Zur Startseite (sollten Sie diese Seite ohne Menürahmen sehen, bitte hier klicken!)1970: Blockhausbrief Nr. 15

Inhalt:

Titel
Zum Geleit
Einige Gedanken zu dem Glauben an den Dreieinigen Gott
Neuer Anfang in Ahlhorn
Und was war vorher?
Predigt im Blockhaus am 5. April 1970
Aus der Chorchronik des Oldenburger Jugendchores vom Juli 1948
Gottvertrauen
Architektonische Bauleistungen in der Jungsteinzeit
Rüstzeit im Blockhaus
Kurzbeiträge der Gäste aus der Zeit vom 16.11.1969 bis 11.11.1970
 

Einige Gedanken zu dem Glauben an den Dreieinigen Gott

Oberkirchenrat Dr. Hans Schmidt

Es wird mancher fragen: Was soll der Glaube an den "Dreieinigen Gott", wo es doch schon schwer ist, den Glauben an Gott Menschen unserer Tage nahezubringen? Ist das nicht eine alte Formel, ein altes Dogma gleichsam, das in früheren Jahrhunderten das Ergebnis langer Streitigkeiten und theologischer Gedankenarbeit war? Was soll vollends der Glaube an den Dreieinigen Gott in einem Blockhausbrief, der sich doch weithin an junge Menschen wendet oder wenigstens von einer Arbeit berichtet, die an jungen Menschen geschieht, die mit alten Formeln und gar Dogmen gar nichts mehr anfangen können.

Ich bin auch der Meinung, daß unser christlicher Glaube für jede Zeit neu ausgesagt werden muß, daß also wahrscheinlich auch eine neue Begrifflichkeit und neue Vokabeln gebraucht werden müssen, um sich einer veränderten Zeit verständlich zu machen. Aber es ist mir in meinem mehr als 40jährigen theologischen Dasein so gegangen, daß gerade alte Formulierungen, dogmatische Aussagen, die man für sehr zeitbedingt halten konnte, plötzlich eine Bedeutung gewannen, die man vorher nicht für möglich hielt. So scheint es mir auch mit der Aussage von dem Dreieinigen Gott zu sein. Ich möchte kurz versuchen, den Glauben an den Dreieinigen Gott ein wenig zu beziehen auf das, was für die Besucher des Blockhauses Augen bekommen müssen, wenn sie mit Gewinn an dieser Stätte weilen wollen.

In unserem Blockhaus Ahlhorn sind von Anbeginn Menschen verschiedenster Welt- und Lebensanschauung ein- und ausgegangen. Und das sollte auch so sein. Nur war es natürlich unser herzlicher Wunsch, daß sie dort einer Tradition begegnen möchten, die über alle Lokal- und Nationalgeschichte, aber auch über die verschiedensten menschlichen Standpunkte hinaus uns in ihren Bann ziehen will. Ich meine jetzt die Tradition der Gottesgeschichte, wie sie in der Bibel zu ihrem stärksten Ausdruck kommt.

Ich sagte schon, daß der Kampf um den Gottesglauben sich fast aller Kreise bemächtigt hat und natürlich der Jugend besonders zu schaffen macht. "Gott" ist eine Vokabel geworden, der für viele keine Wirklichkeit entspricht. Das haben die Väter in frühesten Jahrhunderten auch schon erlebt, und von daher hat sich der seltsam anmutende Begriff von dem Dreieinigen Gott gebildet. Und das sollte folgendes besagen:

Wenn der Besucher von Ahlhorn die herrliche Natur um sich sieht und sie gar erwandert und dabei Augen hat auch für das Kleinste, was da wächst und blüht oder was da aus dem Tierreich sichtbar wird, dann kann er das von seiner naturwissenschaftlichen Kenntnis her einordnen und sich darüber freuen. Er kann in dieser Freude sich aber auch des Psalmwortes erinnern: "Herr, wie sind deine Werke so groß und viel, du hast sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter". Das wäre ein Gebetswort an Gott den Schöpfer. Wenn dieser Besucher nun in seine Gruppe zurückkommt und die Arbeit mittut, die sich diese Gruppe vorgenommen hat, dann merkt er immer wieder, wie schwer es ist, mit anderen Menschen zusammenzusein, ohne sich an irgendjemand zu ärgern oder sich über jemand erhaben zu fühlen und vielleicht sogar den anderen ob seiner Dummheit zu verachten. Wer gemerkt hat, daß zur Bildung wirklicher Gemeinschaft gehört, daß wir genau das Gegenteil von dem denken und tun, was uns normalerweise in den Sinn kommt, der erfährt etwas von dem Wirken Gottes in Jesus Christus, "in dem Sohne", wie es innerhalb der Dreifaltigkeit heißt.

Und wer dann einmal in den Tagen, die er im Blockhaus zubringt, im Kreise von Gleichgesinnten oder auch alleine die Bibel aufschlägt und spürt, daß die Geschichten von dem alten Samuel oder auch von David oder auch die Gleichnisse, die Jesus Christus den Menschen zu bedenken aufgibt, ihm plötzlich so auf den Leib rücken, daß er merkt, das ist im Grunde meine Geschichte, das sind ja meine Probleme, der hat etwas von dem erfahren, was innerhalb der Trinität der Heilige Geist genannt wird. Das heißt also, Gott stellt sich uns dar als der Schöpfer der Welt und unseres eigenen Lebens, als der Herr der Geschichte. Aber das alles erfahren wir erst, wenn wir ihm in Jesus Christus, seinem Sohn, begegnen und wenn wir uns in ihm die Vergebung zusprechen lassen. Und dabei merken wir, daß die Rede vom Heiligen Geist keine leere Formel ist, sondern daß die Aussagen der Bibel von der Schöpfungsgeschichte bis zur Offenbarung Johannes trotz aller Zeitbedingtheit und aller Sprachschwierigkeit uns heute angeht, auch und gerade, wenn wir im Blockhaus versammelt sind, um da ein wenig über den Sinn des eigenen Lebens und der Gemeinschaft der Menschen nachzudenken.


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