Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1972: Blockhausbrief Nr. 17

Inhalt:

Titel
Die Nacht ist vorgedrungen, ...
Wahrheit und Toleranz
Es begann vor 26 Jahren
Pilze rings um das Blockhaus
Gedanken eines Militärpfarrers nach einer Soldaten-Rüstzeit im Blockhaus Ahlhorn
Über die Schellenten an den Ahlhorner Fischteichen
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 27.11.1971 bis 10.11.1972
Erlebte Landschaft
 

Über die Schellenten an den Ahlhorner Fischteichen

Edgar Schonart

Einen Höhlenbrüter ganz besonderer Art gibt es an den Ahlhorner Fischteichen seit nunmehr sechs Jahren. Es klingt für den Laien etwas unglaubwürdig, wenn ich verrate, daß es sich hierbei um eine Ente handelt:

Schellente - Bucephaia clangula

Kennzeichen: 46 m

[Männchen]: auffällig schwarz-weiß: Hals- u. Unterseite weiß, Rücken u. Schwanz schwarz, breite weiße Schulterstreifen schwarzer, "dreieckiger" Kopf mit kurzem, schwarzem Schnabel. Ausgezeichnet durch großen, runden weißen Fleck zwischen Schnabel und Auge. Beine orangefarben. Wirkt im Flug dickköpfig und kurzhalsig, mit deutlichem viereckigem weißen Flügelfeld, das sich fast bis zum Vorderrand des Flügels erstreckt. Im Schlichtkleid ähnlich dem Weibchen, behält aber einige schwarze Abzeichen am Kopf.

[Weibchen]: mit grau marmorierter Oberseite, schokoladenbraunem Kopf, mit einem weißen Halsband und großem viereckigem weißen Flügelfeld (das auch im Gegensatz zu Reiher- und Bergente am geschlossenen Flügel zu sehen ist). Juv. brauner, ohne Halsband. Fliegt rascher auf als andere Tauchenten. Die Flügel erzeugen im Fluge ein charakteristisches Pfeifen. Siehe auch Berg- und Spatelente.

Stimme:

Für gewöhnlich ist die Schellente schweigsam.

[Männchen]: ein rauher, nasaler Doppeiruf.

[Weibchen]: Rufe ähnlich Bergenten-Weibchen.

Vorkommen:

Küstengewässer, oft auch Binnenseen. Nistet in Baumhöhlen, Kaninchenbauten usw. an Flußufern und waldumsäumten Seen.

Die in Deutschland nordöstlich der Elbe brütende Schellente benutzt alte Schwarzspechthöhlen um darin die Eier zu legen und auszubrüten. Nach Ablage des letzten Eies - meist sind es zwischen acht und zwölf Eier -beginnt das Weibchen zu brüten. Nach dreißig Tagen schlüpfen die Jungen. Die eintägigen Küken springen auf den Lockruf der Entenmutter hin aus der Nisthöhle in die Tiefe - die Nisthöhlen befinden sich in Höhen zwischen 6 und 10 Metern! -, um dann gemeinsam und unter dem schützenden Geleit der Entenmutter auf dem Wasser der Nahrungssuche nachzugehen.

Als meine Frau und ich 1967 erstmals eine Schellenten-Familie im Teichgebiet beobachteten, beschlossen wir festzustellen, an welchem Teich und in welcher Nisthöhle diese Küken erbrütet worden waren.

In den folgenden Jahren konnten wir zwar beobachten, wie die Familien (in jedem Jahr war es eine) aufwuchsen, den Brutplatz fanden wir aber nicht. Wir mußten befürchten, daß diese uns unbekannte Höhle irgendwann einmal den Holzfällern zum Opfer fiel und dadurch die Familie vertrieben würde. So beschlossen wir, künstliche Nisthöhlen anfertigen zu lassen und an günstigen Stellen anzubringen.

Nach Abschluß der Vorarbeiten kontrollierten wir in unserer Freizeit die Nistkästen und beobachteten die Schellenten. Unsere Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Aus dem einen Paar pro Jahr wurden in dem Jahr, in dem wir die Kästen angebracht hatten, drei Paare, die für die künstlichen Nisthöhlen Interesse zeigten.

Von diesen drei Paaren fanden wir insgesamt sieben Gelege auf verschiedene Kästen verteilt: drei Gehege aber wurden nur ausgebrütet. Bei den Enten brütet stets nur das Weibchen, während das Männchen in dieser Zeit bereits mausert und an der Aufzucht des Nachwuchses nicht beteiligt ist.

Wir erlebten zwar nicht den Sprung der Jungen aus ihrem Elternhaus; aber Ende Mai sahen wir acht einen Tag alte Junge mit ihrer Mutter. Am gleichen Abend hatten sie bereits nach heftigen Auseinandersetzungen mit der Nachbarin den Teich verlassen und einen anderen aufgesucht. Dabei kamen bereits die ersten Jungen "abhanden". Zusehends wurde auch in den nächsten Tagen auf nicht vollständig geklärte Weise die Entenfamilie kleiner und kleiner, und zuletzt waren es noch zwei Junge, die die so gefahrvolle Zeit des Aufwachsens bis zum Flüggewerden überstanden und später als ausgewachsenen Schellenten beobachtet werden konnten.

Bei der zweiten Familie, die mit acht Eiern im Nistkasten ihren Anfang hatte, kam nur ein Junges durch, bei der dritten Familie waren es immerhin vier Junge, die flügge wurden.

Von den verlassenen Eiern, die wir zur künstlichen Bebrütung nach Hause genommen hatten, schlüpften vier Junge, von denen zwei die nicht gerade problemlose Aufzucht durch Menschen überstanden und später, versehen mit einem Ring der Vogelwarte Helgoland, im Teichgebiet wieder ausgesetzt wurden. Monate später wurden diese beiden Enten noch gesehen.

1972 fiel bei drei Paaren der Erfolg etwas günstiger aus, so daß mehr Schellenten in den kommenden Jahren gesehen werden können.

Nun gilt es, für die Zukunft auch andernorts Schellenten durch Spezial-Nistkästen anzusiedeln; besonders wenn man bedenkt, daß die Schellente auf der "Roten Liste", das heißt: als im Weltbestand gefährdet, steht.


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