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Aus der Chorchronik
des Oldenburger Jugendchores
vom Juli 1948
"Ahlhorn" - dieser Name hat für den Oldenburger Jugendchor einen Zauberklang. Mit ihm verbinden sich schönste Erinnerungen und schöne Hoffnungen. Je näher der Juli 1948 herannahte, desto mehr leuchtete, wenn von der Chorwoche gesprochen wurde, die Vorfreude auf den Gesichtern. Zwölf Tage, vom 1.-12. Juli, sollte diesmal die langersehnte Chor-,"Woche" dauern, 12 ganze Tage! -
Aber dann kam der 20. Juni, der Tag der Währungsreform. Er schien alle Hoffnungen zu zerschlagen. Jeder Mensch besaß einstweilen 40 Deutsche Mark. Wie es nach dem 1. Juli aussehen würde, wußte keiner. Die Chorkasse besaß keinen Pfennig, das Konto war gesperrt. Im vorigen Jahr mußte jeder Teilnehmer der Chorwoche pro Tag 2,- RM an die Heimleitung für Unterkunft und Verpflegung bezahlen. Wer sollte das heute können?! Überall sah man sorgenzerfurchte Stirnen. Mußte nun die Chorwoche ausfallen? Zuerst schien es so. Nach vielen Erkundigungen und Unterredungen mit amtlichen Steilen und Privatpersonen wurde schließlich kurzerhand beschlossen die Chorwoche von 12 auf 5 Tage zu kürzen. Das würde weniger kosten, aber der Gesamtbetrag von 12,50 DM war mehreren Choristen trotzdem noch unerschwinglich. Doch eine Anzahl von Chormitglledern, die nach dem 1. Juli finanziell besser gestellt waren, "spendeten" in selbstloser Weise für nicht zahlungskräftige Kameraden den fehlenden Betrag; überdies setzte der Heimleiter, Herr von der Dovenmühle, freundlicherweise für uns den Tagespreis herab, so daß wir vom 7.-12. Juli die herrlich erfüllten, wenn auch etwas verregneten Chortage im Blockhaus Ahihorn erlebten.
Ja, diese Tage waren diesmal mit Regen reichlich bedacht, und so hatten wir bei unserem Tagesplan Muße genug zu Einzel- und Gruppengesprächen neben dem Singen, Spielen und Tanzen. Vom Oldenburger Staatstheater kam der junge Kapellmeister Hans Hofmann um uns in einem interessanten Vortrag mit Klangbeispielen in die Weit des Jazz einzuführen. Am nächsten Abend spielte uns Hermann Dick ein Programm mit Klavierwerken von Bach, Händel, Beethoven und Schubert und erläuterte die einzelnen Kompositionen in feiner Weise.
Im Vordergrund unserer gemeinsamen Erlebnisse standen aber auch viele heitere Dinge. Besonderen Spaß machten wieder die Scharaden, in denen einige im Jugendchor akute Fragen als Themen in höchst eigenwilliger und belustigender Weise dargestellt wurden. Mit wahrer Begeisterung wurde getanzt, wir hatten unser Vergnügen an einfachen Volkstänzen und Kontratänzen, lachten aus beschwingter Seele und machten uns stumme Komplimente ohne Höflichkeiten. Die Wasserlustigen kamen in ausgiebigen Kahnfahrten auf ihre Kosten. Sogar Faustball wurde gespielt wenn das Wetter es zuließ. Aber der Sonnenschein war in dieser Zeit sehr zurückhaltend und oft trieb der Regen uns aus den Zelten in die Säle. Einmal über- und unterschwemmte ein Wolkenbruch unsere Zelte derart, daß mitten aus einer Chorstunde Notkommandos und Badelustige für rasche Entwässerung sorgen mußten.
Trotzdem war es diesmal wieder herrlich in Ahlhorn, und mit roten Backen und frischen Kräften bestiegen wir die Lastkraftwagen, die uns - leider - schon nach kurzen fünf Tagen diesen liebgewonnenen Räumen, Wäldern und Seen gewaltsam entrissen. Unsere Chorwoche hatte sich dennoch gelohnt, unsere Gemeinschaft hatte sich weiter gefestigt, wir hatten neue Chorkameraden kennengelernt, sie für unsere Arbeit gewonnen und mit ihnen erste gemeinsame Schritte unternommen. Mit diesen Tagen ging für uns und unseren Chorleiter Kurt Wiesemann das dritte Chorjahr zu Ende.
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