Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1974: Blockhausbrief Nr. 19

Inhalt:

Titel
Zum Geleit
Das Gespräch
Rüstzeit, Tagung oder Freizeit
Religionspädagogische tagung in Ahlhorn
Veranstaltungen der Evang. Schülerarbeit im Blockhaus Ahlhorn
Musische Woche in Ahlhorn 1974
Die Pflanzenwelt der Ahlhorner Fischteiche
Vögel im Bereich des Blockhauses und das Fischteichgebietes
Neues aus der Fischzucht
Besuch der Mitarbeiter des Walbauinstituts (Universität Göttingen)
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 17.11.1973 bis 10.11.1974
 

Neues aus der Fischzucht

Ewald Thien

In der Fischzucht und Fischhaltung haben in den letzten Jahren Umstellungen stattgefunden, die von großer Bedeutung für die fischereilichen Betriebszweige sind. Das ist insbesondere die Entwicklung und der Einsatz von Trockenfuttermitteln. Ein zweiter wichtiger Schritt ist die Fortentwicklung in der Intensivzucht. Hier kann man verschiedene Richtungen in der Entwicklung unterscheiden. Auf der einen Seite steht die Zucht und Haltung von Fischen in geschlossenen Kreislaufsystemen, bei der das Wasser künstlich einer Wasserleitung entnommen und im Kreislaufverfahren durch besondere Reinigung wieder zugeführt wird. Eine andere Möglichkeit der Intensivzucht ist die Käfighaltung in Flüssen und Seen, z. B. Netzgehege in Baggerseen.

Eine weitere Möglichkeit ist die Warmwassererbrütung und Fütterung bei Karpfen. Die Warmwassererbrütung hat den Vorteil, daß man die Laichkarpfen schon im zeitigen Frühjahr zum Ablaichen bringt, praktisch zu jeder Jahreszeit. Die Muttertiere werden längere Zeit im wärmeren Wasser gehalten. Wenn jetzt Fische zum Abstreifen gebraucht werden, hypophysiert man sie vorher. Es wird den Karpfen ein Anregungsmittel in die Muskulatur eingespritzt, das sie laichbereit macht. Sonst sind die Karpfen nur ab Mitte Mai laichbereit, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Nach etwa 24 Stunden kann man nun die Karpfen abstreifen. Die befruchteten Eier kommen in Zuger-Gläser, wo sie dann erbrütet werden. Die geschlüpfte Brut wird dann im Warmwasserdurchlauf oder Kreislaufverfahren zu 2-4 cm langen Karpfen herangezogen. Man kann bei dieser Methode den Umtrieb um ein Jahr verkürzen. Beim Anfall von Warmwasser, z. B. Atomkraftwerken, Elektrizitätswerken usw., ist eine Anlage bedeutend billiger als wenn man das Wasser dauernd auf 22-24 Grad C erwärmen muß.

Bei der Aalmast kann man auch durch das Warmwasserverfahren die Aale vom Glasaal bis zum Speiseaal mästen. Eine Züchtung der Aale, wie bei Karpfen, ist noch nicht möglich. Der Aal laicht, wie bekannt ist, im Sargassomeer. Die Aallarven wandern dann zu den Küsten und kommen als Glasaale die Flüsse herauf. Dort werden sie in Aalfangstationen gefangen und verteilt.

Zu erwähnen wäre noch die Krebszucht und die Einführung von pflanzenfressenden Fischen. Im Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der deutsche Edelkrebs in Europa von der Krebspest befallen. Es gibt etwa 300 verschiedene Krebsarten auf der Welt. Um nun einen vollwertigen Ersatz für den Edelkrebs zu schaffen, der auch nicht von der Krebspest befallen wird, hat man den Signalkrebs eingeführt. In Krebsbrutanstalten werden die Eier erbrütet. Die Jungkrebse kommen dann als Besatz in Bäche, Flüsse, Seen und Teiche.

Der Graskarpfen ist ein pflanzenfressender Fisch, wovon es drei Arten gibt. Seine ursprüngliche Heimat ist China. Bezüglich der Vermehrung ist man auch auf Warmwassererbrütung angewiesen. Eine natürliche Vermehrung ist in diesem kalten Klima nicht möglich. Der Graskarpfen wird immer mehr zur Bekämpfung von Kraut und Algen in Gewässern ausgesetzt.

In der Teichwirtschaft Ahlhorn, wo hauptsächlich Karpfen, Schleie, Hechte und Zander gezüchtet werden, machen wir seit 2 Jahren auch Versuche mit Forellen. Schon einmal, im Jahre 1926, wurde hier eine Forellenzucht betrieben, die aber nach einigen Jahren wieder aufgegeben worden ist, weil man keine Gewinne erzielte. Durch Fertigfutter, medikamentöse Behandlung der Fische, Erhöhung des Sauerstoffgehalts im Wasser usw. ist man heute eher in der Lage, Forellen zu ziehen als vor 40 Jahren. In diesem Frühjahr haben wir die ersten Forellen abgestreift und erbrütet. Die Laichforellen werden schon im Januar überprüft, ob sie laichreif sind. Die Rogner werden zunächst in einer Schüssel abgestreift, ebenfalls die Milchner, und man rührt mit einer Feder alles durch. Nach etwa 15 Minuten werden die Eier gespült und kommen in Brutkästen. Die Eier liegen auf Sieben, es läuft ständig frisches Wasser durch. Um ein Verpilzen der Eier zu verhindern, werden diese öfter mit Malachitgrün behandelt. Die Zeit des Schlüpfens hängt von der Wassertemperatur ab. Sie dauert etwa 300 Tagesgrade, vom Schlüpfen bis zur Schwimmfähigkeit noch 120 bis 200 Tagesgrade. 1 Tagesgrad bedeutet 1 Grad C während eines Tages. Die Brut wird alsdann in Rund- oder Langformbecken gesetzt und muß in den ersten Wochen 5 x täglich gefüttert werden. Wenn sie eine Größe von 3 - 4 cm erreicht hat, setzt man sie in Forellenteichen aus. Sehr wichtig ist der Sauerstoffgehalt des Wassers, er soll mindestens 5 mg pro Liter betragen. Nach 1 1/2 Jahren können sie bis zum Speisefisch heranwachsen von ca. 250-300 g Gewicht.

Unser Versuch ist bislang positiv verlaufen. Wir hoffen, daß wir die Forellenzucht in den nächsten Jahren weiter ausbauen können!


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