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Es begann vor 26 JahrenR. D. [= Rolf von der Dovenmühle] Mit klapperigen Omnibussen, Lastwagen, Pferdefuhrwerken und Fahrrädern und auch wohl zu Fuß vom Bahnhof Ahlhorn kamen aus allen Teilen des Oldenburger Landes am 28. 8. 1946 viele Jugendliche ins Blockhaus. Sie wollten dabei sein, als dieses Haus von der damaligen Militärregierung an die Ev-luth. Kirche in Oldenburg übergeben wurde. Die Anlage war für die Jungen und Mädchen wie geschaffen. Hier sollten sie nun Gebäude übernehmen, die sie mit neuem Leben erfüllen wollten. Das war eine große Sache, und das in einer Landschaft, die auch wohl heute noch jeden Besucher gefangen nimmt. Woran liegt das? - Ist es der hohe Himmel, sind es die weißen Ufer und grünen Wälder; oder ist es das Leuchten des Rhododendron unter Kiefern, das Summen der Insekten, das Rufen und Antworten der Vogelstimmen, das tiefe, immer weite und nahe Quaken der Frösche? - Die Häuser waren auch in den Strudel des Zusammenbruchs geraten und systematisch ausgeplündert worden, deshalb schliefen die ersten Freizeitteilnehmer auf Strohlagern. Zunächst rückte man notgedrungen in der Jungenburg zusammen, doch die Militärregierung half, wo sie konnte. Sie stellte Lastwagen zur Verfügung, um Tische und Stühle, alte Militärbetten und notwendiges Geschirr heranschaffen zu können. In der Küche konnte kein Essen zubereitet werden - gekocht wurde in der Fleischwarenfabrik Pieper in Cloppenburg. Später konnten in der Küche zwei alte 150 Ltr. Glyzerinkochkessel und ein Kohleherd aufgestellt werden. In einer Gulaschkanone, die auf der Terrasse hinter der Küche in Stellung gebracht war, kochte Frau Ufken, die langjährige Küchenleiterin, die Milchsuppe zum Frühstück. In der Ev. Jugendarbeit mußte man von vorn anfangen. Die Ev. Jugendgruppen waren im Dritten Reich zwar nicht verboten worden, aber es durften keine Freizeiten gehalten werden. Der damalige Landesjugendpfarrer G. Maltusch lud nicht nur Jugendliche ein, die zur Ev. Jugend gehörten, sondern auch Schüler, Lehrlinge und heimkehrende junge Soldaten. Ihnen allen gab er Gelegenheit, sich im Blockhaus zu treffen. So kamen bei dem schönen Spätherbstwetter noch viele kleine Gruppen ins Blockhaus. Sie brachten selbst Geschirr, Glühbirnen und Wolldecken mit, um sich so gut wie möglich in den ausgeplünderten Räumen einzurichten. Die jungen Menschen waren anspruchslos und freuten sich wenn sie sich sattessen konnten. Als zum erstenmal die Kirche zum Erntedankopfer aufrief, wurde auch das Blockhaus reichlich bedacht: Kartoffeln, Feldfrüchte, Getreide, Schmalz, Butter und Nährmittel brachten die Bauern ins Blockhaus. Das Ev. Hilfswerk, Oldenburg, schickte die ersten Auslandsspenden. Wie aber sollte man den Erntesegen sachgemäß lagern? Stroh gab es nur auf Bezugschein. Selbst die Bauern mähten im Herbst das Schilf von den Teichrändern, um etwas zum Einstreuen in den Ställen zu haben. Als der Winter 1946 jäh mit großer Kälte und viel Schnee hereinbrach, war das Blockhaus von der Welt abgeschlossen, aber schon im Februar 1947 kamen die ersten Jugendlichen wieder. Sie rückten in der Jungenburg zusammen, die leidlich mit dem Kamin zu beheizen war, da die Heizungsanlage in den anderen Häusern eingefroren war. Es ging nun darum, die Häuser wieder bewohnbar zu machen: Alle Türgriffe waren abmontiert, die sanitären Anlagen zum Teil abgebaut, die elektrische Anlage war nur behelfsmäßig installiert. Das Stallgebäude war halb abgedeckt, die Dächer waren schadhaft und mußten geteert werden. Viele Fensterscheiben waren zerbrochen und notdürftig mit sogenanntem Luftschutzpapier abgedichtet. Alle diese Schäden konnten erst nach und nach behoben werden, denn für alle Dinge brauchte man Bezugscheine, die kaum zu beschaffen waren. Mit einem Panzermotor, der im Kellergang montiert war, wurde über ein Dynamo Strom erzeugt, um die langen Stromsperren zu überbrücken. Die undichten Pappdächer wollten wir nun zumindest teeren. Dazu beschafften wir uns eine Tonne Straßenteer. Doch beim ersten Regenschauer floß der Teer mit dem Wasser in die Zisternen. Dabei war Regenwasser so kostbar. Frau Ufken mußte wieder lange warten, bis die Freizeitteilnehmer mit Milchkannen das Wasser vom Nachbarn über den See herangeholt hatten. Jugendgruppen, Konfirmandenfreizeiten, Studentenrüstzeiten, Falkengruppen und Schülerfreizeiten bevölkerten bis zum Sommer das Blockhaus, dann hielt Kurt Wiesemann vom 13. 7. - 20. 7. eine mehrtägige Chorfreizeit. Über 100 Jungen und Mädchen kamen ins Blockhaus. Im Haus gab es nur ein Fahrrad. Damit brachte Georg Glamm die Lebensmittel mühsam von Ahlhorn zum Blockhaus. Wenn gerade Pastor Maltusch im Haus war, machte Otto, sein Fahrer, dann die Wirtschaftsfahrten mit einem alten Opel-Kadett. Deshalb mußte der Transport der Lebensmittel anders gelöst werden: Nach Rücksprache mit Mr. Berensen, dem Hauptfeldwebel einer Einheit in Oldenburg, verfügte dieser, dienstags und freitags einen 1,5 t Lastwagen für das Blockhaus bereitzustellen. Die Fahrten führten dann bis nach Emden, Wilhelmshaven, überall dorthin, wo es etwas ohne Bezugschein gab. Wie stolz waren wir, wenn wir mit Kostbarkeiten zurückkehrten, sei es auch nur eine Mahlzeit Kohl, grüne Bohnen, Wurzeln, Strohsäcke oder Haushaltsgeräte, die uns ein gutmütiger Kaufmann in Ganderkesee verkaufte. Während dieses Sommers kamen dann auch die ersten Schulklassen der Graf-Anton-Günther-Schule ins Blockhaus. Im Winter wurde es dann wieder stiller. Kleine Gruppen trafen sich hier, und Pastor Maltusch verstand es, die jungen Leute anzusprechen und ihnen Lebenshilfen zu geben. Weihnachten feierten wir, die "Heimbesatzung", im großen Saal. Die Mitarbeiterinnen stammten aus Ostdeutschland und hatten noch keine Verbindungen mit ihren Angehörigen. Am ersten Feiertag und am Neujahrstag hielt Pastor Maltusch Gottesdienste. Daran nahmen auch Flüchtlinge aus den Nachbargemeinden teil. In einem Anbau im Wirtschaftsgebäude hatte das Ev. Hilfswerk, Oldenburg, ein Kinderheim eingerichtet, in dem ständig 36 Kinder in monatlichen Erholungskuren Aufnahme fanden. Solange die Heizungsanlage nicht intakt war, blieb das Kinderheim im Winter geschlossen. - Wer hatte uns aber nur dazu ermutigt, erholungsbedürftige Kinder im Kinderheim aufzunehmen? Die Schüler Wolfgang Schley und Ike Schütte betreuten die Kinder. Pastor Maltusch hatte alte Militärbetten besorgt. Es fehlten aber Matratzen. So beschlossen wir, selbst Matratzen anzufertigen. Matratzendrell stellte uns das Hilfswerk zur Verfügung, und im heutigen "Blockhaussaal" hatten wir einen großen Berg getrocknetes Alpengras aufgeschichtet. In dem Jugendflüchtlingslager Adelhaide hofften wir, zwei Jugendliche gefunden zu haben, die Matratzen herstellen konnten. Aber diese jungen Leute wollten wohl nur an die nahrhafteren Kochtöpfe des Blockhauses, vom Matratzennähen verstanden sie jedenfalls nichts. Eine Mitarbeiterin hatte aber früher Matratzen genäht und lernte die beiden an. Nun ging die Arbeit flott voran, und bald hatten wir für alle Betten Matratzen. Auch in der Küche mußte unbedingt etwas geschehen. Da hatten wir einen Einfall: Wir meinten, die Energieversorgung Weser-Ems könnte im Blockhaus eine Lehrküche einrichten. Mit diesem Wunsch wandten wir uns an den Direktor der Energieversorgung in Oldenburg, der uns dann auch mit seiner Frau besuchte. Frau Ufken war gerade dabei, für viele hungrige Gäste Pfannkuchen zu backen. Das war mühselig. Mit mehreren kleinen Pfannen hantierte sie vor dem Kohleherd. Daß wir dann DM 8.000,- als Darlehen bekamen einen Monat nach der Währungsreform, zinslos mit monatlichen Abzahlungsraten von DM 100,-, verdanken wir wohl auch der Gattin des Direktors, die Frau Ufken bei ihrer schweren Arbeit zusah. Mit diesem Geld kauften wir eine Kippbratpfanne und weitere Hilfsmittel für die Küche. Wir erbettelten uns alte Heizkörper, denn oben im Haupthaus hatten die Zimmer keine Heizung, sondern wurden nur durch zwei Heizkörper auf dem Flur beheizt. Die Wasserversorgung sollte uns noch jahrelang Sorgen machen. Ein kleinerer Filter versagte völlig. Flachbohrungen förderten nur im Sommer Wasser. Später waren wir ganz auf Regenwasser angewiesen, denn das Wasser, das sonst aus den Leitungen floß, hatte eine schokoladenbraune Farbe. Wenn das Regenwasser fehlte und die Oldenburger Feuerwehr keinen Tankwagen schicken konnte, holten wir auf dem Seewege Wasser vom Nachbarn, oder die Jungen und Mädchen fuhren mit dem Handwagen zur Lethe und schöpften Wasser in Milchkannen. Es war gar nicht so einfach, mit einem Fahrzeug zum Blockhaus zu kommen. Der Damm zwischen den beiden Seen war von den Kanadiern nur behelfsmäßig aufgeschüttet worden. Die übrige Wegstrecke hatte bis zu 50 cm tiefe Schlaglöcher. Damit auf der Ringstraße beim damaligen Bisseler Flugplatz kein Flugzeug landen konnte, wurde auch hier die alliierte Demontagekommission tätig. Ein Sprengtrupp sollte die Straße sprengen. Als das Sprengkommando dann anrückte, gelang es uns, mit den Leuten zu sprechen. Als Gegenleistung für unsere Wünsche, die Straße nur so zu demontieren, daß sie befahrbar blieb, durfte der Sprengleiter einen Rehbock schießen, was er dann auch waidgerecht tat. So blieb die Straße dann viele Jahre - wenn auch nur in Slalomfahrt - befahrbar. Einige Zeit später rutschte der behelfsmäßig aufgeschüttete Damm an den Seiten immer mehr ab. Amtmann Dübbers, Leiter des Jugendlagers Falkenrott, der auch sonst an vielen Sonnabenden bewährte jugendliche Strafgefangene zu Instandsetzungsarbeiten schickte, beauftragte damals Herrn Bastin, mit seinen Jungen an beiden Seiten des Dammes Pfähle einzurammen und Schlengen einzuflechten. So konnte der Füllsand nicht weiter abrutschen. Als dann auch der übrige Weg immer schlechter wurde und niemand bereit war, hier abzuhelfen, griffen wir zu Selbsthilfe. Eine Straßenbaufirma aus Oldenburg schickte uns einen erfahrenen Schachtmeister, der dann mit jugendlichen Strafgefangenen die asphaltierten Nebenwege in der Nähe des ehemaligen Behelfsflugplatzes aufriß und die Asphaltbrocken auf unserem Zufahrtsweg als Packladung verwandte. Im Winter 1948/49 hatte Pastor Ketelhut zu einem Kursus der Bäuerlichen Volkshochschule nach hier eingeladen. Wenn wir die Kursusteilnehmer unterbringen wollten, mußten provisorische Umbauten vorgenommen werden. Der Holzhändler Otto Stolle aus Nienburg, der in Sandkrug ein Zweitlager unterhält, war so freundlich, uns Fußbodenbretter zu schenken. Damit teilten wir den heutigen "Blockhaussaal" auf. Die vier Nischen wurden zu Schlafräumen, und der übrige Raum wurde in zwei Arbeitsräume unterteilt. Es war alles einfach und ohne jeden Farbanstrich. Als Beleuchtung konnten wir nur eine nackte Glühbirne bieten, die dann 1 Meter von der Decke herunterbaumelte. Aus USA-Beständen kauften wir massive Holzbetten, die wir in den sogenannten Kabinen aufstellten. Von diesen soliden Betten konnten wir uns bis heute nicht trennen. In zwei Begegnungsfreizeiten nahmen 1948 Jugendliche mit jugendlichen heimatlosen Ausländern Kontakte auf, und Oberkirchenrat H. Kloppenburg traf sich mit Mitgliedern des Weltkirchenrates, die es schwer hatten, mit ihren Straßenkreuzern hierher zu finden. Nachdem die ländliche Erwachsenenbildung in Oldenburg die Arbeit aufgenommen hatte, wählte Herr Wittek das Blockhaus für Tagungsarbeiten. Lehrkräfte an landwirtschaftlichen Schulen und Landjugendgruppenleiter nutzten das Haus für Aussprache und Schulung. Mehrere Gruppen des Internationalen Jugendgemeinschaftsdienstes aus ganz Europa wohnten hier. Sie halfen uns bei der weiteren Ausgestaltung der Parkanlagen und wurden auch bei Rodungsarbeiten im Walde eingesetzt. Im Zuge dieser Tagungen und Veranstaltungen kamen junge Menschen der verschiedensten konfessionellen und politischen Richtungen aus allen Schichten der Bevölkerung und aus den Nachbarländern hierher. Internationaler Jugendgemeinschaftsdienst beim Wegebau 19521950/51 war die Not noch überall groß, besonders in den Industriegebieten. Im Winter konnten wir Kinder aus den gefährdeten Notstandsgebieten um Salzgitter versorgen. Die Nordwest-Zeitung berichtete damals über die weihnachtliche Abschiedsfeier: "In den Augen der Watenstedter Kinder spiegelten sich die Kerzen, die vor ihnen auf gedeckten Tischen brannten. Weihnachtliche Lieder klangen auf, Kinder musizierten und gaben ihren Empfindungen beim Sprechen der Gedichte eigentümlichen Ausdruck. Für iedes der 72 Kinder hatte die Heimleitung einige nette Geschenke. Hätten die freigebigen Spender - die Lieferanten des Blockhauses - erleben können, wieviel herzliche Freude sie bereiteten, so würden sie doppelt gern gespendet haben. Da drückte ein Dreizehnjähriger aufjauchzend eine Taschenlampe in seine Arme. Ein Mädchen fand - liebevoll verpackt - Malkasten und Briefpapier. Die Kinder waren dankbar und, unbekümmert gestanden sie, daß ihnen der Abschied von Ahlhorn nach 28 schönen Tagen trotz des Weihnachtsfestes, das sie zu Hause erwartete, sehr schwer fällt."(ng.) Als die Militärregierung die Fahrten mit dem Lkw einstellte, konnten wir einen alten Opel P 4 kaufen. Unsere Lebensmittel aus Oldenburg und Ahlhorn holten wir nun selbst. Als zusätzlichen Transportraum baute der Tischler eine Holzkiste, die hinten auf dem Wagen montiert wurde. Später konnten wir einen selbstgebauten Anhänger dahinterhängen. So ein Opel P 4 war ein Auto, das viel aushalten konnte. Wenn das Kühlwasser aus unerklärlichen Gründen verdampft war, hielt man beim nächsten Bauern und füllte Wasser nach. Dann zuckelten wir mit 45 km Höchstgeschwindigkeit weiter. 1951 wurde das kirchliche Heim am Quellenweg in Oldenburg aufgelöst, und am 28. 1. 1952 lud Oberkirchenrat Dr. H. Schmidt Vikare zur ersten Rüstzeit ins Blockhaus ein. Wie aus den ersten Rundschreiben hervorgeht, hatte der Oberkirchenrat beschlossen, als gewissen Ersatz für eine Ausbildung in einem Predigerseminar vier Rüstzeiten zu halten: Zwei für Pfarr- und Lehrvikare, zwei für Lehrvikare allein. Eine ähnliche Regelung wurde für die Theologiestundenten getroffen. Wenn die Vikare und Studenten danach mit dem Zug in Ahlhorn ankamen, ließen sie das Gepäck zurück, das später mit dem P 4 abgeholt wurde, und wanderten zum Blockhaus. Unvergessen sind die Abschiedsabende und die Fahrten zum Oldenburger Kramermarkt. Sicherlich erinnert sich mancher Leser an diese fröhlichen Stunden, die man zu gestalten wußte. Oberkirchenrat Dr. H. Schmidt ließ für jeden Teilnehmer zum Abschiedsabend DM 1,- auszahlen. Einer der damaligen Vikare berichtete über diese Zeit: "Es war eine große und gute Umstellung, daß die Studenten- und Vikar-Rüstzeiten aus der Baracke am Quellenweg in das Blockhaus verlegt wurden. Niemand konnte ,eben mal schnell' nach Hause oder in die Stadt flitzen, deshalb konnte hier konzentrierter gearbeitet, noch intensiver diskutiert und noch erschöpfender der Fröhlichkeit gehuldigt werden. Trotz mancher theologischer Gegensätze, die ja nicht erst seit heute modern sind, waren diese Freizeiten bei allen in der ersten Hälfte der 50er Jahre von einem guten und herzlichen Miteinander gekennzeichnet. Es gibt kaum einen Pastoren, der sich nicht gern jener gemeinsamen Tage im Blockhaus erinnert." Immer mehr Jugendliche und Erwachsene kamen ins Blockhaus. 1952 waren es 2.222. Etwa 400 Kinder wurden jedes Jahr im Kinderheim aufgenommen. Die in den Ferien gehaltenen kirchlichen Freizeiten unter Leitung von Landesjugendpfarrer Maltusch, später Landesjugendpfarrer Orth, der Landessekretärin Frau Harbsmeier und Frau Vikarin Hadlich waren gut besucht. Die Zahl der Pastoren, die mit ihren Konfirmanden zu Freizeiten hier in das Heim kamen, wurde größer. Landjugendgruppen aus dem Landkreis Oldenburg hielten hier in den Wintermonaten ihre Tagungen ab. Ev. Jugend und Landjugend diskutierten, dazu hatte Pastor Orth eingeladen. Es wurden qemeinsame Richtlinien für die Dorfarbeit entworfen. Die Gemeinde Großenkneten hatte 1952 für die Betroffenen der Flutkatastrophe in Holland gesammelt und Kinder aus den betroffenen Gebieten hierher eingeladen. In drei Gruppen konnten je 50 holländische Mädchen betreut werden. Im demselben Jahr hatte auch Frau Harbsmeier Kinder aus Holland eingeladen, und im Winter 1953/54 lud der Landesjugendpfarrer jugendliche Flüchtlinge aus der DDR ein. In zwei zehntägigen Kursen konnten sich die Jugendlichen erholen und wurden mit den neuen Verhältnissen durch Vorträge und Aussprachen vertraut gemacht. Es sei daran erinnert, daß es zu dieser Zeit noch wenig freie Plätze in den Berufen gab. Schicksal dieser jungen Menschen war es, nur für die Arbeit im Bergwerk oder als Hilfen in der Landwirtschaft vermittelt zu werden. Was diese jungen Leute brauchten, war ein vorläufiges Zuhause. Das wollten wir ihnen geben. Unsere Gedanken und Vorschläge hatten wir dem Flüchtlingsminister in Hannover unterbreitet; sie wurden aber abgelehnt, weil die Etatmittel fehlten. Der Christliche Sängerbund lud zur ersten Sommerchorwoche ein. Die Professoren der Hochschule für landwirtschaftliche Lehrer aus Wilhelmshaven verlegten den musischen Unterricht im Sommer ins Blockhaus. Altfreunde der Ev. Studentengemeinden versammelten sich hier zu Jahrestagungen. Unter großer Beteiligung, auch des Hilfswerkes Hannover, wurden seit drei Jahren unter Leitung von Frau Schwarz-Thieler Begegnungsfreizeiten zwischen Deutschen und heimatlosen Ausländern gehalten. Zu dem Gottesdienst, der fast jeden Sonntag gehalten wurde, kamen neben den Gästen des Hauses auch Flüchtlinge, die in den Nachbarsiedlungen verstreut lebten. Alle Kirchgänger, die hier zu einer kleinen Gemeinde zusammengewachsen waren, trafen sich einmal im Jahr zu einer Gemeindefeier. Wir waren sehr dankbar, daß auch in dieser Zeit erhebliche Mittel für den Ausbau des Heimes bereitgestellt wurden. Es konnte ein schöner Waschraum gebaut und die sanitären Anlagen verbessert werden. Das Haupthaus bekam durch den Vorbau ein neues Gesicht. Vier helle, geräumige Schlafräume, die wir "Kabinen" nannten, und der Blockhaussaal, damals "Linoleum" genannt, gaben die Möglichkeit, auch mehrere Gruppen aufzunehmen. Eine moderne Kühlanlage, die sehr zur Wirtschaftlichkeit des Hauses beiträgt, konnte in Betrieb genommen werden. Das "Kaminzimmer" wurde zu einem würdigen Raum ausgestaltet: Behelfsheimzimmertüren ersetzten wir durch Eichentüren, die unser Tischler anfertigte. Die Eichentäfelung, die nach dem Krieg teilweise "verloren" ging, wurde vervollständigt. 1953 kamen 3.411 Gäste ins Blockhaus, aber 1956 und 1957 versorgten wir schon pro Jahr 5.200 Freizeitteilnehmer. Das Kinderheim nahm jedes Jahr 380 Kinder auf. Die Zahl der Tagungen und Freizeiten hatte sich ständig erhöht. Für die Freizeiten und Rüstzeiten der Ev. Jugend des Oldenburger Landes war das Blockhaus weiterhin der Mittelpunkt. Die vom Landesjugendpfarramt eingerichtete Begegnung mit Jugendlichen aus der damaligen SBZ war zur ständigen Einrichtung geworden, wenn auch die Einreiseschwierigkeiten gewachsen waren. Die Teilnehmerzahlen an den Konfirmandenrüstzeiten waren in besonders starkem Maß gestiegen. 1955 begannen wir, das Zeltlager auszubauen. Die Zelte bekamen Lichtanschluß. Wasch- und Toilettenzelte mit Spülung wurden aufgebaut. Die Aufenthaltszelte konnten mit bequemeren Liegebetten ausgestattet werden. Holzfußböden wurden verlegt und die Seitenwände der Zelte mit Hartfaserplatten verstärkt. Diese Verbesserung kam besonders den Jungen und Mädchen zugute, die im Zuge der Jugenderholungsmaßnahme in den Sommerferien kamen. Zu den ständigen Gästen im Blockhaus gehörten damals auch Mitglieder der IG-Metall und der Jungen Union aus Oldenburg. Die Teilnehmer an der "Ahlhorner Kaminrunde" kamen aus der gesamten Gemeinde Großenkneten. Viele Berufe waren vertreten. Es fanden Aussprachen statt, die in die verschiedensten Richtungen führten. Die Geschäftsstelle des "Freundeskreises Blockhaus Ahlhorn", einem Arbeitskreis für ländliche Erwachsenenbildung im Landkreis Oldenburg, befand sich damals im Blockhaus. Durch richtungsweisende Zusammenkünfte, tätigen persönlichen Einsatz und moderne Mittel bemühten wir uns, die Bildungsarbeit unter der erwachsenen Landbevölkerung voranzutreiben. Frau Professor Dr. Ramsauer lud erstmalig mit Pastor F. Immer zu einer religionspädagogischen Rüstzeit für Lehrer und Studenten der PH, auf der besonders Referenten der Ev.-ref. Kirche zu Wort kommen, ein. Das Interesse für diese anspruchsvollen Tagungen hat nicht nachgelassen. Auch in diesem Jahr waren 60 Lehrer und Studenten hier. Die ersten beiden Akademietagungen unter der Leitung von Oberkirchenrat Kiausch wurden damals im Blockhaus gehalten. Der Oberkirchenrat legte Arbeitssitzungen der theologischen Kammer und des theologischen Ausschusses, sowie die Finanzausschußsitzungen ins Blockhaus. In dieser Zeit bemühte sich Pastor Orth um die Abiturienten und um Schüler der Abschlußklassen der Mittelschulen. Diese Freizeiten wurden stark besucht. Auch als Landschulheim war das Haus wieder gut belegt. Seit 8 Jahren kamen Oberprimaner aus Neheim-Hüsten hierher. Anläßlich eines Besuches wies Oberstudiendirektor Dr. Krug darauf hin, daß das Verhalten der Schüler während des Aufenthaltes im Blockhaus beim Abitur mit berücksichtigt würde. Die bestehende Verbindung zum Landvolk konnte noch weiter vertieft werden. Frau Gräfin von Wedel aus Loga kam mit Landfrauen für mehrere Tage ins Blockhaus. Diese Tagungen wurden in den nächsten Jahren fortgesetzt. Der Landfrauenverein Großenkneten und Umgebung machte im Sommer einen Ausflug zum Blockhaus. Bei dieser Gelegenheit konnten wir uns für die alljährlichen Spenden aus den verschiedenen Bauernschaften bedanken. In dieser Zeit wurden erhebliche Mittel für den Ausbau des Heimes bereitgestellt. Die "Jungenburg" wurde umgebaut und vergrößert. Die Verwaltung der Jugendstrafanstalt Vechta schickte uns jugendliche Strafgefangene. Unter Leitung örtlicher Handwerker wurden die Arbeiten von den Jungen unter Aufsicht eines erfahrenen Strafvollzugsbeamten ausgeführt. Die Ringstraße wurde instandgesetzt. Nun brauchte man nicht mehr "slalomfahren". Das anschließende Stück Waldweg brachten jugendliche Strafgefangene aus dem Jugendlager Falkenrott wieder in Ordnung. Auch die Küche, durch die hohen Gästezahlen stark beansprucht, wurde nach modernen arbeitstechnischen Gesichtspunkten von Grund auf umgestaltet. Ein neuer Großherd, ein Elektronendampfkessel neuester Bauart und zahlreiche arbeitssparende elektrische Geräte konnten eingesetzt werden. Die Anregung von Oberkirchenrat Dr. H. Schmidt auf der Zehnjahresfeier des Blockhauses im August 1956, einen "Kreis der Freunde des Blockhauses" zu gründen, fand regen Widerhall. Immer mehr Gäste konnten wir begrüßen.
1958 5.798 Gäste
1959 5.730 Gäste
1960 6.323 Gäste
Im Kinderheim waren etwa 300 Kinder jedes Jahr zur Erholung. In der Belegungsmappe konnte man neben ständigen Anmeldungen lesen: Landesjugendkonvent: Konventstage; Mädchen-Bibel-Kreise: Einkehrtage; Mädchenwerk: Vorbereitungslehrgänge für das "Diakonische Jahr"; Kantorei Oldenburg, Osternburg, Eversten: Chorwoche. In regelmäßiger Folge kamen Erwachsene zu folgenden Tagungen ins Blockhaus: Ev. Akademie: Akademietagungen; Evangelisches Posaunenwerk: Bläserfreizeiten; Hochschule für Landwirtschaftslehrer: Musische Woche; Christlicher Sängerbund: Chorwoche und Freizeiten; Gewerkschaftskreise: Arbeitstagungen; Militärseelsorge Wehrbereich II: Rüstzeiten für ev. Soldaten. Gästehauszimmer1958 wurde das Gästehaus und das Seehaus fertiggestellt. Die Mitarbeiter zogen in die oberen Räume des Gästehauses. Für die Tagungsgäste standen nun zusätzlich 12 Ein- bzw. Zweibettzimmer bereit. Mit dem Seehaus ist ein weiterer schöner Kaminsaal dazu gekommen, Im Obergeschoß befinden sich noch zwei kleine Tagesräume, die auch als Schlafräume genutzt werden können. Das Blockhaus war nun so ausgebaut worden, daß kleine und große Gruppen nebeneinander wohnen können, ohne sich zu stören. Es wurde dadurch immer mehr ein Haus der Begegnung. Auch hatte sich wohl bewährt, daß Alt und Jung unter einem Dach wohnen. Die Gästezahl nahm auch in den nächsten Jahren weiter zu:
1961 7.189 Gäste
1962 7.396 Gäste
1963 8.379 Gäste
Obwohl das Heim, besonders in den Wintermonaten, von vielen Erwachsenen-Freizeiten und Tagungen besucht wurde, hatte die Jugend prozentual den größeren Anteil an den BeIegungszahlen. Einen immer größeren Raum nahmen die Rüstzeiten für Soldaten aus den Standorten Oldenburg, Wilhelmshaven und Delmenhorst ein. Die Soldaten kamen 1957 zum erstenmal zu einer Rüstzeit zusammen. Durch die Übersiedlung des Kinderheimes in ein eigenes Heim nach Hude waren die Raume des Anbaues frei geworden. Die Hütten für etwa 50 Kinder, die "Bauerndiele" und die sanitären Anlagen zwischen den Seen sind im Laufe der letzten Jahre fast unbemerkt entstanden. Soldaten aus Ahlhorn halfen uns dabei. An manchen freien Wochenenden wohnten die Helfer dann im Blockhaus und gehörten zur Hausgemeinschaft. 1965 zählten wir 8.558 Gäste. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug 3,8 - 4,3 Tage. Hauptamtliche Mitarbeiter des Landesjugendpfarrer Dettloff kamen Anfang Januar zusammen. Mit Dr. Kähler von der Volkshochschule Bremen-Nord und seinen Mitarbeitern kamen junge und ältere Volkshochschulbesucher seit über 10 Jahren zu Gesprächen hierher. Die Volkshochschule Bremen-Nord hatte einen Arbeitskreis für theologische Fragen im Anschluß eines Gottesdienstes im Blockhaus gebildet, und Pastor Hermann Müller bemühte sich auch noch nach dem Ausscheiden als Landesjugendpfarrer um diesen Kreis. Die Oberstufen zweier Bremer Gymnasien, die Kunsterziehung und Musik besonders fördern, waren jedes Jahr mehr als eine Woche hier. Seit 1958 kommt der Posaunenchor aus Unna/Westfalen ins Blockhaus. Die Bläser bringen meistens ihre Familien mit. Der Chor fühlt sich hier wie zu Hause und der musikalische Morgengruß für die anderen Blockhausgäste gehört zum Tageslauf. Der Landesposaunenwart G. Horn sammelte die Bläser zu Übungswochenenden, und die Arbeit des Landessingwartes G. Enders ist auch eng mit dem Blockhaus verbunden. Die Küche konnte um den Kartoffelpiekraum erweitert werden. Mit der neuen Kochgruppe ist den Mitarbeitern in der Küche die Arbeit erleichtert worden. 1968 wurde das Personalhaus gebaut. Damit wurden auch die oberen Zimmer im Gästehaus für die Gäste frei. Das Hüttenlager wurde in Verbindung mit der Schutzgemeinschaft "Deutscher Wald" weiter ausgebaut. Vor zwei Jahren kamen die ersten Schüler und Schülerinnen und arbeiteten mit ihren Lehrern unter Aufsicht der Mitarbeiter des Forstamtes Ahlhorn im Walde. Auch in den letzten Jahren war das Blockhaus gut besetzt:
1968 8.068 Gäste
1969 8.161 Gäste
1970 7.104 Gäste
1971 7.161 Gäste
Pastor Dettloff schulte Kindergottesdiensthelfer. Die Gruppen, die aus der CSSR kamen, wohnten im Blockhaus und machten Besuchsfahrten bis nach Helgoland. 1946 wurde das Blockhaus der Ev. Jugend übergeben. In den vielen Jahren ist die Ev. Jugend hier heimisch geworden. Während der Konfirmandenrüstzelten konnten die Pfarrer Lebenshilfen geben und den Blick öffnen für die rechte Art, miteinander zu, leben. Wie es in der Gemeinde junge und ältere Menschen gibt, sind die Rüstzelten, Tagungen und Gespräche der älteren Menschen hier auch nicht wegzudenken. Die Militärpfarrer sollten auch weiterhin im Blockhaus ihren Dienst an den Soldaten tun können. Auch für andere Kreise und Gruppen, die schon seit Jahren ins Blockhaus kommen, sollte man die Tür offenhalten. Der Kreis der "Freunde des Blockhauses" wuchs von Jahr zu Jahr und auch viele Kirchengemeinden tragen die Arbeit im Blockhaus mit. Vieles, was hier verbessert und neu angeschafft werden konnte und unsere Gäste als wohltuend empfinden, verdanken wir unseren Freunden und Förderern, dazu gehören auch die Soldaten, die kommen und uns helfen. Seit Gründung des Jugendheimes bemühen wir uns, allen Gästen ein Gefühl des Zuhauseseins und der Geborgenheit zu geben, und das soll auch in Zukunft unser Bestreben sein. |
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