Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1973: Blockhausbrief Nummer 18

Inhalt:

Titel
Zum Geleit
Geborgenheit
Ahlhorner Gespräche
Wächtersteine und Menhire: Steine verkörpern die Gottheit
13. November 1972
"Die Jugend von heute" - viele einzelne
Schülerarbeit im Blockhaus Ahlhorn
Konfirmandenrüstzeit
Der Sturm
Was sollen Rüstzeiten heute?
Singrüstzeiten im Blockhaus
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 11.11.1972 bis 16.11.1973
 

Konfirmandenrüstzeit

Pfarrer Jürgens

Ein wesentlicher Teil dessen, was sich im Blockhaus Ahlhorn abspielt, sind die Konfirmandenfreizeiten. Ich möchte einmal kurz erzählen, wie wir unsere Freizeiten durchführen. Ich fahre mit den Konfirmanden fünf Tage ins Blockhaus. Die Freizeit wird lange vorher vorbereitet. Das Team, konfirmierte Jugendliche, die auch sonst als Helfer im Unterricht mitarbeiten, ein oder zwei erwachsene freiwillige Mitarbeiter und ich, wählen ein Thema aus, suchen nach Material für dieses Thema, denken über die Methoden nach usw.

Die Helfer sind während der Freizeit verantwortlich für die Nachtruhe, einige bereiten die Geländespiele vor und führen sie durch und alle leiten kleine Arbeitsgruppen. Wir arbeiten am Thema etwa 4-5 Stunden am Tag, meist nur am Anfang in der großen Gruppe. Sehr schnell geht die Arbeit weiter in kleinen Gruppen. Möglichst soll jede Gruppe auf anderem Weg zur Erkenntnis kommen.

Dabei soll erreicht werden, daß jeder Konfirmand mit Freude mitarbeiten kann. Die Jugendlichen lernen ja nicht nur mit dem Kopf. Sie lernen durch Bewegung, Spiel, Empfindungen ebenso. Und bestimmte Dinge erschließen sich ja bei dieser Lernweise viel besser. Auch ist es so, daß manche Jugendliche nicht intellektuell begabt sind. Ihre Begabungen liegen auf anderen Gebieten. Wichtig ist natürlich, daß die Jugendlichen bei der Arbeit, auch wo es um "theologische" Themen geht, merken, daß ihre Probleme vorkommen. Viel öfter, als es im Unterricht zu Hause geschieht, erzählen auch die Jungen und Mädchen von sich selbst, vor allem vor dem Kamin in einer kleinen Gruppe. Ist ein solcher Einzelarbeitsgang in Gruppen beendet, versammeln sich alle im großen Saal und tragen die Ergebnisse vor: Analysen, gezeichnete oder beklebte Plakate, Hörspiele, Pantomimen u. a. Der Vortrag ist nicht das Wichtigste, wichtiger war die Arbeit selbst in der Gruppe, aber hier in der Versammlung geschehen Dinge, die auch für die Erfahrung der Jugendlichen wichtig sind; alle hören gespannt und respektvoll zu, auch wenn das Arbeitsergebnis nicht so großartig ist. Die Atmosphäre ist viel partnerschaftlicher als im Kurzunterricht zu Hause. Und oft sind die Jugendlichen beeindruckt: von einem Spiel, einem selbstgemachten Song oder selbstgebastelten Bildern.

Wir können nicht trennen zwischen Arbeit und Geselligkeit auf einer Freizeit. Die Arbeit ist gesellig und bei den Geselligkeiten wird gelernt, sozusagen sozial gelernt. Zu unseren immer wiederkehrenden Veranstaltungen gehören die Kaminabende mit Spielen, Erzählen und der obligaten Gruselgeschichte, die Nachtwanderungen, die Geländespiele, und am letzten Abend der große bunte Abend mit vielen Vorführungen, einem Freisprudel und natürlich Tanz, wobei wir, die Unterrichtenden, wieder up to date gebracht werden, was die Tänze angeht.

Der Ahlhorner Rahmen ist nicht nur ein Rahmen, sondern ein wesentlicher Teil des Freizeiterlebnisses: die Landschaft, die rustikale Einrichtung der Räume, die Kamine. Darum fragen auch die Vorkonfirmanden nicht: wann fahren wir zur Konfirmandenfreizeit, sondern: wann fahren wir nach Ahlhorn.

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