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Neuer Anfang in AhlhornDie Eröffnung des Jugendheims am 28. Juli 1946Ein wunderbarer Sommersonntag leuchtet über der Ahlhorner Heide. Die sonst so stillen Waldwege sind heute belebt vom Lachen und Singen vieler junger Menschen. Alles strebt hin zu den Teichen im Wald, wo heute die Übergabe des neuen evangelischen Jugendheims stattfinden soll. Dort herrscht schon am frühen Morgen fröhliches Leben. Aus dem ganzen Oldenburger Land sind die Jugendgruppen zusammen gekommen. Auf Fahrrädern, mit Pferdewagen, mit Autobussen und Lastautos sind sie herbeigeeilt, denn sie wollen alle dabei sein, wenn das neue Heim eröffnet wird. Ein frohes Grüßen geht von Wagen zu Wagen, viele kennen sich schon von den Freizeiten und dem Pfingsttreffen in Burhave. Die junge Gemeinde wächst zusammen in unserem Oldenburger Land und heute soll sie einen neuen Mittelpunkt erhalten. Die Wache am Parkplatz, von Jungen aus der ersten Freizeit selber gestellt, hat heute viel zu tun. Ein Ehrengast nach dem anderen trifft ein und will auf den Platz gewiesen werden, wo die feierliche Übergabe stattfinden soll. Da sehen wir unseren verehrten Herrn Bischof D. Dr. Stählin im Gespräch mit dem Herrn Ministerpräsidenten Tantzen. Herr Oberkirchenrat Kloppenburg, allen durch den Kampf der Bekennenden Kirche wohlbekannt, spricht mit den Vertretern der Militärregierung, die in großer Zahl erschienen sind. Zunächst ist da der Leiter der Erziehungsabteilung, WingCommander L. E. Ditchfield, mit zwei Mitarbeitern der Militärregierung, Mr. Berenson, der die Jugendfragen behandelt, und Mr. G. F. Kell, der vor dem Kriege lange in Deutschland war. Da ist weiter der Kommandeur des Landkreises Oldenburg, Lt.-Col. M. Wilson erschienen, mit ihm Capt. H. M. Morgan. Weitere Mitglieder der Militärregierung werden noch erwartet. Auch der Oberkreisdirektor Dr. Baum und der Bürgermeister Rohleder nehmen an diesem Ereignis in ihrem engeren Bezirk teil. Inzwischen hat sich die Jugend an dem von lichten Kiefern bestandenen Hang hinter den Häusern am See versammelt. Jungen haben am Tage vorher dort einen Altar errichtet und mit Birken und Feldblumen geschmückt. Ein schlichtes hölzernes Kreuz überhöht den Altar, zu dem ein paar Stufen hinaufführen. Im Halbkreis hinter dem Altar hat der Oldenburger Jugendchor Aufstellung genommen und hell ertönen die Stimmen der Jungen und Mädel über den morgenstillen See: "Morgenglanz der Ewigkeit!" Feierliche Ruhe liegt über den vielen hundert jungen Menschen, als der Jugendpfarrer den Gottesdienst beginnt, und jubelnd tönen die Choräle der jungen Gemeinde über Wald und See. Aufmerksam hören sie auf die Geschichte vom Zachäus und von dem Hause, dem Heil widerfahren ist, und zum Beschluß des Gottesdienstes sammelt sich eine betende Gemeinde im gemeinsam gesprochenen Vaterunser. Nach dem Schlußchoral beginnt die Reihe der Grußworte. Als erster wendet sich der Ministerpräsident an die Jugend. Er sagt, wie dankbar man sein müsse, daß dieses schöne Haus nun einem guten Zweck zugeführt werden könne und was für eine starke Kraft der Glaube an Gott im Lebenskampfe sei. Nach ihm spricht Mr. G. F. Kell zu den Jungen und Mädchen in deutscher Sprache. Zunächst sagt er, sie sollten ruhig lachen, wenn er mal einen Fehler mache, alle Schüler machen Fehler, und er wolle auch noch lernen. Aber er wolle auch etwas lehren. Und dann erzählte er die Geschichte von der Laterne in der dunklen Nacht, die wohl alle Jungen und Mädel gut behalten haben. Er sprach davon, daß Jesus Christus das Licht der Welt sei und daß wir dieses Licht in der Dunkelheit unserer Tage und in der Zukunft unserer Jugend heute nicht entbehren können. Und daß drüben in England wie hier in Deutschland die Jugend dieses Licht brauche, um auf dem rechten Wege zu bleiben, der zum Frieden führt. Danach sprach der Oberkreisdirektor Dr. Baum, der von den verschiedenen Verwendungszwecken erzählte, die für das Haus vorgesehen waren, daß aber doch die Jugend und damit die Zukunft das Rennen gemacht habe. Er sagt, die Hilfe des Kreises für die Arbeit in diesem Hause zu. Nach ihm ergriff unser Bischof das Wort, der selber einst Leiter eines großen Jugendbundes gewesen ist. Er spricht über das Verhältnis von Kirche und Jugend, und daß dieses Haus der ganzen Jugend offenstehen soll, die hier eine von christlichem Geist geprägte Heimat finden möge. Während der letzten Worte des Bischofs ist der Militär-Gouverneur des Landes Oldenburg, Col. F. A. Dillon, O. B. E., eingetroffen. In Begleitung seines Adjutanten, des Lt.-Col. O. A. J. Cary-Elwes, betritt er den Platz durch das dichte Spalier der Jugendlichen und begrüßt die Vertreter von Staat und Kirche. Dann wendet er sich in einer kurzen Ansprache an die Jugend. Er gibt der Hoffnung Ausdruck, daß durch dieses schöne Heim der christliche und völkerversöhnende Geist in der Jugend gestärkt werden möge. Danach übergibt er das Haus im Namen der Militärregierung an den Bischof für die Arbeit an der Jugend. Als Dank singt der Oldenburger Jugendchor ein Lied des Grußes an die deutsche Heimat. Damit ist die feierliche Übergabe und der offizielle Teil vorüber und alles strömt auseinander, um sich zum Mittagessen zu rüsten. In langen Reihen stehen die Jungen und Mädchen um die großen Essenträger, die von der Oldenburger Fleischfabrik mit guter Erbsensuppe gefüllt sind. Jeder findet trotz mancher Markenschwierigkeiten schließlich doch noch einen Teller warmer Suppe. An den schönen Hängen um das Haus lagern sich die verschiedenen Gruppen und genießen das herrliche Sommerwetter. Viele baden, einige machen große Ruderfahrten über den See und "entdecken" eine unbewohnte Insel, und einige ganz unentwagte Sportler haben einen Ball mitgebracht und erproben den Sportplatz. Um 3 Uhr findet sich alles wieder zusammen zu gemeinsamen Jugendsingen. Ein Kanon wird eingeübt, und bald singt alles miteinander. Nun stellt sich eine Gruppe nach der anderen vor, die einen singen ein Lied, die anderen sagen ein Grußwort, einer versucht sogar rasch etwas zu dichten; jeder will seine Gemeinde recht zeigen. Besonderen Beifall finden vor allem wieder die Jungen und Mädel aus Oldenburg mit ihren schönen Liedern. Aber auch viele melden sich schon an für Freizeiten in dem Heim für die Herbstferien. Nach kurzer Pause hat sich die junge Gemeinde gesammelt, um das Laienspiel "Der Ruf" zu sehen, das eine Gemeindejugendgruppe aus Burhave zeigen will. In den von den Jüngsten gesäumten Kreis ziehen die Spieler ein. Ernst nehmen sie Aufstellung auf dem Platz, und mit heller Stimme verliest ein Junge das Gleichnis vom großen Abendmahl, das dem Spiel zugrunde liegt. Der Herr ruft den Knecht, die Einladung zum Abendmahl auszurichten, und mit tiefer Bewegung hören die Zuschauer, wie einer nach dem anderen die Einladung abschlägt, bis schließlich die Elenden und Beladenen die Einladung annehmen. Als dann die anderen endlich doch noch nach dem Abendmahl verlangen, finden sie die Tür geschlossen. Mit großer Nachdrücklichkeit wird hier gesagt, daß es auch im Christenleben ein Zuspät gibt. Ernst verlassen die Jungen und Mädel den Platz des Spieles. Inzwischen ist der Posaunenchor aus Kirchhatten eingetroffen und bläst zum Abschluß des Tages noch einige Choräle auf dem Platz zwischen den beiden Häusern. Ein ereignisreicher Tag für die junge Gemeinde in Oldenburg hat seinen Abschluß gefunden. Alles kehrt zu den Wagen zurück. Aber auf der Heimfahrt werden überall noch Lieder gesungen und jeder nimmt sich vor, auf eine der nächsten Freizeiten nach Ahlhorn in das schöne Heim zurückzukehren. (Ma.) Das neue HeimPredigt anläßlich der Übergabe des Evang. Jugendheims in AhlhornLuk. 19,1-10"Und er zog hinein und ging durch Jericho. Und siehe, da war ein Mann, genannt Zachäus, der war ein Oberster der Zöllner und war reich. Und er begehrte Jesum zu sehen, wer er wäre, und konnte nicht vor dem Volk; denn er war klein von Person. Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum, auf daß er ihn sähe; denn allda sollte er durchkommen. Und als Jesus kam an die Stätte, sah er auf und ward sein gewahr und sprach zu ihm: Zachäus, steige eilend hernieder; denn ich muß heute in deinem Hause einkehren! Und er stieg eilend hernieder und nahm ihn auf mit Freuden. Da sie das sahen, murrten sie alle, daß er bei einem Sünder einkehrte. Zachäus aber trat dar und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und so ich jemand betrogen habe, das gebe ich vielfältig wieder. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, sintemal er auch Abrahams Sohn ist. Denn des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, das verloren ist." Meine lieben Jungen und Mädel! Wenn man heute ein Haus bekommt, dann ist die Freude wirklich sehr groß. Denn viele sind unter euch, die in den letzten Jahren ihr Haus verloren haben, und viele haben kaum ein eigenes Zimmer, sondern müssen sich mit einer kleinen Ecke begnügen. Wenn da heute unsere Jugend ein Haus erhält, so ist das für alle ein großes und wichtiges Ereignis, noch dazu, wenn es ein so schönes und großes Haus ist. Und ich kann mir wohl denken, wie ihr alle schon Pläne gemacht habt, als ihr den Wald und die Seen erblickt habt. Schwimmen und Rudern, Wandern und Singen, dafür ist die Gegend hier wie geschaffen. Und so habt ihr mit eurer Freude schon heute morgen das ganze Heim erfüllt. Aber wir müssen uns fragen, ob dies allein die Freude ist, von der in unserer Geschichte gesagt wird, daß dem Hause Heil widerfährt. Da hatte ja auch einer mit Freuden einen anderen in sein Haus aufgenommen. Und es ist sicher auch damals sehr froh in dem Hause zugegangen. Aber doch steht das Wort von dem Heil erst am Ende der Erfüllung. Wie war es eigentlich damals zugegangen? Von Haus zu Haus war die Kunde gegangen, daß Jesus durch Jericho kommen würde. Und gleich hatte sich alles aufgemacht und säumte die Straße. Denn diesen Jesus wollte gern jeder einmal gesehen haben. Von ihm hatte man schon so viel gehört, von ihm erhoffte sich das Volk Frieden und Freiheit. Man sagte ja, er solle der von Gott dem Volk zugesagte Heiland sein, den mußte man gesehen haben. Wer weiß, ob er noch einmal durch Jericho kommen würde. Und so drängt sich das Volk am Wege. Ganz ähnlich ist es damals gewesen wie heute, wo die Kleinen unter uns auch gern etwas sehen möchten. Ja, die Kleinen haben es schwer, entweder müssen sie sich nach vorn drängen, oder sie müssen es machen wie Zachäus, sie steigen auf einen Baum. Nun, wenn ein Junge auf einen Baum steigt, so ist das nicht etwas besonderes. Welcher Junge wäre nicht schon einmal auf einen Baum gestiegen. Aber wenn ein erwachsener Mann auf einen Baum steigt, dazu noch ein Oberster der Zöllner, heute müßten wir sagen, ein Oberzollinspektor, da muß doch wohl schon mehr dahinter stecken als bloß die Neugier. Nun wissen wir ja, daß damals die Zöllner nicht sehr angesehen waren im Volk. Auch heute ist ein Mann, der von uns Geld einzieht, nicht sehr beliebt, - aber damals warf man diesen Menschen noch Unehrlichkeit vor, außerdem dienten sie ja den landfremden Römern. So hatte Zachäus vielleicht auch seinen luftigen Platz gewählt, um den Anfeindungen der Menge aus dem Wege zu gehen. Aber er wollte Jesum gern sehen, darum läßt er all seine Beamtenwürde und all seine Angst fahren und steigt auf den Baum. Er hat sicher nicht damit gerechnet, daß er irgendwie be merkt werden könnte, er wollte ja nur sehen, aber nicht gesehen werden. Und nun geschieht etwas ganz besonderes. Jesus kommt die Straße entlang. Er geht durch die Menge hindurch, die neugierig, erwartungsvoll ehrfürchtig, vielleicht auch etwas enttäuscht, daß da nur ein ganz gewöhnlicher Mensch geht, den Weg säumt. Plötzlich bleibt Jesus stehen, gerade unter dem Baum, auf den Zachäus gestiegen ist, und sieht auf. Wißt ihr eigentlich, was das bedeutet? Das heißt nämlich, daß sich keiner unter uns in der Menge verstecken kann. Jesus sieht jeden einzelnen an. Jeden einzelnen fragt er, ob er mit uns heute in unser Haus einkehren kann. Und wir wollen hoffen, daß man auch von uns sagen kann: Er nahm ihn auf mit Freuden. So wollen wir den Herrn Jesus in unser Haus zu Gast laden. Er soll der erste und vornehmste Gast in unserem neuen Heim sein. Und jedesmal, wenn wir in diesem Hause unser Tischgebet sprechen: "Komm, Herr Jesus, sei unser Gast, und segne, was du uns bescheret hast", wollen wir uns wieder daran erinnern lassen, daß wir solch einen Gast in unserer Mitte haben. Nun wissen wir ja ganz genau, wie es bei uns zu Haus ist, wenn wir einmal einen wichtigen Besuch erwarten, sei es die reiche Erbtante, oder den Lehrer oder den Pastor. Da sagt die Mutter vorher noch einmal zu den Kindern, daß sie sich nur recht ordentlich benehmen, damit der Gast auch einen guten Eindruck von der Familie bekommt, und außerdem wird vorher noch einmal sauber gemacht und Staub gewischt, damit es auch gut im Hause aussieht. Und das hat Zachäus wohl auch gemerkt. Denn wie der Herr Jesus bei ihm zu Tische sitzt, da wird es ihm mit einemmal ganz klar: So, wie es bisher in seinem Leben gegangen ist, so darf es jetzt nicht weitergehen. Jetzt, da Jesus Christus bei ihm eingekehrt ist, muß ein neues Leben beginnen. Und so steht er plötzlich auf und macht Schluß mit seinem alten Leben, mit seinem Geiz und mit seinen Betrügereien. Vor aller Leute Augen und Ohren bekennt er seine alte Schuld und beginnt ein neues Leben nach den Geboten Gottes. Und seht, liebe Jungen und Mädel, wenn wir nun in unser Haus den Herrn Christus einladen wollen, dann müssen wir auch bereit sein, ein neues Leben und einen neuen Geist uns zu erbitten, daß auch wir mit dem Schluß machen können, was einen jeden von uns trennt von Gott, was wir so gern verbergen wollen, damit es nur kein fremder Mensch, am allerwenigsten aber die Augen unseres Herrn Jesus Christus sehen sollen. Er gebe jedem einzelnen von uns Kraft, das alte zu überwinden, damit nicht nur wir, sondern Christus selber sagen kann: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren. Zuerst hat sich nur Zachäus gefreut, daß er Jesus bei sich aufnehmen darf, aber als dadurch Zachäus ein neuer Mensch geworden ist, freut sich auch der Herr. So möge es auch in diesem Hause geschehen! Eure Freude über dieses Haus mag groß sein, vollkommene Freude und Heil wird diesem Hause erst dann widerfahren, wenn wir hier ein neues Leben durch Jesus Christus, unseren ersten und vornehmsten Gast in diesem Hause, geschenkt bekommen. G. Maltusch Ansprache des Herrn Ministerpräsidenten Tantzen bei der feierlichen Übergabe des Blockhauses Ahlhorn am Sonntag, dem 28. Juli 1946 an die evang. LandeskircheWir sind nicht nur froh, wie der Herr Jugendpfarrer ausführte, sondern auch dankbar dafür, daß wir dieses schöne Blockhaus einem besseren Zweck zuführen können, als es bisher gedient hat. Wenn es nach meinen Wünschen gehen würde, wäre ich dafür, daß die evang. Kirche das Blockhaus als Eigentum bekommt. Aber auch die Alliierte Militärregierung muß sich in dieser Hinsicht nach strengen Vorschriften richten. Wir haben aber die Hoffnung, daß es später einmal in das Eigentum der evangelischen Landeskirche übergehen wird. Meine lieben Jungen und Mädel, noch habt ihr nicht den schweren Kampf des Lebens gespürt; noch seid ihr von älteren Menschen, euren Eitern, Pfarrern und Lehrern, betreut und geführt, die euch lieb haben. Aber es ist eine Erfahrung, die wir in einem längeren, von Prüfungen und Enttäuschungen erfüllten Lebenskampfe machen konnten, daß das Wissen allein den Menschen nicht tüchtig und glücklich macht, sondern wir brauchen vor allen Dingen den Glauben und die Verbindung mit Gott. Seit etwa 150 Jahren hat der materialistische Geist schwere politische Verwirrungen in der Welt hervorgerufen. Dadurch sind politische Systeme an die Macht gekommen, die den Völkern viel Unheil gebracht haben. So ist es auch nur zu erklären vom rein materialistischen Denken her, daß der Nationalsozialismus eine große Macht entwickeln konnte, die sich für die Welt und besonders für unser Volk so verderblich ausgewirkt hat. Daher setzen wir heute unsere Hoffnung für den Wiederaufbau auf eine deutsche Jugend, die von einem neuen Geist getragen ist. Bevor nunmehr die feierliche Übergabe dieses einzigartigen Jugendheimes, welches zu den schönstgelegenen in ganz Deutschland gehört, erfolgt, wende ich mich mit der Bitte an die deutsche Jugend mit deutscher Gründlichkeit und Sauberkeit die Ausgestaltung des Heimes zu übernehmen und das gemeinsame Leben und Schaffen an diesem Orte der Volkserneuerung mit wahrhaft christlichem Geist zu erfüllen. Aus der Ansprache von Mr. G. F. Kell, Mil.-Gov., Det. 821:Liebe deutschen Jungen und Mädchen! Ich will euch das, was ich zu sagen habe, in einem Bilde sagen. Wenn ein Mann in dunkler Nacht nach Hause gehen will, und hat noch einen Weg von 3 km vor sich, dann hat er keinen Anlaß zu verzagen, wenn er nur eine Laterne bei sich hat. Er wird nicht verlangen können, daß diese Laterne ihm den ganzen Weg beleuchtet, aber wenigstens den nächsten Schritt wird sie ihm erhellen. Wenn er so Schritt für Schritt auf dem rechten Weg vorangeht, so hat er doch Hoffnung, das Ziel einmal zu erreichen. Genau so ist jetzt unser Schicksal und auch das Schicksal der deutschen Jugend. Wir müssen Schritt um Schritt vorangehen und dürfen nicht verzagen, wenn wir in der Dunkelheit unserer Tage das Ziel noch nicht erkennen können. Was ist aber das Licht, das wir bei uns haben? Jesus Christus hat gesagt: Ich bin das Licht der Weit, wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis. Wenn wir ihn haben, dann werden wir auch durch diese schwere Zeit kommen. Dann brauchen wir auch vor der Not nicht zu kapitulieren, denn dann gilt auch das Wort des Paulus für uns: Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Darum sollen wir alle Mut für eine bessere Zukunft fassen und uns freuen, daß wir heute wieder einen Schritt voran gemacht haben. Zur großen Freude der zur Einweihung des Jugendheims Blockhaus Ahlhorn versammelten Jugend des Oldenburger Landes erschien der Herr Bischof D. Dr. Stählin,und begrüßte die versammelte Jugend. Dabei bekannte er sich zu dem Erbe der Jugendbewegung, die in der Zeit vor zwanzig Jahren aufgebrochen sei, um in freiwilliger Ordnung ein echtes Jugendleben zu gestalten. Auch in dem Jugendbund, den unser jetziger Bischof damals leitete, ging es darum, Jugend und Kirche in lebendige Verbindung mit einander zu bringen. "Eine Kirche, die nur eine Kirche der alten Leute ist, eine Kirche, von der sich die jungen Menschen nach ihrer Konfirmation abkehren, ist eine traurige und sterbende Kirche; aber auch umgekehrt: eine Jugend, der die Kirche ganz fremd wird, und die meint, ihr Leben ohne Christus führen zu können, ist eine irregeleitete Jugend, die die tiefsten Kräfte der Lebens- und Weltgestaltung verliert." Wir sind dankbar, daß wir nun eine Heimstätte unserer kirchlichen Jugendarbeit haben. Eine echte Jugendführung kann sich nicht auf Gedanken und Worte beschränken, sondern drängt nach lebendiger Gestaltung; und diese braucht einen Ort, ein Heim, eine Lebensgemeinschaft, die ihren festgeprägten Stil hat. "Wir wünschen und hoffen, daß dieses Jugendheim als das Haus unserer evangelischen Jugend eine feste Ordnung christlichen Gemeinschaftslebens findet, aber zugleich ihre Tore weit aufmacht für alle, die hier aus- und eingehen; fest im Kern, aber weich und weit nach außen!" Jugend will nicht nur betreut werden, sondern sie will, wenn sie gesund ist, in eigner Verantwortung ihr Leben gestalten. Darum mag es ganz gut sein, daß unsere Jugend hier nicht ein in allen Räumen wohl eingerichtetes Haus findet; hier fehlt vieles, und unsere Jungen und Mädel werden viel zu tun finden und sollen erfinderisch sein, ihr Haus in einem guten Stil aus dem besten Erbe unseres Volkes heraus zu gestalten. "Dies Haus ist Gabe und Aufgabe zugleich, und es gibt für gesunde junge Menschen kaum eine größere Gabe als eine rechte Aufgabe für Kopf und Herz und Hand." Bei der feierlichen Übergabe des Jugendheimes "Blockhaus Ahlhorn" am 28. Juli 1946 hielt der Kommandeur der Militärregierung des Landes Oldenburg, Colonel F. A. Dillon, O. B. E.,folgende Ansprache, die der versammelten Jugend von Herrn Oberkirchenrat Kloppenburg in deutscher Sprache übermittelt wurde: Die Zukunft Deutschlands hängt von der Haltung der deutschen Jugend ab. Es ist wichtig, daß die junge Generation von christlichem und völkerversöhnendem Geist durchdrungen ist. Die Alliierte Militärregierung will die Fragen der deutschen Jugend gerne fördern und die berechtigten Wünsche nach Möglichkeit erfüllen. Darum übergibt die Militärregierung zur Förderung der Jugendarbeit der Evang. Landeskirche dieses schöne Blockhaus. Bei der Übergabe dieses Jugendheims, das eines der schönsten in Deutschland ist, an die oldenburgische und deutsche Jugend wird die Erwartung ausgesprochen, daß die junge Generation mit eigener Verantwortung und Tatkraft sich für den Ausbau des Heimes einsetzt und bestrebt sein wird, das gemeinsame Leben und Schaffen nach christlichen Grundsätzen durchzuführen. Dem Jugendheim "Ahlhorn" möge eine glückliche und gesegnete Zukunft beschieden sein. |
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