Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1971: Blockhausbrief Nr. 16

Inhalt:

Titel
Barmherzig und freundlich ist Gott,...
Predigt zum 25jährigen Jubiläum des Blockhauses Ahlhorn
Gottesdienst im Blockhaus
25-Jahrfeier im Blockhaus Ahlhorn
So begann es im Blockhaus
Haben wir es in 4000 Jahren weit gebracht?
"Ev. Jugendheim Blockhaus Ahlhorn"
Zusammenstellung der Brut und Gastvögel...
Waldeinsatz der Klasse 9f1 des Felix-Klein-Gymnasiums, Göttingen.
 

So begann es im Blockhaus

Georg Glamm †


Im Juni 1946 kamen mein Onkel mit Familie und meine Mutter als Flüchtlinge mit einem Ackerwagen von Cloppenburg nach dem Blockhaus. Mit diesem Gefährt kam auch gleichzeitig die erste Freizeit, bestehend aus wenigen Kindern, an. Jeder von den Flüchtlingen besaß an Hab und Gut nur soviel, wie er gerade tragen konnte. im Blockhaus soll es trostlos ausgesehen haben. In der Küche lag zerschlagenes Geschirr und eine erhebliche Anzahl von Fenstern und Türen waren beschädigt. An den meisten Türen fehlten die Schlösser ganz. Betten waren nicht vorhanden. Geschlafen wurde im Strohlager auf dem Fußboden. Geschirr stand der neuen Blockhausbesatzung nicht zur Verfügung. An Trinkgefäßen begann es mit einigen Tassen, die meine Tante und meine Mutter im Gepäck hatten. Der erste Tee ,bzw. Kaffee wurde den Gästen in einer Suppenschüssel serviert, und es soll ausgezeichnet gemundet haben. Die Freizeitler mußten alles Geschirr selbst mitbringen. Die ersten Gäste der Freizeiten erhielten aber auch schon warme Mahlzeiten. Dieses Essen mußte aber von Cloppenburg - ich glaube vom Schlachthof - in großen Milchkannen herangeschafft werden. In der Küche des Blockhauses wurde erst nach einigen Wochen gekocht. Die gesamte Küchenarbeit wurde anfangs von meiner Mutter und meiner Tante bewältigt. Beim Einzug ins Blockhaus befand sich im späteren Kinderheim noch der sogenannte Objektschutz. Es waren 12 Männer. Einige davon sind heute bei der Polizei in Oldenburg.

Nach und nach ging es dann aufwärts. Die ersten Spenden an Feldfrüchten trafen ein. Geschirr und Feldbetten wurden gebracht, und die Quäker griffen dem Heim hilfreich unter die Arme. In Ahlhorn wurden Kohlen bereitgestellt und mußten von uns entladen und abgefahren werden. Der Lkw vom Hilfswerk diente uns dabei als Gefährt. Die gesamte manuelle Arbeit wurde von dem damaligen Freizeithelfer Heinz Rietze und mir bewältigt. R. ist meines Wissens in Schweden.

Während der Anfangszeit kam als Gast oft ein Sergeant Collins, der in Ahlhorn als eng. Soldat stationiert war. Collins war uns dafür bekannt, daß er besonders deutsche Volkslieder liebte. Wenn er zu uns kam, saßen wir oft mit den gerade anwesenden Freizeitlern und ihm zusammen und sangen nach seiner Laute. Ich habe Herrn Collins vor einigen Wochen in Oldenburg getroffen. Er ist nicht mehr in der engl. Armee und lebt wieder in England. So wie er mir erzählte schreibt er z. Zt. ein Buch über Deutschland.

Im Winter 1946/47 war das Blockhaus von der Außenwelt vollkommen abgeschnitten. Damals bin ich im tiefen Schnee bis Ahlhorn gelaufen (3 Stunden) und habe Care-Pakete fürs Heim geholt, natürlich auf dem Rücken. Es war eine anstrengende Tagesreise. Es kam kein Fahrzeug, auch nicht über den Flugplatz, durch.

Die Milch für die Küche holten Heinz Rietze und ich abwechselnd in einer 20 l-Kanne auf dem Rücken von der Molkerei in Ahlhorn. Nach genau dem gleichen Verfahren wurde auch sämtliches Brot von Ruge ins Heim getragen.

Auf dem großen Sandplatz, wo später die Zelte standen, befand sich kurz nach 1945 ein von den Kanadiern eingerichtetes Straflager für kanadische Soldaten. Zu unserer Zeit standen auf dem Sandplatz noch einige Nissenhütten, die später von der Gemeindeverwaltung abgebaut wurden. Die doppelreihige Umzäunung (hohe Pfähle und Stacheldraht) und das Wachhaus haben mein Onkel, Heinz Rietze und ich abgebrochen und das Holz als Brennmaterial für's Heim verwendet.

In der Anfangszeit hatte das Wort "Stromsperren" noch eine erhebliche Bedeutung. Um diese Zeit zu überbrücken stand uns s. Zt. der Panzermotor im Kellerverbindungsgang zur Verfügung. Der Treibstoff wurde uns von der Militärregierung in Oldenburg gestellt.

Das Leben im Blockhaus war in einem Wort gesagt eine richtige "Robinsonade", und es hat allen besonders aus diesem Grunde immer gut gefallen. An einen Fall kann ich mich noch erinnern, da hatte meine Tante und meine Mutter für eine kleine Studentenfreizeit künstliche Schlagsahne aus Magermilch hergestellt und damit einen wahren Jubelsturm bei den jungen Leuten erzeugt. Es war ja in der Tat so, daß aus nichts etwas gemacht werden sollte. Aber jeder von uns hat es gern und immer mit Freude getan.


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