Gruppen früherer Rüstzeiten erarbeitet hatten. Hierbei untersuchten wir, inwieweit diese Thesen heute noch für unsere Generation Gültigkeit haben. Der interessanteste Beitrag wurde dann von Herrn Pastor Finkebein geliefert, der in der Jugendstrafanstalt Vechta tätig ist. Er wußte sehr interessant über das Lebensgefühl dieser Randgruppe zu berichten. Anhand von Beispielen machte er auf beeindruckende Weise deutlich, mit welchen Schwierigkeiten die Häftlinge zu kämpfen haben.

Die Abende waren mit einem abwechselungsreichen Programm gefüllt. Herr von der Dovenmühle gab als Heimleiter einen Überblick über die Entstehung des Blockhauses Ahlhorn. Am Dienstag führten wir ein gruppendynamisches Spiel durch, an dem wir alle große Freude hatten. Schließlich gab es am Mittwoch noch einen Spielfilm zu sehen.

Die Rüstzeit wurde mit einem Rundgespräch über die Ergebnisse der Tage abgeschlossen.

Mit neuen oder vertieften Erkenntnissen "gerüstet" trennten wir uns am Donnerstag gegen 19.00 Uhr um zu dem eingangs schon angesprochenen täglichen Dienstbetrieb in unseren Einheiten zurückzukehren.

Wolfgang Leipert


Raum für Geselligkeiten
Raum für Geselligkeiten im Anbau

Ev. Männerwerk, Hannover / Herr Koloff
(32 Teiln., 1. 7.- 6. 7.)

  • "Besinnung über den Predigttext"
  • Erfahrungen mit neuen Gottesdienstformen in der Gemeinde und auf dem Kirchentag
  • "Werkstatt-Familiengottesdienst"
  • Familiengottesdienst

Familienfreizeit als Gemeinde Jesu Christi erlebt!

Vor einem Jahr sagte eine siebenjährige Teilnehmerin einer ähnlichen Familienfreizeit auf der Heimfahrt: "Mutti! So wie in dem Lied, "Laß die Sorgen all' zu Haus' . . . . .", so war das in Ahlhorn!" Was dieses kleine Mädchen ganz spontan in diesem einen Satz ausdrückte, haben wohl in diesem Jahr nicht nur die Kinder, sondern fast alle dreiunddreißig Teilnehmer nach der Familienfreizeit vom 1. bis 6. Juli 1975 im Blockhaus Ahlhorn für Gottesdiensthelfer, Lektoren und Prädikanten aus der Ev-luth. Landeskirche Hannovers empfunden.

Es war das zweite Mal, daß zu einer Freizeit im Rahmen des Rüstzeitenangebotes der Landeskirche auch die Ehepartner und Kinder der ehrenamtlichen Mitarbeiter im Verkündigungsdienst der Kirche mit eingeladen wurden. Und auch dieses Mal waren sich alle, die dabei waren, einig: das ist eine wichtige und gute Entscheidung gewesen, die man hoffentlich noch recht oft wird wiederholen können.

Nach den Vorstellungen des Leitungsteams sollte auf dieser Freizeit die Familie im Mittelpunkt des gemeinsamen Nachdenkens und Tuns stehen. Das konnte dann auch in einer guten Weise verwirklicht werden, da das Programm sehr knapp gehalten war und für spontane Unternehmungen mit den Kindern und Ehepartnern genug Zeit zur Verfügung stand. Dankbar wurde dies Angebot angenommen. Gemeinsame Wanderungen, Ausflüge, Geländespiele und geselliges Beisammensein sowie ein zünftiges Richtfest, zu dem das Haus eingeladen hatte, ließen bald eine gute Gemeinschaft entstehen. Ein Beispiel: Schon in den ersten Tagen trafen sich viele Kinder vor dem schlafen gehen, um miteinander zu singen und den Tag ausklingen zu lassen. In all den Tagen wurde sehr intensiv und für alle gewiß mit viel Gewinn am Predigttext (Matth. 5, 20-26) und an der Gestaltung eines Familiengottesdienstes gearbeitet. Auch die kleinen Teilnehmer haben hierbei fleißig mitgewirkt. Mit Farbstiften haben sie auf langen Tapetenbahnen die in den Abendandachten gehörten biblischen Geschichten, die einen Bezug zum Predigttext hatten, festgehalten. Später, im Gottesdienst, stellten die Kinder ihre Bilder vor und erzählten von ihren Gedanken zu den Geschichten. Dieser Gottesdienst, in dem die Freizeit mündete und der ganz von dem Geschehen der vergangenen Tage geprägt war, war auch der Gottesdienst dieser Familien. Frühstück, Abendmahl, Verkündigung, Lobpreis und Gebet vereinten sich für alle zu einem Geschehen, das, schlicht gesagt, lebendiger Gottesdienst war. So haben Eltern und Kinder etwas von der frohen Botschaft Jesu Christi gespürt, die den Menschen im Alltag oft schwer erreicht. Insofern darf wohl gesagt werden, diese kleine Gemeinschaft hat Gemeinde Jesu Christi erlebt!

Unerwähnt darf es auch nicht bleiben, daß die reizvolle Umgebung mit den Fischteichen und Rudermöglichkeiten und vor allem, daß die freundliche Begleitung, die alle Teilnehmer durch die Mitarbeiter des Blockhauses erfuhren, zum uneingeschränkten Erfolg dieser Familienfreizeit beitrugen. Darum sei allen Mitarbeitern herzlich gedankt.

Herzlichen Dank gilt auch den Initiatoren in der Lektorenarbeit der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers für die Freizeit. Alle, die dabei waren, sind davon überzeugt, daß sich durch solche Gelegenheiten zur Begegnung wesentliche Anregungen für die Arbeit im Verkündigungsdienst der Kirche auftun werden.

Claus Koloff


Kleiner Tagungsraum im Anbau
Kleiner Tagungsraum

Universität, Vechta / Herr Akkermann
(16 Teiln., 7. 7.- 9. 7.)

Gewässerkundlicher Kurs für Studenten aus Vechta

Bei der Durchführung eines limnologischen Geländepraktikums für Biologiestudenten an der Universität Osnabrück, Abteilung Vechta (der ehemaligen PH), stand man vor dem Problem der Wahl eines geeigneten Gewässers. Erforderlich waren fließende und stehende Gewässer des mittleren Weser-Ems-Raumes mit ausreichender Vegetation und genügend Wasserorganismen, kurze Entfernungen zwischen Geländestation und Mikroskop und eine Unterkunft mit einem genügend großen Raum. All das war im Falle des Blockhauses Ahlhorn und der unmittelbar benachbarten Fischteiche gegeben. Wenn auch das Plankton infolge des Fischbesatzes und der unregelmäßigen Wasserstände relativ artenarm war, gab es ein reiches Angebot an wirbellosen Tieren und Vögeln.

Der dreitägige Aufenthalt diente der Vermittlung von limnologischen Grundlagen und Arbeitstechniken. Zunächst wurden die topographisch-klimatischen Gegebenheiten an sechs Meßpunkten untersucht. Die hohen Julitemperaturen (mittags im Schatten 31° C) hatten zu einem niedrigen Wasserstand, zu hoher Wassertemperatur (um 24° C) und zu täglich stark schwankenden Luftfeuchte-Graden (zwischen 50 und 95%) geführt. Besonders die über flachem Ufer stehenden Laichkrautgesellschaften wie der Froschlöffel waren stark in Mitleidenschaft gezogen. Gleiches zeigte sich bei dem unterentwickelt gebliebenen Rundblättrigen Sonnentau und dem Torfmoos - alles Pflanzen, die an den Teichen westlich des Blockhauses anzutreffen waren.

In einer groben vegetationskundlichen Kartierung wurden die typischen Pflanzenzonierungen der Teichränder festgehalten. Unter anderem traten folgende charakteristische Arten auf:

Wasserschwaden (Glyceria maxima und fluitans)
Schilfrohr (Phragmites australis)
Rohrkolben (Typha sp.)
Schwertlilie (Iris pseudacorus)
Wasserdost (Eupatorium cannabinum)
Rohrglanzgras (Phalaris arundinacea)
Flatterbinse (Juncus effusus)
Honiggras (Holcus lanatus)
Sumpfkratzdistel (Cirsium palustre)

außerdem

Juncus bulbonsus
Juncus compressus
Eleocharis palustris
und Bittersüßer Nachtschatten Solanum dulcamara.

Auf dem Wasser der dritten Lethe-Staustufe blühte der Wasser-Hahnenfuß (Ranunculus aquatilis) in großer Zahl, das schattige Ufer war weiß gepunktet. Dieser Stau beherbergte die Zander-Zuchtfische, die Elterntiere der über das Verteilersystem in alle Teiche gelangenden Jungzander.

Die wasserchemischen Analysen ergaben, daß sich der Helenensee nur im Chloridgehalt von den anderen Teichen unterschied (0,3 statt unter 0,1 mg/l). Dies ist möglicherweise auf eine leicht überschüssige Fischfütterung zurückzuführen. Zusammen mit der sich auch durch intensiven Badebetrieb ergebende zusätzliche Harnstoff-Düngung dürfte es zu der stark ausgeprägten Algenblüte gekommen sein. Die winzigen, einzeln auftretenden Grünalgen konnten bei 900facher Vergrößerung nicht eindeutig identifiziert werden, sie gehören aber wahrscheinlich der unbegeißelten kugelförmigen Chlorococcum-Gruppe an, deren Vertreter nur etwa ein hundertstel Millimeter groß sind.

Die übrigen Planktonorganismen, Schlamm- und Unterwasser-Röhrichtbewohner wurden mit Spezialnetzen, Bodengreifern und Sieben an die Oberfläche geholt. Die entsprechenden Folgeanalysen wurden im Seehaus durchgeführt. Der hier befindliche Tagungsraum wurde auf Dreifachsteckerbasis zu einem improvisierten Kursraum umgerüstet, was sich gut bewährte. Leider reichte der letzte zur Verfügung stehende Tag nicht für eine genauere Bestimmung des angefangenen Tiermaterials aus.

Bestimmte Arten fielen jedoch dadurch sofort ins Auge, daß sie sich optimal hatten entwickeln können, so im Helenensee große Massen des Breitschwanzkrebschens (Eurycercus lamellatus), die um 12 Uhr in etwa 20 cm Tiefe einen dicht wimmelnden Horizont bildeten. Im Schlamm dominierten die in Köchern oder Gespinsten lebenden kleinen Larven von Eintagsfliegen und Köcherfliegen. Nicht selten waren auch Strudelwürmer (Macrostomum appendiculatum, Mesostoma lingua, Bothromesotoma personatum) und Süßwassermilben, die in schillerndem Rot oder Grün leuchteten (Lebertia insignis, Hydryphantes ruber).

Das Wasser der Teiche erfreut sich im allgemeinen einer hohen Qualität. Das zeigt auch die in Niedersachsen seltene Züchtung von Zandern, Raubfischen also, die an ihr Wohngewässer hohe Ansprüche, besonders hinsichtlich des Sauerstoffgehalts stellen. Bemerkenswert sind auch die prächtig gefärbten, bei uns im Flachland nicht sonderlich häufigen Teichmolche, die die beschatteten tiefen Verteilerkanäle besiedeln. Will man diese Fauna bewahren, sollte unbedingt darauf geachtet werden, daß kein fremdes Schmutzwasser dem Obenauf der Lethe (zum Beispiel von privaten Fischteichen) zugeleitet wird.

Die als Brut- und Zugvogelrastgebiete bekannten Fischteiche wurden auch dieses Mal ihrem Ruf voll gerecht. Die Kursteilnehmer konnten das Schlüpfen von vier Zwergtaucher-Küken mitverfolgen, die nur wenige Meter entfernt im Schwimmnest zwischen Schilfhalmen ausgeschlüpft waren. Die Altvögel tauchten zwar zunächst weg, näherten sich dann aber wieder den piependen, wohl nur vier Zentimeter großen Kindern.

Ein infolge Bisamunterwühlung durchbrochener Damm hatte einen Teich leerlaufen lassen. Der noch nasse, teilweise bekrautete Boden wurde von einer sechsköpfigen Flußregenpfeiferfamilie (Charadrius dubius) bewohnt. Mit melodischen Flötrufen blieben sie miteinander in Stimmkontakt.

An zwei Tagen erschien ein Fischadler; seine weiße Unterseite leuchtete bei jeder Flugwende hell in der Mittagssonne auf.

Auch Säugetiere ließen nicht auf sich warten, so Steinmarder, ein überirdisch laufender Maulwurf und Damwild jeden Alters. Während der Mittagszeit krabbelte eine Bartfledermaus (Selyslus mystacinus) an der holzverkleideten Außenwand des Seehauses empor. In die Hand genommen, zirpte sie ununterbrochen; auffällig waren ihre geringe Größe und die dunkelgraue Rückenfärbung.

Bartfledermaus
Eine nur handtellergroße Bartfledermaus sitzt zirpend in einem Rundglas

Alle Teilnehmer dieses Geländepraktikums waren von den Untersuchungsmöglichkeiten und der Naturnähe beeindruckt. Die Bedingungen, unter denen man im Blockhaus Ahlhorn und seiner gewässerreichen Landschaft hatte arbeiten können, stellten sich als außerordentlich günstig heraus. Das gilt sowohl hinsichtlich ungestörter wissenschaftlicher Untersuchungen, als auch im Hinblick auf die Demonstrationsversuche, die auf eine spätere Unterrichtspraxis ausgerichtet waren. Trotz einer zehnstündigen Tagesarbeit, trotz der artverschiedenen Bremsenstiche, denen sie ausgesetzt waren, fuhren die "15 von Vechta" mit dem Gefühl nach Hause, interessante ökologische Aspekte kennengelernt, viel gearbeitet und dennoch sich gut erholt zu haben. Es bleibt zu hoffen, daß im gastfreundlichen Blockhaus auch künftig Praktika dieser Art stattfinden können und daß mit der Wiederaufforstung erneut ein landschaftlich reizvolles und abwechslungsreiches Waldteichareal wiederersteht.

Bedenklich ist die Entwässerung des Gebietes durch mehrere Tiefbrunnen, die zum zentralen Wasserwerk nach Großenkneten zur Versorgung der Wesermarsch führen. Da man die Entwicklung offenbar noch nicht in allen Konsequenzen im vorhinein absehen kann, sind die Bedenken von Seiten der Forst- und Teichwirtschaft nur zu gerechtfertigt. Eine Senkung des Grundwasserstandes könnte nicht korrigierbare Schäden für die Lebensgemeinschaften und den Erholungswert dieses Raumes nach sich ziehen.

Remmer Akkermann


Jugenderholung, Diakonisches Werk, Oldenburg / Herr Waldert
(45 Teiln., 14. 7.- 3. 8.)

Abenteuerferien im Hüttenlager Ahlhorn

In der Zeit vom 13. Juli bis 3. August verlebten 38 Kinder im Alter von 5 bis 11 Jahren eine unter ärztlicher Obhut stehende Erholungskur im Hüttenlager Ahlhorn. Die Kur, die vom Landesverband Oldenburg des Diakonischen Werkes durchgeführt wurde, stand auch in diesem Jahr wieder unter der Leitung von Helmut Waldert, Schulleiter der Heimschule des Heilpädagogischen Jungenheims des CVJM in Lemwarder. Als Mitarbeiter haben sechs Mitglieder der Johanniter-Unfallhilfe und des Deutschen Roten Kreuzes mitgewirkt.

Die Unterbringung der 16 Mädchen und 22 Jungen erfolgte in drei großen, gut isolierten und mit Zentralheizung und Toilette versehenen Holzhütten, dazwischen die Leiterhütte - von den Kindern "Drachenfels" genannt. Mit zum Gebäudekomplex gehört ein Dusch- und Waschhaus mit stets warmen Duschen, ein großes Mehrzweckgebäude zum Essen und für jede Art von Veranstaltungen sowie zusätzliche Tollettengebäude.

"Weg vom Fernsehen!" Das war die Devise dieser drei Wochen. Tatsächlich, der Fernsehapparat hatte drei Wochen Pause. Bei gutem Wetter gab es am und im Wasser des großen "Helenensees", 20 Meter von den Hütten entfernt, viele Möglichkeiten zum Spielen. So wurden am feinen Sandstrand Murmelburgen, Staudämme und Brücken gebaut, man konnte auf dem See mit Booten rudern und gefahrlos baden. Auf einer Insel im See errichtete eine Jungengruppe eine Hütte, die so gut gebaut war, daß sie eine Nacht darin verbringen konnten.

Eine besondere Freude bereiteten die Geländespiele in dem großen, das Hüttenlager umgehenden Waldgelände. So wurde zum Beispiel am "Indianertag" der "Bonbontransport der Bleichgesichter" überfallen. Der große Manitou hatte alle Hände voll zu tun. Leider mußte das Lagergericht am Abend über zwei Indianer eine schwere Strafe verhängen, da sie die Regeln zu einseitig für sich ausgelegt hatten. Die Übeltäter sollten am Marterpfahl mit Kirschkernen bespuckt werden, was dann allerdings eine allgemeine Kirschkernjagd zur Folge hatte.

Tanzabende in der "Bauerndiele", Bastelarbeiten und verschiedene Spiele rundeten das Programm ab. So gab es knifflige Schatzsuchen, Orientierungs-, Schmuggler- und Grenzerspiele und viele andere große und kleine Ereignisse. Zwischendurch bestand immer ausreichend Gelegenheit zum Baden und Sonnen.

Die pädagogische Zielrichtung dieses Ferienlagers kann man in folgenden Punkten zusammenfassen:

  1. Aktive Erlebnisferien statt passiven Fernsehkonsums.
  2. Hinführung an das Leben in der Gemeinschaft (Sozialisationsprozeß).
  3. Verselbständigung der Jungen und Mädchen.
  4. Befreiung vom Zwang der strengen Regeln und Gesetze der dicht bebauten Wohngebiete.
  5. Leben in einem kleinen "Staat" ; Erleben von Normierungsprozessen und gruppendynamischen Prozessen (Gesetze selber bilden und auch einhalten).
  6. Nebenher anfallende Erziehungsziele wie Sauberkeitserziehung, Planung und Einteilung des Taschengeldes, Ordnung halten, selbst auf seine Sachen achten. usw.

Im Rückblick auf die diesjährige Freizeit meinen wir, hier gute Erfolge erzielt zu haben. Den Kindern hat es sehr gut gefallen: nach den drei Wochen gab es einen tränenreichen Abschied.

H. W.


Soldaten-Familienrüstzeit, Jever / P. Friedrich
(45 Teiln., 19. 7-28. 7.)

Familien-Rüstzeit im Evangelischen Jugendheim Blockhaus Ahlhorn

Für 9 Tage fuhren 49 Teilnehmer mit ihren Kindern in allen Altersstufen zusammen mit Standortpfarrer Friedrich und Pfarrhelfer IhIe zur Familien-Rüstzeit ins Evangelische Jugendheim Blockhaus Ahlhorn. In herrlicher Umgebung von Wald und Wasser, bei guter Unterbringung in Zweibettzimmern und abwechslungsreicher Verpflegung verbrachten die Teilnehmer bei hervorragendem Wetter vom 19. bis 28. Juli 1975 sorgenfreie Tage mit vielen Gelegenheiten zum Diskutieren, Spielen, Basteln und Feiern - bis hin zum Familiengottesdienst mit Kindtaufe. Jede der 12 Familien aus den Standorten Wittmund, Jever, Hohenkirchen und Wilhelmshaven hatte einen Eigenbeitrag von 200 bis 225 DM zu zahlen.

Auch die 9 Teilnehmer, die zum ersten Mal zu einer Familienrüstzeit fuhren, fanden schnell Kontakt in dem bunten Kreis, am schnellsten natürlich die Kinder. Sie standen im Mittelpunkt: für sie und mit ihnen wurde am meisten unternommen, erst recht beim Bunten Abend von 19 bis 22 Uhr oder beim Großen Kinderfest im Freien, das um 15 Uhr mit einem Kasperlespiel begann und für die ganz Unentwegten um 24 Uhr nach einer Nachtwanderung endete. Kinder und Erwachsene freundeten sich schnell an; bald entstand eine Atmosphäre aus Toleranz, Güte, Vernunft und Humor. "Man sollte alles nicht so eng sehen!" war die Losung und: "Lächeln wie eine Seerose!"

Das Fernsehen wurde fast vergessen bei den vielen Spielen: Schnitzeljagd, Botschaftsspiel, Reiterkampf im Wasser, Fußball, Völkerball und zwischendurch immer wieder Bootfahren auf dem See und dann Baden. Für die älteren Kinder gab es öfters kleine Diskussionen anhand einer Tonbandsendung, worin Probleme wie Zensuren, Strafen, Taschengeld und Wettkampf-Ehrgeiz angesprochen wurden. Zusammen mit älteren Kindern hörten die Erwachsenen einen Lichtbildervortrag von Oberstleutnant Beulke vom Richthofen-Geschwader über die Geschichte Südamerikas und über Brasilien. Durch die Bilder während des 12-jährigen Aufenthaltes in diesem großen Land kam es erst recht zur anregenden Diskussion. Lebhaft diskutiert wurde verständlicherweise auch, als Pastor Kramer aus Norden über Ehe- und Familien-Probleme sprach. Aufschlußreich waren auch die Lichtbildervorträge von Hauptfeldwebel Evers über Kreta und Texas sowie von Militärpfarrer Rommel aus Wilhelmshaven über seine Schiffsreise mit der "Deutschland". Eine besondere Attraktion war der selbstgebaute Katamaran, der von den Erbauern nach vollzogener Bootstaufe dem Heimleiter, Herrn von der Dovenmühle, übergeben wurde.

Wie vielseitig die Interessen und Aufgaben der einzelnen Teilnehmer sich entfalten konnten, mag ein Rundgang an einem Vormittag nach der gemeinsamen Tagesbesprechung zeigen. Da saß im Haupthaus um den eckigen Tisch in gemütlicher Runde eine Gruppe von Müttern und nähte für den Bazar beim Kinderfest. Draußen vor der Tür im Sonnenschein saß eine andere Gruppe und machte Papierblumen. Im Gartenhaus zeichnete ein Mädchen eifrig ein Bild, daneben lackierte ein Junge die von ihm modellierte Flasche. Im Seehaus lernten Männer, wie man aus Papier Hüte für das Kinderfest macht. In der Wäschekammer wurden 12 lustige Schürzen genäht. Am Bootssteg saßen zwei und schnitzten Stöcke für das Ballonstechen. Auf dem See in weiter Ferne segelte der Katamaran, in der Nähe ruderte ein Vater im Boot eine größere Kinderschar. Im nahegelegenen Wald waren zwei Männer damit beschäftigt, Holz für das abendliche Kaminfeuer zu besorgen. An den vier Schaukeln war die Kindergärtnerin, Frau Evers, mit den jüngeren Kindern im Gange.

Verständlich, daß die Tage vergingen wie im Fluge. Beim Abschied fragte mancher: "Und wann ist die nächste Familienrüstzeit für Soldatenfamilien?" Die nächste Familien-Wochenend-Rüstzeit in Ahlhorn für Soldatenfamilien ist voraussichtlich vom 19. bis 21. März 1976.

P. Friedrich
Ev. Standortpfarrer


Christentum und Sozialismus / P. Nilse
(120 Teiln., 31.10.-3.11.)

Christentum und Sozialismus - das scheinen zwei unvereinbare, sich von vornherein ausschließende Gegensätze zu sein; jedenfalls behaupten das viele. Anders auf einer Tagung vom 31. Oktober bis 3. November 1975 im Blockhaus, zu der aus allen Teilen der Bundesrepublik Teilnehmer angereist waren, und "das politische Handeln der Kirche und die Bedingungen und Verwirklichungen ihres Auftrages in der Gesellschaft" - im wahrsten Sinne des Wortes - zu "erörtern", d. h. die Orte aufzusuchen, den "Sitz des Lebens" zu untersuchen, an denen sich die Theologie und unsere Christlichkeit konkretisiert. Dazu gehören z. B. der Religionsunterricht in der Schule, die Funktion der Kirche in der Bundeswehr, die Bedeutung einer auf politische Gegebenheiten hin orientierten Bibelauslegung und neue Formen der Verkündigung und des kirchlichen Handelns (Ausschnitte aus dem Tagungsprogramm).

- Es gibt einen christlichen Standpunkt, der Sozialismus nicht ausschließt, sondern in ihm die zu erstrebende Alternative zur augenblicklichen Gesellschaftsordnung sieht. Und es gibt einen sozialistischen Standpunkt, der Christliches nicht mit der Kritik an der Kirche erledigt, sondern der im Neuen Testament und seiner Wirkgeschichte verheißungsvolle Traditionen aufbewahrt sieht, die um des Menschen willen gegen Ungerechtigkeit, Unfreiheit, Unterdrückung usw. mobilisiert werden können. - Das Blockhaus und sein Stil, seine Lage und Umgebung in herbstlicher Landschaft gaben einen geradezu idealen Rahmen ab; das Verständnis und kritisch begleitende wache Interesse der Hausleitung an der Sache sowie der Einsatz der hauswirtschaftlichen Mitarbeiter haben Unschätzbares zum Gelingen der Tagung beigetragen. Wir sind ermutigt von Ahlhorn weggefahren und wissen uns allen Kollegen des Blockhauses zu großem Dank verpflichtet.

Dieter Nilse


Altbau mit Anbau
Altbau mit Anbau

Schülertagung, Oldenburg / P. von Mering
(26 Teiln., 8. 12-11. 12)

"Selbsterfahrung und Selbstfindung"

Evang.-kath. Studientage in Ahlhorn

Anfang Dezember trafen wir uns (22 Schüler(-innen) der 11. - 12. Klassen der Gymnasien in Osnabrück, Oldenburg, Brake und Diepholz und 4 Leiter) im Blockhaus Ahlhorn, um uns mit dem Thema "Selbsterfahrung und Selbstfindung" zu beschäftigen. Nach anfänglicher "Tanzstundensituation" (Jungen links und Mädchen rechts), lockerte sich bald die Stimmung beim gemeinsamen Mittagessen und Küchendienst.

Während der ersten Übung (Gedankenaustausch unter Partnern über Erwartungen, Befürchtungen gegenüber der Tagung) knüpften wir unsere ersten Kontakte. Dieses Gespräch war für mich (Annette) einer der wichtigsten Punkte der Tagung, denn es war unerwartet offen (was wahrscheinlich daran lag, daß mein Partner und ich mit ungefähr der gleichen Absicht - "Selbsterfahrung" -hergekommen waren) Wir stellen fest, daß unsere Erwartungen etc. im Grunde ziemlich ähnlich waren, und diese Feststellung war der Ausgangspunkt für die Vertiefung gewisser persönlicher Aspekte.

Es war für mich eine positive Erfahrung, weil ich offen mit jemandem, den ich überhaupt nicht kannte, sprechen konnte, und diese Offenheit bildete auch die Grundlage für die weiteren, Gespräche Übungen etc. Beim Gedankenaustausch im Plenum stellten wir aber fest, daß dieses Partnergespräch nicht für alle so gut verlaufen war. Das lag teilweise an der Motivation der Einzelnen (die meisten wollten etwas über sich selbst erfahren, aber einige kamen nur wegen der schulfreien Tage) oder an der Größe der Klassenverbände (Einige hatten das Partnergespräch mit Klassenkameraden führen müssen, und das brachte für sie keine neuen Erfahrungen in Bezug auf Kontakte mit Fremden). Nach einigen weiteren Übungen, die sich mit Vertrauen und Gefühlen beschäftigten, stellte sich bei einem "Blitzlicht" (jeder sagte kurz, was er über den bisherigen Verlauf der Tagung dachte) die erste Kritik ein. Vielen paßte der Druck nicht (die scheinbar unbedingte Beachtung des Programms) und die geringe Rücksichtnahme auf den individuellen Verlauf innerhalb der Gruppen.

Wir fanden es gut, daß die Teamer auf unsere Kritik eingegangen sind und das folgende Programm danach ausrichteten. Das merkten wir schon am nächsten Tag daran, daß wir ein Spiel, daß uns allen wichtiger erschien als andere Übungen, auf den ganzen Tag ausdehnten.

Diese Übung war für mich (Maike) eine der wichtigsten Erfahrungen, denn bei der Analyse des Spiels (- einem weiteren Partnergespräch) erging es mir wie Annette am Vortag - der Gedankenaustausch, das Feststellen vieler Ähnlichkeiten im persönlichen Bereich, die Offenheit, das gute Verständnis und das "Aufeinandereingehen" mit jemandem, den ich im Grunde gar nicht kannte, beeindruckte mich.

Was uns auch gefiel, waren die Abende, die sich nicht auf das Thema konzentriertn, sondern auf die Gruppe als Einheit. Durch Spiele, Kaminabend und eine Nachtwanderung, die sehr ankam, konnten wir unsere Kontakte vertiefen und die teilweise gewonnenen Erfahrungen anwenden.

Die Atmosphäre war irgendwie unheimlich aufgelockert und gemütlich (die Teamer z. B. hoben sich als Autoritätspersonen kaum hervor).

Wir fanden diese Tagung positiv, weil sie und persönlich einiges an neuen Erfhrungen gebracht hat. Aber das wurde uns erst richtig bewußt, als wir (Maike und Annette) die Tagung gemeinsam zu analysieren und auszuwerten versuchten.

Was allerdings die ganze Gruppe störte und uns praktisch den letzten Morgen verdarb, war die Kürze der Tagung ( 2 1/2) Tage.

Es ist einfach schwierig, in so kurzer Zeit Schranken abzubauen und überhaupt Erfahrungen zu machen und das Ganze ernst zu nehmen, denn es fällt schwer, Eindrücke, die wir in einer Gruppe mit der gleichen Motivation gewonnen haben, auch auf den Alltag anzuwenden. Darum würden wir am liebsten diese Tagung fortsetzen!

Maike Moldenhauer
Annette Strunck

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