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Zwischen den Blockhäusern
Kurzbeiträge der Gäste
zwischen 11.11.1972 und 16.11.1973
Soldaten, Ahlhorn / Pastor Gerken
(29.1. - 1.2.1973, 55 Teilnehmer)
Nicht durch Heilseherei, sondern aufgrund rationaler Vorausberechnungen wurde uns 50 Teilnehmern an der Rüstzeit unter anderem dem Thema "Vertrauen in die Zukunft" ins Bewußtsein gerückt, welche Veränderungen in den nächsten drei Jahrzehnten auf die Menschheit zukommen werden.
Der erste gemeinsame Abend im Blockhaus Ahlhorn war der Zukunft der Künste gewidmet, insbesondere moderner Musik. In Beispielen wurden die Variationsmöglichkeiten elektronischer Musik demonstriert sowie Verständnis für die Zwölftonmusik geschaffen.
Beinahe wie Science Fiction mutet ein Referat über die biologische Zukunft unseres "guten alten" Homo Sapiens an. Der naturwissenschaftliche Fortschritt wird es z. B. im Bereich der Medizin ermöglichen, menschliches Leben künstlich heranwachsen zu lassen. Abschreckend wären die sozialen Auswirkungen dieser Fähigkeit, jeder Interessengruppe ihren "Idealmenschen" liefern zu können. Es ist sinnlos, den Menschen stets leistungsfähiger auszurichten, wenn andererseits das Verantwortungsbewußtsein zu seinen Mitmenschen mehr und mehr verkümmert. Einem Wunder gleichendes, nahezu grenzenloses Wachstum der Wissenschaft wird zu einer Gefahr, wenn es an dem Schöpfungsauftrag des Menschen vorbeiproduziert wird. Um einen Wertmaßstab für den Sinn lebensverändernder Forschung zu haben, fragen nun wieder Wissenschaftler nach dem Urteil von Theologen.
In einer lebhaften Diskussion über erstrebenswerte Formen des Zusammenlebens geriet die Zweckmäßigkeit der Familie in Zweifel. Das Leben in einer Gruppengemeinschaft oder Kommune regt ihre Mitglieder geistig stärker an, und es kann wesentlich rationeller gewirtschaftet werden als in einer Kleinfamilie. Aber ein Mittel gegen die Alltagsmonotonie und hieraus resultierende Verständnisschwächen wird weder in einer Gruppengemeinschaft noch im Familienleben gefunden, falls nicht jeder seinen eigenen Vorteil zurückstehen kann und seinem Nächsten hilfsbereit zur Seite steht.
Der Glaube an eine bessere Zukunft geriet durch einen Vortrag von Herrn Rode mit dem Titel "Wachstum und Bedarf bis 2000" leicht ins Wanken. Unsere Technisierung wird in naher Zukunft einen so hohen Energieanspruch stellen, daß ohne Inbetriebnahme neuer Atomkraftwerke unser Energienetz zusammenbrechen wird. Und was folgt, wenn Bodenschätze wie Kohle, Metall und Erdöl zur Neige gehen? Wie soll der Wohnraum für die bis 2000 auf 8 Mrd. Menschen angewachsene Erdbevölkerung aussehen? Woher kann der Lebensmittelbedarf gedeckt werden bzw. wann endlich werden vorhandene Lebensmittel bedarfsgerecht verteilt? Wie stark werden wir uns einschränken müssen, um unseren Lebensraum nicht weiter zu vergiften?
Gegen Ende der Rüstzeit regte Herr Pfr. Gerken ein Gespräch über die Zukunft der Kirche und des christlichen Glaubens an. Ein Blick in die Vielfalt der kirchlichen Arbeitsbereiche wurde notwendig, um auf Unkenntnis beruhende Vorurteile gegen die Kirche abzuschwächen. Von der Kirche gefordert wurde die Intensivierung sozialer Einsätze im Bereich der Jugendarbeit, Freizeitgestaltung und Altenhilfe. Vielleicht war die Rüstzeit noch zu kurz um alle Teilnehmer zu der Einsicht zu bringen, daß alleine mit wissenschaftlichen Fortschritt niemand aus seiner tiefen persönlichen Einsamkeit geholfen werden kann. Hierzu möchte uns die Kirche eine Lebenshilfe anbieten. In Zukunft muß sie jedoch für die Verbreitung der heutigen christlichen Denkweise Formen wählen, die sich bei einem größeren Teil der Bevölkerung Interesse finden. Eine Möglichkeit wären seitens der Kirche vorbereitete Diskussionsabende, in denen einzelne Meinungen herausgefordert werden, Verständnisbereitschaft entsteht und gemeinschaftliches Handeln gefördert wird.
Die Dringlichkeit dieser Probleme wurde uns jungen Soldaten sehr klar bewußt, denn nicht einmal bis zum Jahr 2000 werden wir gleichen Positionen vorstehen müssen, die heute noch von der Generation unserer Väter besetzt sind. Alle Maßnahmen für eine gesicherte Zukunft werden jedoch nur in friedlicher Zusammenarbeit zwischen den Völkern durchgeführt werden können (Ulrich Lang).
Familienrüstzeit, Jever / Pastor Friedrich
(11.8. - 20.8.1973, 52 Teilnehmer)
Viel war vorher zu bedenken, bis die 12 Familien, darunter 26 Kinder im Alter von 2 Jahren an aufwärts, für 10 Tage nach Ahlhorn ins Blockhaus fahren konnten. Am Sonnabend, dem 11. August 1973, fuhren zwei Bundeswehrbusse die Eltern und Kinder aus den Standorten Wittmund, Jever und Wilhelmshaven unter Leitung von Militärpfarrer Friedrich nach Ahlhorn, wo bereits Pfarrhelfer hie und die Kindergärtnerin Frau Cerull alle Vorbereitungen für die kommenden 10 Tage getroffen hatten. Es war ein erster Versuch, eine so bunt gemischte Gruppe mit Altersunterschieden bis zu 45 Jahren so lange Zeit zusammenzuhalten.
Manche Familie kannte sich schon durch den Dienst der Väter bei der Luftwaffe oder Marine. Drei Familien waren zum ersten Mal auf einer solchen Freizeit. Die Kinder, wenn sie sich nicht schon von früher her kannten, fanden schnell Kontakt untereinander und durch sie auch oft die Mütter. So war es für alle leichter, die Ideen und Vorbereitungen der Kindergärtnerin bei der Durchführung der Spiele und Feiern aufzunehmen und mit eigenen Vorstellungen zu ergänzen.
Höhepunkt der Familienfreizeit war das Große Kinderfest am Freitag. Nach dem Fußballspiel mit einer Jugendgruppe am Vormittag begann um 10 Uhr das Herrichten der Stände und Buden auf dem Sportplatz durch die Eltern. Am Eingang war das Kasperlespiel, das am Nachmittag um 16 Uhr die herbeiströmende Schar der Feiernden mit einem Stück begrüßte. Kurz darauf war das Reitpferd von Ahlhorn im Gehege zu sehen; (zwei Väter unter einer Decke mit einem Pferdekopf aus Pappe und angenähtem Schwanz), auf dem die Kinder reiten konnten. Dann folgten die anderen Stände, Stationen oder Buden, wo Sackhüpfen, Topfschlagen, Büchsenwerfen, Luftballonstechen, Wettlaufen, Schaukeln und Abschneiden von Bonbons mit verbundenen Augen stattfinden konnte. Wer sich durch alle Stationen durchgespielt hatte, konnte sich in der Bibo-Bar an Fruchtsäften und Pfirsichen erfrischen. Damit die zu gewinnenden Preise keinen unschönen Ehrgeiz weckten, bekam jedes Kind neben seinem bunten Papierheim auf dem Kopf oder Kranz im Haar ein Pappschild umgehängt, auf dem jede Station verzeichnet stand. Mitmachen bei jeder Station konnte man so oft man wollte, dabei aber nur einen Preis gewinnen, der sorgfältig registriert wurde.
Hatte sich schon im Laufe der Familienrüstzeit der natürliche Egoismus gelockert zugunsten der Gruppengemeinschaft, so kam es im Verlauf des Kinderfestes zu einer weiteren Lockerung. Das Fest spielte sich vor anderen Jugendlichen und Kindern ab. Diese sahen sich das bunte Treiben zunächst überlegen lächelnd an, bekamen aber bald immer mehr Lust zum Mitmachen, und ohne vorherige Absprache wurden sie von den Eltern eingeladen zum Mitspielen. So bevölkerten viele Kinder aus verschiedenen Gruppen die Wiese und vereinten sich dann beim abschließenden "Looky-Looky"-Tanz, wobei das Ahlhorner Pferd inmitten des Kreises mittanzte und wieherte. Nach dem Abendbrot umwanderten die Kinder mit ihren Lampions den See und bekamen zum Abschluß Würstchen vom Grill und ein Sprudelgetränk. Glücklich und erschöpft wurden sie dann von ihren Eltern zu Bett gebracht.
Nicht nur das gemeinsame Feiern und Spielen war für die Kinder und Eltern wichtig geworden, sondern auch das Erlebnis der Gemeinschaft im Familiengottesdienst. Beim Durchsprechen der Geschichte waren oft sehr eigenwillige Wortmeldungen der Kinder zu hören, worin manches Gefühl und mancher Gedanke so ungeschminkt zum Ausdruck kam, wie es ihre Eltern nicht mehr konnten. Durch die zwanglose Heiterkeit dabei entstand eine Atmosphäre der Gelöstheit, wobei das quirlende Element der Kinder sich auch auf die Eltern übertrug und dann helle Freude und Überraschung in ihre Gesichter zeichnete.
Die Taufe zweier Kinder im Rahmen des Familiengottesdienstes wurde deshalb gerade durch die gelöst-heitere Atmosphäre zu einem weiteren Höhepunkt der Familienfreizeit.
Zusammenfassend läßt sich das Ziel der Familienfreizeit so beschreiben: Eltern wie Kinder untereinander und miteinander so ins Gespräch zu bringen, sei es durch Worte, Gefühle, Blicke, Gesten oder Taten, daß dabei Offenheit und Offenherzigkeit gefördert wurde (P. Friedrich, Militärpfarrer)
Ev. Jugend, Markus-Gemeinde Bremen / Pastor Paulo
(24.8.-26.8.1973, 24 Teilnehmer)
Gern gehen wir mit der Jugendgruppe zum Ende der Ferien nach großer Fahrt noch einmal auf kleine Fahrt. Wieder einmal waren wir mit der Markus-Jugend vom 24. - 26. 6. im Blockhaus Ahlhorn. Schönes sommerliches Wetter war ein Geschenk dieser Tage, aber ebenso die schöne Umgebung des Blockhauses mit seinen Teichen und Wäldern. Die Wälder haben zwar sehr gelitten, sind zwar arg vom Sturm zerzaust, aber in der engeren Umgebung des Blockhauses spürt man es weniger. Die alte Idylle ist erhalten geblieben. Drei Gruppen hatten sich zu diesem Wochenende dort eingefunden. Außer uns der Chor der Baptisten von Bremerhaven und eine Gruppe von Schwerversehrten. Die Leitung des Blockhauses hatte alles getan, um gerade dieser Gruppe in der Unterbringung und Verpflegung gerecht zu werden. Alle Gruppen hatten ihr Programm: Die Jugend war unterwegs auf Schnitzeljagd, die Versehrten waren lustig bei Akkordeonmusik und der Chor übte fleißig seine Lieder; einige waren sogar mit Lampions unterwegs. Der schöne Chorsatz "Befiehl du deine Wege" gab die Anregung für die Predigt am Sonntagmorgen.
Gemeinschaft aber hatten wir alle miteinander am Sonntagmorgen im schönen Kaminsaal beim Gottesdienst. Das folgende Gedicht gibt die Impressionen und in großen Zügen den Inhalt des Gottesdienstes wieder.
Morgensonne über Teichen,
alle trüben Nebel weichen,
und das Blockhaus ist erwacht.
Kirchenjugend und Baptisten
Schwerversehrte, alle Christen
beugen sich des Wortes Macht.
Im Kaminsaal eingefunden
haben in der Morgenstunden
sie sich zu Gebet und Lied.
Chor singt uns von Gottes Wegen,
die befohlen seinem Segen,
leise wiegen Rohr und Ried'.
Pastors Blick sucht Feuerstätte,
meint, daß er gesehen hätte
einstmals dort ein Sonnenrad,
Wo der Wunsch, ein Volk zu werden
hier im Menschenbrei der Erden
rief Betrachter auf zur Tat.
Wer mit Gottes Hilf' will siegen,
wer mit Gott sogar will kriegen,
muß sich fragen, wo er geht.
Nur wer geht auf Gottes Wegen,
der darf auch die Hoffnung hegen,
daß der Gott dann zu ihm steht.
Wenn wir Mal und Wunsch vernichten,
wird sich dann die Nacht wohl lichten,
die uns immer noch bedroht?
Laßt den Sinn uns doch erfüllen,
fragen neu nach Gottes Willen,
werden endlich Volk vor Gott!
Sturm hat hier im Wald gehauset,
hat entwurzelt und zerzauset
stolze Bäume mit Gewalt.
Borkenkäfer, Parasiten
davor ist nun zu behüten
was geblieben in dem Wald.
So hat auch der Krieg gehauset,
hat entwurzelt und zerzauset,
was in Deutschland stand in Kraft.
Fäulnis und Verderb der Sitten
fressen nun in unsrer Mitten
Mut und Glauben sind erschlafft.
Ob Gesunde und Versehrte,
wer je was von Gott begehrte,
Kirchenjugend und Baptist.
Wer im Glauben steht gegründet,
der im größten Sturme findet
seinen Halt bei Jesus Christ.
Mit ihm woll'n ein Volk wir werden,
in dem Sittensumpf der Erden
wollen wir froh und frei.
Ihm befehl'n wir unsre Wege,
mit ihm geh'n wir steile Stege,
mit ihm wird das Leben neu.
(P. Paulo)
Am Großen Saal vorbei zum Haupthaus
Gymnasium an der Hamburger Straße, Bremen / Oberstudienrat Hahn
(1.10. - 4.10.1973, 24 Teilnehmer)
Lob auf eine musische Arbeitsstätte
Wer zur Durchführung einer Arbeitswoche für Chor und Orchester oder auch nur für Chor allein vorher für eine ganze Zeit auf allgemeine deutsche Jugendherbergen angewiesen war und dann das Glück hat, mit seiner Gruppe ins Blockhaus Ahlhorn zu kommen, sieht sich auf mancherlei Weise bereichert: nämlich hier eine Arbeitsstätte vorzufinden, die, in eine herrliche Wald- und Seenlandschaft hineingebettet, weitab von der Turbulenz der Großstadt gelegen, ein ruhiges, kontinuierliches musisches Tun gewährleistet. Diesem eminent wichtigen Vorzug gesellt sich sogleich ein zweiter, praktischer hinzu: das Vorhandensein von Räumen und (benutzbaren!) Instrumenten, die für eine musikalische Gruppenarbeit unerläßlich sind. Ganz zu schweigen vom "Naturatelier" des Waldes ringsum, in dem bei guter Jahreszeit und günstigem Wetter manche Einzelstimmenprobe auch unter oder gar in den Bäumen (Orchestermitglieder lieben diese Plätze!) getätigt werden kann. Die vorzügliche Beköstigung, die behagliche Atmosphäre der Gruppenräume, die zu geselligen Kaminrunden, Folkloreabenden oder Lesungen einladen, die ganz individuell eingerichteten Schlaf- und Wohnräume im See-, Garten-, Haupt- oder Gästehaus wie auch auf der Jungenburg füllen den gewonnenen Ersteindruck positiv auf. - Wer will, findet hier einen Ort, an dem zu wellen und zu schaffen kreative Freude bereitet.
Der Oberstufenchor des Gymnasiums an der Hamburger Straße in Bremen, der hier ein drittes Mal gewesen ist, weiß die genannten Vorzüge des Blockhauses gegenüber anderen Gruppenunterkünften zu schätzen. Was die freizügigere, ganz auf gegenseitigem Vertrauen basierende Regelung des Zapfenstreich-Zeitpunktes wie auch die nachts nicht abgeschlossenen Häuser betrifft, so setzen diese natürlich Gruppendisziplin und eine kluge, dynamische Gruppenleitung voraus. Aber wer sich in die Atmosphäre des Blockhauses eingelebt hat, d. h. wer mit der ihm hier anvertrauten Freiheit umgehen kann, für den ist dieser Ort eine immer wieder begehrte Stätte der Arbeit und der Begegnung, an der man sich zwar geistig verausgaben kann(!), jedoch auch jederzeit wieder neue Kräfte geben lassen kann, sei es durch frühe oder späte Waldwanderungen oder durch das Gespräch, das Hören und Machen von Musik oder durch eine Meditation am See. - Ob es 1971 die Erarbeitung von Teilen der "Missa Criolla" von Ariel Ramirez, einigen Sätzen von Mozarts "Missa Brevis" D-Dur und zwei "Messias"- Chören war, die Chor und Orchester des Gymnasiums, zusammen mit den Film- und Kunst-AGs, eine Woche Ahlhornluft atmen ließen, oder ob es in diesem Herbst nur vier Chortage waren, in denen wir motettische Sätze von Bach, Haydn und Distler sowie die ver "Slowakischen Volkslieder" von Bartok weiterarbeiten konnten, eines hat sich wieder bestätigt: es lohnt sich, ins Blockhaus Ahlhorn zu fahren (Uwe Hahn, Oberstudienrat).
Altenkreis, Bremerhaven / Pastor Bellon
(1.10.- 5.10.1973, 16 Teilnehmer)
Zum ersten Mal hatten wir unseren Altenkreis zu einer Freizeit eingeladen. Es überraschte uns nicht, daß diese Einladung mit Skepsis aufgenommen wurde. Mehrere Tage irgendwo in einem Heim verbringen, das bedeutet für die meisten der Älteren eine neue Situation mit vielen Ungewißheiten. Manchen schien der Termin bereits zu herbstlich. Anderen schien Ahlhorn noch zu dicht vor der Haustür zu liegen. Immerhin fuhren wir schließlich mit 15 Personen im Alter von 57 bis 80 Jahren los und kamen bei Sonnenschein im Blockhaus an. Schon der erste Anblick über den See hin faszinierte alle, und dieser Anblick wurde nicht enttäuscht. Selbst die ältesten Teilnehmer erlebten, daß sie Spaziergänge von über 1 Stunde bewältigen konnten. Manche von ihnen wagen sich in unserer Stadt nur noch selten auf die Straße. Hier aber erlaubte es ihnen die günstige Lage des Blockhauses, immer wieder einen anderen Weg zu wählen und neue Eindrücke zu sammeln. Begierig genossen sie die Ruhe der Seen, die frische Luft und den herrlichen Sonnenschein. Selbst Reihher und Damwild konnten etliche beobachten.
Zu den besonderen Erlebnissen dieser älteren Menschen zählten neben den landschaftlichen Reizen die Kontakte zu Jugendlichen. Im Blockhaus ergaben sie sich ganz ungezwungen. Uns gegenüber musizierte eine Schulklasse aus Bremen. Bei den nahezu sommerlichen Temperaturen waren die Flügeltüren weit geöffnet. Unsere Älteren wurden hinüber zu den Jüngeren gelockt. Sie erfreuten sich and deren Eifer und hatten Gefallen an den harmonischen Klängen. Vielleicht wurde manches Vorurteil echt in Frage gestellt. Was etliche unserer Teilnehmer nicht für möglich hielten, hier erfuhren sie es: Hilfsbereitschaft durch Jugendliche. Ein junger Mann - z. Zt. bei der Bundeswehr, die eine Tagung im Blockhaus abhielt - bückte sich lächelnd, um einer unserer hilfsbedürftigen Frauen das Schnürband zuzubinden. - Eine 79-Jährige tat einem anderen mit Vergnügen den Gefallen und nähte im Sonnenschein am See die aufgeplatzte Hose. - Das mögen alles nur Kleinigkeiten sein. Aber sie fügen sich mit der Landschaft, der ruhigen und freundlichen Unterbringung im Heim, der guten Verpflegung und zuvorkommenden Bewirtung und der goldenen Herbstsonne zu einem einzigartigen Erlebnis zusammen. Das belebte und intensivierte unsere Gespräche zum Thema Freiheit. Und es wird für die meisten unvergessen bleiben (H. Bellon)
Wo Karpfen stehen still und stumm,
wo Gondeln gondeln laut herum,
wo's kreist und klingt wie nirgendwie.
Ich nenn's die Blockhaus-Symphonie. -
Text: Gustav Fedrowitz
Kanon für 5 Stimmen u. Ostinato ad lib.: Herbert Beuerle
1965
Unteroffiziersanwärter Delmenhorst / Hauptmann Junack
(12.11.-16.11.1973, 32 Teilnehmer)
Vom 12. bis 16. November tagte ein Unteroffizierslehrgang der Bundeswehr im Blockhaus. Die Teilnehmer beschäftigten sich mit Problemen der Menschen!ührung.
In der gelockerten Atmosphäre des Blockhauses sollte den zukünftigen Unteroffizieren deutlich gemacht werden, daß sie durch ihr Verhalten als Vorgesetzte gegenüber Untergebenen wesentlich zur Verbesserung der menschlichen Situation beitragen können. Insbesondere wurde die Problematik der Konfliktlösung im Alltag behandelt.
Konflikte entstehen im militärischen Alltag häufig, weil die Erwartung des Wehrpflichtigen oft nicht mit den Forderungen der Institution Bundeswehr übereinstimmt. Die Forderungen der Institution treten zumeist über die Personen der Vorgesetzten an den wehrpflichtigen Soldaten heran. Entstehende Spannungen können durch das Verhalten von Vorgesetzten und Untergebenen erheblich verschärft oder auch vermindert werden. Bei einer wünschenswerten Verminderung von Spannungen im zwischenmenschlichen Bereich kommt es vor allem darauf an, daß die beteiligten Personen Verständnis für die menschlichen Probleme des anderen haben und auch gegenüber dem anderen äußern können. Nur das gegenseitige Verständnis und die Fähigkeit, dieses auch auszudrücken, bietet die Möglichkeit zu einer gemeinsamen, entspannenden Regelung bei Konflikten zu kommen.
Diese Erkenntnis zu vermitteln und die entsprechende Ausdrucksfähigkeit 1er zukünftigen Unteroffiziere zu schulen, war das wesentliche Ziel dieser Tagung. Ob es gelang, bleibt fraglich (Hauptmann Junack)
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