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Ruhe und ArbeitChristine Reents In einer Kurzgeschichte schildert Heinrich Böll ein Gespräch, das nachdenklich stimmen kann. Diese Geschichte möchte ich erzählen. Sie spielt in irgendeinem südlichen Hafen: blauer Himmel, grüne See, schwarze Boote, Fischermützen, Mittagssonne. Der Tourist möchte ein Gespräch mit einem Fischer anfangen: "Sicherlich werden Sie heute einen guten Fang machen." Die Antwort - nur ein Kopfnicken. "Aber das Wetter ist doch günstig." - Kopfnicken - "Und Sie, Sie wollen nicht zum Fang rausfahren?" - Kopfschütteln - "Dann sind Sie sicher krank". Nun endlich steht der Fischer auf, reckt sich und zeigt seine ganze Kraft. Der Tourist wird ratlos. "Und warum fahren Sie dann nicht heraus?" Die Antwort: "Weil ich heute schon herausgefahren bin. Ich hatte einen sehr guten Fang, bis übermorgen habe ich genug." Das kann der Tourist nicht verstehen: gutes Wetter, ein guter Fang, volle Kraft und Gesundheit. Und er fängt an, dem Fischer auszumalen, was wäre, wenn... Ja, wenn er zwei-, drei- oder viermal tags herausführe und das tagtäglich. Im nächsten Jahr könnte er sich dann ein Motorboot kaufen, später zwei, drei Kutter, dann ein kleines Kühlhaus, vielleicht eine Räucherei, eine Fischfabrik und dann, dann... Der Tourist begeistert sich richtig an all den Möglichkeiten, an den vielen Plänen. Und der Fischer tritt ihm näher, klopft ihm auf die Schulter und fragt leise: "Ja, was dann?" - - "Dann könnten Sie beruhigt hier im Hafen sitzen, in der Sonne baden, Urlaub machen und auf das herrliche Meer blicken." Da jagt der Fischer ruhig und langsam: "Ja, das tue ich doch jetzt schon." Vielleicht erhebt sich als Antwort auf die Kurzgeschichte eine Frage, etwa: Was soll nun dieses Lob der Faulheit? Ist es nicht unrealistisch, utopisch oder vielleicht auch allzu verführerisch? Mir scheint, ein wenig bekanntes Sprichwort der Bibel paßt dazu. Es heißt: "Besser eine Hand voll Ruhe "Eine Hand voll Ruhe" - wer sehnt sich nicht in all' den Arbeitswochen mitten im Arbeitstrubel nach Ruhe? Und wer freut sich dann nicht über solch eine Kurzgeschichte, die sich über allzugroße Geschäftigkeit lustig macht, in der die vermeintlich doch so notwendige Arbeitsmoral versteckt angegriffen wird. Dieser Zielgedanke der Kurzgeschichte entspricht biblischer Grundüberzeugung: Der Sinn unseres Lebens besteht nicht nur im Arbeiten: wir sind nicht nur zur Arbeit geboren. Vielmehr wehrt sich der Prediger in alter Zeit legen alle, die aus der Arbeit ihre Religion machen. Er richtet sich gegen tue, die ihr Herz an Erfolg und Leistung gebunden haben. Das Mehr- und lmmermehr-Haben-Wollen sieht er als Versuchung. Deshalb sagt er: "Besser eine Hand voll Ruhe Warum also arbeiten wir? Doch auch für eine Hand voll Ruhe. |
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