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Waldeinsatz der Klasse 9f1
des Felix-Klein-Gymnasiums, Göttingen,
vom 13.9. - 25.9.1971
Nach Ablauf der für den Einsatz der Jugendlichen vorgesehenen Zeit zieht OstR. Schumann nachstehende Bilanz:
Seit meinem ersten Waldeinsatz im April 1970 hat sich im Blockhaus ein erheblicher Wandel vollzogen. Wenn auch die Verwendungsmöglichkeiten für den Einsatz der Jungen und Mädchen im wesentlichen die gleichen geblieben sind, so ist im Bereich der Unterkunft und Betreuung der Jugendlichen insofern eine beachtliche Verbesserung der Verhältnisse eingetreten, als die Forstverwaltung mit Zuschüssen aus verschiedenen Quellen in vorbildlicher Zusammenarbeit mit der Ev.-luth. Landeskirche in Oldenburg an der Stelle, wo die Kanadier am Ende des Krieges ein Strafgefangenenlager errichtet hatten und wo später ein Hüttenlager entstand, im letzten Jahre durch Isolierung und Ausschalung der Wände sowie durch Anbringung eigener Waschräume Unterkünfte entstanden sind, die modernen Anforderungen an Jugendheimen gerecht werden. Eine Besichtigung der Anlagen und die Begutachtung der durch den Waldeinsatz geleisteten jugendlichen Arbeiten durch prominente Vertreter von Staat und Kirche haben diesen unbestrittenen Tatbestand klar erwiesen.
Obwohl für die Verpflegung wie bisher in vorzüglicher Weise vom Blockhaus gesorgt wird, werden die Jugendlichen in den "Hütten" zu großer Selbständigkeit angehalten. Sie müssen ihren Abwasch selbst tätigen, ihr Bett, ihre Hütte selbst in Ordnung halten und die Mahlzeiten selbst servieren. Es stellt dies eine wirklich gute Übung zur Selbständigkeit dar, wenn der Jugendliche sich sein Frühstück und das dazu gehörige Getränk selbst bereiten muß und ihm dies nicht von seiner treusorgenden Mutter gereicht wird, so daß ihm lediglich die Kritik an allen Dingen übrig bleibt. Natürlich muß der Lehrer öfter helfend eingreifen und ihn auf den richtigen Weg verweisen. Der Jugendliche, und besonders das verwöhnte Einzelkind, wird gezwungen, nicht nur in bescheidenem Rahmen mit Geld umzugehen, sondern sich auch der Gemeinschaft anzupassen, Pflichten zu übernehmen, die alle erfüllen müssen, und die ausschließlich Notwendigkeit für das Leben in der Gemeinschaft darstellen. Der Individualist wird wie von selbst einen Teil seines eigenen Ichs aufgeben müssen, er wird lernen müssen, auch für seinen Klassenkameraden etwas abzugeben und Verständnis für dessen Sorgen zu haben.
Viele Menschen verbinden mit dem Waldeinsatz den Begriff einer "schweren und harten Arbeit". Davon kann überhaupt keine Rede sein. Jeder Jugendliche wird für Arbeiten eingesetzt, die er durchaus leisten kann. Ich habe in meinen beiden Einsätzen von Jugendlichen nie gehört, daß die Arbeit zu schwer gewesen sei. Im Gegenteil, ich habe mich gewundert, wie intensiv und mit welcher Freude an der Arbeit die Jugendlichen unter Anleitung seht verständnisvoller Förster und Waldarbeiter, die ihnen übertragenen Arbeiten ausführten und wie sie dann in ihrer Freizeit noch stundenlang Fußball spielten, Wanderungen bis zu 20 km machten und abends noch große Strecken mit dem Oberförster auf der Pirsch hinterlegten.
Die Abgeschiedenheit des Blockhauses läßt dem Jugendlichen kaum den Wunsch aufkommen, in Städten oder Vergnügungsstätten einen Teil der ihnen zur Verfügung stehenden Freizeit zu verbringen. Er ist dem Gewühl und der hektischen Hast und Unruhe der Stadt mit ihren Umweltgefahren für eine gewisse Zeit entzogen, er hat sich an eine gesunde Betätigung seiner Glieder zu gewöhnen, er muß stark werden durch einen gesunden Umsatz von guter Nahrung in Kräfte, die einem gesunden Körper eigen sein müssen. Nervosität und einseitige geistige Tätigkeit werden abgelegt zugunsten einer Bewegung aller körperlichen Teile und Funktionen, denn noch immer gilt die Devise, daß nur in einem gesunden Körper ein gesunder Geist erwartet werden kann.
Die infolge des Wohlstandes sich zwangsläufig einschleichende Verwöhnung der Menschen kann, wenn sie auf den Jugendlichen sich erstreckt, mit verheerenden Folgen für dessen Zukunft verbunden sein. Deswegen halte ich es für gut, wenn Anforderungen an die Jugendlichen in körperlicher und geistiger Hinsicht gestellt werden, und zwar im Sinne seiner eigenen Entwicklung und der der Gesellschaft, in der er aufwächst und die er später repräsentieren soll.
Auch hier gilt das bekannte Wort: "Wer es der Jugend so leicht macht, macht es ihr schwer."
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