Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1974: Blockhausbrief Nr. 19

Inhalt:

Titel
Zum Geleit
Das Gespräch
Rüstzeit, Tagung oder Freizeit
Religionspädagogische tagung in Ahlhorn
Veranstaltungen der Evang. Schülerarbeit im Blockhaus Ahlhorn
Musische Woche in Ahlhorn 1974
Die Pflanzenwelt der Ahlhorner Fischteiche
Vögel im Bereich des Blockhauses und das Fischteichgebietes
Neues aus der Fischzucht
Besuch der Mitarbeiter des Walbauinstituts (Universität Göttingen)
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 17.11.1973 bis 10.11.1974
 

Veranstaltungen der Evang. Schülerarbeit im Blockhaus Ahlhorn

Ein Übersicht über das Jahr 1974



25.-27.1.1974 - Wehrdienst und Wehrdienstverweigerung

Teilnehmer waren Schüler der Kreisberufsschule Oldenburg. Als Sachberater standen Vertreter der Bundeswehr und des VK (Verband der Kriegsdienstverweigerer) zur Verfügung. Die Veranstaltung zeigte, daß unter den Auszubildenden ein Problembewußtsein für diesen Komplex durchaus vorhanden ist. Gleichzeitig wurde aber deutlich, daß es für den Jugendlichen fast unmöglich ist, eine ausgewogene Entscheidung zu fällen. Die Materie ist so kompliziert, daß das Gespräch immer wieder in eine Auseinandersetzung zwischen den Experten abzugleiten drohte.


4.-6.2.1974 - Kriminalität und Resozialisierung

Die Tagung wurde im Zusammenhang der "Studientage für Schüler" durchgeführt, ein großangelegtes Veranstaltungsangebot der "Arbeitsgemeinschaft Evang. Kath. Schülerarbeit Niedersachsen", das zweimal im Jahr Schulklassen aus dem Raum Weser-Ems erfaßt. Beteiligt waren diesmal insgesamt 9 Oberstufenklassen der Gymnasien Ahlhorn, Aurich, Brake, Delmenhorst, Meppen, Oldenburg (Graf Anton Günther u. Neues Gymnasium) und Varel. Als Hauptproblem erwies sich die mangelnde Fähigkeit der Schüler, die angebotenen Möglichkeiten der Eigenarbeit wahrzunehmen, da sie offenbar einseitig an die Form des Frontalunterrichts und der entsprechenden Aufnahme von Information gewöhnt waren. Erst gegen Ende gelang es, die Jugendlichen für die selbständige Gestaltung der einzelnen Programmpunkte, vor allem in kleinen Gruppen, zu gewinnen.


18.-20.2.1974 - Jugendliche Subkultur

Die Teilnehmer, ein evangelischer Religionskurs der Realschule Damme, hatten das Thema in zwei Vorbereitungsgesprächen mit den Tagungsleitern selbst erarbeitet. Im Mittelpunkt standen Probleme der Freizeitgestaltung Jugendlicher im ländlichen Raum, der Drogenmißbrauch sowie psychologische und theologische Dimensionen der Popszene. Die Schüler zeigten großes Interesse an den verschiedenen Möglichkeiten, durch Plan- oder Rollenspiele die jeweilige Materie aufzuschlüsseln. In scharfem Gegensatz dazu stand die praktisch totale Weigerung der Gruppe, sich einer Analyse ihrer Vorliebe für die Beatmusik zu stellen. Die erwachsenen Beobachter gewannen den Eindruck, daß hier geradezu an ein religiöses Tabu der Jugendlichen gerührt wurde.


23.-24.2.1974 - Problem Berufsfindung

Mit dieser Veranstaltung gelang es der Evang. Schülerarbeit Oldenburg erstmalig eine Hauptschulklasse in das Tagungsprogramm zu integrieren. Es zeigte sich freilich, daß die Arbeitsformen, die im Wesentlichen aus dem Umgang mit Gymnasiasten der Oberstufe erwachsen sind, nicht ungebrochen auf Hauptschüler übertragbar sind. Dennoch hat sich in der Mitarbeiterkonferenz der Evang. Schülerarbeit Oldenburg inzwischen die feste Absicht durchgesetzt, zunehmend auch Hauptschüler an der Arbeit zu beteiligen. Gerade die Fragen der Berufsfindung sind auch für die Jungen und Mädchen der 9. Klassen mindestens so brennend wie für Abiturienten, und die Gefahr ungleich größer, daß die Entscheidung allein nach den Gesichtspunkten der Zweckmäßigkeit gefällt werden.


9.-12.4.1974 - Einsame Insel? - Zweierbeziehungen in unserer Gesellschaft

Das Leitungsteam, durchweg Studenten der jüngeren Semester, hatte sich vorgenommen, die Tagung nicht als Plattform für Theoriediskussionen anzulegen, sondern mit den Teilnehmern ganz direkt über ihre persönlichen Probleme in diesem Bereicht zu sprechen. Dies Experiment gelang, vor allem dank der Atmosphäre des Vertrauens, die die Teamer zu vermitteln vermochten, so überzeugend, daß manche schwerwiegende persönlichen Schwierigkeiten direkt bewältigt werden konnten. Gleichzeitig bedeutete diese Tagung für die ehrenamtlichen Mitarbeiter den endgültigen Durchbruch zur eigenverantwortlichen Gestaltung und Durchführung von Wochenendtagungen.


19.-21.4.1974 - Abitur - Studium - Beruf

Diese Tagung für Primaner. die die Evang. Schülerarbeit seit ihrem Bestehen regelmäßig in Kooperation mit der Evang. Akademie Oldenburg durchgeführt hatte, diesmal den Schwerpunkt bei der Frage, wie sich Neigung und Eignung für ein bestimmtes Fach ermitteln lassen und in welchem Verhältnis das Ergebnis zu den harten Normen von Numerus Clausus und Arbeitsmarkt steht. Es zeigte sich, daß die angehenden Abiturienten zwar sehr hochgesteckte ethische Ziele mit ihren zukünftigen Beruf verfolgen, auf die Auseinandersetzung mit den vorgegebenen Strukturen aber kaum vorbereitet sind. Die Berufsberater müssen sich immer wieder gegen die Erwartung der Jugendlichen wehren, ihnen durch eine Art Diagnose von Fähigkeiten und Marktchancen die eigene Entscheidung in den engen Grenzen des Möglichen abzunehmen.


28.-30.6.1974 - Vorbereitung einer Mitarbeiterschulung

Die für die Sommerferien in Finnland vorgesehene Mitarbeiterschulung der Evang. Schülerarbeit Oldenburg wurde auf diesem Wochenendseminar einer gründlichen Vorbereitung unterzogen. Im Vordergrund stand neben den technischen Fragen der Reise die Einarbeitung in das Kommunikationstraining, das für Finnland vorgesehen war. In Anwesenheit des Referenten wurden einzelne Übungen für ein solches Training erprobt und diskutiert. Zentrales Thema war immer wieder die Frage nach dem Verhältnis von Trainerautorität und dem angestrebten Ziel einer Selbstbestimmung der Teilnehmer und ihrer Bedürfnisse.


9.-11.9.1974 - Familie - Autorität

Das Thema dieser Tagung, wiederum Bestandteil einer Reihe von "Studientagen für Schüler", war aus Fragebogen erhoben worden, die den teilnehmenden Klassen vorher vorgelegt worden waren. Das Team hatte sich entschlossen, die Schüler gleich zu Beginn der Tagung mit einer typisch autoritären Situation zu konfrontieren. Entsprechend wurden die Teilnehmer im Blockhaus lediglich mit Ge- oder Verbotsschildern empfangen. Die Leiter verschanzten sich hinter einer großspurig angelegten Registrierzeremonie, der Umgang der Jugendlichen beschränkt sich auf knapp gehaltene Fragen und Anweisungen im Amtstil. In der anschließenden Aufarbeitungsphase waren die Jugendlichen selbst erschrocken, wie hilflos, ja selbstverständlich sie diesen Stil akzeptiert hatten. Es zeigte sich, daß das Problem der Autorität keineswegs nur eine Frage an die ist, die sie ausüben, sondern mindestens ebenso an die, die sie ungefragt akzeptieren. Erst in der aktiven Auseinandersetzung kann auch in der Familie eine Atmosphäre geschaffen werden, die der Autorität ihren ursprünglich positiven Sinn wieder einräumt.


13.-15.9.1974 - Autorität und Emanzipation

Für die Teilnehmer, Schüler verschiedener Klassen der Kreisberufsschule Oldenburg, war das Thema "Autorität und Emanzipation" kein Gegenstand theoretischer Erörterung. Für sie stellte der einfache Vollzug der Tagung bereits diese Frage, zumal viele von ihnen noch nie eine solche Veranstaltung besucht hatten und der Umgang mit einer unautoritären Leitung und die weitgehende Selbstorganisation ihres Gemeinschaftslebens eine ganz ungewohnte Aufgabe darstellten. Das Leiterteam stellte fest, daß gruppendynamische Spiele nicht nur fehlendes Vertrauen unter den Teilnehmern aufbauen helfen, sondern auch die Artikulation von Problemen wesentlich erleichtern können. Vor allem bei Rollenspielen wurden erfrischend direkte Aktionen und Reaktionen beobachtet. Für die Berufsschüler bedeuten solche Veranstaltungen offenbar noch mehr als für die Oberschüler eine echte Chance zur Aufarbeitung ihrer Sozialisation.


27.-29.9.1974 - Selbsterfahrung in der Gruppe

Die Handelsschüler aus Nordenham zeigten bei dem vorbereitenden Klassenbesuch des Leiterteams große Schwierigkeiten, ihre Erwartungen an die Tagung zu artikulieren. Im ländlichen Raum, wo die Klassen Schülergruppen aus den verschiedenen Dörfern der Umgebung vereinen, ist es anscheinend noch schwerer als in der Großstadt, eingefahrene Verhaltensmuster aufzubrechen. Hinzu kommt der Leistungsdruck gerade an Schulen dieses Typs, der häufig die Gestalt eines Verwertungsprozesses einnimmt, die jede persönliche Kommunikation erstickt. Dieser Problembereich wurde schließlich von den Schülern als ihr wichtigster Fragenkomplex ausgewählt und als Tagungsthema fixiert. Für die Aufarbeitung wählte das Leitungsteam vor allem verschiedene Formen von Übungen, die in einem abgegrenzten Schonraum die Analyse von Verhaltensformen ermöglichen und neue Umgangsformen "spielend" einüben.


15.-17.11.1974 - Spielen(d) lernen

Das Thema ging von der Beobachtung aus, daß der Mensch im Zuge des Erwachsenwerdens das Spielen offenbar weitgehend verlernt. Andererseits vermittelt gerade das Spiel Erfahrungen, die häufig viel prägender sind als angelerntes Wissen. Vielleicht liegt im Spiel sogar ein gewisser Maßstab dafür, welche Dinge lernenswert sind und welche nicht.
Konsequenterweise war das Programm so angelegt, daß nicht über Spieltheorien diskutiert, sondern konkrete Spielerfahrungen vermittelt wurden. Dabei wurde deutlich, daß eine Gesellschaft automatisch ihre Spiele entwickelt. Nicht zufällig dominieren bei den allgemein bekannten Gesellschaftsspielen die Kampf- und Wettspiele. Dagegen sind Spiele mit kooperativem Charakter auffällig selten. Es stellt sich zumindest die Frage, ob eine veränderte Gesellschaft nicht auch veränderte Gesellschaftsspiele voraussetzt. Höhepunkt der Veranstaltung war die Entwicklung eines neuen Spiels durch die Gruppe unter Berücksichtigung dieser Kriterien.


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