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Gedanken eines Militär-Pfarrers nach einer Soldaten-Rüstzeit im Blockhaus AhlhornHartwig Gerken Vier Tage hatten wir im Blockhaus Ahlhorn eine Gemeinschaft gehabt - die Soldaten aus den Standorten Oldenburg, Wildeshausen, Ahlhorn und der Pastor mit seinem Mitarbeiter, dem Pfarrhelfer. Nach dem gemeinsamen Abendmahl sind wir wieder auseinander gegangen; ein freundlicher Abschiedsgruß und ein herzlicher Dank für die schönen Tage im Blockhaus. Für mich war es die vierte Rüstzeit in diesem Jahr. Ich fahre durch den Ahlhorner Wald nach Hause zurück. . . Es war eine gute Tagung. Die Erwartungen der Soldaten und auch meine hatten sich erfüllt. Wir hatten versucht, einen Teilbereich der Welt zu verstehen - den Bereich der Massenmedien; Zusammenhänge und Hintergründe zu durchschauen. Wir wurden mit einem Stück Welt vertraut gemacht, so daß wir besser informiert in ihr leben können. Ein Verstehen dieser Dinge wurde möglich, wo wir an Sachverhalten durch Gespräche und Diskussionen, Referate und Informationsbesuche gearbeitet hatten. Ein Teilbereich unserer Welt, der uns täglich beschäftigt - Zeitung, Rundfunk, Fernsehen - wurde aufgeschlossen und intimisiert. Aber war es nur deshalb eine gute Rüstzeit, weil sich die Erwartungen vom Thema her erfüllt hatten? Je öfter und je länger ich mit jungen Menschen im Blockhaus zwischen den Seen und Wäldern zusammen bin, um so mehr wird mir das Blockhaus als ein Haus bewußt, in dem Menschen miteinander "wohnen". Ich erinnere mich eines Wortes von Heidegger: "Denn sage ich ,ein Mensch' und denke ich mit diesem Wort denjenigen, der menschlicher Weise ist, das heißt ,wohnt', dann nenne ich mit dem Namen ,ein Mensch' bereits den Aufenthalt im Geviert bei den Dingen." Als Mensch sein heißt bei Heidegger ,wohnen', menschliches Existieren ist ,wohnen'. Im Rückgriff auf die Etymologie des Wortes gewinnt ,wohnen' seine ursprüngliche Bedeutung. ,wonian' heißt im Gotischen und Altisländischen: sich freuen, zufrieden sein, mit den Dingen der Weit friedfertig umgehen, ihnen die Freiheit lassen, ihnen keine Gewalt antun, sie schonen. Seßhaftigkeit ist nur im Frieden möglich (vgl. Umfriedung). Im Zusammenhang mit ,wohnen' spricht Heidegger auch vom Bauen. Aus dieser Idee des ,Wohnens' können wir erst bauen. Wie der Mensch baut, so ist er, meint Heidegger. Ich denke, das gilt nicht nur für das Bauen von Häusern. Blockhaus = blokhus, einst militärisches Vorwerk, um den Frieden zu bewahren, damit Menschen und Dinge keine Gewalt angetan werde. Es ist meine Überzeugung, daß nicht nur das ,wertvoll' ist, was die Wissenschaft heute als objektiv hinstellt. Subjektives Denken und Tun wäre andernfalls nicht mehr möglich. Ich möchte mir die Freiheit meiner subjektiven Empfindungen und Gefühle bewahren. Das Ahlhorner Blockhaus wurde auch diesmal wieder für junge Menschen ein Bau, wo das ,wohnen vermocht wurde', und was wir immer wieder als ,Heimat' verlieren: die Metaphysik, das, was in den Dingen nicht ohne weiteres aufgeht, wurde wiedergefunden: Glaube, Zuversicht, Friedfertigkeit. Weil wir im Blockhaus ,wohnen' konnten, gelang es uns auch zu bauen im geistig-seelischen Sinne: unser Dasein zu orientieren im Glauben und in der Zuversicht. Ahlhorn, Ende September 1972 Hartwig Gerken |
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