Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1976: Blockhausbrief Nr. 20

Inhalt:

Titel
Zum Geleit
"Gottes sind Wogen und Wind..." - Versuch einer theologischen Interpretation des Ahlhorner Blockhausspruches
Nach dem Sturm
Erdgeschichtliches
Aus der Chronik des Staatlichen Teichwirtschaft
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 11.11.1974 bis 17.12.1975
 

Aus der Chronik der
Staatlichen Teichwirtschaft

1898
Ein Gutachten wurde angefordert, wie und wo im Herzogtum Oldenburg Fischteiche angelegt werden könnten.

1905
(20.10.) - Eine Bereisung des Gebietes der jetzigen Teichwirtschaft ergab, daß das Gebiet der jetzigen Teichwirtschaft, insbesondere Feldmühle, Rüdersee, Rieselwiesen und Sager Heide nördlich der Lethe, für die Anlage einer großen Fischereiwirtschaft als durchaus geeignet befunden wurde.

Es wird vorgeschlagen:

  1. das Gebiet anzukaufen,
  2. ein spezielles Projekt darüber ausarbeiten zu lassen, wie im einzelnen die Anlage am zweckmäßigsten zu gestalten sei,
  3. ein Teil der Rieselwiesen westlich des Rüdersees in die Fischteiche einzubeziehen.

1911
In diesem Jahr sollte der Teichbau soweit fertiggestellt sein, so daß die gesamte Anlage voll betrieben werden könnte. Tatsächlich aber zog sich der Teichausbau über einen sehr viel längeren Zeitraum hin. Die Reihenfolge des Ausbaus entspricht der Numerierung der Teiche von 1 - 38.

Als Preise für den angekauften Boden (Heide und Ödland) aus Privathand besonders in der Sager Heide wurden genannt:

je ha 1906: 70 RM, 1908: 100 RM - 150 RM, 1910: 150 RM und 1929: 250 - 300 RM.

1906
Arbeitertagelohn betrug 2,20 - 2,50 RM.

1906
(24.10.) - Die Deicharbeiten in den Rieselwiesen wurden verdingt. Mit den Arbeiten wurde noch im Herbst begonnen unter Benutzung von Laufbohlen, Karren, Abritzschlitten, Sodenschaufeln und einer Belegschaft von etwa 20 Mann.

1907
Deich Teich 9 wurde abgesodet für 2 Rpfg pro qm.

Am 10. Juli wurden die Erdarbeiten für die Hälteranlage hinter dem jetzigen Hälterhaus für 0,40 RM je cbm verdingt.

1909
Im Januar arbeiteten 23 Arbeiter im Tagelohn von 2,25 - 2,70 RM, der Aufseher liquidierte 3,50 RM je Tag. Im April bei wohl längerer Arbeitszeit betrug der Tagelohn 2,50 - 3 RM.

Es arbeiteten bis zu 30 Arbeiter.

Von jetzt an wurden auch Strafgefangene aus Vechta beschäftigt.

1916
Auch Kriegsgefangene wurden eingesetzt.

1931
Ende 1931 wurde der erste Freiwillige Arbeitsdienst im Oldenburger Land in der Teichwirtschaft für den Ausbau der Teiche, verstärkt bei Aufforstungsarbeiten und beim Wegebau, eingesetzt. Dafür wurde in der Teichwirtschaft ein Lager eingerichtet.

1910
Teich 21 im Frühjahr für einen Akkordsatz von 0,40 RM je cbm ausgebaut.

1911
Teich 23, 24, 25, 26, 27 und 19 ausgebaut.

1912
Arbeiten an den Teichen 17, 18, 23 und 28 werden fortgesetzt.

1914
Teich 30, ferner die Brutteiche in den Rieselwiesen ausgebaut.

1915
Teich 30 A fertiggestellt.

1927
Teich 31 A für 0,45 RM je cbm in Arbeit genommen, ebenso

1929
Teich 36 für 0,50 RM je cbm.

1931
In diesem Jahr verfügte das Oldenburger Staatsministerium, daß die Teichwirtschaft mit sofortiger Wirkung der Forstverwaltung unterstellt wird, weil sie in einer langen Reihe von Jahren ein Zuschußbetrieb geworden war. Die Teiche sollten nur noch in Wildfischerei ohne Zufütterung genutzt werden.

1933

Im März machte ein Fischhändler aus Hamburg das Angebot, die Teichwirtschaft zu pachten.

Durch das Geschick von Herrn Keimer, einflußreiche Verwaltungsbeamte für seine Ideen zu gewinnen, sorgte er für das Weiterbestehen der Teichwirtschaft, sie blieb aber dem Forstamt unterstellt.

1926
In diesem Jahr wurde auf Anregung des Fischereiverbandes die Forellenzucht aufgenommen. Dieser Nebenbetrieb hatte nie richtig floriert. Es wurden Regenbogenforellen, Bachforellen und Bachsaiblinge erbrütet und bis zu Speisefischen in einer besonderen Anlage in der unteren Talsperre herangezogen. - Vor einigen Jahren hat man, wie schon berichtet wurde, mit der Forellenzucht wieder begonnen.

Mit der Teichwirtschaft wurde ein weiterer Nebenbetrieb verbunden:
Die Schweinemästerei wurde 1908 aufgezogen, um die Teiche mit Dünger zu versorgen. Mit Kriegsbeginn mußte der Mastbetrieb wegen Arbeiter- und Futtermittelmangel wieder aufgegeben werden. - Größere Flächen wurden landwirtschaftlich genutzt.

Von den Beamten des Landeskulturfonds bzw. des späteren Siedlungsamtes waren an der Entstehung und Verwaltung der Teichwirtschaft beteiligt:

Ökonomierat Cassebohm, Ökonomierat Heumann, Dr. Hilmann, Oberregierungsrat Tantzen, Ökonomierat Glaß, der stark kritisierte und zeitweise den Verkauf der Teichwirtschaft propagierte, Geheimrat Gramberg als Referent für Landwirtschaft im Ministerium, Professer Buhlert, Oberinspektor Behrens, der entscheident am Dükerbau beteiligt war und Amtmann Ahrens.

Besonders mit Professor Buhlert hatte der örtliche Leiter der Teichwirtschaft, der spätere Fischereidirektor Keimer in den Jahren des Hauptausbaus der Teichwirtschaft 1905 - 1914 glücklich zusammengearbeitet. Herr Keimer hatte weitgespannte Pläne, die oft in die wirtschaftlich vertretbaren Bahnen geführt werden mußten. Ihm kommt aber ohne Zweifel das Hauptverdienst an der Schöpfung der Staatlichen Teichwirtschaft Ahlhorn zu, die zwar in den Jahren des Aufbaus nicht immer mit glücklichen Ergebnissen aufwarten konnte, die aber unter Außerachtlassung der Wirtschaftlichkeit immer als eine Kulturtat ersten Ranges bezeichnet werden muß.

In einem weiteren Bericht über ein Gebiet, das uns besonders interessiert, lesen wir folgendes:

Von dem vom Landes-Kulturfonds ehemals von Sager Bauern angekauften Gelände, bestehend aus hügeligen Sanddünen mit Heide und stellenweise Eichenkratt bestanden, teilweise aus Flugsanddünen bestehend, die bei trockenen Sommerwinden in Sandstürmen verweht wurden, waren die nicht für Teiche oder landwirtschaftliche Nutzung geeigneten Flächen systematisch aufgeforstet worden unter Belassung der Eichenkrattbüsche aus Gründen des Naturschutzes und der Landschaftspflege und unter Beimischung von Fichte, Sitkafichte zu der Hauptholzart Kiefer und auch Verwendung von Japan-Lärche, Douglasie, Roteiche und Pappel.

Zu den Wasserverhältnissen ist folgendes zu sagen:

Die hauptsächlichste Wassermenge bezieht die Teichwirtschaft aus der Lethe. Durch Druckwasser wird der Rüdersee, Teich 15, 16 und 20 mitgefüllt. 1917 wurde eine Stauanlage, die sogenannte obere Talsperre mit Sperrmauer, in der Nähe der 12 Apostel mit einem Wasserspiegel 31 m über NN gebaut, die sich bewährte, aber nicht in der Lage war, das Wasserproblem vollständig zu lösen. 1930 wurde vom Wasserbauamt ein Pumpwerk errichtet, mit einer Förderleistung von 150-160 l/sec., das aus dem Stau der Talsperre bei Bedarf den oberen Teichen Wasser zuführte. Die angestaute Lethe bei der ehemaligen Feldmühle versorgt über einen Zuleiter und einem Düker, der unter der Talsperre läuft, die oberen Teiche mit Wasser.

Schließlich sei über die Flächenentwicklung der Teichwirtschaft noch eine Zusammenstellung gebracht:

1934
639,8627 ha
davon sind Holzboden, bestockt 207,91 ha
Holzboden, unbestockt          159,99 ha
Wiesen und Weiden               25,41 ha
Ackerland                       38,16 ha
Wasserflächen                  200,47 ha
Wegeflächen                      7,92 ha

Im jahre 1947 trat Herr Keimer - 69-jährig - in den Ruhestand.


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