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![]() Schülerarbeit im Blockhaus AhlhornKlaus v. Mering (Schülerpfarrer) Es ist nicht zu übersehen: Wann immer eine Tagung der Evang. Schülerarbeit im Blockhaus Ahlhorn ausgeschrieben wird, ist die Teilnehmerliste spürbar schneller gefüllt als bei einer anderen Tagungsstätte. Hier wirkt das ‚Trauma Konfirmandenunterricht' offenbar positiv nach; immer wieder hört man: Das kenn' ich noch von unserer Konfirmandenzeit mit Pastor xy. Es ist an dieser Stelle nicht nötig, die besonderen Reize des Blockhauses noch einmal aufzuzählen. Seine Lage und seine Atmosphäre verhelfen zu jenem eigenartigen Gemisch aus Entspannung und Konzentration, das für die modernen Arbeitsformen der Jugendbildung so unerläßlich ist. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als die Freizeitpädagogik noch von dem Konzept ,Soviel Arbeit wie möglich, soviel Freizeit wie nötig' bestimmt war. Damals konnte das Blockhaus dem Leiter einer Gruppe geradezu zum Konkurrenten im Ringen um die Aufmerksamkeit der Jugendlichen werden. Durch die Neuentdeckung des Spiels in der Gruppe und die sich daraus entwickelnde Konzeption eines lneinanders von Arbeit und Freizeit ohne feste Grenzen, konnte das Blockhaus seine alten Vorzüge neu zur Geltung bringen. Wo der Lernprozeß total verstanden wird - von der Wohngemeinschaft in den Schlafräumen über die Mahlzeiten, die Spiele und Diskussionen bis zum Gespräch am Kamin oder auf nächtlichem Spaziergang - wo nicht im einzelnen mehr festzustellen ist, ob dies noch Arbeit oder schon Freizeit bedeutet - da locken die Ruderboote nicht mehr von der Arbeit weg, sondern fordern zur erneuten Reflexion über die Beziehungen in der Gruppe heraus. Ob ein einzelner hinausfährt, um mit sich ins Reine zu kommen oder seine Einsamkeit zu überspielen, ob zwei die Romantik beschwören, um sich gegenseitig zu Worten zu verhelfen, um zur Gruppe zu werden oder ob die ,Seeschlacht' mehrerer Boote zum Ventil wird, Gruppenspannungen aggressiv auszutragen - immer kann der Leiter solche Erfahrungen zu Lernprozessen umgestalten, die im Einzel- oder Gruppengespräch weitergeführt werden. Die Gefahr dieser Konzeption liegt natürlich darin, daß in dieser Weise gestaltete Tagungen zu einem lnselerlebnis werden. Inmitten einer Leistungsgesellschaft, die Freizeit als Konsumartikel verkauft und mit autoritären Strukturen die grassierende Normenlosigkeit überdeckt, soll hier für wenige Tage ein Gegenmodell versucht werden, das den Anspruch erhebt, spielerische Vorbereitung auf eine bessere Gesellschaft zu sein. Der Einwand, die Jugendlichen würden nach einem solchen Erlebnis nur um so brutaler in die Realitäten zurückgestoßen und es bliebe ihnen nichts, als ab und an eine solche Tagung wie eine süße Droge zu schlucken, ist ernstzunehmen. Schonraum, nicht Freiraum gilt es zu schaffen, d. h. eine Situation, die die Realitäten des Alltages in gewissem Umfang abschirmt, aber nicht ausklammert. Wenn die These stimmt, daß wir nur durch verarbeitete Erfahrungen lernen, also durch eine Kombination von rationalen und emotionalen Eindrücken, dann muß die gesellschaftliche Realität abgeschirmt werden, um andere, neue Erfahrungen zu ermöglichen. Freilich darf aus dem Abschirmen kein Ausschalten werden. Wenn die alltägliche Situation in Schule, Familie und Beruf aus dem Blick gerät, degeneriert das Modell zur Droge. Natürlich bedeutet eine solche pädagogische Konzeption für die ständigen Bewohner der Tagesstätte eine Belastung. Für sie ist der Aufenthalt dort Alltag und dementsprechend von den allgemeinen Arbeits- und Freizeitnormen bestimmt. Ein gewisses Maß an Reibung ist deshalb unausbleiblich. Andererseits gehört gerade in einer so verstandenen Gruppe gegenseitige Toleranz und Rücksichtnahme zu den obersten Lernzielen, und den Teilnehmern ist leicht einsichtig zu machen, daß gerade die ständigen Hausbewohner in besonderer Weise Anrecht auf diese Rücksichtnahme haben. Aber auch Bauweise und Raumordnung können einen Beitrag zur Entlastung leisten. Das Blockhaus bietet gerade in dieser Hinsicht brauchbare Voraussetzungen. Vielleicht sollte man überlegen, diese Seite in Zukunft noch konsequenter im Auge zu haben, auch wenn es ein Stück weit an die Rentabilität geht. Wenn beispielsweise Jungenburg und Seehaus ganz oder doch weitgehend der Nutzung als Tagungsräume vorbehalten blieben, ständen sämtlichen Gruppen und Grüppchen ausreichende Treffpunkte auch für den späten Abend zur Verfügung, ohne daß andere in ihrem Schlaf gestört würden. Hier sollte niemand die Leitung des Blockhauses unter Rentabilitätsdruck stellen. Die modernen Tagungsstätten der katholischen Kirchen im norddeutschen Bereich zeigen eindrucksvoll, daß es im Zeitalter der Gruppenpädagogik nicht mehr damit getan ist, jeder Gruppe einen ausreichend großen Eß- und Sitzungsraum zuzuweisen. Ausgestattet mit einladenden Arbeitsräumen und den entsprechenden Geräten und Materialien könnte das Blockhaus bei seinen idealen Voraussetzungen zur attraktivsten Freizeit- und Bildungsstätte in unserem Raum werden. |
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