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Kurzberichte der Gäste (Auswahl)
vom 16.11.1969 - 11.11.1970
Kirchenkreis, Elsfleth / P. Heinemeyer
(9 Teiln., 5.1.- 7.1.1970)
Vorschläge zur Neugestaltung des Konfirmandenunterrichtes
- Unterweisung im Glauben geschieht im Wirklichkeitsbezug der jungen Menschen; sie ist Interpretation von Wirklichkeit. Das Evangelium ist frohe Botschaft, daher darf die Konfirmandenzeit nicht belasten, sondern muß Freude machen. Das schließt nicht aus, daß in der Konfirmandenzeit den jungen Menschen nicht auch Arbeit zugemutet wird. Diese Zumutung wird jedoch nur dann akzeptiert, wenn die Grundanlage positiv aufgenommen wird.
- Aus diesen Gründen besteht Übereinstimmung darin, daß der wöchentliche KU verändert wird in Konfirmandennachmittage, die in etwa 4-wöchentlichen Abständen stattfinden. Im Katechumenenjahr wird noch eine Mischform von wöchentlichem Unterricht und Konfirmandennachmittagen nötig sein, da bestimmte "Techniken" als Voraussetzung für die Gestaltung der Nachmittage eingeübt werden müssen (etwa Gebrauch von Bibel und Gesangbuch, Anlage des Konfirmandenbuches, Einführung in den Gottesdienst und die Einrichtungen der Ortsgemeinde usw.). Außerdem ist häufiges Sehen dem gegenseitigen Kennenlernen dienlich. Auf alle Fälle aber soll zu Anfang der Katechumenenzeit eine Freizeit oder ein Konfirmandennachmittag stehen, durch die den Katechumenen die Freude an dem Beginn erhalten bleibt.
- Als nähere Begründung für die Konfirmandennachmittage (KN) führen wir folgendes an:
- das Odium des KU als zusätzliche Schulzeit wird zerstört. Die Konfirmandenzeit wird deutlich als Jugendarbeit der Kirche.
- Gemeinschaftliches Leben in der Gruppe wird andeutungsweise möglich (am KN gibt es auch eine gemeinsame Mahlzeit).
- Der Einsatz von verschiedenen Arbeitsmitteln und Unterrichtsmethoden ist eher möglich.
- Spiel und musische Betätigung bekommen Raum.
- Die Erarbeitung und die Abrundung thematischer Zusammenhänge ist eher möglich als in der herkömmlichen Form. Der wöchentliche Unterricht zerhackt den geistigen Prozeß.
- Die wöchentliche Belastung der Konfirmanden und die damit verbundenen Unlustgefühle fallen fort, es entsteht eine günstigere Ausgangsposition.
- Inhaltlich werden die Einheiten stets unter doppelter Fragestellung vorbereitet:
- Was ist Lebenswirklichkeit der jungen Menschen in ihrer Situation, was geht sie an, was Ist ihr Interesse, welche Fragen und Erwartungen sind vorhanden, was belastet sie, was ist für sie notwendig zu wissen und zu erfahren, um leben zu können?
- Welche Aussagen des Glaubens betreffen die Konfirmanden in ihrer Situation bzw. fordern sie heraus? Was muß ihnen zugemutet werden? Was ist das Evangelium in ihrer Situation, was hilft ihnen weiter in ihrer zukünftigen Entwicklung? Diese Doppeifrage ist der Ausgangspunkt für jede inhaltliche und methodische Unterrichtsvorbereitung.
- Mit diesem Ansatz verlassen wir bewußt die Konzeption eines dogmatischen Katechismusunterrichtes bzw. die Auffassung, daß KU nachgeholter Taufunterricht ist. Ebenso verzichten wir auf Vollständigkeit der Darbietung kirchlicher Lehre.
- Dieser "Mangel" der Konzeption wird unserer Auffassung nach völlig aufgehoben dadurch, daß die Konfirmanden verstehen, daß christlicher Glaube auch für ihr Leben Bedeutung hat und sie gern mitarbeiten, Im übrigen werden die wesentlichen Aussagen des Glaubens ohne Zweifel zur Sprache kommen, da die Themenkreise weite Wirklichkeitebereiche erfassen.
- Zum Verständnis der Konfirmation: Sie ist lediglich festlicher Abschlußgottesdienst der Konfirmandenzeit. "Confirmatio" geschieht, wenn überhaupt, im Vernehmen des Evangeliums während der Konfirmandenzeit. D. h., daß auch der erste Abendmahlsgang im Zusammenhang mit der Einführung ins Abendmahl während der Konfirmandenzeit geschieht. Der Konfirmationsschein ist die Bescheinigung für die Teilnahme an einem wesentlichen Abschnitt des Jugendkatechumenates der Kirche und behält von daher seine kirchenrechtliche Bedeutung.
- Diese Konzeption soll nach Möglichkeit ergänzt werden durch mehrtägige Konfirmandenfreizeiten
- Die Unterzeichneten werden gemeinsam Unterrichtseinheiten erarbeiten und erproben und in ständigem Kontakt miteinander diese Konzeption weiter verbessern. Sie werden sich zweimal im Jahr in Ahihorn oder im RPI Loccum treffen, um Erfahrungen auszutauschen und weitere Studien zu treiben.
Soldatenrüstzeit Oldenburg II / P. Gerken
(93 Teiln., 6.1.- 9.1.1970)
Militärseelsorge
Werkwoche mit einer Einheit
(Auszug eines Artikels aus "Auftrag" Nachfolgeheft der Königsteiner Offizierbriefe Heft 41 August 1970)
Vom 6. bis 9. Januar 1970 führte eine Batterie aus Oldenburg eine Werkwoche als Veranstaltung der Militärseelsorge im Blockhaus Ahihorn durch. Erfahrungen lagen zu ähnlichen Veranstaltungen nicht vor, das Gesamtthema lautete: "Militärseelsorge" Themenauswahl:
Da der Anstoß zu der Werkwoche von der Batterie ausging, wurden die Themen bei der Besprechung, an der außer BttrChef und BttrFw die Zugführer. und die Vertrauenleute der Uffz und Mannschaften teilnahmen, festgelegt und vorgeschlagen.
Geplant war von Anfang an, beide Konfessionen gemeinsam teilnehmen zu lassen, d. h. die Durchführung durch beide Standortpfarrer. Aus mehreren Gründen ergab sich dann jedoch, daß der katholische Standortpfarrer an einer Beteiligung weitgehend gehindert war (und später nur am letzten Tage teilnahm). Daher übernahm der evangelische Standortpfarrer Gerken die Leitung und die Durchführung der Werkwoche.
Zeit- und Tageseinteilungen der Werkwoche waren wie im Blockhaus üblich getroffen.
Einzelthemen waren:
- Friedensdienst mit und ohne Waffen
- Eid und feierliches Gelöbnis
- Der Lebenskundiiche Unterricht
- Kirche und Entwicklungshilfe
An Abendveranstaltungen wurden durchgeführt:
- Filmabend: "Der unbekannte Soldat" (Kreuze in Kareilen)
- Zusammensein der Züge am Kamin
- Neue Kirchenlieder
Ergebnis der Diskussionen und Referate:
Aus der Fülle des Stoffes zu den vier Hauptthemen der Werkwoche erschienen vor allem die Ergebnisse aus der Diskussion über "Eid und feierliches Gelöbnis" und "Lebenskundlicher Unterricht in der Bundeswehr" interessant. Die Problematik, ob Eid und feierliches Gelöbnis, ob also Unterscheidung zwischen Wehrpflichtigen und Berufs- und Zeitsoldaten bei der Form der Verpflichtung, tritt zurück gegenüber der Frage nach dem Begriff des Vaterlandes, nach der Bindung des einzelnen an "seinen" Staat. Offensichtlich würde hier, das "Deutsche Volk" und "Vaterland" nach so langen Jahren überdacht werden müssen, um der Eidformel einen rechten Sinn zu geben. Zudem wurde der Eid deswegen abgelehnt, weil "der staatsbewußte Bürger durch die bereits bestehenden Gesetze - auch für den Wehrdienst - ausreichend verpflichtet" ist und die oft pomphafte Form der Vereidigung nur selten der Nüchternheit und dem Sinn für Realitäten der Jüngeren entspricht. Dabei war ohne Bedeutung, ob der Eid religiöse oder nur ethische Bindung bedeutet. Dennoch wurde die zur Zeit bestehende gesetzliche Regelung nicht in Frage gestellt.
Erfahrungen:
Nach Abschluß der Werkwoche können aufgrund der dort gemachten Erfahrungen, der Auswertung der Fragebögen und besonders der Gespräche während und nach der Werkwoche einige Schlußfolgerungen gezogen werden:
Kirchliche "Verkündigung" beider Konfessionen ist auch heute mit Erfolg möglich, wenn sich die Kirchen "etwas einfallen" lassen, d. h. Menschen in ihrem Rahmen ansprechen und nicht warten, bis die Menschen "zur Kirche kommen".
Militärseelsorge d. h. Seelsorge für Soldaten, auf freiwilliger Basis als Hilfe bei der Bewältigung von Problemen des täglichen Lebens und als Lebenshilfe wird akzeptiert, wenn sie nüchtern, sachlich und ohne "Frömmelei" angeboten wird.
Veranstaltungen, wie diese Rüstzeit dienen nicht der Bundeswehr, sondern dem Soldaten als Menschen. Sie können aber durch Bewußtmachen von Problemen und durch Hilfe bei der Bewältigung dieser Fragen in einigen Bereichen die Arbeit der Vorgesetzten und das Zusammenarbeiten erleichtern.
Rüstzeiten leiden nicht unter zuwenig Interesse, sondern an zuwenig Initiative von selten einiger Vorgesetzter bzw. der Kirchen.
Hptm. Rüdiger Wischemann
Sehr geehrter Herr Pfarrer G...!
Nun hat mich seit fast einer Woche die "geliebte Tretmühle" in Brake und ich trete nun Tag für Tag mehr oder weniger (meist weniger) begeistert im Kreise. Nur, das möchte ich Ihnen heute eben sagen, es ist ein Unterschied da, gegenüber vor der Rüstzeit: Die vier Tage haben mir von daher eine gewisse Kraft gegeben, als ich mich wieder einmal ein wenig "geistig" betätigen konnte, und haben mir auch eine neue Hoffnung gegeben, als ich sah, es geht auch anders in der Bundeswehr. Es muß eben nicht immer und nur eine "Tretmühle" sein, es gibt eben doch noch viele gleichgesinnte Kameraden; - bei unserer Rüstzeit waren es immerhin fast 50 Mann. Sowohl die äußeren Umstände in Ahlhorn als auch die nette und freizügige Arbeitsatmosphäre haben mir wirklich sehr gut gefallen (also nicht nur der Bohnenkaffee, wie ich scherzhaft beim Frühstück äußerte) und, wie ich glaube, auch viel gegeben. Nun geht es für mich nur darum, die in Ahlhorn gewonnen neuen bzw. "aufgefrischten" Erkenntnisse und Einsichten auch ein wenig in meinen kleinen Lebenskreis zu praktizieren. Habe jedenfalls den guten Willen und werde mich darum bemühen. Ihnen, lieber Herr Pfarrer, daher ganz besonders meinen Dank für die herrlichen Tage, unsere gemeinsamen Gespräche und Diskussionen (und last no least auch für den Bohnenkaffee und das Bötchenfahren). Herzlichen Dank auch allen Ihren Mitarbeitern, Referenten und Organisationen und schließlich auch Dank an alle Teilnehmer, die sich, wie ich meine, alle ehrlich darum bemüht haben, aus diesen vier Tagen etwas zu machen.
Für heute verabschiede ich mich mit freundschaftlichem Gruß und verbleibe Ihr W... P...
Soldaten, Oldenburg 1 / P. Töllner
(35 Teiln., 16.3.-19.3.1970)
Rüstzeit 70
- Zusammen setzt man sich zum Arbeitskreis, -
fängt an zu diskutieren -;
und redet sich die Köpfe heiß,
will gar nichts akzeptieren!
- "Die Herren" heißt das heikle Thema -
es ist nicht leicht das zu versteh'n,
der Pastor macht den "Enter-Tainer",
daß alles klappt ist sein Problem.
- Die Gruppe fängt an mit der Geschichte,
wie ein Begriff denn wohl entstand?
Man zitiert die heiligen Berichte
und gräbt dann aus den alten Kant.
- Zum Denken wird jeder hier verführt -
und wenn man's auch noch nie gemacht,
hier wird es wenigstens probiert,
wenn auch der Kluge darüber lacht.
- Der Redeschwall ist ein Genuß,
Fremdwörter fliegen nur noch umher.
Dann kommt man zu dem Schluß:
Man zieht das Deutsch aus dem Verkehr.
- Am Ende ist man doch erleichtert,
kein Mensch ist dann mehr hitzig -
man hat sich geistig angereichert,
das nennt man "Rüstzeit siebzig"!
R. Pietrzak
ÖTV, Bezirk Weser-Ems / Frau Just
(24 Teiln., 13.4.-17.4.1970)
In der Abgeschiedenheit des Blockhauses hielt die Referentin Frau Hilde Just der Bezirksverwaltung ÖTV Weser-Ems ein Aufbauseminar im Blockhaus. Die Teilnehmer der Tagung wurden von dem Kreisvorstand delegiert. Nach einer Begrüßung und Einführung hielt die Kollegin H. Wiiims, Oldenburg, einen Vortrag über: Technik der geistigen Arbeit - Voraussetzung für Wissenserweiterung und Weiterbildung. Der Kollege W. Hubrich von der ÖTV-Bezirksverwaltung zeigt die Möglichkeiten und Grenzen gewerkschaftlicher Tarifpoiitik auf und der Kollege R. Paulina gab eine Einführung in die arbeitsrechtliche Praxis. Die wichtigsten Bestimmungen des neuen Arbeitsförderungsgesetzes, des Berufsbiidungsgesetzes und des Ausbildungsförderungsgesetzes, darüber informierte die Kollegin Hilde Just die Delegierten. Der Fernsehjournalist, Kollege Karl Feldhahn, berichtete über seine Arbeit und über die Meinungsbildung durch Presse, Rundfunk und Fernsehen. Während eines Diskussionsabends wurde zu dem Thema Stellung genommen: Das Bild der Gewerkschaften in der Öffentlichkeit. Weitere Themen waren: Die Lohnpolitik in der wachsenden Wirtschaft, Kollege K. Meyer, Oldenburg, Sparförderung und Vermögensbildung in unserer Volkswirtschaft, Herr Lankenau, Sparkasse Bremerhaven. Schließlich berichtete der Kollege S. Merten aus Bonn über die Gewerkschaftspoiitik. Das Seminar wurde von der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn als förderungswürdige, staatsbürgerliche Bildungsveranstaltung anerkannt.
R. D.
Soldatenfamilien, Jever / P. Schwinge
(37 Teiln., 24.4.-26.4.1970)
Der Militärpfarrer und Evangelische Standortpfarrer G. Schwinge, Jever, hatte im Standort Jever wieder zu einer Famiiien-Wochenendrüstzeit für Familien von Soldaten aller Dienstgrade ins Blockhaus eingeladen.
Fragen des Glaubens in unserer Zeit war das Leitthema des Wochenendes. In seiner Einführung sagte Pastor Schwinge: Glauben ist eine Haltung des ganzen Menschen, die sich im Vertrauen auf eine Geborgenheit in Gott und Im Tätigsein für andere äußert. Es ist dies eine Lebensauffassung, die etwas anderes und sicherlich mehr bedeutet als der Institution der Kirche anzugehören. Nach der Vorführung eines Films "Abschied vom Kinderglauben" wurde von den Eltern die Forderung an die Kirche vorgebracht, daß in der christlichen Erziehung zwischen Taufe und Konfirmation neue Wege gegangen werden müßten. Pastor Jürgens aus Varel sprach dann über: Christsein in unserer Zeit: Worin besteht die Freiheit eines Christenmenschen? Ausgehend von den Schwierigkeiten, die dem Christentum, besonders auf dem Gebiet des Glaubens erwachsen, wurde festgestellt, daß ein rechter Glaube die Welt nicht in ein Diesseits und Jenseits teile, sondern sich mit einer lebendigen Begegnung mit Jesus vollziehe. Dieser Glaube führe dann zu einem wahren Verstehen des Mitmenschen und verpflichte uns, in der Welt gestaltend mitzuwirken.
Im Referat über "Christliche Erziehung im Elternhaus": Wie reden wir mit unseren Kindern vom lieben Gott? machte Pastor Hermann Müller aus Oldenburg folgende Ausführungen: Christliche Erziehung soll frei sein von allem Zwang und sich täglich je nach den gegebenen Verhältnissen vollziehen. Die Eltern sollten ihre Kinder zu freien und verantwortungsbewußten Menschen erziehen. Der beste Weg zu diesem Ziel ist das elterliche Vorbild als gute Christen. Am Sonntagmorgen hielt dann Herr Pfarrer Schwinge einen Familien-Gottesdienst in neuer Gestalt. Während der Predigt besprach Frau Schwinge den Predigttext mit den Kindern und nach Beendigung der Predigt waren dann die Kinder wieder im Gottesdienst der Erwachsenen zugegen. Für die Eltern und Kinder waren es wieder einmal zwei erlebnisreiche Tage in der Abgeschiedenheit des Blockhauses.
R. D.
Jugendwaldeinsatz, FA Ahlhorn / Herr Krümpel
(22 Teiln., 20.4-30.4.1970)
Die 10 f 2 des Felix Klein Gymnasiums Göttingen hat mit ihrem Waldeinsatz den Beginn einer Serie solcher Aktion in der Staatl. Forstwirtschaft von Ahlhorn vollzogen. Unter der Leitung von Herrn Oberförster Krümpel haben die Großstadtjungen die Werkzeuge der Waldarbeiter mit den Büchern vertauscht und sich waldhandwerklich mit Interesse und Freude eingesetzt. Es ist dies ein fast ungewöhnlich gewordenes Bild der Jugend, das die Jugendlichen boten. Ihnen wurden ihrem Leistungsvermögen angemessene Arbeiten übertragen, so daß eine Überforderung vermieden wurde. Die frische Luft und die Weite der Wald- und Seeniandschaft gaben ihnen ein Gefühl der Kraft und Ausgewogenheit, die Abgeschiedenheit ein Gefühl dafür, was ihnen die Enge und die Hast des Lebens in der Stadt an Beziehung zur unverbrauchten Natur täglich raubt. Ihr Einsatz bestand im Aufräumen und Verbrennen, im Lichten von Lärchenbeständen, Ausbessern von Wegen usw. Somit haben sie eine bestimmte Fläche neu kultiviert, etwas Reales, etwas Bleibendes, eine Aufbesserung des Waldes geleistet, das der Nachwelt zugute kommen wird. Zur Erinnerung haben sie ein selbstgebasteltes Schild angebracht, das nicht nur eine Erinnerung darstellen soll, sondern auch eine Empfehlung zur Nachahmung.
Untergebracht waren die Schüler im Ev. Blockhaus, in dem sie nicht nur gut verpflegt wurden, sondern auch eine freie und ungebundene Atmosphäre erleben konnten.
Alles in allem war es ein gut gelungener Einsatz, der alle beteiligten Institutionen zufriedenstellte, so daß weitere derartige Einsätze zu erwarten sind.
OStR Schumann
Fallschjg. Batl. 313, Wildeshausen / Hptm. Kohlhoff
(46 Teiln., 6.5.- 7.5.1970)
Informationstagung Bremer Lehrer beim FschjgBtl 313
Im Rahmen der politischen Weiterbildung besuchte der Arbeitskreis "Schule und Politik" des Landes Bremen am 6. und 7. Mai dieses Jahres das Fallschirmjägerbataillon 313. Der Leiter des Arbeitskreises, Herr Josef Guter, nutzte die langjährige Verbindung, die zwischen ihm und dem Bataillon besteht, um 50 Lehrern, darunter auch einigen Studenten und Schülern, Gelegenheit zu geben, die Bundeswehr durch persönlichen Kontakt kennenzulernen. Mit der Organisation und Durchführung dieser Tagung wurde Hptm. Kohlhoff, als Mitglied des Arbeitskreises, und seine 3. Kompanie beauftragt. Die fürsorgliche Betreuung lag in den Händen des OFw Dieß, der diesen Auftrag mit Geschick bewältigte.
Nach der Begrüßung durch den Btl.-Kdr, Herrn Oberstleutnant Habichtsberg, fuhr die Besuchergruppe zum Flugplatz Ahlhorn, um hier eine Einweisung in die Zusammenarbeit zwischen Heer und Luftwaffe auf unterster Ebene zu erhalten.
Neben den Vorbereitungen für einen Fallschirmsprungeinsatz durch 2 Jagdkommandos, der 3. Kompanie, erfolgte eine Unterweisung aus dem Transportflugzeug Noratlas, als Einsatzmittel der Fallschirmjäger. Die Durchführung des Failschirmabsprunges erfolgte vor den Augen der Gäste in Varrelbusch in der Abenddämmerung.
Die Unterbringung der Besuchergruppe im Blockhaus Ahihorn gestattete es dem Bataillon, das umliegende Wald- und Teichgelände auszunutzen und in der Dunkelheit den Überfall der abgesprungenen Jagdkommandos aus einem Hinterhalt zu zeigen.
Noch beeindruckt von der nächtlichen Ausbildung der Fallschirmjäger, setzte man sich im Blockhaus zusammen, um nach einem Kurzvortrag und einer Fiimvorführung eine Diskussion und Aussprache zu führen.
In diesem Teil des Besucherprogramms konnten falsche Vorstellungen beseitigt und ein realistisches Bild von dem Auftrag der Bundeswehr vermittelt werden. Die verantwortungsvolle Aufgabe der militärischen Führer wurde am nächsten Tag noch deutlicher, als die Lehrer in Wildeshausen den Unteroffizierlehrgang des Bataillons bei der Ausbildung erlebten. Beeindruckt und mit Worten der Anerkennung verabschiedeten sich die Gäste am Nachmittag des 7. Mai.
Förder-Sem., Brig.31, Oldbg. / Major Feiy
(45 Teiln., 9.11-13.11.1970)
"Liberalisierung - Hoffnung oder Gefahr für unsere Lebensordnung"
Das Problem "Liberalisierung" wurde von uns auf den Gebieten der Wirtschaft, der Politik, Familie und Bundeswehr betrachtet. Inwieweit kann die Liberalisierung eine Hoffnung bedeuten?
Liberalisierung kann eine Hoffnung bedeuten, wenn sich der Mensch aus seinen veralteten Denkschemata löst und sich seine Welt aus neuen Erkenntnissen aufbaut. Eine Möglichkeit ist z. B. die Mitbestimmung in Wirtschaft, Politik oder Bundeswehr. Wenn der Mensch weiß, daß er in seinem Bereich mitwirken, mitplanen, mitbestimmen kann, wird er seinem Aufgabenbereich aufgeschlossener, verantwortungsbewußter und positiver gegenüberstehen. Dieser Mensch, der sieht, daß er sich in seiner Arbeit verwirklichen kann, daß es auch auf ihn und seine Ideen ankommt, wird automatisch selbstbewußter Und fühlt sich zufrieden und glücklich.
Also nicht Lust anstelle von Leistung, sondern Lust und Glück als Ergebnis einer freiwillig gegebenen Leistung.
In der Bundeswehr ist die Frage anders, da hier das hierarchische System vorherrscht; aber auch hier ist es möglich, daß der Soldat durch die Möglichkeit seiner Mitwirkung von seiner eigenen Position überzeugter ist, und daß er Befehle nicht als repressiv ansieht, sondern als logische Folge von Überlegungen, an denen er selbst teilgenommen hat.
Im Moment ist die Möglichkeit einer derartigen Liberalisierung noch nicht gegeben, da die nötigen erzieherischen Grundlagen fehlen. Nicht umsonst sind wir überall auf Fragen der Erziehung gestoßen, die das fundamentale Problem darstellen.
Wenn die Liberalisierung keine Gefahr sein soll, hat die Erziehung die Aufunbe, alle Menschen auf freiheitliche Mitwirkung vorzubereiten. Die Gefahr besteht darin, daß einige Menschen die erreichte Liberalisierung dazu benutzen, sich das Leben leicht zu machen und keine Verantwortung zu übernehmen, was leicht geschehen kann, wenn die Erziehung in Routine erstarrt. Nur so kann verwirklicht werden, was Bundeskanzler Brandt in seiner Regierungserklärung forderte und woran jedem gelegen sein sollte: "Wir wollen mehr Demokratie wagen!"
(von jungen Soldaten erarbeitet)
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